Pestwurz bei Migräne: Wirkung, Anwendung und Studien

Migräne betrifft Millionen Menschen und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene suchen nach wirksamen Methoden zur Vorbeugung von Migräneattacken. Ein traditionelles pflanzliches Mittel, das in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, ist die Pestwurz (Petasites hybridus). Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung der Pestwurz bei Migräne, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen.

Was ist Pestwurz?

Die Pestwurz (Petasites hybridus) ist eine in Europa, Asien und Nordamerika heimische Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie zeichnet sich durch ihre großen, rhabarberähnlichen Blätter und rosa- bis lilafarbenen Blüten aus. Bereits in der Antike wurden die schmerzstillenden, entzündungshemmenden sowie krampflösenden Eigenschaften der Pestwurz geschätzt. Historischen Berichten zufolge wurde Petasites hybridus als krampflösend wirkende Substanz auch bei Magen-Darm-Krämpfen und bei Asthma angewendet.

Inhaltsstoffe und Wirkmechanismus

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pestwurz sind Petasine und Isopetasine, Sesquiterpen-artige Kohlenwasserstoffe, Humulene, ätherisches Öl und Beta-Sitosterol. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd, indem sie bestimmte Enzyme und Signalwege im Körper beeinflussen. Die enthaltenen Terpene hemmen die Enzyme Lipoxygenase und Cyclooxygenase. So werden Enzyme gehemmt, die an der Bildung von Entzündungsstoffen beteiligt sind. Gleichzeitig werden spezielle Ionenkanälen, die bei der Schmerzwahrnehmung eine Rolle spielen, desensibilisiert. Das bedeutet, dass Schmerzen schwächer oder weniger wahrgenommen werden.

Besonders interessant im Zusammenhang mit Migräne ist, dass Pestwurz auch die Freisetzung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) hemmen soll, welches mit dem Entstehen von Migräneattacken assoziiert wird und Ziel der Migräne-Spritze ist.

Studien zur Wirksamkeit bei Migräne

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Pestwurzextrakt in der Migräneprophylaxe belegt. Placebo-kontrollierte Studien zeigen, dass die höchste Dosis von 75 mg Pestwurzextrakt (zweimal täglich eingenommen) die stärkste Wirkung erzielte. Nach viermonatiger Einnahme konnten Migräneattacken fast um die Hälfte (48%) reduziert werden. Während die Dosierung von zweimal täglich 50 mg Pestwurzextrakt eine Reduktion von ca. ein Drittel (36%) bewirkte.

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Eine weitere klinische Studie hat gezeigt, dass unter der Gabe von Petadolex® die Anzahl und Schmerzintensität der Migräneattacken im Vergleich zu Plazebo statistisch signifikant reduziert werden. Mit einer Reduktion der Attacken um durchschnittlich 56 Prozent ist der Effekt des Phytotherapeutikums mit den klassischer Migräneprophylaktika voll vergleichbar.

Empfehlungen der Fachgesellschaften

Aufgrund der positiven Studienergebnisse wird Pestwurz-Extrakt in den Therapieleitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Migräneprophylaxe empfohlen. Die Leitlinienexpertinnen und -experten weisen allerdings darauf hin, dass es Hinweise gibt, dass es bei hochdosierte Formen (z.B. Pestwurzextrakt als Arzneimittel) in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen kam.

Anwendung und Dosierung

Pestwurzextrakt ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Kapseln, Tabletten, Tropfen und Pulver. Am häufigsten wird Pestwurzextrakt in Kapsel- bzw. Tablettenform eingenommen. Der Vorteil dabei ist die einfache und genaue Dosierung. Es ist jedoch auch in flüssiger Form als Tropfen oder Flüssigextrakt erhältlich. Eine exakte Dosierung ist bei der Einnahme von Tropfen allerdings schwieriger und du solltest aufmerksam sein, um eine Überdosierung zu vermeiden. Du kannst Pestwurz aber auch in Pulverform, zum Beispiel in einen Joghurt untergerührt, einnehmen.

Die empfohlene Dosierung variiert je nach Präparat und individuellem Bedarf. Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen, um die optimale Dosierung zu ermitteln.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie alle Korbblütler enthält die Heilpflanze jedoch Alkaloide, die der Leber schaden. Nach der Einnahme von Pestwurz-Extrakt kam es in seltenen Fällen tatsächlich zur Hepatitis, bewiesen wurde der direkte Zusammenhang aber nie.

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Pestwurz enthält Pyrrolizidinalkaloide (PAs), die leberschädigend wirken. Generell sollten daher ausschließlich speziell verarbeitete Extrakte mit entsprechender Dosierung verwendet werden! Die PAs befinden sich dabei vor allem in den Wurzeln und weniger in den Blättern. Die moderne Phytotherapie verwendet von der Pestwurz das kräftige Rhizom (Petasitides rhizoma). Standardisierte Extrakte, die weitgehend PA-frei sind, haben sich als wirksam gegen Migräne erwiesen.

Die häufigsten Pestwurz-Nebenwirkungen sind harmlos: In Studien mussten Patienten lediglich öfter aufstoßen als die Teilnehmer der Placebogruppe, manche klagten über Bauchschmerzen.

Alternativen zur Pestwurz

Es gibt verschiedene Alternativen zur Migräneprophylaxe mit Pestwurz, sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse.

Medikamentöse Alternativen

Das Herzmedikament Metoprolol gilt als Alternative, hat jedoch Nebenwirkungen wie Herzprobleme, Atemnot und Verwirrtheit. Neurologen und Psychiater empfehlen noch andere Betablocker wie Propanolol, Kalzium-Antagonisten wie Flunarizin oder Mittel gegen Epilepsie. Auch Antidepressiva oder das Schmerzmittel Naproxen könnten Migräne lindern.

Nicht-medikamentöse Alternativen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Ansätzen zur Migräneprophylaxe, darunter:

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  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Trigger-Nahrungsmitteln können helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können Stress reduzieren und die Häufigkeit von Migräneattacken verringern.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
  • sinCephalea Migräneprophylaxe: sinCephalea ist die weltweit erste, durch Krankenkassen erstattete, digitale Therapie, die eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe auf Basis personalisierter Ernährung bietet.

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