Polyneuropathie: Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie und Ergotherapie-Behandlung

Einführung

Polyneuropathie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Dieses System umfasst alle Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Die Erkrankung ist durch Schädigung oder Zerstörung mehrerer Nervenfasern gekennzeichnet, was zu einer gestörten Reizweiterleitung führt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Es ist wichtig, die Ursache der Polyneuropathie zu ermitteln, um sie mit Medikamenten und Therapien zu behandeln.

Was ist Polyneuropathie?

Unter dem Begriff Polyneuropathie versteht man eine systemische Erkrankung von Nervenzellen des peripheren Nervensystems. Das bedeutet, dass theoretisch alle Nerven betroffen sein können, die sich außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks befinden, die zusammen das zentrale Nervensystem bilden. Häufig beginnt die Erkrankung im körperfernen Bereich und setzt sich dann in Richtung des Körperstammes fort.

Die Polyneuropathie ist keine eigenständige Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Überbegriff für verschiedene Syndrome, die mit einer Schädigung von Nerven einhergehen. Verschiedene Ursachen können somit zu unterschiedlichen Formen der Polyneuropathie führen. So bezeichnet man beispielsweise eine durch Diabetes verursachte Nervenschädigung als diabetische Polyneuropathie.

Ursachen von Polyneuropathie

Die Ursachen einer Polyneuropathie sind vielfältig. In rund 80 Prozent der Fälle tritt sie als Spätfolge von Diabetes oder langjährigem Alkoholmissbrauch auf. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen)
  • Vitaminmangelzustände (vor allem Vitamin B12)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Zytostatika)
  • Toxine (z.B. Schwermetalle)
  • Genetische Ursachen
  • Entzündliche Ursachen
  • Autoimmunologische Ursachen
  • Infektiöse Ursachen

Es gibt verschiedene Typen und Formen der Polyneuropathie, die häufigste Einteilung erfolgt hinsichtlich der Ursache der Nervenschädigung.

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Hereditäre Polyneuropathien

Hereditäre Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie vererbt werden und somit meist angeboren sind. Bei den hereditären Neuropathien kann sowohl die Nervenschädigung selbst erblich bedingt sein als auch eine Grunderkrankung, in dessen Folge eine Polyneuropathie entsteht. Hierzu gehören beispielsweise Erkrankungen wie die Amyloidose oder die Porphyrie. In beiden Fällen werden die Nerven durch die krankhafte Ablagerung von Stoffen geschädigt.

Metabolische Polyneuropathien

Metabolische Polyneuropathien sind auf Stoffwechselstörungen zurückzuführen. Hierzu gehört beispielsweise die diabetische Polyneuropathie, die etwa 15-30% aller Polyneuropathien in den Industrienationen ausmacht. Ebenso kann auch eine mangelhafte Aufnahme von Vitaminen (vor allem Vitamin B12) zu einer Schädigung peripherer Nerven führen.

Häufig werden zu dieser Gruppe auch diejenigen Polyneuropathien gezählt, die durch eine Störung des Hormonhaushaltes bedingt sind, weshalb hier auch Schwangerschaften und Schilddrüsenerkrankungen als mögliche Ursachen zu nennen sind.

Entzündliche Polyneuropathien

Bei dieser Form der Polyneuropathie werden die Nerven durch einen entzündlichen Prozess geschädigt. Dabei müssen aber nicht in jedem Fall Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren beteiligt sein. Häufig liegt auch eine Fehlregulation des Immunsystems vor, wodurch körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Daher zählen zu den wichtigsten Ursachen einer entzündlichen Polyneuropathie auch rheumatische Erkrankungen oder das Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es typischerweise zu einer aufsteigenden, symmetrischen schlaffen Muskellähmung kommt.

Toxische Polyneuropathien

Verschiedene Giftstoffe können periphere Nerven schädigen und somit eine Polyneuropathie auslösen. Zu den wichtigsten Ursachen einer toxischen Polyneuropathie gehören somit Alkohol, bestimmte Medikamente wie Chemotherapeutika oder Schwermetalle wie Blei. Mit einem Anteil von etwa 15% gehört die Alkohol-Polyneuropathie zu den häufigsten Formen dieser Erkrankung.

