Phasische und Tonische Antwort: Definition und Bedeutung

Die Begriffe "phasische" und "tonische" Antwort finden in verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften und Psychologie Anwendung, um unterschiedliche Arten von Reaktionen auf Reize zu beschreiben. Dieser Artikel beleuchtet die Definitionen, Unterschiede und Implikationen dieser Antworttypen, insbesondere im Kontext der neuronalen Aktivität und der Muskelphysiologie.

Einführung in phasische und tonische Antworten

Die Unterscheidung zwischen phasischen und tonischen Antworten ist entscheidend für das Verständnis, wie Organismen auf ihre Umwelt reagieren. Während phasische Antworten kurzlebig und reaktionsbezogen sind, sind tonische Antworten von längerer Dauer und tragen zur Aufrechterhaltung eines bestimmten Zustands bei.

Definitionen und Unterschiede

Phasische Antwort

Eine phasische Antwort ist eine kurzzeitige Reaktion auf einen Reiz. Sie zeichnet sich durch einen schnellen Beginn und ein schnelles Abklingen aus. Im neuronalen Kontext bezieht sich dies auf eine vorübergehende Erhöhung der neuronalen Aktivität als Reaktion auf einen spezifischen Reiz.

  • Neuronale Aktivität: Phasisches Feuern ist durch kurze Ausbrüche von Aktionspotentialen (3-10 Spikes, >10 Hz) als Reaktion auf Umweltreize gekennzeichnet. Diese Bursts werden oft durch die Aktivierung von NMDA-Rezeptoren über exzitatorische Eingänge verursacht.
  • Dopaminfreisetzung: Phasisches Dopamin wird in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und schnell wiederaufgenommen, um die Signalübertragung zu begrenzen.
  • Beispiele: Die "Off-Response" nach dem Ausschalten eines Tons oder die schnellen Anpassungen der Mechanosensorik sind Beispiele für phasische Reaktionen.

Tonische Antwort

Eine tonische Antwort ist eine anhaltende Reaktion, die über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird. Sie dient dazu, einen bestimmten Zustand oder ein bestimmtes Niveau der Aktivität aufrechtzuerhalten.

  • Neuronale Aktivität: Tonisches Feuern bezieht sich auf eine kontinuierliche, niedrigfrequente Aktivität von Neuronen, die einen basalen Aktivitätszustand aufrechterhält.
  • Dopaminfreisetzung: Tonisches Dopamin wird direkt in den Extrazellulärraum abgegeben und kann die phasische Dopaminausschüttung regulieren.
  • Beispiele: Der Muskeltonus, der durch tonische Muskelaktivität aufrechterhalten wird, oder die kontinuierliche Aktivität bestimmter Neuronen im Mittelhirn sind Beispiele für tonische Reaktionen.

Neuronale Grundlagen von phasischen und tonischen Antworten

Dopaminerge Signalübertragung

Die dopaminerge Signalübertragung im Gehirn ist ein gutes Beispiel, um die Unterschiede zwischen phasischen und tonischen Antworten zu verdeutlichen. Dopamin, ein wichtiger Neurotransmitter, wird auf zwei verschiedene Arten freigesetzt:

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  • Phasische Dopaminfreisetzung: Diese erfolgt schnell und in hohen Konzentrationen als Reaktion auf unerwartete Belohnungen oder wichtige Reize. Sie ist entscheidend für das Lernen und die Anpassung des Verhaltens.
  • Tonische Dopaminfreisetzung: Diese erfolgt langsam und kontinuierlich und sorgt für einen basalen Dopaminspiegel im Extrazellulärraum. Dieser Spiegel beeinflusst die Erregbarkeit von Neuronen und die Empfindlichkeit gegenüber phasischen Dopaminsignalen.

Es wird angenommen, dass ein Ungleichgewicht zwischen tonischer und phasischer Dopaminfreisetzung zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Störungen beitragen kann, wie z.B. ADHS.

Rezeptorbelegung

Die Art und Weise, wie Dopaminrezeptoren durch phasische und tonische Dopaminfreisetzung aktiviert werden, ist ebenfalls unterschiedlich. Computermodelle deuten darauf hin, dass Burst-Feuern (phasische Freisetzung) hauptsächlich D1-Rezeptoren belegt, während tonisch freigesetzte niedrigere Dopaminspiegel vorwiegend an die höheraffinen D2-Rezeptoren binden. Die Rezeptorbesetzung hängt entscheidend von der Synchronie und dem Gleichgewicht zwischen tonischen und phasischen Feuermodi ab.

