Petersilie und ihre Wirkung auf Dopamin und Serotonin: Ein umfassender Überblick

Frische Küchenkräuter sind für viele Hobbyköche das A und O für eine leckere Mahlzeit. Sie sind nicht nur aromatische Zutaten, sondern auch Pflanzen mit nachgewiesener Heilwirkung. Die Kräuterexpertin Dr. Ursula Stumpf hat die Vorteile von Kräutern wie Oregano und Petersilie für die Gesundheit untersucht. Viele Menschen kennen den Geschmack von Petersilie, Basilikum, Oregano, Rosmarin oder Dill. Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit wissen die meisten Menschen jedoch zu wenig über die Wirkung dieser Kräuter. Die Kräutertopf-Sammlung auf der Fensterbank ist eine eigene kleine Apotheke. Was genau in jedem dieser Küchenkräuter steckt, wird im Folgenden erläutert.

Petersilie: Mehr als nur Dekoration

Petersilie ist in Deutschland ein sehr beliebtes Kraut, wird aber oft nur als Dekoration verwendet. Dabei ist sie ein echtes Kraftpaket und hat potenziell große Wirkung auf den Körper. „Petersilie, vor allem die glattblättrige Sorte, enthält besonders viel Vitamin C, zu jeder Jahreszeit“, sagt Kräuterexpertin Stumpf. Aber nicht nur das: Die Kombination der ätherischen Öle, die für den typischen Petersiliengeschmack sorgt, wirkt einerseits belebend, andererseits vertreibt sie üble Gerüche. Mit nur acht Gramm Petersilie wird der Tagesbedarf laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gedeckt.

Apigenin in Petersilie: Ein Jungbrunnen für Nervenzellen

Petersilie ist besonders reich an dem sekundären Pflanzenstoff Apigenin. Apigenin ist ein Polyphenol, genauer gesagt ein Flavonoid. Polyphenole, speziell auch Apigenin, sind antientzündlich und antioxidativ. Apigenin kann auch die Blut-Hirn-Schranke überqueren und bindet im Gehirn an GABA-Rezeptoren. Apigenin hemmt die Monoaminoxigenase.

Petersilie enthält bioaktive Substanzen, die Nervenzellen vor Schäden schützen, die durch aggressive Moleküle wie freie Radikale oder durch Nitrostress entstehen (Maodaa et al.). Freie Radikale entstehen täglich im Stoffwechsel, aber auch vermehrt bei Stress und Alterungsprozessen.

Wie wirken die Inhaltsstoffe der Petersilie auf das Gehirn?

  • Petersilie verringert die Oxidation von Fetten, wie sie in Zellmembranen vorkommen (Maodaa et al. 2016; Vranjes et al. 2021; Ozel et al.).
  • Petersilie erhöht die Aktivität von antioxidativen Enzymen, z.B. mehr Katalase: ein Enzym, das Wasserstoffperoxidradikale unschädlich macht. Katalase kommt in hoher Konzentration in der Leber und den roten Blutkörperchen (Erythrocyten) vor (Vora et al. 2009; Ozel et al.).
  • Petersilie verringert die Peroxidaseaktivität: ein Enzym, das auf viele freie Radikale hinweist; ein verringerter Gehalt weist auf einen verringerten oxidativen Stress hin (Maodaa et al.).
  • Petersilie erhöht den Gehalt an Glutathion, einer Substanz, die vor oxidativem Stress schützt (Vranjes et al. 2021; Ozel et al.).
  • Petersilie reduziert erhöhte NO-Level, d.h. reduziert Nitro-Stress (Ozel et al.).
  • Petersilie kann im Tiermodell die schädlichen Auswirkungen von Cadmium auf das Gehirn verringern (Maodaa et al.).
  • Petersilie hat im Tiermodell auch einen schützenden Effekt auf Nervenzellen der Embryonen gegenüber Cadmium-Belastung der Mütter in der Schwangerschaft (Allam et al.).

Apigenin und seine Wirkung auf Gehirnbotenstoffe

Petersilie ist besonders reich an dem sekundären Pflanzenstoff Apigenin.

