Wladimir Putins Gesundheitszustand: Parkinson, Krebs oder doch nur Taktik?

Seit Jahren ranken sich Gerüchte um den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Spekulationen über mögliche Krankheiten wie Parkinson oder Krebs sind ein ständiges Thema in den Medien. Der Kreml dementiert jegliche gesundheitlichen Probleme des Präsidenten, doch die Gerüchte halten sich hartnäckig.

Auffälligkeiten und Spekulationen

Immer wieder werden auffällige Verhaltensweisen Putins als Anzeichen für eine Erkrankung interpretiert. So sorgten beispielsweise Videoaufnahmen eines Treffens mit seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu für Aufsehen: Putins rechte Hand klammerte sich fest an den Tisch, seine Füße wackelten unruhig. Auch bei anderen öffentlichen Auftritten wurden ähnliche Beobachtungen gemacht.

Ein weiteres Indiz für eine mögliche Parkinson-Erkrankung soll der eigenartige Gang Putins sein. Er hält seinen rechten Arm beim Gehen meist eng am Körper, während der linke frei schwingt. Bei einer Militärparade der russischen Seestreitkräfte in St. Petersburg versuchte Putin nur mit der linken Hand, Mücken aus seinem Gesicht zu vertreiben. Sein rechter Arm hing auch dort nur schlaff herunter.

Parkinson-Gerüchte

Die Parkinson-Gerüchte halten sich hartnäckig. Der ehemalige Leiter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Richard Dearlove, äußerte sich in einem Interview mit der Zeitung "The Sun" dahingehend, dass er Parkinson für die wahrscheinlichste Erklärung halte, da Putin eine ganze Reihe von Symptomen zeige.

Experten sind sich jedoch uneins. John Hardy, Neurogenetiker am UK Dementia Research Institute, sagte der "Deutschen Welle", dass er keine Anzeichen für Parkinsonismus erkennen könne. Auch Ray Chadhuri, ein Neurologe an der Universität London, stimmte dieser Einschätzung zu.

Lesen Sie auch: Analyse Putin Gesundheit

Krebs-Spekulationen

Neben Parkinson gibt es auch immer wieder Spekulationen über eine mögliche Krebserkrankung Putins. So berichtete die russische Investigativ-Plattform "Projekt" über ein Ärzte-Team, das Putin behandelt. Auffällig sei die fortwährende Betreuung durch einen Onkologen und zwei Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten.

Ein geleaktes Tonbandgespräch eines russischen Oligarchen befeuerte die Gerüchte zusätzlich. In dem Gespräch hieß es, Putin sei "sehr krank" und leide an "schwerem Blutkrebs".

Weitere Krankheitsgerüchte

Im Laufe der Jahre gab es noch weitere Gerüchte über mögliche Erkrankungen Putins. So wurde beispielsweise behauptet, er leide an Rückenmarkkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Lepra.

Antrainierte Gangart?

Eine Studie des "British Medical Journal" aus dem Jahr 2015 analysierte den Gang hochrangiger russischer Beamter, darunter auch Putins. Auffällig war, dass alle einen durchweg "reduzierten rechten Armschwung" hatten. Die Forscher stellten die Theorie auf, dass diese Gangart kein Krankheitsbild, sondern antrainiert sei. Möglicherweise beim Waffentraining oder beim Geheimdienst KGB, für den Putin während der 80er-Jahre arbeitete. Den Spionen wurde beigebracht, ihre rechte Hand beim Gehen nahe an der Brust zu halten, um schnell eine Waffe ziehen zu können. Die Autoren bezeichneten das als "Gunslinger's gait" ("Revolverheldengang").

Steroide und ein aufgedunsenes Gesicht

Ashley Grossman, Professorin für Endokrinologie an der Universität Oxford, erklärte, dass eine mögliche Krebserkrankung auch Putins verändertes Aussehen erklären könne. In den Monaten zuvor waren wiederholt Bilder aufgetaucht, auf denen der Kremlchef ein auffallend geschwollenes Gesicht zeigte. Dieses Erscheinungsbild werde häufig mit der Einnahme von Steroiden in Verbindung gebracht, die wiederum bei der Behandlung verschiedener Arten von Lymphomen oder Myelomen eingesetzt werden.

Lesen Sie auch: Parkinson und Krebs bei Putin?

Verschleierung und Dementis

Der Kreml hält sich bedeckt, was den Gesundheitszustand des Präsidenten angeht. Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte Berichte über Putins angebliche Erkrankungen. Auch Außenminister Sergej Lawrow wich der Frage nach Putins Gesundheitszustand aus.

Nachfolge

Ungeachtet möglicher Krankheiten könnte Putin auch eine Altersschwäche ereilen. Fabian Burkhardt, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg, erklärte, dass das Prozedere für ein solches Szenario eindeutig geregelt sei. In der russischen Verfassung sei niedergeschrieben, dass im Falle des Todes des Präsidenten die Macht unmittelbar auf den Premierminister des Landes übergehe.

Lesen Sie auch: Analyse: Putins Gesundheitszustand

tags: #putin #krankheit #parkinson