Ein Schlaganfall kann vielfältige gesundheitliche Folgen haben, darunter auch erhebliche Beeinträchtigungen des Sehvermögens. Sehstörungen zählen zu den häufigsten neurologischen Komplikationen nach einem Hirninfarkt. Ein fundiertes Verständnis des Zusammenhangs zwischen Schlaganfall und visuellen Einschränkungen ist entscheidend, um Symptome richtig einzuordnen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Die Pupillenreaktion kann ein wichtiger Indikator für die neurologische Funktion nach einem Schlaganfall sein.
Schlaganfall und seine Auswirkungen auf das Sehvermögen
Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer Unterbrechung der Blutversorgung in bestimmten Hirnarealen, wodurch Nervenzellen absterben. Da der Sehvorgang auf komplexen neuronalen Netzwerken basiert, können bereits kleinere Durchblutungsstörungen in verschiedenen Bereichen des Gehirns zu Funktionsausfällen im visuellen System führen. Die Signalübertragung vom Auge bis zum visuellen Kortex verläuft über hochspezialisierte Nervenbahnen. Werden diese Strukturen durch einen Schlaganfall geschädigt, kann es zu ganz unterschiedlichen Ausprägungen von Sehstörungen kommen.
Ursachen für Sehstörungen nach einem Schlaganfall
Im Zusammenhang mit einem Schlaganfall können verschiedene Arten von Sehstörungen auftreten. Zum Beispiel kann das Auge beziehungsweise die Sehbahn direkt betroffen sein, weil sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. In diesem Fall kann es zur Erblindung auf einem Auge kommen. Zum anderen kann eine Region im Gehirn betroffen sein, in der die Informationen des Auges verarbeitet werden. Das Auge selbst ist also intakt, aber die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniert nicht mehr richtig. Die Wahrnehmung ist gestört. Dies ist häufiger der Fall als eine Erblindung.
Arten von Sehstörungen nach einem Schlaganfall
Wenn das Gehirn die Informationen, die das Auge weiterleitet, nicht mehr richtig aufnehmen kann, kann dies zahlreiche Folgen haben, unter anderem:
- Gesichtsfeldeinschränkungen: Die Gesichtsfeldeinschränkung ist mit Abstand die häufigste Sehstörung nach einer Hirnschädigung. Die Einschränkung kann sehr unterschiedlich ausfallen, von kleinen „blinden Flecken“ (sogenannten Skotome), über einen „Tunnelblick“ bis hin zu dem Ausfall einer kompletten Gesichtshälfte - je nach Größe, Ort und Art der Schädigung im Gehirn. Die führt dazu, dass im Alltag Hindernisse übersehen werden und sich Betroffene zum Beispiel oft stoßen. Da es mit einem eingeschränkten Blickfeld schwieriger ist, sich schnell zur orientieren und einen Überblick zu verschaffen, kann es zu entsprechenden Unsicherheiten kommen - vor allem im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr. Auch die Lesegeschwindigkeit ist oft verringert, da Satzanfänge oder -enden übersehen werden.
- Doppelbilder: Doppelbilder oder ein „verschwommenes“ Sehen können Folgen eines Schlaganfalls sein. Dabei können die Doppelbilder auch zu Schwindel führen.
- Herdblick: Der Herdblick kann ein erstes Anzeichen für einen Schlaganfall sein, das häufig nicht als solches wahrgenommen wird. Der Blick „kippt“ zur linken oder zur rechten Seite, der Betroffene kann seine Blickrichtung nicht mehr kontrollieren. In manchen Fällen drehen sich nicht die Augen, sondern der ganze Kopf in eine Richtung.
- Visuell-Räumliche Störungen: Durch eine Hirnschädigung kann es sein, dass die Raumachsen nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Das führt dazu, dass Betroffene zum Beispiel Schwierigkeiten haben, geradeaus zu gehen oder ein Fahrrad oder Rollstuhl zu steuern.
- Neglect: Neglect bedeutet, dass eine Raum- und/oder Körperhälfte nicht mehr wahrgenommen wird. Das heißt, dass der Betroffene seine Aufmerksamkeit einer Raum- oder Körperseite nicht mehr zuwenden kann. Es gibt verschiedene Arten des Neglects, der visuelle Neglect tritt am häufigsten auf. Der Unterschied zwischen einen Gesichtsfeldausfall und einem visuellen Neglect ist manchmal schwierig auszumachen, teilweise tritt auch beides zusammen auf. Grundsätzlich ist ein Neglect eine Störung der Aufmerksamkeit auf eine Raumseite, Ein Gesichtsfeldausfall ist eine Störung des Sehens. Bei einem Gesichtsfeldausfall ist dem Betroffenen in der Regel bewusst, dass die Raumhälfte existiert - er sie selbst allerdings nicht wahrnehmen kann. Bei einem visuellen Neglect lenkt der Betroffene seine Aufmerksamkeit nicht spontan auf die betroffene Seite. So bemerken die Betroffene oft selbst nicht, dass etwas „fehlt“.
