Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch motorische Störungen gekennzeichnet ist. Eines der bekanntesten Symptome ist der Tremor, insbesondere der sogenannte Pillendreher-Tremor. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Pillendreher-Bewegung im Zusammenhang mit Morbus Parkinson.
Was ist ein Tremor?
Ein Tremor ist definiert als eine unwillkürliche, rhythmische und oszillierende Bewegung eines Körperteils. Fast jeder Mensch erlebt Zittern in bestimmten Situationen, wie bei Kälte, Aufregung oder nach starker körperlicher Anstrengung. Dies ist ein physiologischer Tremor und eine normale Reaktion des Körpers. Ein pathologischer Tremor hingegen tritt ohne erkennbaren äußeren Anlass auf, bleibt dauerhaft bestehen oder beeinträchtigt den Alltag.
Formen des Tremors
Ärzte unterscheiden verschiedene Tremor-Syndrome, wobei der Essentielle Tremor und der Parkinson-Tremor die häufigsten sind.
- Essentieller Tremor: Dies ist die häufigste Form des krankhaften Tremors. Er tritt vor allem bei Bewegung (Aktionstremor) oder beim Halten einer Position (Haltetremor) auf. Typische Situationen sind das Halten einer Kaffeetasse, das Essen mit dem Löffel oder das Schreiben. Meist sind beide Hände betroffen, oft auch der Kopf oder die Stimme.
- Parkinson-Tremor: Im Gegensatz zum Essentiellen Tremor tritt das Zittern bei der Parkinson-Krankheit typischerweise in Ruhe auf (Ruhetremor). Die Hände zittern, wenn sie entspannt im Schoß liegen oder beim Gehen locker herabhängen. Oft erinnert die Bewegung an das Drehen einer Pille zwischen Daumen und Zeigefinger („Pillendreher-Tremor"). Sobald die Hand gezielt bewegt wird, lässt das Zittern oft nach.
- Dystoner Tremor: Hierbei wird das Zittern durch fehlgeleitete Signale im Gehirn verursacht, die zu unwillkürlichen Muskelanspannungen (Dystonien) führen. Dieser Tremor ist oft unregelmäßiger als andere Formen und tritt häufig in bestimmten Positionen auf oder verstärkt sich bei spezifischen Aufgaben.
- Verstärkter physiologischer Tremor: Hierbei handelt es sich um das normale Zittern, das jeder Mensch hat, das aber durch äußere Faktoren so stark verstärkt wird, dass es sichtbar ist. Ursachen können Stress, Koffein, eine Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmte Medikamente sein.
Der Pillendreher-Tremor bei Morbus Parkinson
Der Pillendreher-Tremor ist ein charakteristisches Symptom der Parkinson-Krankheit. Es handelt sich um einen Ruhetremor, der sich durch eine langsame, rhythmische Bewegung von Daumen und Zeigefinger auszeichnet, die an das Drehen einer Pille erinnert. Dieses Zittern tritt typischerweise auf, wenn die Muskeln entspannt sind und nicht aktiv bewegt werden.
Ursachen von Tremor und Morbus Parkinson
Die Ursachen für einen Tremor sind vielfältig und liegen oft im zentralen Nervensystem.
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- Genetische Ursachen: Beim Essentiellen Tremor spielt die Vererbung eine große Rolle. Oft gibt es ähnliche Fälle in der Familie.
- Erkrankungen: Neben Parkinson können auch Multiple Sklerose (MS), ein Schlaganfall oder eine Stoffwechselstörung ein Zittern auslösen.
- Funktionelle Ursachen: Manchmal liegt keine körperliche Schädigung der Nerven vor, sondern eine Störung in der Verarbeitung von Reizen, oft ausgelöst durch psychische Belastungen.
- Entzug: Ein Suchtentzug, wie zum Beispiel bei Alkoholikern, kann zu einem Tremor führen.
Ursachen von Morbus Parkinson
Hinter dem Namen Parkinson verbirgt sich ein komplexes, neurodegeneratives Krankheitsbild, das sich durch motorische Störungen bemerkbar macht. Verantwortlich für die Erkrankung ist ein Untergang von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren.
Die genaue Ursache für das Absterben dieser Zellen ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt, darunter:
- Genetische Faktoren: In einigen Fällen ist Morbus Parkinson erblich bedingt. Es gibt bestimmte Gene, die das Risiko für die Erkrankung erhöhen können. Rein erbliche Formen machen nur etwa 5-10 % aus.
