Pregabalin vs. Gabapentin bei Nervenschmerzen: Ein umfassender Überblick

Pregabalin und Gabapentin sind beides Medikamente, die zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und Angststörungen eingesetzt werden. Obwohl sie ähnliche Anwendungen haben, gibt es wichtige Unterschiede in Bezug auf ihre Wirksamkeit, ihr Nebenwirkungsprofil und ihr Abhängigkeitspotenzial. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Pregabalin und Gabapentin im Hinblick auf die Behandlung von Nervenschmerzen.

Was sind Pregabalin und Gabapentin?

Pregabalin (Lyrica®) und Gabapentin (Neurontin®, Generika) sind beides Gabapentinoide, d.h. sie sind strukturell mit dem Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verwandt. Obwohl sie GABA-Analoga sind, wirken sie nicht direkt auf GABA-Rezeptoren. Stattdessen binden sie an die α2δ-Untereinheit von spannungsabhängigen Kalziumkanälen im zentralen Nervensystem und hemmen die Freisetzung von Neurotransmittern, was letztendlich die Schmerz- und Stresssignalübertragung reduziert.

Ursprünglich wurden Pregabalin und Gabapentin zur Behandlung von Epilepsie entwickelt, werden aber zunehmend off-label für verschiedene Arten von Schmerzen eingesetzt, insbesondere neuropathische Schmerzen. Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems und können sich durch brennende, stechende oder einschießende Schmerzen äußern. Häufige Ursachen für neuropathische Schmerzen sind Diabetes (diabetische Neuropathie), Herpes Zoster (Postzherpetische Neuralgie) und Nervenverletzungen.

Wirksamkeit bei Nervenschmerzen

Sowohl Pregabalin als auch Gabapentin sind Mittel der ersten Wahl zur Behandlung neuropathischer Schmerzen, zusammen mit trizyklischen Antidepressiva und selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SSNRI) wie Duloxetin. Studien haben gezeigt, dass beide Medikamente bei der Linderung neuropathischer Schmerzen wirksam sein können, aber es gibt einige Unterschiede in Bezug auf ihre Wirksamkeit bei verschiedenen Arten von Schmerzen.

Eine Meta-Analyse von randomisierten, kontrollierten Studien ergab, dass Gabapentin bei der Reduzierung von Schmerzen im unteren Rückenbereich nur eine begrenzte Wirksamkeit hat. Darüber hinaus war das Risiko für Nebenwirkungen erhöht. Eine andere Studie zeigte, dass Pregabalin bei Ischiasnervschmerzen keine Wirkung hat. Die Nationale Versorgungs-Leitlinie Kreuzschmerz lehnt daher den Einsatz von Pregabalin und anderen Antiepileptika ab.

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Im Allgemeinen wird Pregabalin als etwas wirksamer angesehen als Gabapentin bei der Behandlung bestimmter Arten von neuropathischen Schmerzen, insbesondere bei diabetischer Neuropathie und Postzherpetischer Neuralgie. Pregabalin hat eine höhere Bioverfügbarkeit und wird schneller absorbiert als Gabapentin, was zu einer schnelleren Schmerzlinderung führen kann.

Eine Studie verglich die Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen aufgrund peripherer Neuropathien. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten, die auf Pregabalin umgestellt wurden, eine verbesserte Schmerzkontrolle aufwiesen, ohne dass es zu vermehrten Nebenwirkungen kam. Dies war besonders signifikant bei Patienten, die zuvor unter Gabapentin unter erheblichen Nebenwirkungen gelitten hatten.

Unterschiede in der Dosierung und Anwendung

Ein wichtiger Unterschied zwischen Pregabalin und Gabapentin liegt in ihrer Dosierung und Anwendung. Gabapentin muss in der Regel drei- bis viermal täglich eingenommen werden, während Pregabalin in der Regel zweimal täglich eingenommen wird. Dies kann die Einhaltung der Therapie für einige Patienten erleichtern.

