Postherpetische Neuralgie: ICD-10-Code, Ursachen, Symptome und Behandlung

Die postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine Komplikation nach einer Gürtelrose (Herpes zoster). Sie zeichnet sich durch anhaltende neuropathische Schmerzen im betroffenen Hautareal aus, die auch nach Abheilen der Hauterscheinungen der Gürtelrose fortbestehen. Der ICD-10-Code für die postherpetische Neuralgie ist B02.2.

Was ist eine Gürtelrose?

Die Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst, das auch für Windpocken verantwortlich ist. Nach einer durchgemachten Windpockeninfektion verbleibt das Virus lebenslang inaktiv in den Nervenzellen, vor allem in den Spinalganglien. Bei einer Reaktivierung des Virus, beispielsweise durch ein geschwächtes Immunsystem, wandert es entlang der Nervenbahnen zur Haut und verursacht dort die typischen Symptome einer Gürtelrose.

Bei der Gürtelrose bilden sich meist kleine, rote Bläschen und Pusteln auf einem bestimmten Teil der Haut. Die Bläschen und Pusteln bleiben dabei in der Regel auf einer Körperhälfte und ordnen sich wie ein Gürtel an. Der betroffene Haut-Teil kann stark schmerzen. Man kann auch Fieber und Kopfschmerzen bekommen und sich sehr krank fühlen.

Ursachen der postherpetischen Neuralgie

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer postherpetischen Neuralgie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Entzündung der Nerven während der akuten Gürtelrose zu einer Schädigung der Nervenzellen führt. Diese Schädigung kann dazu führen, dass die Nerven auch nach Abklingen der Entzündung weiterhin Schmerzsignale senden. Ungeachtet ihres lange bevorzugten Namens ist die postherpetische Neuralgie eigentlich eine Neuropathie oder Neuronopathie: es wurden signifikante pathoanatomische Veränderungen im Nerv, im Ganglion und in der Nervenwurzel nachgewiesen.

Symptome der postherpetischen Neuralgie

Das Hauptsymptom der postherpetischen Neuralgie sind anhaltende Schmerzen im Bereich der zuvor von der Gürtelrose betroffenen Haut. Die Schmerzen können unterschiedlich stark sein und verschiedene Qualitäten haben. Häufig werden sie als brennend, stechend, bohrend oder elektrisierend beschrieben. Der erste Ast des N. Typischerweise ist der Schmerz bei der postherpetischen Neuralgie brennend und juckend, letzteres mitunter sehr im Vordergrund stehend und außerordentlich störend. Zudem zeigen Patienten mit postherpetischer Neuralgie typischerweise ein eindeutiges sensibles Defizit sowie eine durch leichte Berührung evozierbare mechanische Allodynie im beteiligten Versorgungsgebiet des N. trigeminus.

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Zusätzlich zu den Schmerzen können weitere Symptome auftreten, wie zum Beispiel:

  • Allodynie: Schmerzen, die durch normalerweise nicht schmerzhafte Reize ausgelöst werden (z.B. leichte Berührung der Haut)
  • Hyperalgesie: Verstärkte Schmerzempfindung bei schmerzhaften Reizen
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln: In den betroffenen Hautarealen
  • Juckreiz: Manchmal sehr quälend
  • Eingeschränkte Lebensqualität: Durch die chronischen Schmerzen

Definition:Persistierende oder neu auftretende Schmerzen mehr als 3 Monate nach einem Zoster.

Diagnose der postherpetischen Neuralgie

Die Diagnose einer postherpetischen Neuralgie wird in der Regel anhand der Anamnese und der klinischen Untersuchung gestellt. Dabei ist es wichtig, dass zuvor eine Gürtelrose im gleichen Hautareal aufgetreten ist. Die Diagnose kann meist aufgrund von Anamnese und klinischem Bild gestellt werden. Wenn eine vorausgehende Zoster-Erkrankung anamnestisch nicht festzustellen ist, dann ist bei entsprechender Symptomatik eine breitere differenzialdiagnostische Neuropathie-Abklärung notwendig, einschließlich Entzündungsparametern und Varizella-Zoster-Serologie in Blut und Liquor.