Können sich Sehstörungen zurückbilden?
Das ist wie bei allen neurologischen Erkrankungen sehr individuell. Eine Erblindung bildet sich nicht zurück, eine Wahrnehmungsstörung kann sich zurückbilden - teilweise oder vollständig, spontan oder durch spezielle Therapien. Je mehr Zeit nach dem Schlaganfall vergangen ist, desto unwahrscheinlicher wird eine spontane Rückbildung der Symptome.
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Die Rolle der Pupillenreaktion
Die Augen, genauer gesagt die Reaktion der Pupillen, werden vom so genannten autonomen Nervensystem gesteuert. Dieses regelt alle unwillkürlichen Grundfunktionen im Körper wie zum Beispiel die Atmung, Verdauung, den Blutdruck und Herzschlag. Eine Veränderung der Pupillenreaktion kann somit auf eine Störung des autonomen Nervensystems hinweisen, die durch einen Schlaganfall verursacht wurde.
Pupillenprüfung bei komatösen Patienten
Bei komatösen Patienten sollte zusätzlich zur Pupillenprüfung auf weitere okuläre Zeichen geachtet werden, wie beispielsweise Augenpendelbewegungen, Nystagmus, „ocular bobbing“, „skew-Deviation“,oder „Déviation conjugée“. Von Bedeutung sind zudem die Prüfung des Lidtonus, der Lidspaltenweite bei unvollständigem Lidschluss, die Prüfung der Kornealreflexe, des Bellschen Phänomens, die Stellung der Augen und die Augenposition (En- oder Exophthalmus). Geräusche über dem Schläfenbereich und über der Augenregion können auskultiert werden. Eine einseitige Mydriasis weist auf eine ipsilaterale Hirnschädigung durch ein epi- oder subdurales Hämatom hin. Die Mydriasis kann weiter zunehmen; dabei kann eine ovale Entrundung („football pupil“) bei intrakraniellem Hämatom beobachtet werden.
Pupillometrie zur Messung der Pupillenreaktion
Die Ärzte benutzen dazu ein so genanntes Pupillometer. Es sieht aus wie eine kleine Kamera, die einen Lichtblitz aussendet und daraufhin die Größe und die Reaktion der Pupille innerhalb weniger Sekunden misst.
Schlaganfall-Symptome betreffen oft auch die Augen
Schlaganfall-Symptome betreffen oft auch die Augen: Geplatzte Adern und Blutungen im Auge, Doppelbilder, verschwommenes Sehen und vorübergehender Seh-Verlust auf einem Auge, Blitze oder Flimmern im Auge sind beispielsweise Anzeichen für einen Schlaganfall, insbesondere wenn sie ganz plötzlich auftreten. Oft kommt es auch zu einem jähen halbseitigen Gesichtsfeld-Ausfall. Das Gesichtsfeld ist jener Teil des Umfelds, den man sieht, ohne die Augen oder den Kopf zu bewegen. Wenn ein Teil dieses Gesichtsfelds - zum Beispiel die linke Seite - plötzlich ausfällt, kommt es leicht zu Stürzen oder Unfällen, weil der Betroffene etwa ein von der linken Seite herannahendes Fahrzeug nicht sieht. Neben dem Schlaganfall im Gehirn gibt es aber auch die Möglichkeit, dass nur die Augen betroffen sind - also ein Schlaganfall im Auge vorliegt. Eine geplatzte Ader und eine dadurch bedingte Blutung im Auge bedeutet nicht zwingend, dass Sie einen Schlaganfall haben. Dahinter steckt möglicherweise eine mechanische Reizung oder auch ein kurzzeitig erhöhter Blutdruck (beispielsweise durch Anstrengung). Treten jedoch Seh-Störungen auf, klären Sie die Beschwerden unbedingt mit Ihrem Arzt ab!
Hirnblutungen und ihre Symptome
Innerhalb des Schädels (Cranium) auftretende Blutungen bezeichnen Mediziner als intrakranielle Blutungen oder Hirnblutungen. Die mit diesen einhergehenden Beschwerden sind von Ort und Ausmaß der jeweiligen Blutung abhängig. Jede Hirnblutung stellt einen medizinischen Notfall dar und muss umgehend in einem Krankenhaus versorgt werden. Eine Hirnblutung entsteht, wenn ein Blutgefäß innerhalb des Schädels einreißt, platzt oder verletzt wird. Bei jeder Form der Hirnblutung klagen die Betroffenen häufig über die klassischen Anzeichen einer Druckerhöhung im Schädel (sogenannte Hirndruckanzeichen) wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Daneben können in Abhängigkeit von Ort und Art der Hirnblutung unterschiedliche Symptome hinzukommen. Bei einer epiduralen Blutung sind die Betroffenen zumeist direkt nach dem auslösenden Trauma bewusstlos und wachen etwas später wieder auf. Im weiteren Verlauf zeigen sich infolge der fortschreitenden Blutung allerdings erneut Bewusstseinseintrübungen sowie eine generelle Zustandsverschlechterung. Typisch für eine Subarachnoidalblutung sind plötzliche, sehr heftige Kopfschmerzen, die von Nackenschmerzen begleitet werden. Auch hier können Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinseintrübungen auftreten.
