Postherpetische Neuralgie: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Die postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die als Komplikation nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster) auftreten kann. Umfassende Informationen zu dieser Erkrankung sind wichtig, um Betroffenen zu helfen, die Symptome zu verstehen, die Behandlungsmöglichkeiten zu kennen und die Lebensqualität zu verbessern.

Was ist Herpes Zoster?

Herpes Zoster, auch Gürtelrose genannt, ist eine Infektionskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Dieses Virus ist auch der Erreger der Windpocken (Varizellen). Nach einer überstandenen Windpockenerkrankung verbleibt das Virus in den Nervenzellen des Körpers und kann sich später, insbesondere bei einem geschwächten Immunsystem, als Gürtelrose reaktivieren.

Die Rolle des Varizella-Zoster-Virus (VZV)

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ist ein Mitglied der Familie der Herpesviren. Diese Viren sind dafür bekannt, dass sie nach einer Primärinfektion in einem latenten Zustand im Körper verbleiben können. Obwohl die acht bisher bekannten für den Menschen relevanten Herpesviren sich in Zielorganen und Symptomen unterscheiden, manifestieren sie sich vor allem in Erkrankungen der Haut und des lymphatischen Systems.

Symptome von Herpes Zoster

Die Gürtelrose äußert sich typischerweise durch einen schmerzhaften, juckenden Hautausschlag mit Bläschenbildung, der sich gürtelförmig entlang eines bestimmten Hautareals (Dermatom) ausbreitet. Meistens tritt der Ausschlag im Lenden- oder Brustbereich auf und ist auf eine Körperseite begrenzt. Begleitende Symptome können Fieber, Kopfschmerzen und allgemeine Abgeschlagenheit sein.

Was ist Postherpetische Neuralgie (PHN)?

Postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die als Folge einer Gürtelrose auftreten kann. Sie ist definiert als Schmerz, der länger als drei Monate nach Abheilung des Hautausschlags der Gürtelrose andauert. Die PHN ist eine der häufigsten Komplikationen der Gürtelrose und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

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Ursachen der Postherpetischen Neuralgie

Die Ursache der PHN liegt in der Schädigung der Nerven durch das Varizella-Zoster-Virus. Das Virus verursacht eine Entzündung der Nerven, die zu einer Degeneration der Nervenfasern führen kann. Diese Schädigung führt zu chronischen Schmerzen, die sich als brennend, stechend oder bohrend äußern können. Die gefürchtete postherpetische Neuralgie hat ihre Ursache offenbar in Hinterhornatrophien, und geht mit Zell-, Axon- und Myelinverlust in den betroffenen sensiblen Ganglien einher.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer PHN

Verschiedene Faktoren können das Risiko für die Entwicklung einer PHN erhöhen:

  • Alter: Ältere Menschen sind häufiger von PHN betroffen als jüngere.
  • Schwere der Gürtelrose: Ein schwerer Verlauf der Gürtelrose mit starkem Hautausschlag und starken Schmerzen erhöht das Risiko für PHN.
  • Vorerkrankungen: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, z. B. aufgrund von HIV, Krebs oder Immunsuppressiva, haben ein höheres Risiko für PHN.
  • Verzögerte antivirale Therapie: Eine späte Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko für PHN erhöhen.

Symptome der Postherpetischen Neuralgie

Die Symptome der PHN können vielfältig sein und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Typische Symptome sind:

  • Chronischer Schmerz: Der Schmerz kann als brennend, stechend, bohrend oder elektrisierend beschrieben werden. Er kann konstant sein oder in Form von Attacken auftreten.
  • Allodynie: Allodynie ist eine Schmerzempfindung, die durch normalerweise nicht schmerzhafte Reize ausgelöst wird, z. B. leichte Berührung oder Kleidung auf der Haut.
  • Hyperalgesie: Hyperalgesie ist eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit gegenüber schmerzhaften Reizen.
  • Taubheitsgefühl und Juckreiz: Einige Patienten berichten auch über Taubheitsgefühl oder Juckreiz im betroffenen Hautbereich.