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Symptome einer Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind. Häufige Symptome sind:

  • Kribbeln der Haut
  • Taubheitsgefühl
  • Nachlassende Muskelkraft an Händen und Füßen
  • Verdauungsprobleme
  • Juckreiz
  • Schwellungsgefühl
  • Muskelkrämpfe
  • Schwindel
  • Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Muskelschwäche
  • Sensible Reiz- und Ausfallerscheinungen: Patient:innen berichten über Kribbeln, Ameisenlaufen, Wärme- und Kältegefühle sowie über stechende und elektrisierende Empfindungen. Auch glühend-brennende Schmerzen sind typisch.
  • Motorische Reiz- und Ausfallerscheinungen: Eine Muskelschwäche macht sich zunächst durch nachlassende Ausdauer bemerkbar.
  • Schmerzlose Wunden: Aufgrund der verminderten Schmerzempfindung können Verletzungen unbemerkt bleiben.

Die Symptome variieren je nach betroffenen Nervenfasern. Das heißt, nicht alle Patient:innen weisen alle Symptome auf.

Alkoholische Polyneuropathie: Symptome

Die alkoholische Polyneuropathie entwickelt sich in der Regel langsam. Die meisten Erkrankten beschreiben Nervenstörungen in den Beinen. Sie leiden unter Schmerzen, Missempfindungen und Sensibilitätsstörungen. Auch Muskelschwund und schwere Muskelerschlaffungen (Paresen) können auftreten. Möglicherweise führen die durch die Polyneuropathie bedingten Schmerzen in den Beinen zu Schwierigkeiten, richtig zu stehen und zu Gangunsicherheit.

Diabetische Polyneuropathie

Die diabetische Polyneuropathie wird in zwei Hauptformen unterschieden: Die sensomotorische Polyneuropathie mit Empfindungs- und Bewegungsstörungen sowie die autonome Neuropathie mit Befall des vegetativen Nervensystems.

Die sensomotorische diabetische Polyneuropathie beginnt meistens in den Füßen und Beinen. Hände und Arme sind seltener betroffen. Als erstes fällt in der Regel in einem strumpf- oder handschuhförmig begrenzten Areal das Vibrationsempfinden aus. Dies kann vom Arzt getestet werden. Später beklagen die Betroffenen beispielsweise brennende Missempfindungen auf der Fußsohle ("burning feet"), schmerzende Muskelkrämpfe im Oberschenkel oder in der Wade, und dumpfe oder stechende Schmerzen in der Leiste oder am vorderen Oberschenkel. Oft verstärken sich die Beschwerden in der Nacht.

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Sehr häufig sind außerdem sensible Ausfälle an Zehen, Füßen oder Beinen mit Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens.

Auch Muskelschwäche, schnellere Ermüdbarkeit oder Lähmungen kleiner Fuß- und Handmuskeln sind typische Zeichen einer Polyneuropathie.

Bei der autonomen diabetischen Neuropathie sind unwillkürlich ablaufende Funktionen der Organe in Mitleidenschaft gezogen. Abhängig vom Muster der Nervenschädigung kann etwa die Regulation von Herz und Kreislauf gestört sein. Mögliche Anzeichen sind ein erhöhter Ruhepuls sowie fehlender Puls- und Blutdruckanstieg bei Belastung.

Weitere mögliche Anzeichen einer autonomen Neuropathie sind Potenzstörungen, Blasenentleerungsstörungen, Inkontinenz, übermäßige oder ausbleibende Schweißsekretion oder auch eine verzögerte Anpassung der Pupille an wechselnde Lichtverhältnisse.

Diagnose einer Polyneuropathie

Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden insbesondere die Sensibilität und Funktionalität der peripheren Nerven überprüft. Weitere diagnostische Maßnahmen sind:

  • Blutuntersuchungen (zur Bestimmung von Blutzucker, Vitaminen, Entzündungswerten, etc.)
  • Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelaktivität
  • Nervenbiopsie (in seltenen Fällen)
  • Analyse des Nervenwassers (Liquoruntersuchung)
  • Erbgutanalyse (bei Verdacht auf genetische Ursachen)

Elektrophysiologische Untersuchungen ergänzen den neurologischen Untersuchungsbefund. Sie decken die Verteilung und das Ausmaß der Nervenschädigung auf:

  • Die Elektroneurografie (ENG) misst, wie schnell Nerven eine Erregung weiterleiten.
  • Die Elektromyografie (EMG) zeichnet die Aktivität eines Muskels in Ruhe und bei Anspannung auf.