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  • Konzentrierter, besseres Gedächtnis und bessere Laune: Apigenin hemmt die Monoaminoxigenase. Dieses Enzym baut wichtige Gehirnbotenstoffe ab.
  • Entspannung und besserer Schlaf: Apigenin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und bindet im Gehirn an GABA-Rezeptoren. GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist ein Gehirnbotenstoff, der Entspannung und Beruhigung vermittelt.

Petersilie in der Heilkunde

Petersilie hat eine lange Tradition in der Heilkunde. In Studien zeigte Petersilie folgende Wirkungen (Kreydiyyeh et al. 2002; Ozsoy-Saçan et al. 2006; Ajmera et al. 2019; Subas et al.). Bei der medizinischen Anwendung therapeutischer Dosen von Petersilienkraut und -wurzel werden ebenfalls keine Nebenwirkungen festgestellt (Punosevac et al.). Trotz geringem Sensibilisierungspotenzial können v.a. Allergiker auf Doldenblütler (z.B. Sellerie) auf Petersilie reagieren.

Verwendung von Petersilie

  • Frisch: Am besten direkt nach der Ernte verwenden.
  • Getrocknet - nur, wenn sie eine hohe Qualität hat: z.B. aus dem Bioladen.
  • Petersilien-Öl: Püriert in Öl, z.B. Olivenöl - schmeckt köstlich z.B. zu Salat.

Basilikum: Glücklich, sexy und schlau durch Linalool und Eugenol

„Basilikum ist ein wundervolles Kraut, denn es weckt sprichwörtlich die Liebe zum Leben“, weiß Ursula Stumpf. So habe Madame de Pompadour täglich davon gegessen, um sich und ihrem Geliebten Ludwig XV. lustvolle Nächte zu bescheren. „Wie aph­ro­di­sie­rend es tatsächlich wirkt, ist in Studien nicht einfach zu belegen. Erwiesen ist, dass das darin enthaltene Linalool sich positiv auf den Serotonin- bzw. Dopaminhaushalt auswirkt.“2 Doch Basilikum sorgt nicht nur für gute Laune, sondern auch für Geistesblitze. „Das liegt vor allem am Eugenol, welches nachgewiesenermaßen das Denken anregt und Stress reduziert.“3 Kurzum: Basilikum macht glücklich, sexy und schlau.

Oregano: Entspannung und Schutz für den Darm

Oregano gehört neben dem Basilikum zu unseren liebsten italienischen Kräuterfreunden und darf auf keiner Pizza fehlen. Gut so, denn das mediterrane Kraut habe gleich zwei „Superkräfte“, so Stumpf. Es wirkt entspannend und macht schädlichen Bakterien im Darm den Garaus. „Schon allein der intensive Duft sorgt dafür, dass man sich sofort ausgeglichener fühlt. Besonders hebt sich dabei der Wirkstoff Thymol hervor, der - wie der Name schon vermuten lässt - auch in Thymian enthalten ist. „Seine desinfizierende und bakterienabtötende Wirkung ist mit der eines Antibiotikums vergleichbar.

Rosmarin: Eingefangener Sonnenschein für das Gemüt

Für Ursula Stumpf ist Rosmarin ein absolutes Wohlfühlkraut. „Jede Pflanze beeinflusst unser Gemüt und bei Rosmarin habe ich immer das Gefühl, eingefangenen Sonnenschein in den Händen zu halten.“ Da geht es vermutlich nicht nur ihr so, denn was bei Rosmarin so sehr ans Mittelmeer erinnert, ist vor allem dem darin enthaltenen Cineol zu verdanken, welches schleimlösend wirkt und traditionell bei Erkältungen und Erkrankungen der Atemwege eingesetzt wird.

Dill: Unterschätztes Küchenkraut mit entgiftender Wirkung

Dill ist ein Küchenkraut, das zu Unrecht unterschätzt wird, findet Ursula Stumpf. „Es enthält jede Menge Mineralstoffe, wirkt entgiftend und hat besonders viel Carotinoide, also die Vorstufe zu Vitamin A, die auch als Radikalfänger bekannt sind.“ Außerdem wirken seine krampflösenden, beruhigenden Eigenschaften besonders schonend.

