Polyneuropathie und Reizdarm: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks, die für die Reizwahrnehmung, Muskelbewegung und Organsteuerung verantwortlich sind. Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig und nicht immer bekannt. Häufige Auslöser sind Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Nährstoffmangel und bestimmte Medikamente. In manchen Fällen bleibt die Ursache unklar, was als idiopathische Polyneuropathie bezeichnet wird.

Diabetische Polyneuropathie

Diabetes kann Nervenschäden verursachen, die als diabetische Neuropathie bezeichnet werden. Durch einen Diabetes verursachte Nervenkrankheiten können unterschiedliche Bereiche des Nervensystems betreffen. Entsprechend anders kann auch das Krankheitsbild aussehen. Allgemein unterscheidet man 2 Kategorien:

  • Periphere diabetische Polyneuropathie (betroffen sind Nerven, die für Bewegung der Muskeln und Berührungsempfinden der Haut zuständig sind)
  • Vegetative diabetische Neuropathie (betroffen sind Nerven, welche die Organe im Körper steuern)

Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, fühlen Patientinnen und Patienten beispielsweise Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Füßen oder Händen. Auch Verdauung oder Herzschlag können durch eine Neuropathie beeinträchtigt werden. In frühen Krankheitsstadien bleibt die Erkrankung jedoch häufig unbemerkt.

Anzeichen einer peripheren Polyneuropathie

Der Teil des Nervensystems, durch den beispielsweise Bewegungen bewusst gesteuert werden, wird willkürliches Nervensystem oder auch somatisches Nervensystem genannt. Ist dieser Teil des Nervensystems durch einen Diabetes mellitus geschädigt, spricht man von einer peripheren diabetischen Polyneuropathie. Am häufigsten tritt die periphere diabetische Polyneuropathie rechts und links am Körper ähnlich stark ausgeprägt auf.

Am Anfang spüren Betroffene häufig keine Beschwerden. Es kommt oft vor, dass eine periphere Polyneuropathie erst entdeckt wird, wenn schon Symptome vorliegen. Zumeist beginnen diese in Füßen und Unterschenkeln oder seltener auch in Händen und Armen. Die meisten Anzeichen können auch bei anderen Krankheiten vorkommen. Durch eine ärztliche Untersuchung sollten sie ausgeschlossen werden.

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Eine periphere diabetische Polyneuropathie kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Manche Menschen spüren Berührungen, Temperaturunterschiede oder Schmerzreize immer schlechter. Weil dabei die Nerven weniger Signale an das Gehirn leiten, spricht man von sogenannten Negativsymptomen. Bei ungefähr der Hälfte aller Betroffenen kommt es aber zu Missempfindungen, wie Kribbeln, Pelzigkeit oder Brennen bis hin zu starken Schmerzen. Diese Missempfindungen werden zu den Positivsymptomen gezählt, da zusätzliche, jedoch nicht korrekte Empfindungen wahrgenommen werden. Solche unangenehmen Empfindungen nehmen Betroffene in Ruhe, vor allem abends oder nachts tendenziell stärker wahr und spüren oft Besserung während Bewegung. Weitere mögliche Symptome sind schwächere Muskeln in den Beinen und ein unsicherer Gang. Es gibt aber auch eine Reihe an anderen Krankheiten, die ähnliche Beschwerden verursachen. Daher ist eine genaue ärztliche Untersuchung wichtig.

Weil durch eine Polyneuropathie Verletzungen und Druckstellen an den Füßen schlechter wahrgenommen werden, entstehen häufiger schwere, schlecht heilende Wunden an den Füßen. Dies wird Diabetisches Fußsyndrom genannt.

Anzeichen einer vegetativen diabetischen Neuropathie

Der Teil des Nervensystems, der die Funktionen der inneren Organe steuert, ohne dass wir dies bewusst beeinflussen, wird unwillkürliches oder vegetatives Nervensystem genannt. Ist dieser Teil durch einen Diabetes geschädigt, spricht man von einer vegetativen diabetischen Neuropathie.

Je nachdem, welches Organ von der Neuropathie betroffen ist, zeigen Betroffene ganz unterschiedliche Symptome. Starke Beschwerden treten bei diesen Erkrankungen seltener und häufig erst nach langer Diabetes-Dauer auf.