Differenzialdiagnostik

Die Symptome einer Polyneuropathie können denen einer Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose) ähneln. Bei einer degenerativen Wirbelkanalverengung handelt es sich um eine Abnutzungserscheinung der unteren Lendenwirbelsäule: Knochensporne drücken auf das Rückenmark. Dadurch kann ein brennender Schmerz im Rücken und in den Beinen entstehen. Sowohl eine Polyneuropathie als auch eine Wirbelkanalverengung können Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Taubheit und brennende Schmerzen in den Händen und Füßen hervorrufen. Darum ist es wichtig, Krankheiten mit ähnlichen oder gleichen Symptomen vor dem Beginn einer Behandlung durch sorgfältige Untersuchungen auszuschließen (Differenzialdiagnostik)

Therapie einer Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache. Ziel ist es, die Grunderkrankung zu behandeln und die Symptome zu lindern.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig. Bei Alkoholmissbrauch ist ein Verzicht auf Alkohol erforderlich. Bei Vitaminmangelzuständen werden entsprechende Präparate verabreicht.
  • Medikamentöse Schmerztherapie: Gegen neuropathische Schmerzen werden Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva eingesetzt.
  • Physiotherapie: Physiotherapie hilft, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt die Patienten bei der Bewältigung von Alltagstätigkeiten und der Verbesserung der Lebensqualität.
  • Weitere Therapien: In einigen Fällen können auch physikalische Therapie, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder operative Eingriffe erforderlich sein.

Medikamentöse Behandlung

Nervenschmerzen sind individuell mit Medikamenten behandelbar. Neben Schmerzmitteln kommen Antidepressiva oder Mittel ge…

Schmerzmittel

Polyneuropathisch bedingte Schmerzen sind durch Schmerzmittel (Analgetika) oft nur schwer in den Griff zu bekommen. Gelegentlich auftretende Beschwerden sprechen häufig auf eine Therapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) oder verwandten Medikamenten an. Allerdings soll vor Einnahme dieser Substanz eine Beratung durch den Arzt erfolgen. Lassen die Schmerzen trotz ASS nicht nach oder ist die Einnahme von ASS nicht möglich, stehen eine Vielzahl anderer Schmerzmittel zur Verfügung, deren Wirksamkeit systematisch erprobt werden muss:

Thioctsäure bzw. Alphaliponsäure

Durch die anfänglich hochdosierte Gabe von Thioctsäure können sich die Schmerzen und das Wahrnehmungsvermögen bessern, die Wirkung ist aber unsicher und die Behandlung wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Antidepressiva (z.B. Amitriptylin)

Diese Medikamente wurden ursprünglich zur Therapie von Depressionen entwickelt, sie haben aber auch Bedeutung in der Schmerzbehandlung. Antidepressiva beseitigen den Schmerz nicht, machen ihn aber für die Betroffenen erträglicher. Die Wirkstoffe dieser Gruppe unterdrücken u.a. die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark. Um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, werden die Medikamente einschleichend dosiert, d.h. langsam die Dosis gesteigert bis die gewünschte Wirkung eintritt. Falls doch Nebenwirkungen auftreten wie z.B. Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und Probleme beim Wasserlassen muss die Dosis gesenkt oder das Medikament abgesetzt werden. Um die Rate der Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, kann die Blutkonzentration des verordneten Antidepressivums überprüft werden.

Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin)

Antikonvulsiva werden auch zur Schmerzbekämpfung eingesetzt Es handelt sich um Medikamente gegen Krampfanfälle, die vorrangig zur Behandlung der Epilepsie zum Einsatz kommen. Sie dämpfen die Erregbarkeit von Nervenzellen. Auch hier müssen die Mittel häufig einschleichend dosiert werden, damit keine Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit auftreten. Bei der Behandlung mit diesen Medikamenten muss der Arzt besonders sorgfältig auf Veränderungen von speziellen im Blut bestimmbaren Werten achten, weshalb regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig sind. Allerdings haben sie zwei große Nachteile: Die Wirkung kann mit der Zeit nachlassen, so dass die Dosis erhöht werden muss (Toleranz-Entwicklung). Aufgrund einer möglichen psychischen Gewöhnung muss die Einnahme vom Arzt streng überwacht werden.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Gegen die Nervenschmerzen helfen manchmal auch Nervenstimulationen. Dabei trägt der Patient ein kleines elektrisches Gerät, das über eine Elektrode mit der schmerzhaften Hautregion verbunden ist. Bei Bedarf werden elektrische Impulse abgegeben, welche die Hautnerven reizen. (Nach einer Theorie werden bevorzugt die schnell-leitenden Fasern der Hautnerven gereizt. Die Impulse treffen dann vor den Schmerz-Impulsen im Rückenmark ein. Dort sollen sie die Weiterleitung der Schmerz-Impulse behindern. Nach einer anderen Theorie werden durch die Impulse so genannte „schmerzlindernde“ körpereigene Botenstoffe, die Endorphine, freigesetzt. Einige Ärzte berichten über gute Erfolge mit der TENS-Methode. Es gibt aber keine kontrollierten Studien, welche die Wirksamkeit bei Nervenschmerzen belegen.)

