POTS: Neurologische Ursachen und Auswirkungen auf den Körper

Das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine komplexe Erkrankung, die durch eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems gekennzeichnet ist. Diese Störung führt zu einer Vielzahl von Symptomen, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. POTS ist vor allem durch eine Kreislaufschwäche in aufrechter Körperposition gekennzeichnet, bei der die Herzfrequenz stark ansteigt, während der Blutdruck stabil bleibt oder nur geringfügig sinkt.

Einführung in POTS

POTS ist eine Form der Dysautonomie, einer Störung des autonomen Nervensystems, das unbewusste Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und Kreislauf reguliert. Bei POTS ist der Körper nicht in der Lage, den Kreislauf an die aufrechte Position anzupassen, was zu einer Reihe von belastenden Symptomen führt.

Symptome von POTS

Die Symptome von POTS sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Tachykardie: Eine unangemessen hohe Herzfrequenz, insbesondere beim Übergang von einer liegenden oder sitzenden Position in eine aufrechte Position. Die Herzfrequenz kann bei Durchführung des Schellong-Tests um mehr als 30 Schläge pro Minute höher liegen oder mindestens 120 Schläge pro Minute erreichen.
  • Orthostatische Intoleranz: Schwierigkeiten, aufrecht zu stehen, da der Körper den Blutdruck nicht ausreichend regulieren kann. Dies kann zu Schwindel, Benommenheit, Schwächegefühl und sogar Ohnmacht führen.
  • Kreislaufschwäche: Insbesondere im Sitzen und Stehen.
  • Weitere Symptome: Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angstempfinden, Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme sowie Magen- und Verdauungsprobleme.

Diese Symptome können den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu einer verminderten Lebensqualität führen. Jessica Rank, eine junge Frau, konnte aufgrund ihrer POTS-bedingten Beschwerden nicht mehr arbeiten und alltägliche Aktivitäten nur noch schwer bewältigen.

Ursachen von POTS

Die genaue Ursache von POTS ist nicht immer klar, aber es wird angenommen, dass es sich um eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems handelt. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu POTS beitragen können:

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  • Virusinfektionen: POTS tritt häufig nach Virusinfektionen wie Pfeiffersches Drüsenfieber, Influenza oder COVID-19 auf.
  • Neuropathisches POTS: Nervenstörungen in Beinen, Füßen, Händen sowie in den großen Bauchvenen.
  • Verringertes Blutvolumen (Hypovolämisches POTS): Viele Betroffene haben ein verringertes Blutvolumen und damit verbunden auch eine verringerte Anzahl von roten Blutkörperchen.
  • Autoimmunerkrankungen: Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die häufig zusammen mit POTS auftreten, wie Multiple Sklerose, Borreliose, Diabetes, bestimmte Herzklappenerkrankungen und verschiedene Autoimmunerkrankungen.
  • Genetische Faktoren: Vermutlich spielen genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von POTS.
  • Flüssigkeitsmangel: Viele Betroffene leiden zudem an Flüssigkeitsmangel, z. B. durch verminderte Flüssigkeitsaufnahme oder starkes Schwitzen.
  • Post-COVID-Syndrom: POTS scheint häufig im Rahmen des Post-COVID-Syndroms nach einer SARS-CoV-2-Infektion aufzutreten.
  • Weitere Erkrankungen: Es gibt Berichte, dass bei einer Reihe von Erkrankungen das posturale Tachykardie-Syndrom häufiger vorkommt, u. a. Diabetes, Sarkoidose und Schilddrüsenerkrankungen.

Diagnose von POTS

Die Diagnose von POTS basiert auf einer umfassenden Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Schellong-Test: Ein Stehtest, bei dem der Patient zunächst liegt und danach schnell aufstehen muss. Der Arzt misst Puls und Herzfrequenz beim Liegen als auch nach dem Aufstehen.
  • Kipptischuntersuchung: Eine Untersuchung, bei der der Patient auf einer Liege fixiert wird, die langsam in eine aufrechte Position gebracht wird. Dabei werden kontinuierlich Blutdruck und Herzfrequenz gemessen.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Zur Messung der Herzströme.
  • Blutuntersuchung: In bestimmten Fällen ist eine Blutuntersuchung sinnvoll, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Untersuchung auf Belastungsintoleranz: Um die körperliche Belastbarkeit zu beurteilen.

Behandlung von POTS

Die Behandlung von POTS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Therapie ist abhängig von der Ursache und den individuellen Beschwerden. Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von POTS:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn POTS aufgrund einer anderen Erkrankung auftritt, ist es wichtig, diese Grunderkrankung zu behandeln.
  • Allgemeinmaßnahmen:
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 l täglich) und Salzzufuhr (bis zu 10 g täglich) zur Erhöhung des Blutvolumens.
    • Regelmäßiges, strukturiertes Training von zunehmender Intensität, das sich an der individuellen Belastungstoleranz orientiert. Zu Beginn sollten die Übungen vor allem in Rückenlage durchgeführt werden, um die Belastung für das Herz zu verringern.
    • Regelmäßiges Ausdauertraining (30-45 min 3-mal pro Woche) zur Senkung des Pulses.
    • Tragen von Kompressionsstrümpfen zur Verbesserung des Blutrückflusses aus den Beinvenen.
    • Vermeidung von langem Stehen, insbesondere in warmer Umgebung und bei hoher Luftfeuchtigkeit.
    • Langsame Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen.
    • Häufige kleine statt wenige große Mahlzeiten.
    • Vermeidung von übermäßiger Bettruhe und körperlicher Schonung.
    • Vermeidung von Überhitzung.
    • Achten auf einen guten Schlaf.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Betablocker (Propranolol) zur Senkung des Pulses und Reduzierung von Herzklopfen.
    • Medikamente zur Verbesserung des Flüssigkeitshaushalts.
    • Antidepressiva bei vorherrschenden Angstsymptomen.

Jessica Rank profitierte von einer intensiven klinischen Behandlung und Rehabilitation, die spezielle Übungen zur Steigerung des Blutvolumens und zur Stärkung ihrer Muskulatur beinhaltete.

Verlauf und Prognose von POTS

Zum Verlauf der Erkrankung liegen keine genauen Daten vor, im Allgemeinen ist die Prognose aber günstig. Bei etwa der Hälfte der jungen Erwachsenen gehen die Beschwerden innerhalb von 1-3 Jahren von selbst zurück. In 80 bis 90 Prozent der Fälle zeigt sich eine Besserung der Beschwerden unter der Kombination aus Lebensstilveränderungen und Medikamenten. Allerdings kommt es auch hier immer wieder zu wechselnden Phasen der Krankheitsaktivität.

POTS als neurologische Erkrankung

Obwohl POTS oft mit Herz-Kreislauf-Symptomen einhergeht, wird es zunehmend als neurologische Erkrankung betrachtet, da es primär eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems betrifft. Diese Dysregulation kann durch verschiedene Faktoren wie Neuroinflammation, Small-Fiber-Neuropathie oder Autoantikörper ausgelöst werden, die die Kommunikation im Nervensystem stören.

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POTS bei Long-COVID und ME/CFS

POTS tritt vermehrt bei Patient:innen mit Long-COVID und ME/CFS auf, was durch aktuelle Studien gestützt wird. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass bei diesen Erkrankungen mehrere Mechanismen, die zu POTS führen können, gleichzeitig vorliegen und so die Symptome verstärken.

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