Das Herz-Kreislauf-System kann von solchen Nervenschäden betroffen sein. Oft schlägt dann das Herz schon in Ruhe schneller als üblich. Dadurch können sich Herz und Kreislauf weniger gut an wechselnde Belastungen wie zum Beispiel unter anstrengender sportlicher Aktivität oder unter starkem Stress anpassen. Herzrhythmusstörungen kommen häufiger vor, und das Risiko für Schlaganfälle und plötzlichen Herztod steigt. Es kann daher sinnvoll sein, Medikamente zu vermeiden, welche die Anpassungsfähigkeit des Herzschlags (Herzfrequenzvariabilität) reduzieren. Da die Symptome einer reduzierten Herzfrequenzvariabilität aber sehr unspezifisch sind, sollte die Herz-Kreislauf-Funktion gründlich untersucht werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.

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Ist der Magen-Darm-Trakt von Nervenschäden betroffen, kann dies zu Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall oder auch Verstopfungen führen. Ein häufiger Grund dafür ist, dass sich der Magen durch die Nervenschädigung entweder zu schnell oder zu langsam entleert. Speiseröhre, Magen und Darm transportieren die Nahrung durch gezielte Muskelanspannung und -entspannung. All dies wird durch das Nervensystem mitgesteuert und kann somit durch Diabetes beeinträchtigt werden.

Auch Störungen beim Entleeren der Blase und bei der Sexualität können eine Folge der vegetativen Neuropathie sein. Manche Betroffene spüren nicht mehr, dass ihre Blase voll ist oder können sie nicht mehr richtig entleeren. Andere haben stets das Gefühl auf die Toilette gehen zu müssen, ohne dass die Blase gefüllt ist. Viele Männer und Frauen leiden in Folge von Diabetes auch an sexuellen Funktionsstörungen.

Da so gut wie alle Organe im Körper durch das Nervensystem beeinflusst werden, können noch viele weitere Funktionen von vegetativen Nervenschäden betroffen sein, so auch das Hormonsystem, die Schweißdrüsen oder die Steuerung der Augenbewegung.

Risikofaktoren für Neuropathie

Eine Reihe von Faktoren erhöhen das Risiko für diabetische Nervenschäden:

  • Höheres Lebensalter
  • Längere Diabetes-Dauer
  • Langjährig erhöhte Blutzuckerwerte
  • Häufige Stoffwechselentgleisungen bei Kindern und Jugendlichen
  • Gefäßkrankheiten
  • Augen- und Nierenerkrankungen durch Diabetes
  • Erhöhte Blutfette
  • Hoher Blutdruck
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Mangelnde Bewegung
  • Übergewicht
  • Falsche Ernährung

Prävention von diabetischer Neuropathie und Polyneuropathie

Menschen mit Typ-1-Diabetes können einiges tun, um das Risiko für eine Neuropathie zu verringern oder das Fortschreiten von Nervenschäden zu verlangsamen. Auch wenn das Auftreten einer Neuropathie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht direkt verhindert werden kann, gibt es einige Risikofaktoren, die günstig beeinflusst werden können.

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Bei Typ-1-Diabetes senken ein schon früh sehr gut eingestellter Stoffwechsel mittels intensivierter Insulintherapie und langfristig im Normbereich liegende Blutzuckerwerte nachgewiesen das Risiko für Nervenschäden.

Achtung: Bei der Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes darf der Blutzucker dennoch nicht unmittelbar zu stark gesenkt werden.

Es gibt Hinweise, dass ausreichend körperliche Aktivität nicht nur vegetative Nervenschäden, sondern auch die Symptome von peripheren Nervenschäden lindert. Das gilt sowohl für Menschen mit Typ-1-Diabetes als auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Insgesamt ist ein gesunder Lebensstil entscheidend:

  • Rauchen Sie nicht.
  • Vermeiden Sie möglichst alkoholische Getränke, denn Alkohol verursacht ebenfalls Neuropathien.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und haben Sie die Nährstoffe Ihrer Speisen und Getränke im Blick.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Achten Sie auf ein normales Körpergewicht.

Diagnostische Untersuchungen

Menschen, die bereits Beschwerden einer Neuropathie wahrnehmen, sollten diese in der ärztlichen Sprechstunde (Fachgebiet: Neurologie) schildern (was, wann, seit wann, wie, wo). Bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes und einer schlechten Stoffwechsellage führen Ärztinnen oder Ärzte nach einer Diabetes-Dauer von 5 Jahren die ersten Untersuchungen durch, um eine Neuropathie zu erkennen. Bei Kindern erfolgen die ersten Untersuchungen ab dem 11. Lebensjahr. Danach werden die Untersuchungen jedes Jahr wiederholt. Bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes ohne Anzeichen einer Neuropathie führt die Ärztin oder der Arzt 1-mal jährlich Untersuchungen durch, um Nervenschäden frühzeitig zu erkennen.

