Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN), auch postherpetische Neuralgie genannt, ist eine häufige und oft sehr belastende Folgeerkrankung der Gürtelrose (Herpes Zoster). Sie zeichnet sich durch anhaltende Nervenschmerzen in dem Hautbereich aus, der zuvor von der Gürtelrose betroffen war. Diese Schmerzen können Monate oder sogar Jahre andauern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Was ist Gürtelrose und wie entsteht sie?
Gürtelrose (Herpes zoster) wird durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, demselben Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer überstandenen Windpockeninfektion verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen des Körpers. Bei einer Schwächung des Immunsystems, beispielsweise durch Alterungsprozesse, Stress, bestimmte Erkrankungen oder Medikamente, kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen zur Haut wandern. Dort verursacht es den typischen Hautausschlag der Gürtelrose, der sich durch rötliche Flecken, Papeln und flüssigkeitsgefüllte Bläschen (Pusteln) äußert.
Die Gürtelrose tritt meistens in einem bandförmigen Areal auf einer Körperhälfte auf, typischerweise im Bereich von Bauch/Taille, Brust oder Rücken. Es können aber auch Arme, Beine, Hals oder das Gesicht betroffen sein. Begleitend zum Hautausschlag treten häufig brennende, bohrende oder schneidende Schmerzen, Juckreiz und Berührungsempfindlichkeit auf.
Was ist Post-Zoster-Neuralgie?
Normalerweise heilt die Gürtelrose innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Bei manchen Menschen bleiben die Schmerzen jedoch bestehen, auch nachdem der Hautausschlag abgeheilt ist. Wenn die Schmerzen länger als drei Monate anhalten, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN).
Die PZN ist eine Nervenschädigung, die durch die Gürtelrose verursacht wurde. Die Schmerzen können sich erst nach dem Abheilen der Bläschen stärker entwickeln und mit der Zeit schlimmer werden. In seltenen Fällen kehren die Schmerzen auch wieder zurück, nachdem sie bereits verschwunden waren.
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Symptome der Post-Zoster-Neuralgie
Das Hauptsymptom der Post-Zoster-Neuralgie sind anhaltende Nervenschmerzen in dem Bereich, der zuvor von der Gürtelrose betroffen war. Die Schmerzen werden oft als brennend, bohrend, stechend oder schneidend beschrieben und können von unterschiedlicher Intensität sein. Manche Betroffene verspüren einen konstanten Schmerz, während andere zusätzlich unter plötzlichen, einschießenden Schmerzattacken leiden.
Weitere typische Symptome der PZN sind:
- Berührungsempfindlichkeit: Die Haut im betroffenen Bereich kann extrem empfindlich auf Berührungen reagieren. Selbst leichte Berührungen, wie z.B. das Tragen von Kleidung oder das Waschen, können starke Schmerzen verursachen.
- Juckreiz: Viele Betroffene leiden unter quälendem Juckreiz im betroffenen Hautbereich.
- Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen können ebenfalls auftreten.
- Schlafstörungen: Die Schmerzen und Missempfindungen können den Schlaf erheblich beeinträchtigen.
- Psychische Belastung: Die chronischen Schmerzen können zu Depressionen, Angstzuständen und sozialer Isolation führen.
Die Schmerzen können sich auch in benachbarte Hautregionen ausbreiten, die nicht von der Gürtelrose befallen waren. Fast alle PZN-Patienten haben einen hohen Leidensdruck und sind verzweifelt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Post-Zoster-Neuralgie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die Schädigung der Nerven durch das Varicella-Zoster-Virus und die daraus resultierende Entzündung eine wichtige Rolle spielen. Die Nervenstrukturen können geschädigt werden und vernarben. Die Folge: Nach der Krankheitsphase kommt es zu einem gestörten Schmerzempfinden.
Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, an einer PZN zu erkranken:
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- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Komplikationen und einen schweren Krankheitsverlauf bei Gürtelrose.
- Geschwächtes Immunsystem: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, z.B. aufgrund von Erkrankungen wie HIV/AIDS, Krebs oder Autoimmunerkrankungen, oder aufgrund von immunsuppressiven Medikamenten, haben ein höheres Risiko, an einer PZN zu erkranken.
- Starke Schmerzen während der akuten Gürtelrose: Personen, die während der akuten Gürtelrose unter besonders starken Schmerzen litten, haben ein höheres Risiko für die Entwicklung einer PZN.
- Schwerer Verlauf der Gürtelrose: Ein schwerer Verlauf der Gürtelrose mit starkem Hautausschlag und Komplikationen erhöht das Risiko für eine PZN.
- Vorliegen von Schmerzen vor Ausbruch des Ausschlags: Wenn bereits einige Zeit vor Ausbruch des Ausschlags Schmerzen auftraten, ist das Risiko für eine PZN erhöht.
