Der Bedarf an Pflegeheimplätzen, insbesondere für Menschen mit Demenz, steigt stetig. Die Suche nach einem freien Platz in einer geeigneten Einrichtung kann jedoch eine Herausforderung darstellen. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, sich im Dschungel der Angebote zurechtzufinden, freie Plätze zu finden und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Die Suche nach freien Pflegeheimplätzen
Der Heimfinder NRW: Ein nützliches Tool
In Nordrhein-Westfalen (NRW) steht Angehörigen und Pflegebedürftigen mit dem "Heimfinder NRW" ein hilfreiches Instrument zur Verfügung. Diese App und Web-Version ermöglicht es, schnell und einfach freie Langzeit- oder Kurzzeitpflegeplätze in der Umgebung zu finden. Die Pflegeheime sind gesetzlich verpflichtet, ihre tagesaktuellen freien Plätze in eine zentrale Datenbank einzugeben, sodass der Heimfinder NRW stets die aktuelle Auslastung anzeigen kann.
Der Heimfinder NRW bietet folgende Vorteile:
- Aktuelle Informationen: Tagesaktuelle Anzeige freier Plätze in der Dauer- und Kurzzeitpflege.
- Einfache Suche: Suche im Umkreis, auf der Karte oder nach Stadt sortiert.
- Kostenlose Nutzung: Die App ist kostenlos im Google Play Store und im Apple Store erhältlich.
- Zusätzliche Informationen: Angaben zu Leistungsspektrum, pflegefachlichen Schwerpunkten, Preisen, Eigenanteilen und Ergebnissen aus Qualitätsprüfungen.
- Informationen aus Qualitätsprüfungen: Die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen, die vom Medizinischen Dienst und dem Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung durchgeführt werden, sind einsehbar.
Weitere Möglichkeiten der Pflegeplatzsuche
Neben dem Heimfinder NRW gibt es weitere Möglichkeiten, freie Pflegeheimplätze zu finden:
- AOK-Pflegeheimsuche: Die AOK bietet eine eigene Pflegeheimsuche mit umfangreichen Informationen zu den Einrichtungen.
- Telefonische Beratung: Viele Pflegeheime bieten telefonische Beratung an, um Fragen zu freien Plätzen und Leistungen zu beantworten.
- Persönliche Besuche: Ein persönlicher Besuch in verschiedenen Pflegeheimen ermöglicht es, sich einen Eindruck von der Atmosphäre und den Gegebenheiten zu verschaffen.
- Spezielle Apps zur Pflegeheim-Suche: Neben dem Heimfinder NRW gibt es auch andere Apps, die bei der Suche nach freien Pflegeplätzen helfen können.
Kriterien für die Auswahl eines Pflegeheims
Die Wahl des richtigen Pflegeheims ist eine wichtige Entscheidung, die gut überlegt sein sollte. Folgende Kriterien können bei der Auswahl helfen:
Lesen Sie auch: Überblick Demenzpflege Würzburg
Geeignetheit für den Pflegebedürftigen
- Hoher Hilfsbedarf: Ein Pflegeheim eignet sich vor allem für Menschen mit hohem Hilfsbedarf, deren Betreuung und Versorgung zu Hause nicht mehr gewährleistet werden kann.
- Intensive Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit: Menschen mit einer intensiven Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit sind im Pflegeheim gut aufgehoben.
- Fehlende Betreuung: Wenn keine Betreuung durch Familie oder Freunde möglich ist, kann ein Pflegeheim die richtige Wahl sein.
- Barrierefreiheit: Wenn die Wohnung nicht barrierefrei ist, kann ein Umzug in ein Pflegeheim sinnvoll sein.
- Alleinstehend: Alleinstehende Menschen finden im Pflegeheim Gemeinschaft und Unterstützung.
Ambiente und Stimmung
- Persönlicher Eindruck: Besuchen Sie verschiedene Pflegeheime und achten Sie auf das Ambiente und die Stimmung.
