Pudendusneuralgie und chronische Beckenschmerzen bei Männern: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Chronische Beckenschmerzen stellen für viele Männer eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Eine mögliche Ursache hierfür ist die Pudendusneuralgie, eine Schmerzerkrankung, die den Nervus pudendus betrifft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von chronischen Beckenschmerzen und insbesondere der Pudendusneuralgie bei Männern.

Einführung in chronische Beckenschmerzen

Schmerzen im Beckenbodenbereich können verschiedene Organe wie die Harnblase, die Harnröhre und den Beckenboden selbst betreffen. Von chronischen Beckenschmerzen spricht man, wenn diese Schmerzen länger als sechs Wochen anhalten. Lange Zeit wurden diese Schmerzen oft als psychosomatische Erkrankung abgetan, doch heutzutage können organische Ursachen immer häufiger erkannt und gezielt behandelt werden.

Häufige Ursachen von Beckenboden- und Harntraktbeschwerden

Einige der häufigsten und behandelbaren Ursachen für Schmerzen im Beckenboden und/oder Harntrakt sind:

  • Harnwegsinfektionen (oft chronisch und nicht immer im Urin nachweisbar)
  • Beckenbodeninsuffizienz mit Senkungsbeschwerden
  • Nervenstörungen (z.B. Bandscheibenvorfall, Nervenengpasssyndrom (N.Pudendus), Wirbelgleiten, Multiple Sklerose)
  • Harnsteine

Operationen im Beckenbereich oder Bestrahlungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Es gibt auch Überlappungen zu anderen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie, Reizdarm, chronischen Rücken- und Kopfschmerzen sowie Autoimmunerkrankungen. Stress, sowohl physisch als auch psychisch, kann die Symptome verstärken.

Was ist Pudendusneuralgie?

Die Pudendusneuralgie ist eine seltene chronische Schmerzerkrankung im Bereich des Damms, also dem Bereich zwischen After und Genitalien. Synonyme Bezeichnungen sind Pudendusneuropathie oder Alcock-Syndrom. "Neuropathisch" bedeutet, dass es sich um eine Erkrankung eines Nervs handelt, in diesem Fall des Nervus pudendus (Schamnerv).

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Anatomie des Nervus pudendus

Der Nervus pudendus ist für die sensible Wahrnehmung von After, Damm und Hoden zuständig. Er versorgt auch die Muskulatur des Beckenbodens und den äußeren Afterschließmuskel, was ihn wichtig für die Kontrolle von Harn und Stuhl sowie für die Sexualfunktion macht. Der Nerv entspringt dem unteren Rückenmark und verläuft seitlich durch verschiedene Strukturen des Beckens. Eine wichtige Engstelle ist der Alcock-Kanal, wo eine Einklemmung des Nervs zu einer Pudendusneuralgie führen kann.

Ursachen und Risikofaktoren der Pudendusneuralgie

Mehrere Ursachen können für die Pudendusneuralgie verantwortlich sein. Am häufigsten liegt eine mechanische Ursache vor, bei der der Nerv durch andere Strukturen im Becken gereizt oder eingeengt wird, oft im Alcock-Kanal.

Weitere Ursachen können sein:

  • Druck auf den Damm, z.B. beim Fahrradfahren
  • Operationen, bei denen der Patient lange in derselben Position gelagert wird
  • Verletzungen des Beckens
  • Gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose
  • Eine schwer verlaufene Geburt
  • Gefäßerkrankungen des Beckens
  • Bindegewebige Verengung des Alcock-Kanals
  • Seltenere Ursachen wie Herpes zoster, Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus

Auch muskuläre Ursachen können eine Rolle spielen. Verhärtete Muskeln können den Nerv einengen und Schmerzen auslösen. Ein chronisch verspannter Piriformis-Muskel könnte beispielsweise den Nerv komprimieren.

Symptome der Pudendusneuralgie

Die Symptome der Pudendusneuralgie sind vielfältig und können sich schleichend entwickeln. Typisch sind heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich, die als brennend, stechend, einschießend, dumpf oder drückend beschrieben werden. Einige Patienten sprechen von einem "Gefühl einer Rasierklinge". Die Schmerzen sind meist einseitig und können sich beim Sitzen verstärken, während sie im Stehen oder Liegen besser werden. Weitere mögliche Symptome sind:

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  • Missempfindungen (Parästhesien)
  • Muskellähmungen
  • Taubheitsgefühle
  • Harn- und Stuhlinkontinenz
  • Gestörte Sexualfunktion

Diagnose der Pudendusneuralgie

Die Diagnose der Pudendusneuralgie kann schwierig sein und oft einige Monate dauern. Zunächst werden andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen. Die Diagnose wird in der Regel von einem Neurologen gestellt und behandelt.

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und Fragen zu den Beschwerden stellen. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, bei der Druck in der Scheide, im Rektum oder am Damm Schmerzen auslösen kann.

Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:

  • Magnetresonanztomografie (MRT) des Beckens und des Rückenmarks, um andere Ursachen wie Tumoren oder Bandscheibenvorfälle auszuschließen
  • Pudendusblockade: Injektion eines Betäubungsmittels entlang des Schamnerven. Eine Besserung der Symptome nach der Betäubung bestätigt die Diagnose.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), um Schädigungen des Nervus pudendus nachzuweisen

Behandlungsmöglichkeiten der Pudendusneuralgie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Pudendusneuralgie zu behandeln. Zunächst wird, falls vorhanden, die Grunderkrankung behandelt.

Schmerzmittel

Da die Schmerzen meist chronisch sind, sprechen übliche Schmerzmittel oft nicht an. Dennoch können akute Schmerzattacken mit rezeptfreien Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide wie Tramadol verschrieben werden.

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Bei der langfristigen Behandlung haben sich auch Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) oder Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin) als wirksam erwiesen. Oft werden verschiedene Schmerzmittel kombiniert.

Weitere Maßnahmen ohne Operation

  • Physiotherapeutische Übungen zur Entspannung des Beckenbodens
  • Psychologische Begleitung bei der Schmerztherapie
  • Alternative Behandlungsformen wie Osteopathie oder Akupunktur

Operative Therapie

Laut Studien ist die beste Therapie der Pudendusneuralgie ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Nerv vom Druck entlastet wird (Neurolyse). Dabei wird der Nervus pudendus freigelegt, um jeglichen Druck zu nehmen.

Pudendale Neuromodulation

Die pudendale Neuromodulation (PNM) ist ein noch junges Therapieverfahren, bei dem eine dauerhafte Schmerzlinderung durch elektrisch herbeigeführte Veränderung und Unterbrechung der Schmerzempfindung und -weiterleitung über den Schamnerven erzielt wird.

Weitere Therapieansätze

  • TMX® Beckenbodentrigger: Ein Tool für die Triggerpunkttherapie im Bereich des Beckenbodens.
  • Pohltherapie: Ein Ansatz zur Behandlung von Irritationen des Pudendusnervs durch Muskelverhärtungen.

Was kann man selbst tun?

  • Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, aber vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.
  • Sitzposition: Sorgen Sie für eine weiche Unterlage beim Sitzen.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie möglicherweise triggernde Lebensmittel.
  • Entspannung: Üben Sie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
  • Radfahren: Lassen Sie sich im Fachgeschäft einen passenden Sattel anmessen.
  • Verstopfung: Vermeiden Sie starkes Pressen bei Verstopfung.

Das chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS)

Das Chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS) ist eine anhaltende Schmerzerkrankung im Bereich des Beckens, die sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Bei Männern wird es manchmal auch als chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) bezeichnet, wenn es mit Schmerzen im Bereich der Prostata verbunden ist.

Ursachen des CPPS

Die genauen Ursachen des CPPS sind oft schwer zu bestimmen. Es können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, einschließlich muskulärer, neurologischer, psychosozialer und entzündlicher Aspekte.

Diagnostik des CPPS

Die urologische Diagnostik beim CPPS ist oft übersichtlich. Wenn sich keine urologischen Ursachen finden, müssen andere Fachrichtungen konsultiert werden.

Mögliche diagnostische Schritte sind:

  • Ausführliche Anamnese
  • Standardisierte Fragebögen (NIH-CPSI, IPSS, IIEF-5)
  • TRUS (Ausschluss von Prostataabszess, Prostatasteinen oder -zysten)
  • Zystoskopie (bei Hämaturie oder auffälliger Zytologie)
  • Urodynamische Untersuchung (bei Blasenspeicher- und/oder -entleerungsstörungen)
  • Beckenboden-EMG (Beurteilung der Beckenbodenfunktionalität)

Therapie des CPPS

Es gibt keinen standardisierten Therapieplan zur Behandlung von CP/CPPS. Die Behandlung muss individuell, symptombezogen und den Lebensumständen des Patienten angepasst werden.

Mögliche Therapieansätze sind:

  • Anpassung des Lebensstils
  • Ernährungsumstellung (z.B. Vermeidung von Zitrusfrüchten, Tomaten, Kaffee, Alkohol)
  • 5-Alpha-Reduktasehemmer (bei CP/CPPS mit Prostatabeteiligung)
  • Antibiotika (bei Verdacht auf eine zugrundeliegende Infektion)
  • Nichtsteroidale bzw. antiinflammatorische Medikamente (bei Schmerzsymptomatik)
  • Phytotherapeutika (pflanzliche Extrakte)
  • Intraprostatische Injektion von Botulinumtoxin A (Botox)
  • Neuromodulation bzw. Nervenstimulation
  • Transurethrale Prostataresektion (TUR-P) oder Laseroperation (als Ultima Ratio bei obstruktiver Symptomatik)
  • Fokussierte Stoßwellentherapie
  • Procain-Basen-Infusionen
  • Magnesium-Infusionen
  • Bewegung/eigene Dehnübungen und Beckenboden-Physiotherapie
  • Spezielle rektale TENS-Therapie
  • Psychologische/psychiatrische Betreuung

Weitere Aspekte chronischer Beckenschmerzen

  • Rauchen: Erhöht das Risiko für Blasenkrebs und kann die Blasenfunktion beeinträchtigen.
  • Histaminintoleranz: Möglicherweise ist die IC/BPS Ausdruck einer Histaminintoleranz.

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