- Betroffene Körperstelle: Eine Gürtelrose im Gesicht, an den Augen oder am Steißbein ist mit einem höheren Risiko für eine PZN verbunden.
- Weibliches Geschlecht: Frauen scheinen häufiger von länger anhaltenden Nervenschmerzen betroffen zu sein als Männer.
Diagnose
Die Diagnose einer Post-Zoster-Neuralgie wird in der Regel anhand der Krankengeschichte (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung gestellt. Wichtig ist, dass der Patient zuvor eine Gürtelrose hatte und die Schmerzen länger als drei Monate nach Abheilung des Hautausschlags bestehen.
Der Arzt wird den Patienten nach Art, Stärke und Lokalisation der Schmerzen fragen. Er wird auch prüfen, ob die Haut im betroffenen Bereich überempfindlich auf Berührungen reagiert. Spezielle Fragebögen können eingesetzt werden, um die Symptome zu erfassen und die Schmerzintensität zu messen.
In unklaren Fällen können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Nervenschmerzen auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Entzündungswerten und Antikörpern gegen das Varicella-Zoster-Virus. In manchen Fällen kann auch eine neurologische Untersuchung erforderlich sein.
Behandlung
Die Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern. Da die PZN eine Nervenschädigung ist, ist eine Heilung im eigentlichen Sinne nicht möglich. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Schmerzen deutlich reduzieren und den Betroffenen ein erträglicheres Leben ermöglichen können.
Die Behandlung der PZN ist oft langwierig und erfordert Geduld und Ausdauer. Es kann notwendig sein, verschiedene Medikamente und Therapien auszuprobieren, um die für den einzelnen Patienten wirksamste Kombination zu finden.
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Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
Medikamentöse Therapie
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mäßigen Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen. Bei stärkeren Schmerzen können verschreibungspflichtige Schmerzmittel, wie z.B. Opioide, erforderlich sein. Opioide sollten jedoch aufgrund ihres Suchtpotenzials nur kurzfristig und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z.B. Amitriptylin oder Nortriptylin, können bei Nervenschmerzen wirksam sein. Sie wirken schmerzlindernd, indem sie die Schmerzweiterleitung im Gehirn beeinflussen.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva, wie z.B. Gabapentin oder Pregabalin, werden normalerweise zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Sie können aber auch bei Nervenschmerzen helfen, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren.
- Lokalanästhetika: Lokalanästhetika, wie z.B. Lidocain, können als Salbe oder Pflaster auf den schmerzenden Bereich aufgetragen werden, um die Schmerzen lokal zu betäuben.
- Capsaicin-Pflaster: Hochdosierte Capsaicin-Pflaster können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Capsaicin ist der Wirkstoff, der Chilischoten scharf macht. Er wirkt betäubend und schmerzlindernd, indem er die Schmerzrezeptoren in der Haut desensibilisiert.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden Elektroden auf die Haut geklebt und schwache elektrische Impulse abgegeben. Diese Impulse können die Schmerzweiterleitung blockieren und die Freisetzung von körpereigenen schmerzlindernden Substanzen fördern.
- Akupunktur: Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden. Sie kann bei manchen Menschen mit PZN die Schmerzen lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die psychische Belastung zu reduzieren. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können ebenfalls hilfreich sein.
- Nervenblockaden: In manchen Fällen können Nervenblockaden mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden eingesetzt werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen. Diese Therapie wird in der Regel von spezialisierten Schmerztherapeuten durchgeführt.
Multimodale Schmerztherapie
Bei anhaltenden Schmerzen, die sich durch die oben genannten Therapien nicht ausreichend bessern, wird eine multimodale Schmerztherapie empfohlen. Dabei werden verschiedene Behandlungsansätze kombiniert, um die Schmerzen ganzheitlich zu behandeln. Eine multimodale Schmerztherapie umfasst in der Regel medizinische, psychologische und physiotherapeutische Elemente.
Vorbeugung
Die beste Möglichkeit, einer Post-Zoster-Neuralgie vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Gürtelrose. Dies kann durch eine Impfung gegen Gürtelrose erreicht werden.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose standardmäßig für alle Personen ab 60 Jahren. Darüber hinaus empfiehlt sie die Impfung für Menschen ab 50 Jahren, wenn sie infolge einer bestehenden Grunderkrankung besonders gefährdet sind. Das betrifft auch Personen, die immunschwächende Medikamente (Immunsuppressiva) bekommen.
Die Impfung wird mit einem Totimpfstoff durchgeführt, der zweimal im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht wird. Die Impfung ist sehr wirksam und kann das Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken, um etwa 90 % senken. Auch wenn es trotz Impfung zu einer Gürtelrose kommt, verläuft diese in der Regel milder und das Risiko für eine PZN ist deutlich reduziert.
Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann ebenfalls dazu beitragen, das Risiko für eine PZN zu verringern. Die antivirale Therapie sollte idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags begonnen werden.
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