Zu diesen Untersuchungen gehört eine detaillierte Beschreibung der Symptome sowie die Krankengeschichte mitsamt eingenommener Medikamente und Begleiterkrankungen. Dies ist sehr wichtig, um andere Krankheiten oder Medikamente als Ursachen von Nervenschäden oder Symptomen auszuschließen. Orthopädische Probleme wie Bandscheibenvorfälle, andere neurologische Probleme, bestimmte Medikamente oder Alkohol können ebenfalls Nervenschäden verursachen. Sie sind nicht immer leicht von diabetischen Nervenschäden abgrenzbar. Sind Schmerzen vorhanden, sollte die Schmerzintensität dokumentiert werden, um den Verlauf und den Erfolg einer eventuellen Behandlung beurteilen zu können.

Anschließend schaut sich die Ärztin oder der Arzt die Beine und Füße genauer an und untersucht beispielsweise die Beweglichkeit der Muskeln und Gelenke und die Empfindungsfähigkeit der Haut. Das Berührungsempfinden kann mit Watte oder einem festen Nylonfaden überprüft werden. Mit einem spitzen Gegenstand wird untersucht, ob das Schmerzempfinden noch normal funktioniert. Außerdem wird mit einer schwingenden Stimmgabel das Vibrationsempfinden überprüft. An Knie und Ferse kann durch das Klopfen auf die Sehne mit einem Reflexhammer untersucht werden, ob die Muskelreflexe ausgelöst werden können.

Ist die Diagnose mit diesen recht einfach durchzuführenden Methoden noch unsicher, können weitere, speziellere neurologische Untersuchungen veranlasst werden. Da Nerven wie elektrische Kabel funktionieren, kann untersucht werden, wie schnell diese die elektrischen Impulse leiten, was als Nervenleitgeschwindigkeit bezeichnet wird. Dieser Test heißt Elektroneurographie. In seltenen Fällen entnehmen Fachleute auch eine sehr kleine Haut-Gewebeprobe oberhalb des Knöchels und untersuchen, ob in der Haut weniger Nervenfasern vorhanden sind als üblich.

Untersuchungen zur Früherkennung der vegetativen Neuropathie werden bisher nur selten außerhalb der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt. Die Schnelligkeit und die Variabilität des Pulsschlags können wertvolle Hinweise geben. Allerdings werden hierfür längere Aufzeichnungen des Herzschlags benötigt (Langzeit-EKG). Umso wichtiger ist es, dass Betroffene in der ärztlichen Sprechstunde von möglichen Anzeichen berichten und andere Ursachen ausgeschlossen werden. Gibt es Anzeichen für Nervenschädigungen im Magen-Darm-Trakt, an der Blase oder den Geschlechtsorganen, werden Betroffene zu Spezialistinnen und Spezialisten des jeweiligen Organsystems überwiesen.

Behandlung der Polyneuropathie

Häufig können Nervenschäden nicht geheilt oder rückgängig gemacht werden. Durch eine regelmäßige Vorsorge und frühzeitige Therapie bestehender Risikofaktoren kann jedoch das Auftreten und der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden.

So kann eine Behandlung das Fortschreiten der diabetischen Polyneuropathie verhindern oder zumindest verzögern und die Beschwerden lindern.

Bei Typ-1-Diabetes kann ein sehr gutes Blutzuckermanagement das Fortschreiten verzögern oder aufhalten. Sobald eine Neuropathie festgestellt wird, sollten Betroffene zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt gemeinsam entscheiden, welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen. Diese können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein. In jedem Falle ist es wichtig, andere Ursachen für Nervenschäden, wie zum Beispiel einen erhöhten Alkoholkonsum oder einen Mangel an Vitamin B12, so weit wie möglich zu reduzieren. Bei Schmerzen dient eine Therapie nicht allein der Schmerzlinderung, sondern auch der Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität durch besseren Schlaf und bessere Beweglichkeit.

Medikamentöse Therapie

Bei Missempfindungen und Schmerzen können einige Medikamente helfen, die Symptome zu lindern. Wichtig an dieser Stelle: Übliche Schmerzmittel gegen Kopf-, Gelenk- oder Magenschmerzen (Aspirin, Ibuprofen und weitere) sind nicht geeignet. Stattdessen sollten Ärztinnen oder Ärzte bestimmte Medikamente verschreiben, die direkt auf das Nervensystem wirken, wie Pregabalin oder Duloxetin.