- Umgang mit den Bewohnern: Beobachten Sie den Umgang des Personals mit den Pflegebedürftigen.
- Gespräche mit Bewohnern: Unterhalten Sie sich mit den Heimbewohnern, um einen Einblick in den Alltag zu bekommen.
- Sauberkeit und Gerüche: Achten Sie auf Sauberkeit und Gerüche im Pflegeheim.
Personal und Betreuung
- Sympathie: Sind Ihnen die Pflegefachpersonen sympathisch?
- Anzahl der Vollzeitangestellten: Wie viele Vollzeitangestellte gibt es?
- Medizinische Versorgung: Verfügt das Pflegeheim über einen eigenen Arzt oder eine eigene Ärztin? Wie hoch ist die Zahl pflegender Hilfskräfte?
- Freizeit- und Beschäftigungsangebot: Gibt es ein abwechslungsreiches Freizeit- und Beschäftigungsangebot?
- Einbeziehung der Angehörigen: Werden die Angehörigen in der Einrichtung miteinbezogen?
- Gemeinschaftliche Alltagsgestaltung: Bietet das Pflegeheim eine gemeinschaftliche Alltagsgestaltung der Bewohner an?
- Spezielle Angebote: Gibt es spezielle Angebote, z.B. für Menschen mit Demenz oder in behüteten (geschlossenen) Einrichtungen?
Ausstattung und Wohnraum
- Ausstattung der Zimmer und Wohnräume: Entspricht die Ausstattung der Zimmer und Wohnräume Ihren Vorstellungen?
- Wahlmöglichkeiten: Haben Sie die Wahl zwischen einem Einzelzimmer, Zweibettzimmer oder einer Wohnung?
- Möblierung: Enthält der Vertrag Angaben zur Möblierung?
Verpflegung
- Speiseplan: Wie reichhaltig ist der Speiseplan?
- Ausgewogene Ernährung: Wird auf eine ausgewogene und vielseitige Ernährung geachtet?
Qualitätssicherung
- Qualitätsprüfungen: Die wichtigsten Informationen aus den Qualitätsprüfungen werden in Form einer sogenannten Qualitätsdarstellung veröffentlicht.
- Zertifikate: Verlassen Sie sich nicht (nur) auf Zertifikate, Ergebnisse von Prüfdiensten oder nette Worte.
Kosten und Finanzierung
Die Kosten eines Pflegeheimaufenthalts können je nach Standort, Ausstattung und Pflegegrad stark variieren. Im Durchschnitt liegt der Eigenanteil bei rund 3.155 Euro im Monat. Die gesetzliche Pflege- oder Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten.
Finanzierungsmöglichkeiten
- Eigene Mittel: Ein Teil der Kosten muss aus eigener Tasche bezahlt werden.
- Pflegeversicherung: Die Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten.
- Zusatzversicherungen: Eine Pflegezusatzversicherung kann den Eigenanteil reduzieren oder sogar vollständig abdecken.
- Sozialhilfe: Wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen, kann Sozialhilfe beantragt werden.
Kosten im Blick behalten
- Kostenaufschlüsselung: Werden die Heimkosten genau aufgeschlüsselt?
- Zusatzleistungen: Sind Zusatzleistungen, die extra bezahlt werden müssen, genau beschrieben?
- Kosten bei Abwesenheit: Werden die Rahmenbedingungen wie Kostenerstattung bei Abwesenheit genannt?
Der Heimvertrag
Wenn Sie sich für ein Pflegeheim entschieden haben, schließen Sie einen schriftlichen Vertrag ab. Nehmen Sie sich Zeit und prüfen Sie ihn in aller Ruhe, bevor Sie unterschreiben.
Wichtige Inhalte des Vertrags
- Versorgungsvertrag: Hat das Heim mit der AOK einen Versorgungsvertrag abgeschlossen?
- Vertragsbeginn: Ist der Vertragsbeginn genannt?
- Rechte und Pflichten: Werden Ihre Rechte und Pflichten genannt?
