Eingeklemmte Nerven können eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von konservativen Maßnahmen bis hin zu invasiven Eingriffen. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Quaddel-Behandlung, einer Form der Neuraltherapie, die bei verschiedenen Schmerzzuständen Anwendung findet.
Einführung in die Problematik eingeklemmter Nerven
Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn Druck auf einen Nerv ausgeübt wird, meist durch umliegendes Gewebe wie Knochen, Knorpel, Muskeln oder Sehnen. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Muskelschwäche führen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von harmlosen Muskelverhärtungen bis hin zu schwerwiegenderen Problemen wie Bandscheibenvorfällen oder dem Karpaltunnelsyndrom.
Ursachen und Symptome eines eingeklemmten Nervs
Die Ursachen für einen eingeklemmten Nerv können vielfältig sein:
- Muskelverhärtungen: Fehlhaltungen, falsche Schlafpositionen oder bestimmte Bewegungen beim Sport können zu Muskelverhärtungen führen, die auf den Nerv drücken.
- Bandscheibenvorfall: Verschleißbedingt oder durch Überlastung kann der weiche Kern der Bandscheibe austreten und auf die umliegenden Nerven drücken.
- Karpaltunnel-Syndrom: Eine Verengung des Karpaltunnels im Handgelenk kann den Mittelarmnerv einklemmen.
- Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals kann die Nerven einklemmen.
Die Symptome variieren je nach Lokalisation des eingeklemmten Nervs, können aber folgende umfassen:
- Stechende Schmerzen
- Einschränkung der Bewegungsfähigkeit
- Kribbeln und Taubheitsgefühle
- Lähmungserscheinungen
- Erbrechen, Übelkeit
- Schwindel
Die Neuraltherapie: Grundlagen und Anwendungsbereiche
Die Neuraltherapie ist ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das auf der Annahme basiert, dass Störungen im Körper, sogenannte Störfelder, Beschwerden in anderen Bereichen verursachen können. Sie wurde in den 1920er Jahren von den Ärzten Ferdinand und Walter Huneke entwickelt. Die Neuraltherapie umfasst verschiedene Ebenen:
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- Lokale Therapie: Behandlung direkt am Ort des Schmerzes.
- Segmenttherapie: Behandlung von Hautarealen, die über Nervenbahnen mit inneren Organen oder Muskelgruppen verbunden sind.
- Störfeldtherapie: Behandlung von chronisch belastenden Faktoren, die sich an anderer Stelle im Körper auswirken sollen.
Die Neuraltherapie findet Anwendung bei akuten und chronischen Schmerzen, funktionellen Störungen und zur Behandlung von Narben.
Die Quaddel-Behandlung als Teil der Neuraltherapie
Die Quaddel-Behandlung ist eine spezielle Technik innerhalb der Neuraltherapie, bei der ein Lokalanästhetikum in die oberen Hautschichten gespritzt wird. Dabei entstehen kleine, erhabene Hautbezirke, sogenannte Quaddeln.
Was ist Quaddelung?
Quaddelung bezeichnet eine Technik, bei der ein Medikament in die oberen Hautschichten gespritzt wird. So werden laut der Neuraltherapie vielfältige Beschwerden wie sie zum Beispiel durch Muskelverhärtungen entstehen, aufgelöst. Aber nicht nur Muskeln, sondern auch Bänder, Nerven und innere Organe sollen auf die Quaddeltherapie ansprechen, obwohl das bei der Therapie eingesetzte Mittel nur in die oberen Hautschichten eingebracht wird.
Wie funktioniert die Quaddel-Behandlung?
Die Quaddel-Behandlung basiert auf der Theorie, dass durch die Injektion eines Lokalanästhetikums in die Haut die Schmerzreize blockiert und die Durchblutung verbessert wird. Dies soll zur Entspannung der Muskulatur und zur Linderung der Schmerzen führen. Zudem wird angenommen, dass die Quaddeln eine Reizwirkung auf das vegetative Nervensystem ausüben und somit die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
Anwendungsbereiche der Quaddel-Behandlung bei eingeklemmten Nerven
Die Quaddel-Behandlung wird häufig bei schmerzhaften Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich eingesetzt, die oft im Zusammenhang mit eingeklemmten Nerven auftreten. Sie kann auch bei anderen Schmerzzuständen, wie z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen, Anwendung finden.