- Umweltfaktoren: Bestimmte Umweltfaktoren, wie Pestizide oder Schwermetalle, könnten das Risiko für Morbus Parkinson erhöhen.
- Alterungsprozesse: Mit zunehmendem Alter sterben auch im Gehirn Nervenzellen ab. Dieser natürliche Prozess könnte bei Parkinson-Patienten beschleunigt ablaufen.
Im Gehirn kommunizieren Nervenzellen über unterschiedliche chemische Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, miteinander. Auf diese Weise können sie u. a. Bewegungsabläufe steuern. Bei der Parkinson-Erkrankung kommt es zum Absterben von speziellen Neuronen, die für die Herstellung von Dopamin zuständig sind. Diese befinden sich in einer bestimmten Region des Gehirns, die aufgrund ihrer dunklen Farbe „Schwarze Substanz“ (Latein: Substantia nigra) genannt wird. Warum diese Nervenzellen sterben, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Haben sich die Dopamin-Neuronen um rund 60-70 % reduziert, gerät das empfindliche Gleichgewicht der Botenstoffe aus den Fugen und der Körper kann diesen Verlust nicht mehr ausgleichen. Durch den Dopamin-Mangel und den gleichzeitigen Acetylcholin- und Glutamat-Überschuss kommt es zu Einschränkungen in der Kommunikation der Neuronen. Dies führt letztendlich zu den ersten Symptomen des Morbus Parkinson, wie Zittern, Muskelsteifigkeit und Bewegungsverlangsamung. Dieser Prozess, vom Zellsterben bis hin zu den Symptomen, kann bis zu 12 Jahre dauern.
Symptome von Morbus Parkinson
Die Symptome von Morbus Parkinson sind vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Die bekanntesten Symptome sind die sogenannten Parkinson-Trias:
- Tremor: Zittern im Ruhezustand (Ruhetremor), das bei Bewegung oder im Schlaf nachlässt. Stress kann das Zittern hingegen verstärken. In frühen Stadien der Krankheit zittert zum Beispiel nur eine Hand (der sog. Pillendreher-Tremor).
- Rigor: Muskelsteifheit, die durch eine dauerhafte Anspannung der Muskulatur (erhöhter Muskeltonus) oft zu diffusen Muskel- und Gelenkschmerzen führt, wovon vor allem Beugemuskeln, sowie Arme und Schultern betroffen sind.
- Akinese / Hypokinese / Bradykinese: Bewegungsarmut, Verlangsamung der Willkürmotorik und der Spontan- und Mitbewegungen, bis hin zu Bewegungslosigkeit und Blockaden, die später zum sog. Freezing und akinetischen Krisen führen können. Typisch sind eine schwächer ausgeprägte Mimik, Schluckbeschwerden und eine leiser werdende Stimme, sowie ein gestörter Sprachfluss. Die beginnende Hypokinese zeigt sich vielleicht durch einen Arm, der beim Gehen nicht mehr richtig mitschwingt. Auch feinmotorische Aufgaben fallen mit der Zeit immer schwerer, zum Beispiel das Öffnen einer Flasche oder das Zuknöpfen eines Hemdes.
Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:
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- Depressionen
- Schlafstörungen
- Verstopfung
- Geruchsstörungen
- Kognitive Beeinträchtigungen
Diagnose von Morbus Parkinson
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in erster Linie durch eine gründliche Befragung des Betroffenen und eine körperliche Untersuchung gestellt. Um eine Diagnose stellen zu können, fragen Ärzte in erster Linie die Krankengeschichte ab und untersuchen die Hauptsymptome Akinese, Rigor, Tremor und Haltungsinstabilität. Im Rahmen der Frühdiagnostik kann ein Riechtest durchgeführt werden, da ein gestörter Geruchssinn oft noch vor den motorischen Symptomen auftritt. Außerdem kann zusätzlich ein sogenannter Apomorphin- oder L-Dopa-Test durchgeführt werden. Lässt sich die Diagnose dadurch nicht sicher klären, können „bildgebende Untersuchungen“ durchgeführt werden, die eine Beurteilung der Gewebestruktur und des Stoffwechsels im Gehirn ermöglichen. Bei der Parkinson-Krankheit erscheint die Gewebestruktur, die durch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie beurteilt wird, normal. Bei der Diagnose der Parkinson-Erkrankung wird häufig mit einer Art Ausschlussverfahren gearbeitet.