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Gemeinsamkeiten der Kräuter: Nährstoffreiche Kraftpakete

Neben den ätherischen Ölen, die bei jedem Kraut in Sachen Kombination und Wirkung einzigartig sind, weisen Kräuter auch Gemeinsamkeiten auf, was ihre Nährstoffe betrifft. „So ist in allen Kräutern besonders viel Kalium, Kalzium, Vitamin E, alle B-Vitamine (außer B12) und die Vorstufe von Vitamin A enthalten.

Weitere Faktoren für gute Laune und Wohlbefinden

Neben dem Konsum von Kräutern gibt es noch weitere Faktoren, die das Wohlbefinden und die Stimmung positiv beeinflussen können:

Licht und Sonne tanken

Wer Sonne tankt, der fördert nicht nur die Gesundheit von Kreislauf und Knochen, sondern auch sein psychisches Wohlbefinden. Denn ohne „Sonnen-Power“ stagniert die Synthese des stimmungsfördernden Vitamin D. „Dieses wird zu 90 Prozent durch UV-Strahlung, also Sonnenlicht, in der Haut gebildet“, erklärt Dr. Andreas Hagemann, Ärztlicher Direktor der Privatkliniken Duisburg, Eschweiler und Merbeck. „Selbst ein wolkenverhangener Himmel lässt noch Licht durch und wirkt so stimmungsaufhellend“, betont der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Spaziergänge und Waldbaden

Spaziergänge fördern nicht nur den Vitamin D-Haushalt, sondern aktivieren zudem das Gehirn: Schon eine kurze Wanderung fördert die Durchblutung bestimmter Gehirnregionen um bis zu ein Drittel, haben Experten errechnet. Das Ergebnis lässt nicht lange auf sich warten: „Es kommt zu einer erheblichen Steigerung von Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung“, berichtet Dr. Hagemann. „Die bessere Durchblutung führt zudem zu einer höheren Ausschüttung von Endorphinen, was Stimmung und Glücksempfinden zu Gute kommt.“ Regelrecht antidepressiv wirken können Spaziergänge durch den winterlichen Wald fernab der täglichen Hektik. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen das Waldbaden als erholsame Auszeit vom Alltag schätzen. Neben dem Eintauchen in die Natur werden unter anderem auch die ätherischen Öle, die im Wald quasi in der Luft liegen, zur ganzheitlichen Entspannung genutzt. Dabei wirkt das Grün der Pflanzen laut moderner Farbpsychologie besonders beruhigend und harmonisierend bei Stress und negativen Emotionen.

Sport und ausgewogene Ernährung

Auch Sport kann unsere Stimmung aufhellen - selbst an trüben Tagen. Denn wer regelmäßig in die Pedale tritt oder im Schwimmbecken seine Bahnen zieht, der fördert die Produktion des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn - und somit das Gefühl für Glück und Freude. „Darüber hinaus werden „antiinflammatorische“, also entzündungshemmende Prozesse im Körper angekurbelt“, betont Dr. Hagemann. Diese können ebenfalls das Wohlbefinden steigern. Studien belegen, dass sich das Risiko, depressiv zu werden, durch einen ausgewogenen Speiseplan reduzieren lassen kann. Neben Omega-3-Fettsäuren wirken Folsäure-haltige Lebensmittel wie etwa Spinat, Spargel und Petersilie stimmungsaufhellend. Und auch Vitamin D-haltige Lebensmittel können sowohl präventiv als auch bei der Behandlung unterstützend helfen. Ein „stimmungsvoller Genuss“ ist auch heißer Kakao an kühlen Tagen. Denn aufgrund seines Gehalts an Theobromin, einer dem Coffein ähnlichen Substanz, und seines hohen Selen-Bestandteils kann Trink-Schokolade nachweislich kleinere Stimmungsschwankungen ausgleichen und Gehirn sowie Nervensystem stärken.

