Polyneuropathie: Ursachen, Diagnose und moderne Therapieansätze

Die Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Schädigung mehrerer Nerven gleichzeitig gekennzeichnet ist. Sie kann sich durch vielfältige Symptome äußern, wie z.B. Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwäche, vor allem in den Extremitäten. Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind vielfältig und reichen von Stoffwechselerkrankungen über toxische Einflüsse bis hin zu genetischen Faktoren.

Ursachenvielfalt der Polyneuropathie

Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind äußerst vielfältig. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Formen. Bei der primären Polyneuropathie sind die Ursachen oft nicht genau bekannt, während die sekundäre Polyneuropathie auf bekannte Grunderkrankungen zurückzuführen ist.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Diabetes mellitus: Die diabetische Polyneuropathie ist eine der häufigsten Komplikationen von Diabetes und entsteht durch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte, die Nervenschäden verursachen. In Deutschland sind schätzungsweise 13,5 % der Diabetiker von einer Polyneuropathie betroffen.
  • Alkoholmissbrauch: Alkohol kann Nervenzellen direkt schädigen und zu einer alkoholbedingten Polyneuropathie führen.
  • Nierenerkrankungen: Eine Niereninsuffizienz kann zu einer Anreicherung von Stoffwechselprodukten im Körper führen, die Nerven schädigen können.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können Polyneuropathien verursachen.
  • Mangelernährung: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen (z.B. B1, B12) oder Magnesium kann Nervenschäden verursachen.
  • Toxische Substanzen: Verschiedene Substanzen wie Schwermetalle, Lösungsmittel oder bestimmte Medikamente (z.B. Chemotherapeutika) können Nervenschäden verursachen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Borreliose, HIV oder Herpes Zoster können Polyneuropathien auslösen.
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Rheuma können Nerven und Gefäße langfristig schädigen.
  • Genetische Faktoren: In seltenen Fällen kann eine Polyneuropathie auch genetisch bedingt sein.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Eine Nervenleitungsstörung kann Ursache für ein Restless-Legs-Syndrom sein.

Es gibt wohl an die 300 Ursachen für PNP, wobei etwa 30% davon Diabetiker sind, dazu auch Alkoholiker (wohl 11%). Aber auch ein Großteil ohne klare Ursache.

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) im Zusammenhang mit Polyneuropathie

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Stechen. Die Symptome treten vor allem in Ruhe auf, verstärken sich abends und nachts und bessern sich durch Bewegung.

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Ein sekundäres RLS kann durch Grunderkrankungen wie Eisenmangel, Nierenfunktionsstörungen, Schilddrüsenfehlfunktionen oder eben auch Polyneuropathie verursacht werden.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen von den betroffenen Nerven ab. Typische Symptome sind:

  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, brennende Schmerzen oder Verlust des Schmerz- und Temperaturempfindens, meist beginnend in den Füßen und Händen.
  • Motorische Störungen: Muskelschwäche, Lähmungen, Muskelkrämpfe oder Gangunsicherheit.
  • Vegetative Störungen: Störungen der Schweißsekretion, Verdauungsprobleme, Herz-Kreislauf-Probleme oder Blasenfunktionsstörungen.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose einer Polyneuropathie umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und verschiedene neurologische Tests.

Wichtige diagnostische Maßnahmen sind:

  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Reflexe, der Sensibilität und der Muskelkraft. Untersucht werden könne es beim Arzt (Neurologe) mittels Stimmgabel, Reflexhammer oder Stromreizen (um die Nervenleitgeschwindigkeit zu messen).
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen, um mögliche Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen zu identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Therapie der Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ziel ist es, die Ursache zu behandeln, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

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Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei einer diabetischen Polyneuropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung entscheidend. Bei Alkoholmissbrauch ist ein Alkoholverzicht notwendig. Bei Vitaminmangel müssen die fehlenden Vitamine ersetzt werden.
  • Schmerztherapie: Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft zu verbessern, die Koordination zu schulen und die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Kompensationsstrategien zu entwickeln.
  • Orthesen: Moderne Orthesen können die neurologischen und anatomischen Funktionen fördern und die Bewegungsfähigkeit verbessern.