Diagnose der Postherpetischen Neuralgie

Die Diagnose der PHN basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der klinischen Untersuchung. Der Arzt wird nach den Symptomen, dem Verlauf der Gürtelrose und eventuellen Vorerkrankungen fragen. Eine körperliche Untersuchung kann helfen, den betroffenen Hautbereich zu identifizieren und die Schmerzempfindlichkeit zu beurteilen.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere Ursachen für chronische Schmerzen auszuschließen, wie z. B. Nervenkompressionen, Neuropathien oder andere Schmerzerkrankungen. In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen wie eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein.

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Behandlung der Postherpetischen Neuralgie

Die Behandlung der PHN zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können.

Medikamentöse Therapie

  • Schmerzmittel: Verschiedene Schmerzmittel können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden, darunter nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Opioide und Antidepressiva.
    • NSAR wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen.
    • Opioide wie Tramadol oder Tilidin können bei stärkeren Schmerzen eingesetzt werden, sollten aber aufgrund des Suchtpotenzials nur kurzfristig eingenommen werden.
  • Antikonvulsiva: Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin werden häufig zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Sie können die Schmerzsignale im Nervensystem reduzieren. Gabapentin avanciert zum First-Line-Medikament. Neben Analgesie Verbesserung des Schlafs und der mentalen Stimmung.
  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Nortriptylin können ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen helfen. Sie wirken schmerzlindernd und stimmungsaufhellend. Nortriptylin hat eine bessere Verträglichkeit im Vergleich zu Amitriptylin.
  • Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können lokal auf den betroffenen Hautbereich aufgetragen werden, um die Schmerzen zu lindern.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS ist eine Methode, bei der elektrische Impulse über Elektroden auf die Haut übertragen werden, um die Schmerzsignale zu blockieren.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten mit PHN eine Schmerzlinderung bewirken.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Invasive Verfahren

In einigen Fällen können invasive Verfahren wie Nervenblockaden oder Rückenmarkstimulation in Betracht gezogen werden, um die Schmerzen zu lindern.

  • Nervenblockaden: Bei Nervenblockaden werden Lokalanästhetika in die Nähe der betroffenen Nerven injiziert, um die Schmerzsignale zu blockieren.
  • Rückenmarkstimulation: Bei der Rückenmarkstimulation wird ein Gerät implantiert, das elektrische Impulse an das Rückenmark sendet, um die Schmerzsignale zu blockieren.

Topische Behandlung

Die topische Behandlung beschleunigt das Eintrocknen der Bläschen, mindert den Juckreiz und beugt der sekundären bakteriellen Infektion vor. Lidocain- oder Polidocanol-haltige Salben und Auflagen haben eine lokal anästhesierende Wirkung, die genutzt werden kann.

Vorbeugung der Postherpetischen Neuralgie

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko für die Entwicklung einer PHN zu verringern:

  • Impfung gegen Gürtelrose: Eine Impfung gegen Gürtelrose kann das Risiko für die Erkrankung und ihre Komplikationen, einschließlich PHN, erheblich reduzieren. Die Impfkomission (STIKO) empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Auch Personen ab 50 Jahren, deren Immunsystem durch eine Krankheit oder Behandlung geschwächt ist, und Personen mit schweren Grunderkrankungen wird empfohlen, sich präventiv impfen zu lassen.
  • Frühzeitige antivirale Therapie: Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko für PHN verringern. All dies sind Gründe, möglichst unmittelbar nach Auftreten der typischen Bläschen mit der antiviralen Behandlung zu beginnen, spätestens innerhalb von 72 Stunden.
  • Schmerztherapie: Eine angemessene Schmerztherapie während der akuten Gürtelrose kann das Risiko für die Entwicklung einer PHN reduzieren.

Gürtelrose im Gesicht

Gürtelrose im Gesicht tritt relativ häufig auf und kann zu Komplikationen führen. In schweren Fällen kann der Erreger das Auge, das Ohr und die Gesichtsnerven schädigen. Dies kann Sehstörungen, Hörprobleme und Gesichtslähmungen auslösen. Zudem besteht das Risiko, dass nach der Heilung Narben zurückbleiben.

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