PSC und Parkinson: Eine Betrachtung der Zusammenhänge und neuen Therapieansätze

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) hingegen ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gallengänge, die zu Verengungen und letztendlich zu Leberversagen führen kann. Obwohl diese beiden Erkrankungen auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, gibt es interessante Verbindungen und Forschungsansätze, die eine nähere Betrachtung rechtfertigen.

Zelltherapie als Hoffnungsträger bei Parkinson

Ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung der Parkinson-Krankheit ist die Zelltherapie. Hierbei werden Dopamin-produzierende Neuronen, die bei Parkinson-Patienten verloren gehen, durch neue Zellen ersetzt. Diese dopaminergen Neuronen werden aus pluripotenten Stammzellen (PSC) gewonnen, einschließlich menschlicher embryonaler Stammzellen. Die Bayer-Tochter BlueRock Therapeutics arbeitet an einer solchen Zelltherapie namens Bemdaneprocel (BRT-DA01).

Bemdaneprocel: Ein Überblick

Bemdaneprocel ist eine Zelltherapie, die sich in der klinischen Entwicklung befindet, um die Dopamin-produzierenden Neuronen zu ersetzen, die bei der Parkinson-Krankheit zerstört werden. Diese dopaminergen Neuronen werden aus pluripotenten Stammzellen (PSC), einschließlich menschlicher embryonaler Stammzellen, gewonnen. Sie werden während einer Operation in das Gehirn von Parkinson-Patienten implantiert. Nach der Transplantation sollen sie neuronale Netzwerke regenerieren, die durch die Krankheit beschädigt wurden, und so motorische und nicht-motorische Funktionen der Patienten verbessern.

Klinische Studien mit Bemdaneprocel

BlueRock Therapeutics plant, im ersten Halbjahr 2025 eine zulassungsrelevante Phase-III-Studie mit Bemdaneprocel zu starten. Ziel dieser Studie mit rund 100 Parkinson-Patienten ist die Untersuchung der Zeitdauer, die Betroffene ohne störende Dyskinesien - motorische Störungen wie unwillkürliche Bewegungen - verbringen können. Die Entscheidung zur Phase-III-Studie basiert auf positiven Ergebnissen einer Phase-I-Studie, in der die Sicherheit von Bemdaneprocel im Vordergrund stand. Die Patienten vertrugen die Therapie gut, und die transplantierten Zellen überlebten nicht nur, sondern zeigten nach dem Absetzen der Immunsuppression nach zwölf Monaten weiteres Wachstum.

Die Rolle von Bayer

Die Bayer AG hat sich durch die Übernahme von BlueRock Therapeutics und AskBio strategisch in der Forschung zu Gen- und Zelltherapien positioniert. BlueRock konzentriert sich auf Zelltherapien für neurologische, kardiologische und immunologische Probleme, während AskBio an einer Gentherapie gegen Parkinson forscht. Bayer hat in Berkeley, Kalifornien, USA, eine neue Zelltherapie-Produktionsanlage eröffnet, um Patienten weltweit Zelltherapien anbieten zu können. Die Investition in Höhe von 250 Millionen US-Dollar dient der Herstellung von Material, das für klinische Studien und die potenzielle Markteinführung von BlueRock Therapeutics' Bemdaneprocel (BRT-DA01), einer Zelltherapie, die derzeit für die Behandlung der Parkinson-Krankheit geprüft wird, benötigt wird.

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PSC: Neue Erkenntnisse über das Mikrobiom und Immunreaktionen

Die Forschung zur primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, insbesondere im Hinblick auf das Verständnis des Mikrobioms und der Immunreaktionen bei dieser Erkrankung.

Das Mikrobiom bei PSC

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass unsere Gesundheit maßgeblich durch die Interaktion mit den uns kolonisierenden Bakterien, Viren, Pilzen und Archaebakterien (die Summe wird als „Mikrobiom“ bezeichnet) geprägt wird. Insbesondere das intestinale Mikrobiom scheint hier durch die Menge der Keime und die enge räumliche Interaktion mit dem mucosalen Immunsystem eine wichtige Rolle einzunehmen. Über das biliäre Mikrobiom hingegen ist bisher sehr wenig bekannt. Da aber, entgegen früherer Annahmen, die Galle gerade bei PSC Patienten nicht steril ist, kommt dem biliären Mikrobiom, das in diesem Projekt untersucht werden soll, vermutlich eine wichtige pathogenetische Bedeutung zu.