Moderne Orthesenversorgung bei Polyneuropathie

Neben den grundsätzlichen Anforderungen wie Sicherheit, Korrektur und Verbesserung eingeschränkter Funktionen müssen moderne Orthesen exakt an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Heutzutage werden Konzepte für die Versorgung mit modernen Orthesen angeboten, die die neurologischen und anatomischen Funktionen nicht einschränken, sondern fördern. Der grundlegend neue Ansatz ist hier, dass bei einer Orthese die Stützfunktion mit der dynamischen Funktion kombiniert wird. Auf diese Weise können neurologische Funktionen (re-)aktiviert werden, die zu einer physiologischen Funktionsübernahme der anatomischen Strukturen führen.

Im Gegensatz zu früheren starren Apparaten, welche die Bewegung wie eine „Ritterrüstung“ einschränkten und sehr schwer waren, fördern heutige Orthesen die Bewegungsfähigkeit. Die Lähmungsorthese wird dafür als Maßanfertigung in Leichtbauweise hergestellt, bei der moderne Materialien wie Carbonfaser und Titan verwendet werden. Durch den Einsatz von Orthesengelenken kann die Dynamik der Orthese exakt mit den Drehpunkten der Bewegungsachsen der anatomischen Gelenke für die untere Extremität in Übereinstimmung gebracht werden. Die Dynamik der Orthese findet genau an dem Punkt statt, an dem bei gesunden Menschen die Dynamik im skelettalen System erfolgt.

Patienten mit gelähmter Muskulatur erhalten durch die Steifigkeit Sicherheit beim Stehen und Gehen. Diese Steifigkeit, kombiniert mit der Beweglichkeit der Systemgelenke, führt dazu, dass die angeeigneten Kompensationsmechanismen abgebaut werden oder bei einer frühzeitigen Versorgung gar nicht erst entstehen. Folglich können auch Schmerzen, resultierend aus einem pathologischen (krankhaften) Gangbild, die oft in der Schulter oder im Rücken auftreten, minimiert oder verhindert werden.

Weitere Therapieansätze

Zusätzlich zu den genannten Therapieansätzen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Symptome einer Polyneuropathie zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:

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  • Akupunktur: In der chinesischen Medizin werden Nervenerkrankungen dem Nieren-Blasen-Organsystem zugeordnet. Akupunktur kann helfen, den Energiefluss im Körper zu harmonisieren und Blockaden zu lösen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann helfen, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.

Fallbeispiele aus der Praxis

Die Komplexität der Polyneuropathie und die Notwendigkeit einer individuellen Therapie werden durch folgende Fallbeispiele verdeutlicht:

  • Fallbeispiel 1: Eine Patientin mit einer schweren Nervenerkrankung und Lähmungen erlebte einen Schock durch die Krebserkrankung ihrer Mutter. Nach dem Tod der Mutter traten Erbstreitigkeiten auf. Die Patientin entwickelte eine Muskelentzündung und Nervenlähmung. Die Behandlung umfasste die Berücksichtigung des Angst- und Unsicherheitsschocks, die Reduzierung der elektromagnetischen Belastung im Schlafbereich sowie die Sanierung von Störfeldern im Bereich der Zähne. Nach Entfernung von acht toten Zähnen konnte die Patientin die Arme wieder über den Kopf heben und selbstständig aufstehen. Allergien auf verschiedene Nahrungsmittel und Substanzen wurden gelöscht, was zu einer kontinuierlichen Funktionsverbesserung der Nerven und Muskeln führte.
  • Fallbeispiel 2: Ein zehnjähriger Junge mit Harninkontinenz wies eine Tetanusbelastung auf. Nach einer einmaligen Tetanusantitoxininjektion nässte der Patient nicht mehr ein.
  • Fallbeispiel 3: Der Autor selbst erlitt eine zehntägige Trigeminusneuralgie nach einer fieberhaften Bronchitis und Antibiotikatherapie. Als Störfeld wurde ein entzündlicher Herd im Bereich eines Zahnes identifiziert, der durch Tetanustoxin verursacht wurde. Die Injektion von Tetanusantitoxin führte zur Schmerzfreiheit. Eine Wasserader im Schlafbereich wurde als weitere Ursache für die Infektanfälligkeit identifiziert.

Prävention der Polyneuropathie

Einige Risikofaktoren für Polyneuropathie können durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden. Dazu gehören:

  • Vermeidung von Alkoholmissbrauch: Ein maßvoller Alkoholkonsum oder der Verzicht auf Alkohol kann das Risiko einer alkoholbedingten Polyneuropathie senken.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann helfen, Vitaminmangel vorzubeugen.
  • Vermeidung von toxischen Substanzen: Der Kontakt mit toxischen Substanzen sollte vermieden werden.

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