Plexus brachialis Symptome: Ursachen, Diagnose und Behandlung des eingeschlafenen Arms

Ein Kribbeln in der Hand oder in den Fingerspitzen, ein Gefühl des Einschlafens oder Schmerzen, die von der Schulter ausstrahlen - diese Symptome können vielfältige Ursachen haben. Oftmals sind Nerven durch einseitige Bewegungen und Überlastung eingeklemmt oder abgedrückt, was zunächst harmlos erscheint. In manchen Fällen kann jedoch auch das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) oder eine andere Nervenirritation dahinterstecken. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Plexus brachialis und des „eingeschlafenen Arms“, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist der Plexus brachialis?

Der Plexus brachialis ist ein Nervengeflecht, das aus den Spinalnerven der Segmente C5 bis Th1 gebildet wird. Seine Fasern verlassen das Rückenmark im Wirbelkanal auf Höhe der letzten drei Halswirbel und des ersten Brustwirbels. Er versorgt den gesamten Arm mit Nervenimpulsen, die für die Motorik und Sensibilität zuständig sind.

Ursachen für einen eingeschlafenen Arm

Ein eingeschlafener Arm kann verschiedene Ursachen haben, die in äußere und medizinische Ursachen unterteilt werden können:

Äußere Ursachen:

  • Falsche Liegeposition: Insbesondere Seiten- oder Bauchschläfer knicken im Halbschlaf oft Arme und Hände ungünstig ab, wodurch die Blutzufuhr unterbrochen und die Nervenversorgung beeinträchtigt wird. Auch ein zu hohes oder zu niedriges Kopfkissen kann den Nacken abknicken und Nerven einengen.
  • Einseitige Bewegungsabläufe und Überlastung: Stundenlanges Tippen auf der Tastatur, handwerkliche Tätigkeiten mit Drehbewegungen oder Vibration können zu Verdickungen oder Schwellungen an den Sehnen im Handgelenk führen, die Druck auf den Nerv ausüben.
  • Ergonomische Mängel: Eine suboptimale Arbeitsplatzgestaltung mit fehlender Unterstützung der Handgelenke oder einer ungünstigen Sitzposition kann ebenfalls zu einer Überlastung der Nerven führen.

Medizinische Ursachen:

  • Thoracic Outlet Syndrom (TOS): Hierbei handelt es sich um eine Kompression von Nerven und/oder Blutgefäßen im unteren Hals- und oberen Brustbereich.
  • Karpaltunnelsyndrom: Eine Einengung des Medianusnervs im Handgelenk führt zu Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
  • Kubitaltunnelsyndrom: Eine Kompression des Ulnarisnervs am Ellbogen kann zu Kribbeln und Taubheit im kleinen Finger und Ringfinger führen.
  • Schulter-Arm-Syndrom: Beschwerden an der Schulter können auch ein Kribbeln in den Händen und Fingern auslösen, wenn verhärtete Muskulatur Nerven komprimiert oder einklemmt.
  • Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule: Fehlhaltungen können dazu führen, dass Nerven gereizt oder eingeklemmt werden, was Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Händen verursachen kann.
  • Durchblutungsstörungen: Arteriosklerose, niedriger Blutdruck oder Venenschwäche können die Blutzufuhr zu den Händen beeinträchtigen und zu einem eingeschlafenen Gefühl führen.
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes, Vitamin-B12- oder Calciummangel können die Nerven- und Gefäßfunktionen beeinträchtigen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung die Blutgefäße verengen oder den Blutfluss verlangsamen.
  • Schwangerschaft: Vermehrte Flüssigkeitsansammlungen können zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Händen führen.
  • Neuralgische Amyotrophie: Eine seltene Erkrankung, bei der reißende Schmerzen im Arm auftreten, begleitet von Muskelschwäche und Lähmungen.

Das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) im Detail

Das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) ist ein Engpass-Syndrom im Bereich des oberen Brustkorbs, wo der Plexus brachialis und Blutgefäße verlaufen. Es wird durch eine Kompression dieser Strukturen verursacht, was zu verschiedenen Symptomen führen kann.

Typen des Thoracic Outlet Syndroms

Es werden drei Haupttypen des TOS unterschieden:

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  • Neurogenes TOS (nTOS): Die häufigste Form, bei der der Plexus brachialis eingeengt ist. Dies führt zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheit und Schwäche in Arm und Hand.
  • Venöses TOS (vTOS): Hierbei ist die Vena subclavia oder axillaris betroffen, was zu Schwellungen, Schmerzen und einem Schweregefühl im Arm führen kann.
  • Arterielles TOS (aTOS): Die seltenste Form, bei der die Arteria subclavia oder axillaris komprimiert wird. Dies kann zu Durchblutungsstörungen, Kälteempfindlichkeit und Schmerzen in Arm und Hand führen.

Ursachen und Risikofaktoren des TOS

Verschiedene Faktoren können zur Entstehung eines TOS beitragen:

  • Anatomische Anomalien: Eine zusätzliche Halsrippe oder andere knöcherne Veränderungen können den Raum im Thoracic Outlet verengen.
  • Fehlhaltungen und muskuläre Verspannungen: Eine schlechte Körperhaltung oder Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Druck auf die Nerven und Gefäße ausüben.
  • Verletzungen: Verletzungen wie Schleudertrauma oder Knochenbrüche können zu Verengungen im Thoracic Outlet führen.
  • Überkopfarbeit und repetitive Belastungen: Berufe oder Sportarten, die häufige Überkopfbewegungen oder sich wiederholende Armbewegungen erfordern, können das Risiko für ein TOS erhöhen.