Physikalische Therapie

Die physikalische Therapie hilft bei der Schmerzbekämpfung, vor allem gegen die sensiblen und motorischen Störungen einer Polyneuropathie. Mit Hilfe verschiedener Anwendungen soll die Durchblutung verbessert, die geschwächten Muskeln gestärkt und die Mobilität längstmöglich aufrechterhalten werden. Dabei kommen z.B.

Reha bei Polyneuropathie

Der multimodale Behandlungsansatz von Polyneuropathien in den neurologischen Rehabilitationskliniken zielt einerseits, soweit möglich, auf die optimale Behandlung der zugrunde liegenden Ursache der Erkrankung ab. So erfolgen z. B. bei Diabetes-Patienten eine intensive Schulung zu Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung, eine individuelle Ernährungsberatung und bei Bedarf weitere Maßnahmen zur Modifikation von Lebensumständen, die die Erkrankung ungünstig beeinflussen können. Andererseits erfolgen eine engmaschige Kontrolle und gegebenenfalls die Optimierung der medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlung des Diabetes. Ähnliches gilt für den chronischen Alkoholmissbrauch, die Erkrankungen von Niere, Leber oder Schilddrüse sowie Vitaminmangelzustände.

Spezifische Symptome der Polyneuropathie wie Lähmungserscheinungen sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen werden entsprechend individuell behandelt. Hier greifen Anwendungen aus Physiotherapie und Ergotherapie sinnvoll ineinander.

Sensible Symptome erfordern Therapien aus den Bereichen Ergotherapie und physikalische Therapie, gegebenenfalls flankiert durch eine spezielle medikamentöse Schmerzbehandlung zur Linderung von quälenden sensiblen Reizerscheinungen. Bestehen aufgrund einer Mitbeteiligung von Hirnnerven Sprech- und/oder Schluckstörungen werden diese logopädisch therapiert. Depressionen in der Folge der Erkrankung werden bei Bedarf sowohl durch eine psychologische Betreuung als auch medikamentös mitbehandelt.

Liegen besondere Ursachen der Erkrankung vor und sind spezielle medikamentöse Behandlungskonzepte erforderlich, können diese unter Umständen in unseren MEDIAN-Kliniken fortgeführt werden.

Ergotherapie bei Polyneuropathie

Bei der Polyneuropathie liegt das Ziel der Ergotherapie darauf die Begleiterscheinungen zu behandeln. Hauptfokus ist es das Kribbeln, die Taubheitsgefühle und auch die Schmerzen zu reduzieren. Dies ist auch eine Prävention bezüglich der Verletzungsgefahr im Alltag. Nicht selten kommt es bei der Polyneuropathie zu koordinativen Störungen.

Selbsthilfemaßnahmen und Prävention

Neben der ärztlichen Behandlung können Betroffene selbst einiges tun, um den Verlauf der Polyneuropathie positiv zu beeinflussen:

  • Optimale Behandlung der Grunderkrankung: Eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes, Alkoholkarenz bei Alkoholmissbrauch und die Substitution von fehlenden Vitaminen sind wichtige Basismaßnahmen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist wichtig für die Nervengesundheit.
  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und kann die Nervenfunktion verbessern.
  • Fußpflege: Eine sorgfältige Fußpflege ist besonders wichtig, um Verletzungen und Infektionen vorzubeugen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Alkohol, Nikotin und andere schädliche Substanzen.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress kann die Symptome der Polyneuropathie verschlimmern. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind wichtig, um den Verlauf der Erkrankung zu überwachen und die Therapie anzupassen.