Behandlung von Tremor und Morbus Parkinson
Die Tremor-Therapie richtet sich streng nach der Ursache. Ein Patentrezept für alle Tremor-Formen gibt es nicht.
Medikamentöse Behandlung
- Essentieller Tremor: Hier gelten drei Medikamente als Mittel der ersten Wahl:
- Propranolol: Ein Betablocker, der sonst gegen Bluthochdruck eingesetzt wird.
- Primidon: Ein Medikament, das ursprünglich gegen Epilepsie entwickelt wurde.
- Topiramat: Ebenfalls ein Antiepileptikum, das alternativ eingesetzt werden kann.
- Parkinson-Tremor: Hier kommen verschreibungspflichtige Medikamente wie L-Dopa oder Dopaminagonisten zum Einsatz, um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Für die medikamentöse Behandlung des IPS stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Hierzu gehören:
- Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer)
- Dopaminagonisten (Non-Ergot-Dopaminagonisten wie Piribidil, Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Apomorphin und Ergot-Dopaminagonisten wie Bromicriptin, Cabergolin, α-Dihydroergocriptin, Lisurid, Pigolid)
- MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin)
- COMT-Inhibitoren (Entacapon, Tolcapon)
- NMDA-Antagonisten (Amantadin, Budipin)
- Anticholinergika (z.B. Biperiden)
- Botulinumtoxin (Botox): Bei Tremorformen, die den Kopf oder die Stimme betreffen, sowie bei dystonem Tremor, sind Injektionen mit Botulinumtoxin oft sehr wirksam. Der Wirkstoff schwächt die überaktiven Muskeln gezielt ab.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken und der Leidensdruck sehr hoch ist, kann die Tiefe Hirnstimulation (oft „Hirnschrittmacher" genannt) erwogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert. Dieses Verfahren ist beim schweren Essentiellen Tremor und beim Parkinson-Tremor hochwirksam. Bei neurologischen Bewegungsstörungen ist die tiefe Hirnstimulation eine gut etablierte Therapieoption.
MR-gesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS)
Dies ist ein neueres Verfahren, bei dem Hirngewebe mittels gebündelter Ultraschallwellen ohne Operation von außen erhitzt und ausgeschaltet wird. Es ist eine Option für Patientinnen und Patienten mit Essentiellem Tremor, die nicht operiert werden können oder wollen. Beim essenziellen Tremor und dem tremor-dominanten Parkinsonsyndrom erzielt der hoch intensive fokussierte Ultraschall überzeugende Ergebnisse.
Nichtmedikamentöse Therapien
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann bei Sprach- und Schluckbeschwerden helfen.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen.
Tipps für den Alltag
Neben der medizinischen Behandlung können kleine Anpassungen im Alltag helfen, besser mit dem Zittern zurechtzukommen:
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- Stress reduzieren: Aufregung verstärkt fast jede Form des Tremors.
- Alkohol meiden: Viele Patientinnen und Patienten mit Essentiellem Tremor bemerken, dass schon kleine Mengen Alkohol das Zittern kurzzeitig bessern. Dies ist ein bekanntes Phänomen (bei 50-90 % der Betroffenen). Allerdings sollte Alkohol nicht als Dauerlösung betrachtet werden.
- Hilfsmittel nutzen: Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können, wie z.B. spezielle Besteckarten oder Schreibhilfen.
Leben mit Morbus Parkinson
Die Diagnose Morbus Parkinson ist ein einschneidendes Ereignis im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Parkinson-Patienten ein erfülltes Leben führen. Die Erkrankung ist nicht heilbar, doch durch eine geeignete medikamentöse Therapie kann die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen lange aufrechterhalten und verbessert werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist nahezu identisch mit der von Menschen ohne Parkinson.
Forschung und Ausblick
Die Forschung im Bereich Morbus Parkinson ist sehr aktiv. Es werden ständig neue Medikamente und Therapien entwickelt, um die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Bisher ist es mit keinem Medikament gelungen, die Progression eines Morbus Parkinson aufzuhalten. Möglicherweise hilft regelmäßiger Sport.
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