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Lichttherapie und soziale Kontakte

Lassen Job und Familie keine regelmäßigen Abstecher ins Freie zu, so kann eine Lichttherapie daheim unser Vitamin D-Defizit etwas ausgleichen: Spezielle Lampen mit bis zu 10.000 Lux (ohne schädlichen UV-Anteil) fördern die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin. Zudem sollten generell im Büro oder Wohnzimmer gute Licht- und Stimmungsverhältnisse herrschen. Also möglichst viel Sonnenlicht hereinlassen und für eine angenehme, freundliche Atmosphäre sorgen, raten Experten. Regelrecht antidepressiv wirken können auch abwechslungsreiche Hobbys sowie ein funktionierendes soziales Netzwerk mit guten Freunden. Dabei bitte Alkohol, Nikotin und Kaffee in Maßen genießen - und möglichst nicht bis in die frühen Morgenstunden durchfeiern.

Gewichtskontrolle und positives Denken

Dass Übergewicht und Bewegungsmangel Depressionen auslösen können, belegen verschiedene Studien. Vielfach beeinträchtigen Diskriminierung und Vorurteile sowie dadurch geförderte negative Selbstannahmen (wie: „ich bin unattraktiv, nicht leistungsfähig etc.“) Selbstwertgefühl und Stimmungslage. „Darüber hinaus steigt das Depressionsrisiko bei übergewichtigen Menschen durch deren erhöhte Produktion von Zytokinen (Botenstoffen) im Fettgewebe. Hierdurch kommt es zu vermehrten entzündlichen Prozessen, was sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann“, berichtet Dr. Hagemann. Wer den Winter von seiner schönsten Seite erleben möchte, der sollte nicht nur körperlich aktiv werden: Positives Denken heißt das moderne Zauberwort für eine konstruktivere Denkweise und eine positive Grundeinstellung zum Leben. Sich auch in herausfordernden Situationen auf die positiven Aspekte des Lebens konzentrieren zu können, hebt die Stimmung und verhagelt uns bei schlechtem Wetter oder Missgeschicken nicht so schnell die Laune.

Entspannung

Gerade in der hektischen Vorweihnachtszeit kommen kleine Wohlfühl-Pausen zwischendurch oft zu kurz. „Dabei fördern kontinuierliche Zeiten im Entspannungsmodus die körperliche und geistige Regeneration und können einem winterlichen Stimmungstief entgegensteuern“, betont Dr. Hagemann. Besonders bewährt haben sich hierbei die Progressive Muskelrelaxation sowie Autogenes Training.

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel als Ursache für innere Unruhe und Panikattacken

Viele ahnen nicht, dass bestimmte Medikamente Panikattacken und Angstzustände auslösen können. Schilddrüsenhormone, Antidepressiva und sogar manche Nahrungsergänzungsmittel können den Stoffwechsel überstimulieren und Angst verstärken. Innere Unruhezustände bis hin zu Panikattacken können Ihre Lebensqualität stark einschränken. Betroffene sind hilflos einem Teufelskreis aus Gedanken und emotionalen Reaktionen häufig mit körperlichen Begleitreaktionen, wie zum Beispiel Herzrasen und Blutdruckschwankungen scheinbar ausgeliefert.

Körperliche Faktoren und Stress

Wenn wir unter innerer Unruhe, Schlafstörungen oder sogar Panikattacken leiden, neigen wir dazu, die Ursachen vor allem in äußeren Stressfaktoren wie Belastungen im Beruf oder Privatleben zu suchen. Das liegt daran, dass wir meist nur die uns bekannten und offensichtlichen Auslöser als Erklärung (“psychosomatisches Narrativ” heranziehen. Tatsächlich spielen häufig körperliche Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stress und den damit verbundenen Symptomen. Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzrhythmusstörungen) oder hormonelle Veränderungen (z.B. Menopause) können innere Unruhe und Panikattacken begünstigen. Das bedeutet: Nicht immer stecken rein psychische Ursachen hinter den belastenden Symptomen. Bei anhaltender innerer Unruhe und Panikattacken lohnt es sich daher, auch mögliche körperliche Auslöser in Betracht zu ziehen und gegebenenfalls ärztlich abklären zu lassen.