Symptome des TOS

Die Symptome des TOS können je nach betroffenem Nerv oder Gefäß variieren:

  • Neurogenes TOS:
    • Kribbeln, Taubheit oder ziehende Schmerzen in Hand und Arm
    • Schmerzen im Hals-Nacken-Gebiet
    • Schwäche der Handmuskeln
    • Schnelle Ermüdung bei bestimmten Armhaltungen
  • Venöses TOS:
    • Schwellungen der Hand, des Arms oder der Finger
    • Bläuliche Verfärbung der Haut
    • Schmerzen und Schweregefühl im Arm
  • Arterielles TOS:
    • Kälteempfindlichkeit der Hand und Finger
    • Blässe oder Bläulichkeit der Hand
    • Schmerzen in der Hand und im Arm
    • Schlecht heilende Wunden an den Fingern

Diagnose des TOS

Die Diagnose des TOS basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden und mögliche Auslöser.
  • Körperliche Untersuchung: Spezielle klinische Tests wie der Adson-Test oder der Roos-Test können Hinweise auf ein TOS geben.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT, CT oder Duplex-Sonografie können anatomische Veränderungen wie eine Halsrippe oder Gefäßverengungen darstellen.
  • Neurologische Diagnostik: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, zwischen einem klaren Befund (true TOS) und einem „strittigen“ Fall (disputed TOS) zu unterscheiden.

Behandlung des TOS

Die Behandlung des TOS zielt darauf ab, die Kompression der Nerven und Gefäße zu beseitigen und die Symptome zu lindern.

  • Konservative Behandlung:
    • Physiotherapie: Dehnübungen und gezielte Kräftigung der Muskulatur im Nacken-, Schulter- und Brustbereich können Fehlhaltungen korrigieren und die Spannung reduzieren.
    • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
    • Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika können punktuell zur Schmerzlinderung beitragen.
    • Ergonomische Anpassung: Die Anpassung des Arbeitsplatzes und die Vermeidung von belastenden Tätigkeiten können helfen, die Symptome zu reduzieren.
  • Operative Behandlung:
    • In schweren Fällen, wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend hilft oder eine starke Gefäßverengung vorliegt, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei wird in der Regel die erste Rippe entfernt oder verwachsene Gewebestrukturen gelöst, um den Raum im Thoracic Outlet zu erweitern.

Physiotherapie und Rehabilitation bei TOS

Die Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung des TOS. Sie umfasst in der Regel:

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  • Dehnübungen: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Reduzierung von Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Brustbereich.
  • Kräftigungsübungen: Zur Stärkung der Muskulatur, die die Schulter und den Nacken stabilisiert.
  • Atemtechniken: Zur Entlastung der Halsmuskulatur und Verbesserung der Körperhaltung.
  • Neurale Mobilisation: Zur Erhöhung der Nervenbeweglichkeit und Milderung von Irritationen.
  • Skapulafokussierte Programme: Zur Verbesserung der Schulterblattkontrolle und Reduzierung des Drucks vom betroffenen Gebiet.

Genesung und Sport

Die Genesungsdauer nach einem TOS variiert je nach Art und Dauer der Beschwerden sowie der gewählten Behandlungsmethode. Nach einer Operation kann es mehrere Wochen dauern, bis man wieder intensiveren Belastungen standhalten kann. Konservative Behandlungen können ebenfalls mehrere Monate in Anspruch nehmen, bis spürbare Verbesserungen eintreten.

Vor der Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten sollte man sich unbedingt mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten beraten, um eine Überbeanspruchung zu vermeiden.

Weitere Ursachen für einen eingeschlafenen Arm

Neben dem TOS gibt es noch weitere mögliche Ursachen für einen eingeschlafenen Arm, die im Folgenden kurz erläutert werden:

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Erkrankung, bei der der Medianusnerv im Handgelenk eingeengt wird. Dies führt zu Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Kubitaltunnelsyndrom

Das Kubitaltunnelsyndrom entsteht durch eine Kompression des Ulnarisnervs am Ellbogen. Die Symptome sind Kribbeln und Taubheit im kleinen Finger und Ringfinger.

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Schulter-Arm-Syndrom

Das Schulter-Arm-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Schulter- und Armbereich, die aus unterschiedlichen Strukturen stammen können. Neben Muskeln, Sehnen und Gelenken können auch Nerven beteiligt sein.

Neuralgische Amyotrophie

Die neuralgische Amyotrophie ist eine seltene Erkrankung, bei der plötzlich reißende Schmerzen im Arm auftreten, begleitet von Muskelschwäche und Lähmungen.

Was tun bei einem eingeschlafenen Arm?

Wenn Sie häufig unter einem eingeschlafenen Arm leiden, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Ärztliche Abklärung: Lassen Sie die Beschwerden von einem Arzt abklären, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
  • Ergonomische Anpassung: Achten Sie auf eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und vermeiden Sie einseitige Belastungen.
  • Regelmäßige Bewegung: Machen Sie regelmäßig Pausen, um sich zu bewegen und die Muskulatur zu lockern.
  • Dehnübungen: Führen Sie regelmäßig Dehnübungen für Nacken, Schultern und Arme durch.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Nerven zusätzlich belasten.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Tätigkeiten, die die Beschwerden verschlimmern.

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