Die Dosierung dieser Medikamente sollte bis zum Wirkeintritt, aber nicht über die Maximaldosierung hinaus gesteigert werden, sofern sie vertragen werden. In der Praxis kommt es oft vor, dass mit einer niedrigen Dosis begonnen und dann vergessen wird, diese zu steigern, obwohl noch keine Linderung der Symptome eingetreten ist. Wichtig ist daher, die mögliche Dosierung auszureizen, bevor auf ein anderes Medikament gewechselt wird.

Bei Nebenwirkungen muss sorgfältig abgewogen werden, inwiefern diese vertretbar sind oder nicht. Abhängig von der Art der neuropathischen Symptome und der Begleiterkrankungen können gegebenenfalls auch mehrere Medikamente kombiniert werden. In schweren Fällen ist auch der Einsatz von Morphinen gerechtfertigt.

Neben diesen symptomatischen Therapien gibt es auch Ansätze, die Nervenschäden verursachenden Mechanismen durch Medikamente zu beeinflussen. Alpha-Liponsäure, ein frei verkäufliches und gut verträgliches Medikament, zeigte in diversen Studien einen günstigen Einfluss auf die Nervenfunktion und Symptome der peripheren diabetischen Polyneuropathie. Einige Studien berichten von einer recht früh eintretenden Verbesserung. Laut einer anderen Studie ist eher von einem langfristigen günstigen Effekt auszugehen. Der individuelle Behandlungserfolg ist deshalb weniger leicht feststellbar.

Ebenso wird vermutet, dass Benfotiamin, eine Vorstufe von Vitamin B1, günstige Effekte auf diese Mechanismen ausübt, die vermutlich an der Entstehung diabetischer Nervenschäden beteiligt sind. Es wird bereits bei nicht diabetischen Polyneuropathien eingesetzt. Bei diabetischen Nervenschäden gibt es bisher nur wenige Studien, die einen günstigen Einfluss nach mehreren Wochen Einnahme belegen. Da Benfotiamin und Alpha-Liponsäure beide in Apotheken frei verkäuflich sind, werden diese in Deutschland nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Weitere Behandlungsansätze

Neben regelmäßig einzunehmenden Medikamenten gibt es noch weitere Behandlungsansätze. Manchen Betroffenen hilft eine Psychotherapie, die durch chronische Missempfindungen oder Bewegungseinschränkungen eingeschränkte Lebensqualität zu verbessern. Eventuell kann eine elektrische Stimulation mit speziellen Geräten die Beschwerden lindern. Fachleute nennen diese Behandlung TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation). Bei schwer zu behandelnden neuropathischen Schmerzen kann auch die lokale Anwendung von Capsaicin-Pflastern ausprobiert werden. Capsaicin wird aus Chili-Schoten gewonnen und ist dafür verantwortlich, dass wir deren Geschmack als scharf wahrnehmen.

Polyneuropathie und Reizdarm

Neurologische Ursachen der Magen- und Darmfunktion im Rahmen von Nervenerkrankungen (Polyneuropathien) sind nicht selten. Oft betreffen diese nicht nur Magen oder Darm. Die Wahrnehmung sensibler Reize in den Beinen oder Armen kann herabgesetzt sein. Es können Missempfindungen der Füße oder Hände bestehen. Die Muskelkraft kann generell vermindert sein. Sorgfältige Untersuchungen der Nervenbahnen zeigen beispielsweise Störungen der Nervenleitung in Beinen und/oder Armen an. Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems können mit Störungen von Magen- und Darmfunktionen einhergehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang neurodegenerativen Erkrankungen wie der Parkinson-Erkrankung. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt nicht selten Jahre vor Beginn der Parkinson-Bewegungsstörung können Betroffene unter häufiger Verstopfung und Darmträgheit leiden. Einige Formen der Demenzerkrankungen können mit einer Störung der Darmtätigkeit einhergehen. Infolge einer Erkrankung des zentralen Nervensystems bestehen Störungen des Magens und Darmes oft chronisch fort. Sie können die körperliche Fitness nicht nur durch einen Gewichtsverlust beeinträchtigen. Auch die Aufnahme und zeitgerechte Wirkung von Medikamenten kann durch eine verminderte Tätigkeit von Magen oder Darm (bspw. Gastroparese oder eine Pseudoobstruktion) gestört werden.

