Der Plexus cervicalis ist ein Nervengeflecht, das sich aus den Spinalnerven C1 bis C4/C5 zusammensetzt und für die Innervierung verschiedener Strukturen im Kopf-, Hals- und Schulterbereich verantwortlich ist. Schmerzen in diesem Bereich können vielfältige Ursachen haben und erfordern eine sorgfältige Diagnose, um eine gezielte Therapie einzuleiten.
Was ist der Plexus Cervicalis?
Der Plexus cervicalis ist ein Nervengeflecht, das sich aus den vorderen Ästen der Spinalnerven C1 bis C4/C5 bildet. Er innerviert die Haut und die Muskeln des Halses, des Hinterkopfes, des oberen Brustbereichs und Teile der Schulter.
Ursachen von Plexus Cervicalis Schmerzen
Schmerzen im Bereich des Plexus cervicalis können verschiedene Ursachen haben:
- Neuralgische Amyotrophie (NA): Eine monophasische, autoimmun getriggerte Neuritis, die typischerweise mit sehr starken Schulter- beziehungsweise Armschmerzen einhergeht, auf die mit Latenz auftretende Paresen folgen. Der entzündliche Prozess betrifft in der Regel nicht den Plexus brachialis selbst, sondern proximale Abschnitte der aus dem Plexus entspringenden Armnerven.
- Facettensyndrom: Schmerzen, die von den Facettengelenken der Halswirbelsäule ausgehen und durch Arthrose oder andere degenerative Veränderungen verursacht werden können.
- Nervenwurzelreizung: Eine Reizung oder Kompression der Nervenwurzeln, die den Plexus cervicalis bilden, kann durch Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen oder andere degenerative Veränderungen verursacht werden.
- Muskuläre Verspannungen: Verhärtete Muskeln im Bereich des Halses und der Schulter können auf die Nerven des Plexus cervicalis drücken und Schmerzen verursachen.
- Einklemmung des Plexus brachialis: Verhärtete Muskeln, die auf die Nerven drücken, können zu ziehenden und unangenehmen Schmerzen führen.
- Entzündung des Plexus brachialis: Eine Überlastung der Arme oder eine Fehlbelastung im Schulterbereich kann zu einer Entzündung der Nerven führen, die mit ziehenden, klopfenden Schmerzen einhergeht.
- Verletzungen: Stürze, Verkehrsunfälle oder Sportunfälle können zu Verletzungen des Plexus cervicalis führen.
- Thoracic-Outlet-Syndrom: Eine Einengung der Strukturen, die zwischen Hals und Brustkorb verlaufen, kann zu einer Kompression der Nerven des Plexus cervicalis führen.
- Parsonage-Turner-Syndrom: Ein komplexes Schmerzsyndrom, bei dem es im Bereich der Nervenendigungen aus dem Plexus brachialis zu Reizungen und Entzündungen kommt.
- Strahlenschäden: Strahlenschäden am Plexus brachialis treten zwar selten auf, haben aber in der Regel schwerwiegende Beschwerden und Symptome zur Folge.
- Segmentale und somatische Dysfunktion der Halswirbelsäule (HWS): Blockierungen in der HWS können ein vielfältiges Spektrum an Symptomen bieten, einschließlich Schmerzen im Bereich des Plexus cervicalis.
Symptome von Plexus Cervicalis Schmerzen
Die Symptome von Plexus cervicalis Schmerzen können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen: Die Schmerzen können im Hals, Hinterkopf, in der Schulter oder im Arm lokalisiert sein. Sie können dumpf, stechend, brennend oder elektrisierend sein.
- Missempfindungen: Kribbeln, Taubheit oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" in den betroffenen Bereichen.
- Muskelschwäche: Schwäche oder Lähmung der Muskeln, die vom Plexus cervicalis innerviert werden.
- Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten, den Kopf zu drehen, den Arm zu heben oder andere Bewegungen auszuführen.
- Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen oder Migräne, die von den Nackenmuskeln ausgehen.
- Schwindel: Ein Gefühl von Drehschwindel oder Benommenheit.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder andere Sehstörungen.
- Ohrgeräusche: Tinnitus oder andere Ohrgeräusche.
- Schluckbeschwerden: Schwierigkeiten beim Schlucken oder ein Gefühl von Kloß im Hals.
Diagnose von Plexus Cervicalis Schmerzen
Die Diagnose von Plexus cervicalis Schmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche diagnostische Maßnahmen.
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Anamnese
Im Rahmen der Anamnese wird der Arzt Fragen zu den folgenden Punkten stellen:
- Art und Lokalisation der Schmerzen: Wo genau schmerzt es? Wie fühlen sich die Schmerzen an?
- Auslöser und verstärkende Faktoren: Was löst die Schmerzen aus oder verstärkt sie? Gibt es bestimmte Bewegungen oder Positionen, die die Schmerzen beeinflussen?
- Begleitsymptome: Treten neben den Schmerzen noch andere Symptome auf, wie z.B. Missempfindungen, Muskelschwäche oder Bewegungseinschränkungen?