ICD-10-Code im Detail

Der ICD-10-Code B02.2 steht für "Zoster mit Beteiligung anderer Abschnitte des Nervensystems". Dieser Code wird verwendet, wenn die Gürtelrose nicht nur die Haut betrifft, sondern auch zu neurologischen Komplikationen führt, wie z.B. der postherpetischen Neuralgie.

Innerhalb des ICD-10-Systems gibt es noch weitere Spezifizierungen, die je nach betroffenem Nervensystembereich angewendet werden können:

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  • B02.2+G53.0*: Entzündung des Ganglion geniculi nach Zoster, Ganglionitis bei Herpes zoster, Herpes zoster des Nervus facialis, Herpes zoster mit Neuralgie, Kranielle Neuralgie nach Herpes zoster, Neuritis des Ganglion geniculi nach Herpes zoster, Neuritis nach Herpes zoster, Postherpetische Trigeminusneuralgie, Trigeminusneuralgie nach Zoster, Zoster-Neuralgie, Zoster-Neuritis.
  • B02.2+G59.8*: Zoster ischiadicus
  • B02.2+G63.0*: Polyneuropathie bei Zoster, Postherpetische Polyneuropathie
  • B02.2+H94.0*: Herpes zoster auricularis, Herpes zoster oticus, Zoster auricularis, Zoster oticus

Es ist wichtig zu beachten, dass der ICD-Code auf ärztlichen Dokumenten oft durch Buchstaben ergänzt wird, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben:

  • G: Gesicherte Diagnose
  • V: Verdacht
  • Z: Zustand nach
  • A: Ausschluss
  • L: Links
  • R: Rechts
  • B: Beidseitig

Behandlung der postherpetischen Neuralgie

Die Behandlung der postherpetischen Neuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da es sich um neuropathische Schmerzen handelt, sind herkömmliche Schmerzmittel oft nicht ausreichend wirksam.

Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Nortriptylin) können die Schmerzweiterleitung im Nervensystem beeinflussen und so die Schmerzen reduzieren.
    • Antikonvulsiva: Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin, Pregabalin) werden ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, können aber auch bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein. Für die medikamentöse Erstlinientherapie werden Antidepressiva oder Antikonvulsiva (Pregabalin oder Gabapentin) empfohlen.
    • Opioide: In schweren Fällen können Opioide (starke Schmerzmittel) eingesetzt werden, allerdings sollten diese aufgrund des Suchtpotentials nur kurzfristig und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.
    • Topische Behandlung: Cremes oder Pflaster mit Lokalanästhetika (z.B. Lidocain) oder Capsaicin können lokal auf die schmerzenden Hautareale aufgetragen werden und die Schmerzen lindern. Ggf. kann auch eine topische Behandlung mit Lidocain- oder hochdosierten Capsaicin-Pflastern an erster Stelle stehen.
  • Nicht-medikamentöse Therapie:
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzweiterleitung zu blockieren. Manche Betroffene profitieren von transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS).
    • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen.
    • Psychotherapie: Psychotherapeutische Verfahren können helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Besonders bei chronischen Verläufen ist eine multimodale Therapie mit psychoedukativen und -therapeutischen Elementen angezeigt.
  • Invasive Verfahren:
    • Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden durchgeführt werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
    • Rückenmarkstimulation: Bei sehr schweren, therapieresistenten Schmerzen kann eine Rückenmarkstimulation in Erwägung gezogen werden. Bei sehr schweren therapieresistenten Verläufen evtl.

Die Wahl der geeigneten Therapie hängt von der Stärke der Schmerzen, den Begleitsymptomen und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. Oft ist eine Kombination verschiedener Therapieansätze erforderlich, um eine ausreichende Schmerzlinderung zu erzielen.

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