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Durchführung der Quaddel-Behandlung
Bei der Quaddel-Behandlung wird ein Lokalanästhetikum, wie z.B. Procain oder Lidocain, mit einer feinen Nadel in die Haut gespritzt. Die Injektionen erfolgen in der Regel in einem Abstand von wenigen Zentimetern im Bereich der schmerzhaften Muskelverspannungen oder entlang von Nervenbahnen. Es werden 2 bis 5 ml eines lokalen Betäubungsmittels verwendet. Ergänzend werden evtl. homöopathische Mittel dazu gemischt um die Wirkung zu verstärken.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Die Quaddel-Behandlung gilt als relativ risikoarm. Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Lokale Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung, Schmerzen)
- Allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum
- Kreislaufprobleme (Schwindel, Blutdruckabfall)
- In seltenen Fällen: Verletzung von Nerven oder Blutgefäßen
Wann ist Neuraltherapie eine Kassenleistung?
Wenn Sie wegen funktioneller Störungen oder zur Schmerzbehandlung mit lokalen Betäubungsmitteln behandelt werden müssen, übernimmt die Techniker die Kosten. Auch die Quaddelbehandlung im Rahmen einer Neuraltherapie kann, wenn Sie bei einem Vertragsarzt durchgeführt wird, über die Versichertenkarte vom Arzt abgerechnet werden.
Beachten Sie aber: Beschränkt sich die Anwendung der Injektion nicht auf den Bereich der Beschwerden (Segmenttherapie), sondern wird im Rahmen einer Störfeldtherapie (auch: Neuraltherapie nach Huneke zur Störfeldlöschung) vorgenommen, handelt es sich um eine Selbstzahler-Leistung. Denn: Die Wirkung gilt als wissenschaftlich nicht belegt.
Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden
Neben der Quaddel-Behandlung gibt es eine Reihe weiterer konservativer und invasiver Behandlungsmethoden bei eingeklemmten Nerven:
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- Konservative Therapie:
- Schmerzmittel (NSAIDS, Muskelrelaxantien)
- Physiotherapie (Dehnübungen, Kräftigungsübungen, manuelle Therapie)
- Wärme- oder Kälteanwendungen
- Akupunktur
- Osteopathie
- Posturologie
- Invasive Therapie:
- Periradikuläre Therapie (PRT)
- Infiltrationen (Facettengelenksinfiltration, epidurale Injektionen)
- Operation (z.B. Dekompression des Nervs beim Karpaltunnel-Syndrom oder Bandscheibenvorfall)
Periradikuläre Therapie (PRT)
Die Periradikuläre Therapie (PRT), oft auch als "PRT-Spritze" bezeichnet, dient der Linderung von Schmerzen, die durch eine Reizung von Nervenwurzeln an der Wirbelsäule verursacht werden. Dabei werden Medikamente über eine dünne Kanüle direkt an die betroffene Nervenwurzel verabreicht. In der Regel werden 3 Behandlungen im Abstand von einer Woche durchgeführt.
Infiltrationstherapie
Bei der Infiltrationstherapie wird eine therapeutische Substanz in die schmerzende Körperregion injiziert. An der Wirbelsäule können Infiltrationen auf verschiedene Arten genutzt werden:
- Facettengelenksinfiltration: Injektion eines entzündungshemmenden Medikaments in die Facettengelenke zur Linderung von Schmerzen bei Facettengelenksarthrose.
- Epidurale Injektion: Injektion eines Medikamentengemischs in den Epiduralraum zur Behandlung von Nervenschmerzen bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenosen.
- Infiltration des Iliosakralgelenks (ISG): Injektion eines Lokalanästhetikums und/oder eines Entzündungshemmers in das ISG zur Linderung von Schmerzen bei ISG-Blockaden.
Posturologische Therapie
Die Posturologie ist ein Therapieansatz, der sich mit dem Zusammenspiel von Körperhaltung und verschiedenen Rezeptoren (Augen, Füße, Zähne) beschäftigt. Durch spezielle Einlagen, Augenübungen oder Bisskorrekturen soll das Haltungsgleichgewicht wiederhergestellt und somit Schmerzen reduziert werden.
Die Bedeutung einer umfassenden Diagnose
Vor Beginn einer Behandlung ist eine sorgfältige Diagnose unerlässlich, um die Ursache des eingeklemmten Nervs zu identifizieren und die geeignete Therapie auszuwählen. Dies umfasst in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT.
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