Präventive Maßnahmen gegen Polyneuropathie und das Guillain-Barré-Syndrom

Die Prävention gegen Polyneuropathie und das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) umfasst verschiedene Maßnahmen. Sie sollen die Risikofaktoren minimieren und die allgemeine Nervengesundheit fördern. Bei Diabetes mellitus ist eine konsequente Kontrolle des Blutzuckerspiegels ausschlaggebend, um das Risiko einer diabetischen Neuropathie zu verringern. Sie sollten den HbA1c-Wert, der den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate widerspiegelt, unter 7 % halten. Eine ausgewogene Ernährung ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Sie unterstützt die Nervengesundheit. Besonders wichtig sind B-Vitamine, wie B1, B6 und B12, die Sie durch den täglichen Verzehr von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Milchprodukten oder Fleisch aufnehmen können. Alkohol ist auch in geringen Mengen schädlich. Der Konsum kann eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen, begünstigen oder verschlimmern. Da bestimmte Infektionen wie Campylobacter jejuni mit dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) in Verbindung gebracht werden, sollten Sie auf gute Hygiene achten. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und kann das Risiko einer Polyneuropathie verringern. Bestimmte Chemikalien und Schwermetalle können Polyneuropathien verursachen. Chronischer Stress kann das Immunsystem beeinträchtigen und das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen. Praktizieren Sie regelmäßig Entspannungstechniken wie tiefe Atemübungen, Meditation oder Yoga. Regelmäßige medizinische Untersuchungen helfen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, so dass sie behandelt werden können. Halten Sie Ihren Impfstatus auf dem neuesten Stand, um Infektionen vorzubeugen, die Polyneuropathie oder GBS auslösen können. Bei bestehender Polyneuropathie ist eine sorgfältige Fußpflege wichtig, um Verletzungen und Wunden vorzubeugen. Wenn Sie diese Maßnahmen in Ihren Alltag integrieren, tun Sie viel für Ihre Nervengesundheit. Das kann das Risiko für Polyneuropathie und GBS verringern.

Fußhygiene bei Polyneuropathie

Die richtige Fußhygiene soll v.a. verhindern, dass sich kleine, unbemerkte Verletzungen entzünden. Deshalb müssen die Patienten darauf achten, täglich ihre Füße nach Blasen, Rötungen, Schwielen etc. zu untersuchen. Bei nicht einsehbaren Bereichen, z.B. an der Fußsohle oder zwischen den Zehen, kann ein Spiegel zur Hilfe genommen werden. Die Füße sollten täglich mit warmem, aber nicht heißem Wasser und einer milden Seife gereinigt werden. Die Haut sollte dabei nicht einweichen. Das regelmäßige Schneiden der Fußnägel versteht sich von selbst, damit sie nicht „einwachsen“ oder von innen gegen die Schuhe drücken. Vielfach ist eine regelmäßige professionelle medizinische Fußpflege, z.B. bei einer Kosmetikerin, sinnvoll. Zusätzlich sollten natürlich immer gut passende Schuhe getragen werden, in denen die Zehen genügend Bewegungsfreiheit haben und keine Druckstellen entstehen können. Neue Schuhe sollten langsam eingelaufen werden, zuerst nur wenige Stunden am Tag.

Was können Sie selbst tun?

Der wichtigste Beitrag, den Sie selbst leisten können, ist die konsequente Alkoholkarenz. Auch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung tragen wesentlich zur Stabilisierung bei. Vermeiden Sie Unterkühlung der Füße, tragen Sie bequemes, schützendes Schuhwerk und achten Sie täglich auf Verletzungen oder Druckstellen. Regelmäßige Kontrolltermine in unserer Praxis helfen, die Entwicklung Ihrer Nervengesundheit zu überwachen und die Therapie anzupassen.

Begleiterkrankungen

Häufig kommt es aufgrund der konstanten Schmerzen einer Polyneuropathie zu Depressionen und Gewichtsabnahmen.

Polyneuropathie und das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) können mit verschiedenen Erkrankungen einhergehen, die entweder als Ursache oder als Folge der Nervenschädigung auftreten. Diabetes mellitus ist eine der häufigsten Ursachen für Polyneuropathie. Die chronisch erhöhten Blutzuckerwerte können zu einer Schädigung der kleinen Blutgefäße führen, die die Nerven versorgen. Verschiedene Infektionen können sowohl Polyneuropathie als auch GBS auslösen. Campylobacter jejuni, ein Bakterium, das häufig mit Lebensmittelvergiftungen in Verbindung gebracht wird, ist eine bekannte Ursache für GBS. Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom oder systemischer Lupus erythematodes (SLE) können Polyneuropathien verursachen. Paraneoplastische Syndrome, die im Zusammenhang mit Krebserkrankungen auftreten, können ebenfalls Polyneuropathien verursachen. Eine chronische Nierenkrankheit kann zu einer Ansammlung von Toxinen im Körper führen. Das wiederum kann eine sogenannte urämische Neuropathie verursachen (Urämie ist einer Harnvergiftung), denn die nicht ausgeschiedenen Schlackenstoffe im Harn vergiften den Organismus. Chronischer Alkoholmissbrauch ist eine weitere häufige Ursache für Polyneuropathie.

Die Behandlung der zugrundeliegenden Begleiterkrankungen ist entscheidend für die Prognose und das Management von Polyneuropathie und des Guillain-Barré-Syndroms (GBS).

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