- Vorerkrankungen und Verletzungen: Gibt es Vorerkrankungen oder Verletzungen, die die Schmerzen erklären könnten?
- Medikamenteneinnahme: Welche Medikamente werden eingenommen?
Körperliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt die folgenden Punkte überprüfen:
- Beweglichkeit der Halswirbelsäule: Kann der Kopf frei bewegt werden? Gibt es Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen?
- Muskulatur: Gibt es Verspannungen oder Verhärtungen der Nacken- und Schultermuskulatur?
- Sensibilität: Sind die Sensibilität und die Reflexe normal?
- Kraft: Ist die Kraft in den Armen und Händen normal?
- Provokationstests: Bestimmte Tests, wie z.B. der Spurling-Test, können helfen, die Ursache der Schmerzen zu lokalisieren.
Zusätzliche diagnostische Maßnahmen
Je nach Verdacht können zusätzliche diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu bestätigen oder auszuschließen. Dazu gehören:
- Röntgenaufnahmen: Um knöcherne Veränderungen, wie z.B. Arthrose oder Frakturen, darzustellen.
- Computertomographie (CT): Um detailliertere Bilder der Knochen und Weichteile zu erhalten.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Um die Nerven, Bandscheiben und andere Weichteile darzustellen. Die MR-Neurographie des Arm-Nervengeflechts ermöglicht die selektive und gleichzeitige Darstellung aller Durchflechtungsstufen des Plexus brachialis und den Nachweis von Teilläsionen eines Nervenstranges.
- Elektromyographie (EMG): Um die elektrische Aktivität der Muskeln zu messen und Nervenschäden zu erkennen.
- Elektroneurographie (ENG): Um die Nervenleitgeschwindigkeit zu messen und Nervenschäden zu beurteilen.
- Ultraschall: Mit dieser hochauflösenden Nervensonografie kann man die Armnerven untersuchen - und ggf. auch den Plexus brachialis.
Behandlung von Plexus Cervicalis Schmerzen
Die Behandlung von Plexus cervicalis Schmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, die Funktion wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern.
Konservative Behandlung
In vielen Fällen können Plexus cervicalis Schmerzen mit konservativen Maßnahmen behandelt werden. Dazu gehören:
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- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen oder Diclofenac, können helfen, die Schmerzen zu lindern. Bei neuropathischen Schmerzen können spezielle Medikamente, wie Antidepressiva oder Antikonvulsiva, eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu entspannen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieFunktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern und Kompensationsstrategien zu entwickeln.
- Elektrotherapie: Elektrotherapie kann helfen, Muskelschwund zu verzögern und die Nervenregeneration zu fördern.
- Manuelle Therapie: Mobilisationstechniken und andere manuelle Therapien können helfen, Blockierungen in der Halswirbelsäule zu lösen und dieFunktion der Gelenke und Muskeln zu verbessern.
- Rehabilitationsmaßnahmen: Rehabilitationsmaßnahmen können helfen, dieFunktion wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern.
- PASHA-Katheter: Durch Stimulation mit der PASHA-Elektrode kann die Schmerzweiterleitung im Rückenmark dauerhaft moduliert werden, ohne dem Nerven zu schaden.
Invasive Behandlung
In einigen Fällen kann eine invasive Behandlung erforderlich sein, um die Schmerzen zu lindern. Dazu gehören:
- Facettendenervierung: Bei der Facettendenervierung werden die Schmerzfasern im Bereich der arthrotischen Gelenke verödet, um die Schmerzweiterleitung auszuschalten.
- Nervenwurzelblockade: Bei einer Nervenwurzelblockade wird ein Lokalanästhetikum und Kortikosteroid in die Nähe der gereizten Nervenwurzel gespritzt, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu reduzieren.
- Operation: Eine Operation kann erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beseitigen, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose. Es gibt einige mögliche Operationsverfahren:
- Freilegung von eingeengtem Nervengewebe (Neurolyse)
- Verlagerung von gesunden Ästen an beschädigte Äste innerhalb des Plexus - die gesunden Äste können aus dem Plexus oder von außerhalb stammen (intraplexaler Nerventransfer bzw. extraplexaler Nerventransfer).
- Versetzen eines eigenen Nervenastes aus einem anderen Körperbereich (Autologe Nerventransplantation)
- Verlagerung von intakten Muskeln zum Funktionserhalt (Ersatzoperation)
Moderne Handorthesen
Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Sie unterstützen die Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen und erleichtern alltägliche Bewegungen.
Prävention von Plexus Cervicalis Schmerzen
Einige Maßnahmen können helfen, Plexus cervicalis Schmerzen vorzubeugen:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Achten Sie auf eine korrekte Haltung am Arbeitsplatz und vermeiden Sie monotone Bewegungen.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten.
- Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen. Entspannungstechniken, wie Yoga oder Meditation, können helfen, Stress abzubauen.
- Schutzausrüstung: Tragen Sie eine Schutzausrüstung, wenn Sie sich in Situationen mit einem entsprechenden Verletzungsrisiko begeben (z. B. bei Extremsportarten und beim Motorradfahren).
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