Blutdruck und Temperaturregulation

Wenn wir innere Unruhe, Schlafstörungen bis hin zu Panikattacken verspüren, dann denken wir meistens an äußere Stressfaktoren, wie zum Beispiel berufliche und private Belastungen. Drittens ist komplizierend, und das wissen die wenigsten, dass Blutdruckregelkreis und Temperaturregelkreis eng verknüpft sind. Ist die Mikrozirkulation aufgrund einer Überschreitung des Temperatursollwertes zu weit, dann fällt der Blutdruck ab. Problematisch ist, dass diese Ausgleichsreaktion Noradrenalin- beziehungsweise Adrenalin-vermittelt ist. Noradrenalin und Adrenalin sind zwei wichtige Hormone, die den Blutdruck regulieren. Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, lassen sie das Herz schneller schlagen und kräftiger pumpen. Allerdings gehören Noradrenalin und Adrenalin auch zum „Fight-or-Flight“ System, d.h. zum evolutionsbiologisch angelegten Mechanismus schnell mit Gefahrensituationen umzugehen. Das bedeutet, diese Neurotransmitter bereiten den Körper darauf vor, in Gefahrensituationen entweder zu kämpfen oder zu fliehen.

Medikamente und Blutdruck

Stellen Sie sich Ihren Blutkreislauf wie ein Wasserleitungssystem in einem Haus vor. Der Blutdruck ist wie der Wasserdruck in den Leitungen. Bestimmte Medikamente wie Calciumantagonisten, ACE-Hemmer oder Alphablocker erweitern die Blutgefäße, ähnlich wie wenn man die Rohre in einem Haus weiter machen würde. Ihr Körper versucht dann gegenzusteuern, um den Blutdruck wieder zu erhöhen -so als würde man die Pumpe hochdrehen, um den Wasserdruck trotz der erweiterten Rohre aufrecht zu erhalten. Dazu schüttet der Körper die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Das Problem ist: Adrenalin und Noradrenalin sind auch an der Entstehung von Angst und Panik beteiligt. Was viele Menschen nicht wissen,ist dass bestimmte urologische Medikamente, die bei Prostatavergrößerung oder Erektionsstörungen verschrieben werden, auch Blutdrucksenker sind. Besonders problematisch kann es sein, wenn man zusätzlich zu den blutgefäßerweiternden Medikamenten noch Betablocker einnimmt. Betablocker bremsen nämlich die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin. Bedingt durch eine medikamentöse verursachte zu starke Blutdruckabsenkung unter den Blutdruck-Sollwert, hat Ihr Körper das Bestreben den Blutdruck wieder anzuheben. Dieses geschieht, wie bereits angeführt, Adrenalin- beziehungsweise Noradrenalin-vermittelt über eine Steigerung von Herzfrequenz und Herzpumpkraft.

Stoffwechselanregende Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel

Stellen Sie sich Ihren Körper als ein fein abgestimmtes Orchester vor. Jedes Instrument spielt seine Melodie, um gemeinsam eine harmonische Symphonie zu erzeugen -Ihr Wohlbefinden. Genau das können Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel tun, die den Stoffwechsel anregen. Sie drehen sozusagen den Lautstärkeregler des Stoffwechsels hoch. Um die überschüssige Wärme loszuwerden, weitet der Körper die Blutgefäße. Das ist so, als würde man alle Fenster und Türen öffnen, um frische, kühle Luft hereinzulassen. Nun schlägt der Körper Alarm und schüttet Adrenalin aus -wie ein Dirigent, der wild gestikulierend versucht, das Orchester wieder in Einklang zu bringen. Eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen kann nicht ausschließlich auf der Grundlage von Laborbefunden erfolgen, sondern die Symptome müssen mit in die Bewertung einbezogen werden. Nebenwirkungen von Schilddrüsenmedikamenten, so zum Beispiel L-Thyroxin müssen vor allen Dingen dann in Erwägung gezogen werden, wenn ein vermehrtes Wärmegefühl, innere Unruhe, das Gefühl eines stärkeren und leicht beschleunigten Herzschlags und Einschlafstörungen bestehen. Östrogene werden von Frauen häufig in der Menopause eingenommen.

Cortison und Neurotransmitter

Eines der Zielproteine von Kortisonpräparaten ist die Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Wie bereits erwähnt ist Enzym ist für den Abbau von Adrenalin und Noradrenalin zuständig. Neben seinem hemmenden Einfluss auf COMT fördert Cortison die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und aus Nervenendigungen des Sympathikus. Cortisol erhöht auch die Anzahl der Adrenozeptoren, an die Adrenalin und Noradrenalin binden.