Die Dosierung von Gabapentin muss in der Regel schrittweise erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, während Pregabalin in einer niedrigeren Dosis begonnen und schneller gesteigert werden kann. Dies liegt daran, dass die Resorption von Gabapentin sättigbar ist und mit steigenden Dosen abnimmt, während Pregabalin eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung aufweist.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Gabapentin in größeren Dosen (z. B. 2 oder 3 g täglich) eingenommen werden muss, was für einige Patienten eine Herausforderung darstellen kann. Pregabalin ist in niedrigeren Dosierungen wirksam, was die Einnahme erleichtern kann.

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Ein Beispiel für die Umstellung von Gabapentin auf Pregabalin ist das folgende Schema:

  • Gabapentin ≤ 900 mg/Tag → Pregabalin 150 mg/Tag
  • Gabapentin 901-1500 mg/Tag → Pregabalin 225 mg/Tag
  • Gabapentin 1501-2100 mg/Tag → Pregabalin 300 mg/Tag
  • Gabapentin 2101-2700 mg/Tag → Pregabalin 450 mg/Tag
  • Gabapentin > 2700 mg/Tag → Pregabalin 600 mg/Tag

Nebenwirkungen

Sowohl Pregabalin als auch Gabapentin können Nebenwirkungen verursachen, die jedoch in der Regel leicht bis mittelschwer und dosisabhängig sind. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Schwindel
  • Schläfrigkeit
  • Benommenheit
  • Gangunsicherheit
  • Ödeme (Schwellungen)

In einigen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, wie z. B.:

  • Atemdepression
  • Koma
  • Suizidgedanken

Es ist wichtig, dass Patienten ihren Arzt über alle Nebenwirkungen informieren, die sie während der Einnahme von Pregabalin oder Gabapentin verspüren.

Abhängigkeitspotenzial

Sowohl Pregabalin als auch Gabapentin haben ein Abhängigkeitspotenzial, wobei Pregabalin ein stärkeres Abhängigkeitspotenzial zu haben scheint als Gabapentin. Dies liegt möglicherweise daran, dass Pregabalin schneller absorbiert wird und eine höhere Bioverfügbarkeit aufweist als Gabapentin, was zu einem schnelleren Einsetzen eines euphorischen Rausches führen kann.

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Das Abhängigkeitspotenzial von Gabapentinoiden ist besonders hoch bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Substanzmissbrauch, insbesondere bei Opioidabhängigkeit. Bei diesen Patienten sollte die Verordnung von Pregabalin und Gabapentin mit Vorsicht erfolgen, und es sollten engmaschige Kontrollen durchgeführt werden.

Anzeichen für eine Abhängigkeit von Gabapentinoiden können sein:

  • Eigenmächtige Dosissteigerung
  • "Doctor Hopping" (Aufsuchen verschiedener Ärzte, um Rezepte zu erhalten)
  • Versteckter Konsum
  • Wiederholte, nicht plausible Rezeptanforderungen
  • Simulation von Symptomen, um Gabapentinoide verschrieben zu bekommen
  • Entzugssymptome
  • Intoxikationssymptome

Todesfälle im Zusammenhang mit Pregabalin und Gabapentin

In den letzten Jahren gab es Berichte über Todesfälle im Zusammenhang mit Pregabalin und Gabapentin, insbesondere in Kombination mit anderen zentral wirksamen Substanzen wie Opioiden. Eine Studie aus Großbritannien analysierte 2322 Todesfälle im Zusammenhang mit Pregabalin und 913 im Zusammenhang mit Gabapentin. Bei mehr als 90 % der Todesfälle wurde auch die Anwendung von Opioiden festgestellt, wobei nur in einem Viertel der Fälle beide Medikamente ärztlich verordnet waren.

Die Wirkung der Drogen kann sich gegenseitig verstärken und zu tödlichen Folgen führen, z. B. Bewusstlosigkeit und Erbrechen. In den meisten Fällen lagen die Blutkonzentrationen von Gabapentin und Pregabalin in einem Bereich, in dem sie nicht gesundheitsgefährdend sind. Nur in zwei Fällen waren die Blutkonzentrationen so hoch, dass die Medikamente allein für den Tod verantwortlich waren.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Todesfälle in der Regel auf den Missbrauch von Pregabalin oder Gabapentin in Kombination mit anderen Drogen zurückzuführen sind. Bei Patienten, die Pregabalin oder Gabapentin gemäß den Anweisungen ihres Arztes einnehmen, ist das Risiko eines Todesfalls sehr gering.

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