- Kündigungsbedingungen: Werden alle Rahmenbedingungen wie Rechte und Pflichten bei einer Kündigung genannt?
- Angaben zum Wohnraum: Enthält der Vertrag Angaben zum Wohnraum, zum Beispiel zur Möblierung, zu den Mahlzeiten, zur Wohnraumreinigung oder zur Bereitstellung und Instandhaltung von Bettwäsche?
Widerrufsrecht
Auch wenn Sie den Heimvertrag bereits unterschrieben haben, können Sie innerhalb von zwei Wochen Ihre Unterschrift widerrufen.
Umzug ins Pflegeheim
Der Umzug in ein Pflegeheim ist ein großer Schritt, der gut vorbereitet sein sollte.
Kündigung der Wohnung
Der Gesetzgeber sieht bei Umzug ins Pflegeheim kein Sonderkündigungsrecht vor. Generell gilt laut Mietrecht für unbefristete Mietverhältnisse eine gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten.
Lesen Sie auch: Schlaganfallpatienten im Pflegeheim
Heimnotwendigkeitsbescheinigung
Die sogenannte Heimnotwendigkeitsbescheinigung wird vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MD) bzw. Pflegekassen ausgestellt. Ab Pflegegrad 2 und wenn eine Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist, erhalten Pflegebedürftige die Heimnotwendigkeitsbescheinigung.
Was passiert, wenn mehr Pflege benötigt wird?
Grundsätzlich kann eine pflegebedürftige Person nicht zum Umzug in ein Pflegeheim gezwungen werden. Steigt der Pflegebedarf, besteht die Möglichkeit einer Tages- und Nachtpflege oder Intensivpflege. Alternativ engagieren viele Pflegebedürftige eine 24h-Pflegekraft, die bei Ihnen mit zu Hause wohnt.
Besuch im Pflegeheim
Die Besuchsregelungen in Pflegeheimen können je nach Einrichtung variieren. Es kann sein, dass in manchen Einrichtungen Besuche nur nach terminlicher Absprache oder zu bestimmten Zeiten stattfinden dürfen, um eine optimale Betreuung und Versorgung der Bewohner und Bewohnerinnen sicherzustellen.
Engagement und Unterstützung
Es gibt zahlreiche Organisationen und Verbände, die sich für die Belange älterer Menschen und Pflegebedürftiger einsetzen.
Bundesverband Initiative 50Plus e.V.
Der Bundesverband Initiative 50Plus e.V. gestaltet in Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und Unternehmen den demographischen Wandel unseres Landes, fördert Konzepte für lebenslanges Arbeiten, hält den Arbeitsmarkt für ältere Menschen offen, prüft Produkte und Dienstleistungen auf ihre Tauglichkeit für Menschen 50Plus, stimuliert die Innovation von generationengerechten Produkten und Dienstleistungen, bündelt Kaufkraft und schafft geldwerte Vorteile für die Mitglieder des Bundesverbandes, stärkt das bürgerschaftliche Engagement der Zivil-Gesellschaft.
Lesen Sie auch: Lebensqualität im Pflegeheim bei Parkinson
Selbsthilfeverbände
Es gibt zahlreiche Selbsthilfeverbände, die Unterstützung und Informationen für Menschen mit bestimmten Erkrankungen und ihre Angehörigen bieten. Dazu gehören unter anderem:
- BFS e.V.: Bundesverband für Sehbehinderte.
- Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.: Selbsthilfe Vereinigung für Menschen mit Parkinson.
- Deutscher Schwerhörigenbund e.V.: Selbsthilfe-Organisation für Schwerhörige.
- Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.: Interessenvertretung für Morbus-Bechterew-Patienten.
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Ansprechpartner auf dem Gebiet der Gefäßerkrankungen mit dem Schwerpunkt Schlaganfall.
- Selbsthilfeverband Initiative Auge e. V.: Zusammenschluss von Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und Wissenschaftlern mit mehr als 1.800 Mitglieder.
tags: #pflegeheim #demenz #freie #platze