Ein Forschungsteam des Exzellenzclusters PMI zeigte, dass das Immunsystem bei primär sklerosierender Cholangitis verstärkt auf das Epstein-Barr-Virus reagiert. Die Forschenden haben dazu das Immunsystem bei Personen mit PSC und gesunden Probanden untersucht. Dabei konzentrierten sie sich sowohl auf T-Zellen als auch auf B-Zellen. T-Zellen haben auf ihrer Oberfläche hochspezifische Rezeptoren, die T-Zell-Rezeptoren (TCR). Diese erkennen bestimmte Strukturen von Krankheitserregern, die von einer Gruppe von Proteinen, den humanen Leukozytenantigenen (HLA), präsentiert werden. Die Gesamtheit der einzigartigen TCR in einer Probe wird als T-Zell-Repertoire bezeichnet.

Immunreaktionen bei PSC

Kürzlich haben Forschende des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) in Kiel gezeigt, dass bei Menschen mit PSC eine verstärkte Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) vorliegt. Dies deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Reaktivierung des EBV und der Entstehung der Erkrankung hin. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigten ihre Ergebnisse auch durch die Analyse amerikanischer Gesundheitsdaten von über 116 Millionen Personen. Auch die epidemiologischen Daten zeigten einen Zusammenhang zwischen Pfeifferschem Drüsenfieber und der Entwicklung von PSC.

Aktuelle Forschungsprojekte

In einem aktuellen Forschungsprojekt soll die Charakterisierung des intestinalen und biliären Mikrobioms, sowie der Zusammenhang zwischen Genetik, Metabolismus und Ernährung mit dem Mikrobiom untersucht werden. Gezielt soll der Einfluss der Befunde auf die T-Zelldifferenzierung und den Verlauf der Erkrankung analysiert werden. Über das Verständnis dieser Zusammenhänge sollen neue Therapiemöglichkeiten (z.B. über Ernährungsintervention) für eine Erkrankung eröffnet werden, für die es bisher keine wirksame Therapie gibt.

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Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Bewegungsstörungen

Die Tiefe Hirnstimulation (THS), bei der verschiedene an der Pathophysiologie beteiligte Hirnareale über chronisch implantierte Elektroden hochfrequent elektrisch stimuliert werden, ist bei Bewegungsstörungen eine etablierte und effektive Therapie zur Verbesserung motorischer Symptome und pharmakologisch induzierter Nebenwirkungen. Projekte aus dem Bereich der funktionellen Neurochirurgie umfassen klinische Studien zur DBS bei Bewegungsstörungen (Dystonie, Parkinson), neuropsychiatrischen Erkrankungen (Zwangsstörungen, Tourette, Depression) und neuropathischen Schmerzsyndromen.

Die Rolle der Neurochirurgie

Die Klinik für Neurochirurgie ist an mehreren Verbundprojekten beteiligt. Hier ist insbesondere die STIM-TOX Studie zu nennen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Behandlungsalgorithmen für die multifokale tiefe Hirnstimulation bei seltenen Bewegungsstörungen. Intraoperativ wird die Aktivität einzelner Nervenzellen mit hochohmigen Elektroden abgeleitet, um die DBS-Elektroden in der Zielregion optimal zu positionieren. Diese Ableitungen tragen zur Aufklärung der Pathophysiologie der neuronalen Aktivität bei den verschiedenen Erkrankungen bei. Zur weiteren Aufklärung leiten wir bei ausgewählten Fragestellungen postoperativ lokale Feldpotentiale von den verschiedenen Kontakten der DBS-Elektroden ab, während diese zur klinischen Beurteilung des Stimulationserfolges externalisiert sind.

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