Muskelphysiologie: Tonische und phasische Muskulatur

Auch in der Muskelphysiologie spielt die Unterscheidung zwischen tonischen und phasischen Eigenschaften eine wichtige Rolle.

Tonische Muskulatur

  • Eigenschaften: Neigt zur Verkürzung, besteht überwiegend aus roten Muskelfasern, leistet hauptsächlich Haltearbeit, ermüdet langsamer und entfaltet geringere Kraft.
  • Funktion: Aufrechterhaltung der Körperhaltung und Stabilisierung von Gelenken.
  • Beispiele: Wadenmuskeln, Oberschenkelrückseiten, Brustmuskeln, großer Nackenmuskel (oberer Anteil des Trapezius) und Hüftbeuger.

Phasische Muskulatur

  • Eigenschaften: Reagiert auf Inaktivität stärker mit Rückbildung, besteht überwiegend aus weißen Muskelfasern, ist schnell arbeitend, kann hohe Kraft aufbringen, ermüdet aber auch schneller.
  • Funktion: Ausführung von schnellen, kraftvollen Bewegungen.
  • Beispiele: Bauchmuskeln, innerer Kniestrecker (Vastus medialis), Gesäßmuskulatur und Fußmuskeln.

Bedeutung für Training und Therapie

Das Wissen um die unterschiedlichen Eigenschaften von tonischer und phasischer Muskulatur ist wichtig für die Gestaltung von Trainingsprogrammen und therapeutischen Interventionen. So zielt beispielsweise Pilates darauf ab, die Balance zwischen diesen Muskelgruppen wiederherzustellen, indem phasische Muskeln gekräftigt und tonische Muskeln gedehnt werden.

Sensorische Rezeptoren: Adaptation und Antwortmuster

Sensorische Rezeptoren lassen sich anhand ihrer Anpassung an lang anhaltende Reize in drei Gruppen unterteilen:

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  • Phasische Rezeptoren: Zeigen eine Adaptation bei einem konstanten Reiz. Ihre Reizantwort nimmt ab, und es kommt zu einer "Gewöhnung" an den Reiz. Beispiele sind Geruchs- und Geschmacksrezeptoren.
  • Tonische Rezeptoren: Zeigen keine Adaptation. Die Aktionspotenzialfrequenz bleibt über die Zeit konstant. Ein Beispiel sind Schmerzrezeptoren.
  • Phasisch-tonische Rezeptoren: Stellen eine Mischform dar. Die Impulsfrequenz ist zu Beginn hoch, fällt aber mit der Zeit auf einen niedrigen, konstanten Wert ab. Ein Beispiel sind Lichtrezeptoren.

Aktivierung in der Psychobiologie

In der Psychobiologie bezieht sich Aktivierung auf die Messung zentralnervöser Erregungsvorgänge. Es wird zwischen tonischer und phasischer Aktivierung unterschieden:

  • Tonische Aktivierung: Bezieht sich auf die länger anhaltende Bewusstseinslage, wie z.B. Schläfrigkeit oder Wachheit.
  • Phasische Aktivierung: Bezieht sich auf kurzfristige Aktivierungsschwankungen, die die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit in bestimmten Reizsituationen steuern.

Die Stärke der Aktivierung beeinflusst die Leistungsfähigkeit eines Individuums. Zunehmende Aktivierung steigert zunächst die Leistung, von einer bestimmten Aktivierungsstärke ab fällt sie jedoch wieder (umgekehrte U-Funktion).

Klinische Implikationen

Das Verständnis der phasischen und tonischen Antworten hat wichtige klinische Implikationen für verschiedene neurologische und psychiatrische Erkrankungen.

  • ADHS: Es wird angenommen, dass ein abnorm niedriger tonischer extrazellulärer Dopaminspiegel eine überhöhte phasische Dopaminausschüttung auslöst, was zu den charakteristischen Symptomen von ADHS beiträgt.
  • Parkinson-Krankheit: Der Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen in der Substantia nigra führt zu Veränderungen in der tonischen und phasischen Dopaminfreisetzung, was die motorischen Symptome der Krankheit verursacht.
  • Schlafstörungen: Die Muskelatonie im REM-Schlaf kann tonisch oder phasisch sein. Störungen dieser Atonie können zu REM-Schlaf-Verhaltensstörungen führen.

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