Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und oft nicht vollständig geklärt. Neben genetischen Faktoren, Stress, Ernährung und hormonellen Veränderungen rücken zunehmend auch Umweltfaktoren in den Fokus der Forschung. Pestizide, die in der Landwirtschaft und anderen Bereichen weit verbreitet sind, könnten ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Migräne spielen.
Die Rolle der Mastzellen bei Migräne
Studien haben gezeigt, dass Mastzellen, die sich unter anderem in der äußeren Hirnhaut (Dura mater) befinden, an der Pathogenese von Migräne beteiligt sein könnten. Mastzellen sind ein wichtiger Zelltyp des Immunsystems. Sie können durch verschiedene Ursachen aktiviert werden und schütten dann zahlreiche Botenstoffe aus, die sowohl entzündungsfördernd als auch entzündungshemmend wirken können.
Bei Migräne kommt es durch die Degranulation der Mastzellen zu erhöhten Konzentrationen an pro-entzündlichen Botenstoffen, was zur Schmerzaktivierung über den Trigeminusnerv führen kann. Eine große Rolle spielen dabei die entzündlichen Eicosanoide aus Arachidonsäure.
Pestizide als Auslöser von Mastzellaktivierung
Pestizide können eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verursachen, darunter auch solche, die mit einer gesteigerten Mastzellaktivität in Verbindung stehen. Mastzellen können durch verschiedene Oberflächenrezeptoren aktiviert werden, nicht nur durch IgE-Allergene, sondern auch durch Stresshormone, Entzündungsmediatoren und Xenobiotika, zu denen auch Pestizide gehören.
Eine interessante Studie zeigte eine Vermehrung von Mastzellen bei Ratten, die Parfum ausgesetzt waren. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Chemikalien, ähnlich wie Pestizide, eine Mastzellaktivierung auslösen können.
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Studienergebnisse zum Zusammenhang zwischen Pestiziden und Kopfschmerzen
Wissenschaftler aus Kroatien haben die wissenschaftliche Literatur akribisch durchsucht und festgestellt, dass Kopfschmerzen häufig mit Pestiziden und Fungiziden in Zusammenhang stehen. Auf der Liste der Pestizide, die Kopfschmerzen auslösen, stehen ganz oben die Pestizide der Organophosphatklasse, Carbamate und bestimmte Fungizide (u.a. Maneb), sowie Kupferverbindungen. Diese Pestizide werden nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern auch in vielen anderen Bereichen wie Krankenhäusern, Schulen, Flugzeugen, Großküchen und Supermärkten.
Symptome einer Pestizidvergiftung
Kopfschmerzen sind nicht die einzigen Symptome, die in Begleitung mit einer Pestizidvergiftung auftreten können. Bei schwerer Akutexposition, bzw. chronischer Aufnahme im Niedrigdosisbereich, können folgende Symptome auftreten:
- Schlappheit
- Kopfschmerzen
- Erbrechen
- Durchfall
- Hautausschläge
- Störungen im Nervensystem
- Ohnmacht
- In schweren Fällen: Versagen von Herz, Lunge oder Nieren
Ärzte sollten bei Kopfschmerzgeplagten, die in einer Region wohnen, in der häufig oder verstärkt Schädlingsbekämpfungsmittel und Fungizide zum Einsatz kommen, bei anhaltenden Kopfschmerzen und den oben genannten typischen Symptomen auch eine Pestizidvergiftung in Betracht ziehen.
Glyphosat und seine Auswirkungen auf das Nervensystem
Die Debatte über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird kontrovers geführt. Obwohl Befürworter und Gegner über mögliche Gesundheitsgefahren diskutieren, die der Einsatz von Glyphosat mit sich bringen könnte, ist der Einfluss von Glyphosat auf das Nervensystem bisher kaum untersucht worden.
Neurowissenschaftler der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Essen (UK Essen) haben jedoch herausgefunden, dass Glyphosat-basierte Pflanzenschutzmittel schädigenden Einfluss auf das sogenannte periphere Nervensystem haben können. Dabei spielen nicht deklarierte und benannte Inhaltsstoffe in diesen Pflanzenschutzmitteln eine wichtige Rolle.
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In Zellkulturmodellen zeigten Schwannzellen, die mit dem glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel behandelt wurden, einen spezifischen Abbau der Isolierschicht der Nervenfasern, des sogenannten Myelins. Das Glyphosat-haltige Herbizid führte nicht nur zum Abbau der schützenden Nervenhülle, sondern verhinderte auch, dass diese neu gebildet wird. Das reine Glyphosat hingegen zeigte einen weniger schädigenden Einfluss.
Maßnahmen zur Reduzierung der Pestizidbelastung
Um die Pestizidbelastung zu reduzieren und potenziellen Kopfschmerzen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Bevorzugung von Bio-Produkten: In der Bio-Landwirtschaft sind chemische Pestizide und Herbizide verboten.
- Saisonale und regionale Produkte: Der Kauf von saisonalen und regionalen Produkten reduziert Transportwege und unterstützt lokale Landwirte.
- Eigene Anbau: Der Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten ermöglicht eine Kontrolle über die verwendeten Substanzen.
- Gründliches Waschen: Gründliches Waschen von Obst und Gemüse kann Pestizidrückstände reduzieren.
- "Dirty Dozen" beachten: Die "Dirty Dozen" Liste der Environmental Working Group zeigt, welche Obst- und Gemüsesorten besonders stark mit Pestiziden belastet sind und daher bevorzugt in Bio-Qualität gekauft werden sollten.
- Aufklärung und Information: Informieren Sie sich über die Risiken von Pestiziden und unterstützen Sie eine nachhaltige Landwirtschaft.
- Vermeidung von Exposition: Vermeiden Sie den Aufenthalt in Gebieten, in denen Pestizide versprüht werden.
- Entgiftung unterstützen: Unterstützen Sie die Entgiftungsfähigkeiten Ihres Körpers durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und den Verzicht auf schädliche Substanzen wie Alkohol und Nikotin.
Umwelterkrankungen und ihre vielfältigen Ursachen
Als Umwelterkrankungen werden all jene Krankheitsbilder bezeichnet, die nachweislich durch bestimmte Umweltfaktoren begünstigt, ausgelöst und aufrechterhalten werden. Zahlreiche Erkrankungen werden überdurchschnittlich oft in Zusammenhang mit Umweltfaktoren gebracht. Ein Teil davon kann auch ohne diese Einflüsse auftreten (z. B. Migräne), manche Krankheitsbilder entstehen ausschließlich durch äußere Faktoren (z. B. Pollenallergie). Zu den häufigen Umwelterkrankungen gehören:
- Multiple Chemikalien-Sensitivität
- Chronisches Müdigkeits-Syndrom
- ADHS
- Asthma
- Autoimmunerkrankungen
- Bluthochdruck
- Darmentzündungen
- Depressionen
- Fibromyalgie
- Heuschnupfen
- Kontaktallergien
- Migräne
- Multiple Sklerose
- Neurodermitis
- Polyneuropathien
- Schuppenflechte
- Strahlenkrankheit
Umwelterkrankungen werden durch verschiedene Umweltfaktoren hervorgerufen, die in biologische, chemische und physikalische Einflüsse unterteilt werden können. Zu den chemischen Einflüssen gehören vor allem Umweltgifte wie Arsen, Blei, Chrom, Pestizide, Quecksilber und Radionukleide.
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