Ursachen für Magen-Darm-Probleme bei Polyneuropathie

Die Magen- und Darm-Tätigkeit beruht auf Reflexen, welche durch das enterische Nervensystem, d.h. das Nervensystem des Darmes vermittelt und durch den Vagusnerven sowie Impulse des Sympathikusnerven kontrolliert werden. Der obere Gastrointestinaltrakt (GI-Trakt) von Speiseröhre bis Dünndarm wird durch den Hirnstamm, den dort befindlichen Vaguskern und seine Nervenbahn kontrolliert. Im unteren Anteil, nämlich im Dünndarm und Dickdarm wird die Peristaltik, d.h. der Nahrungstransport durch lokale enterische Reflexe in Gang gehalten. Sympathische Nervenimpulse, welche von den neben dem Rückenmark gelegenen Schaltstellen an den Darm übermittelt werden, können die Darmbewegungen verlangsamen.

Symptome von Magen-Darm-Störungen

Die Störung der Passage durch die Speiseröhre (Ösophagus) geht typischerweise mit einem Druckgefühl hinter dem Brustbein einher. Sie kann vom Gefühl einer Schluckstörung begleitet sein. Eine verzögerte Magenentleerung kann ein vorzeitiges Sättigungsgefühl, ein Völlegefühl aber auch Bauchschmerzen hervorrufen. Infolge des gestörten Speise-Transportes durch die Speiseröhre oder infolge einer verzögerten Magenentleerung ist auch der Appetit vermindert. Es kann sogar eine Aversion gegenüber Essen bestehen. Die Störung der Darmpassage kann einerseits mit Verstopfung (Obstipation) andererseits aber auch mit einer beschleunigten Darmpassage, häufigen Darmentleerungen und auch Durchfall (Diarrhoe) einhergehen. Wenn Verstopfung und Durchfall ohne erkennbaren Auslöser wiederkehren und sich mit Hilfe von Darmspiegelung und bildgebenden Untersuchungen des Darmes nicht erklären lassen, so ist auch an eine neurologische Ursache zu denken. Verstopfung und Durchfall können beispielsweise im Rahmen eines Reizdarm-Syndroms abwechselnd auftreten.

Diagnostik von Magen-Darm-Störungen

Die Diagnostik einer verzögerten Magenentleerung, Darmträgheit oder eines Reizdarmes kann aufwendig sein. Sofern mittels Standard-Untersuchungen wie Magen- und Darmspiegelung Entzündungen oder Passage-Hindernisse in Magen oder Darm ausgeschlossen sind, wendet sich die Suche nach den Ursachen der Verdauungsstörung unter anderem auch den neurologischen Ursachen gestörten Nahrungstransports zu. Durch Kontrastmittel unterstützte Röntgenuntersuchung der Magen- und Darmpassagezeit aber auch durch die Messung des Speiseröhrendrucks ist erfahrenen Gastroenterologen die Beurteilung der Kontrolle und Steuerung der Magen- und Darmpassage möglich. Die Zusammenarbeit mit Neurogastroenterologen ermöglicht es, spezialisierte Untersuchungen der Magen- und Darmfunktionen in die Diagnostik aufzunehmen und auch seltene Erkrankungen aufzudecken.

Behandlung von Magen-Darm-Störungen

Natürlich richten sich unsere Behandlungsempfehlungen in erster Linie nach der Ursache gestörter Magen- und Darmfunktionen. Zusätzlich werden bewährte Empfehlungen zur Ernährung, Nahrungsergänzung und vor allem Optimierung der Magen- und Darmpassage gegeben. Nach sorgfältiger Auswahl werden zur Verbesserung der Verdauung und Linderung von Beschwerden Medikamente eingesetzt.

Zusätzliche Aspekte

CBD-Öl

Gegen die Nervenschmerzen empfahl ich Gisela CBD-Öl, weil es in entsprechender Konzentration das Nerven- und Immunsystem beruhigt. CBD-Öl (Cannabidiol) ist ein Extrakt, der aus den Blüten und Blättern von Hanfpflanzen hergestellt wird. Es verbessert die Stimmung und wirkt gegen Schmerzen und Beschwerden, vor allem gegen chronische, zumindest berichten Patient*innen davon. Das CBD-Öl gibt es in verschiedenen Konzentrationen. Empfindliche Menschen beginnen mit ein paar Tropfen des 5%-igen Öls, Gisela habe ich das 10%-ige empfohlen - mit 3 x 3 Tropfen direkt auf die Zunge. Gisela war ganz perplex und wollte es sofort ausprobieren. Ich habe ihr geraten, ihre Apotheke nach einem guten Öl zu fragen. Bei einer Verstärkung ihrer Schmerzen würde ich sie allerdings an eine Schmerzpraxis verweisen wollen.