Vitamine und Energy-Drinks

Auch wenn sie frei verkäuflich sind, Nahrungsergänzungsmittel und vor allen Dingen die Vitamine D, B6, B12 können durch eine Überdosierung den Stoffwechsel überstark steigern. Energy-Drinks enthalten stimulierende Substanzen, häufig ein krudes Gemischaus schlecht definierten Substanzen, die darauf ausgerichtet sind, die geistige Aktivität zu erhöhen. Auch Gewürze, wenn regelmäßig im Übermaß genossen, sind häufiger Ursache von innerer Unruhe. Offensichtlich ist das bei solchen mit einem hohen Scoville-Wert (Schärfegrad), zum Beispiel Chili-Schoten.

Antidepressiva

Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin) und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Venlafaxin, Duloxetin) können paradoxerweise innere Unruhe, Angst und sogar Panikattacken auslösen, obwohl sie eigentlich zur Behandlung von Angststörungen und Depressionen eingesetzt werden. Der Grund dafür liegt in ihrer Wirkung auf die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe fungieren als Stoffwechselaktivatoren und steigern die Erregung im Nervensystem. Dieser Effekt ist meist vorübergehend, bis sich ein neues Gleichgewicht der Neurotransmitter einstellt.

Fallbeispiel

Eine 42-jährige Patientin stellte sich erstmals in der Cardiopraxis® vor und klagte über verstärkten und leicht beschleunigten Herzschlag, Einschlafstörungen mit kreisenden Gedanken, innere Unruhe und Panikattacken. Zusätzlich berichtete sie über ein Wärmegefühl in letzter Zeit. Die kardiologischen Untersuchungen, einschließlich Echokardiografie, Ruhe-EKG, Belastungs-EKG und Langzeit-EKG, zeigten keine Auffälligkeiten. Die nicht-invasive Kreislaufmessung mit dem Finapres®-System ergab jedoch ein deutlich erhöhtes Herzzeitvolumen (180% des unteren Grenzwertes) mit einem erhöhten Schlagvolumen und einer relativ hohen Herzfrequenz von 96 bpm. Zudem war die Körpertemperatur mit 37,2°C für die 2. Zyklushälfte erhöht. Wir vermuteten, dass die Beschwerden der Patientin durch eine zu hohe Dosierung der Schilddrüsenhormone verursacht wurden. Die Laboruntersuchung zeigte einen TSH-Wert von 1,2 mU/l, der eher am unteren Ende des Normbereichs lag. Nach vier Wochen stellte sich die Patientin erneut vor. Die Körpertemperatur war auf 36,6°C gesunken, das Herzzeitvolumen hatte sich normalisiert und die Herzfrequenz lag bei 80 bpm. Innere Unruhe und Panikattacken waren vollständig verschwunden und das abendliche Einschlafen bereitete keine Probleme mehr. Der Patientin wurde erläutert, dass die Steigerung der Stoffwechselaktivität durch L-Thyroxin die Symptome verursacht hatte. Es wurde darauf hingewiesen, dass mit zunehmendem Lebensalter der Bedarf an Schilddrüsenhormonen in der Regel sinkt.

Körpertemperatur und Stoffwechsel

Der Mittelwert der Körpertemperatur in der Bevölkerung beträgt 36,5 0C. Wenn Ihr Wert, am besten gemessen im Ohr davon abweicht, Sie eine verringerte Wärmetoleranz haben, d.h. Ihnen leicht zu warm ist und Sie eine potenziell stoffwechselaktivierende Substanz nehmen, dann sollten Sie an eine Nebenwirkung der genannten Substanzen denken. Frauen sollten in Erwägung ziehen, dass ihre Körpertemperatur in der 2. Zyklushälfte erhöht ist. Wenn Sie stoffwechselaktivierende Medikamente nehmen, dann sollten Sie Ihre Befunde mit Ihrem Arzt besprechen und eine Anpassung der Medikation in Erwägung ziehen.

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