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Ursachen und Risikofaktoren für Hirnblutungen
Eine Hirnblutung entsteht zumeist infolge eines Blutgefäßrisses (Gefäßruptur), der durch verschiedene Ursachen entstehen kann. So entsteht eine intrazerebrale Blutung häufig auf dem Boden eines Bluthochdrucks. Epidurale und subdurale Blutungen werden dagegen zumeist von einem Schädel-Hirn-Trauma aufgrund eines Verkehrs-, Sport- oder Arbeitsunfalls hervorgerufen. Zu beachten ist, dass noch Wochen nach einer harmlosen Kopfverletzung ein sogenanntes chronisches Subduralhämatom auftreten kann. Insbesondere bei älteren Personen ist eine derartige chronische Hirnblutung häufig nach einem Sturz zu beobachten. Auch Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, unterliegen einem erhöhten Risiko für chronische Hirnblutungen.
Chronisches Subduralhämatom
Reißt im Kopf eine Vene im sogenannten Subduralraum zwischen der harten Hirnhaut und der Spinngewebshaut ein, zum Beispiel durch einen Unfall, Sturz oder einen Schlag, kann ein zunächst kleiner Bluterguss (Hämatom) in dieser Region entstehen. Ärzte sprechen dabei von einem Subduralhämatom. Nicht selten haben Betroffene den Sturz oder Stoß, der zur Hirnblutung führte, längst vergessen, wenn sie Wochen später Symptome entwickeln. Mediziner raten älteren Menschen deshalb, sich solche Unfälle zu notieren, falls es in der Folge zu Komplikationen kommt. Bei Wesensveränderungen, rasch voranschreitender Demenz oder andauernden Kopfschmerzen empfehlen Experten eine bildgebende Untersuchung des Schädels, um ein Subduralhämatom zu erkennen. Bei einem größeren Befund kann eine Operation helfen: Neurochirurgen bohren ein kleines Loch durch Schädelknochen und harte Hirnhaut, um die Flüssigkeit abzusaugen und das Gehirn zu entlasten. Bei chronischen Subduralhämatomen zeigen sich erst nach Wochen die ersten Symptome. Zudem sind diese oftmals unspezifisch und äußern sich anhand von Kopfschmerzen, Schwindel oder Verwirrtheit, die gerade bei älteren Menschen auch für eine beginnende Demenz sprechen können. Alle Formen der Hirnblutung stellen einen medizinischen Notfall dar und erfordern eine sofortige Klinikeinweisung mit dem Rettungsdienst.
Behandlung und Prognose von Hirnblutungen
Dort erfolgt zur Diagnosestellung eine Computertomografie (CT) des Schädels sowie die weitere medizinische Versorgung auf einer neurologischen oder neurochirurgischen Station. Ziel der Erstmaßnahmen ist es, einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff vorzubeugen und die Blutung zu verlangsamen. Die weiterführende Behandlung ist abhängig von Lage, Größe und Ausmaß der Hirnblutung. Infolge dieser entsteht ein Bluterguss, der lebenswichtige Hirnstrukturen einklemmen und so Nervenzellen schädigen kann. Zudem kommt es bei Fortbestehen der Blutung zu einem zunehmenden Druckanstieg im Gehirn, der die umliegenden Gehirnstrukturen gefährdet. Die Prognose hängt stark vom Ausmaß und Ort der Hirnblutung sowie vom Gesundheitszustand der betroffenen Person ab. Entscheidend ist zudem, wie schnell entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden konnten. Einige Blutungen, die schnell entlastet werden können, haben eine gute Prognose. Andere können trotz schneller Gegenmaßnahmen zu bleibenden Folgeschäden oder auch zum Tod führen.
Vorbeugung von Hirnblutungen
Einer Hirnblutung kann vorgebeugt werden, indem die begünstigenden Risikofaktoren ausgeschaltet werden. Zu diesen gehören insbesondere der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Drogen sowie Maßnahmen, die einem erhöhten Blutdruck vorbeugen. Da das Risiko für Bluthochdruck durch Bewegungsmangel, Übergewicht und erhöhten Blutfettwerten steigt, wirken eine gesunde Ernährung und Sport vorbeugend.
Was tun bei Verdacht auf eine Hirnblutung?
Eine Hirnblutung ist immer ein Notfall und muss notfallmedizinisch behandelt werden. Hast du den Verdacht, dass bei einer Person eine Hirnblutung vorliegt, solltest du umgehend den Notarzt rufen und bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bei der Person bleiben.
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