Mikrobiom und Probiotika

Auch die Nerven, die für eine normale Darmbeweglichkeit sorgen, können betroffen sein. Sie gehören zum sogenannten Enterischen Nervensystem und verlaufen in den Wänden der verschiedenen Darmabschnitte. Auch unabhängig vom zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) können so die Darmbeweglichkeit, die Durchblutung und Verdauungsfunktionen gesteuert werden. Es wäre völlig unerklärlich, wenn so tiefgreifende Schädigungen des Nervensystems nicht auch Folgen für die Bewohner unseres Darms hätten.

Gisela täte also gut daran, diesem Problem mit einer entsprechend angepassten Ernährung entgegenzuwirken. Unser Mikrobiom produziert nämlich kurzkettige Fettsäuren, die besonders bei Entzündungen eine Rolle spielen und auch die Darmschleimhaut stärken. Medizinische Forscher vermuten, dass genau hier ein Ansatzpunkt für eine Therapie der Polyneuropathie-Symptome liegen könnte.

Studien haben gezeigt, dass die Bakterienstämme in OMNi-BiOTiC® HETOX light die Entzündungen, aber auch Stoffwechsel-Parameter wie das Cholesterin positiv beeinflussen können. Wie der Name schon andeutet, unterstützen die Bakterien in OMNi-BiOTiC® HETOX light die Leber beim Entgiften - eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Nervensystem! Das gilt auch für das schon oft von mir beschriebene Multispezies-Probiotikum OMNi-BiOTiC® SR-9. Es ist, wenn Sie so wollen, mein „Lieblings-Probiotikum“, wenn es darum geht, Entzündungen - auch an Nervenenden - herunterzufahren und die Stimmung zu verbessern.

Für das Aufforsten der Bakterien, die besonders wichtig für die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren sind, habe ich Gisela das Präbiotikum OMNi-LOGiC® PLUS empfohlen. Die darin enthaltenen Galacto-Oligosaccharide (GOS) und Fructo-Oligosaccharide (FOS) füttern explizit die Keime Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii. Die beste Wirkung stellt sich bei einer täglichen OMNi-LOGiC® PLUS-Einnahme von 3g ein, aufgeteilt in 3 Portionen zu je 1g, eingerührt in 1 großes Glas Wasser. Ich rate meinen Patient*innen grundsätzlich, die Dosis einzuschleichen, also mit 3 x 0,5g zu beginnen, weil die Darmbakterien sonst vor lauter Freude heftige Blähungen verursachen könnten.

Antioxidantien und Vitamine

Auch die Abwehr von Freien Sauerstoffradikalen ist Studien zufolge bei Diabetiker*Innen beeinträchtigt - ausgerechnet diese Freien Radikalen sind aber dafür bekannt, die Schädigung der Nervenzellen voranzutreiben. Dagegen helfen Antioxidantien wie z. B. die Alpha-Liponsäure, die genau diese Schädigungen verhindern beziehungsweise den Neuronen sogar bei der Regeneration helfen kann.

Neben Alpha-Liponsäure wirkt auch Acetyl-L-Carnitin (NAC) antioxidativ und bewirkt zusätzlich sogar die verstärkte Ausschüttung eines Nervenwachstumsfaktors. Nun könnte man den Carnitinbedarf z. B. durch den Verzehr von rotem Fleisch decken, doch das wäre stets verbunden mit einem hohen Anteil an entzündungsfördernder Arachidonsäure - besser bekannt als Omega 6.

Wie ich an dieser Stelle schon häufig ausgeführt habe, ist ein gesunder Vitamin-D3-Spiegel für uns alle extrem wichtig. Insbesondere Diabetikerinnen sollten darauf achten, denn Vitamin D3 nimmt direkt Einfluss auf die Insulinsensitivität! Studien von Professor Shehab und seinem Team von der Kuwait University konnten belegen, dass mehr als 80% der Diabetes-Patientinnen mit Polyneuropathie einen eklatanten Mangel an Vitamin D3 aufwiesen! Durch die Gabe von D3 kam es rasch zu einer spürbaren Verbesserung dieser Symptomatik.

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