Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch periodisch auftretende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte im Verständnis der Migräne erzielt. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) definiert Migräne als wiederkehrende Kopfschmerzen, die von Übelkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet werden. Es wird zwischen Migräne mit und ohne Aura unterschieden, wobei verschiedene Unterformen existieren. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsansätze von Quaddeln im Zusammenhang mit Migräne.
Migräne: Ein Überblick
Die Prävalenz von Migräne in Deutschland liegt bei etwa 12-15 % bei Frauen und 6-8 % bei Männern. Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:
- Prodromalphase (Anfangsphase): Diese Phase kann bis zu 48 Stunden vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auftreten und sich durch Symptome wie Heißhunger, Stimmungsschwankungen oder Polyurie äußern.
- Aura-Phase: Bei etwa 10-15 % der Migränepatienten treten neurologische Reiz- oder Ausfallerscheinungen auf, insbesondere visuelle Auren wie Flimmerskotome oder Fortifikationen.
- Kopfschmerzphase: Der anfallsartig auftretende Kopfschmerz ist typischerweise von autonomen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit begleitet.
- Postiktale Phase (Phase nach dem Anfall): Nach dem Abklingen des Kopfschmerzes können Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen auftreten.
Ursachen von Quaddeln bei Migräne
Quaddeln, auch Urtikaria genannt, sind Hautschwellungen, die durch eine Immunreaktion entstehen. Dabei werden Mastzellen aktiviert, die übermäßig Histamin ausschütten. Diese Reaktion kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Allergien: Allergene, die vom Körper als fremd oder schädlich erkannt werden, können eine Immunreaktion auslösen.
- Autoimmunreaktionen: Bei chronischer spontaner Urtikaria werden fälschlicherweise körpereigene Stoffe als schädlich erkannt.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Schmerzmittel, können Urtikaria als Nebenwirkung verursachen. So löste bei einer Patientin ein Antiepileptikum, das zur Migräneprophylaxe eingesetzt wurde, eine Urtikaria aus.
- Andere Ursachen: In seltenen Fällen können auch andere Faktoren wie Infektionen, Stress oder physikalische Reize Quaddeln auslösen.
Es gibt Hinweise darauf, dass chronische Nesselsucht Symptome in verschiedenen Körperbereichen hervorrufen kann, darunter:
- Gastrointestinaltrakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen.
- Herz-Kreislauf-System: Bluthochdruck und Verengungen der Blutgefäße.
- Zentrales Nervensystem: In seltenen Fällen epileptische Anfälle, Migräne und Bewegungsstörungen.
- Bewegungsapparat: Gelenkbeschwerden und Osteoporose.
- Atemwege: Kurzatmigkeit und asthmatische Beschwerden.
Behandlung von Quaddeln bei Migräne
Die Behandlung von Quaddeln bei Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Ursache zu behandeln.
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Akutbehandlung
- Antihistaminika: Diese Medikamente schwächen die Wirkung von Histamin ab und lindern den Juckreiz.
- Kortikosteroide: In schweren Fällen können systemische Glukokortikoide über einen kurzen Zeitraum verschrieben werden, um die Entzündung zu bekämpfen und das Immunsystem zu unterdrücken.
- Kühlen: Das Kühlen der betroffenen Stellen kann den Juckreiz lindern.
- Hitze-Stifte: Spezielle Hitze-Stifte sollen ebenfalls den Juckreiz bekämpfen.
Ursachenorientierte Behandlung
- Allergieauslöser meiden: Wenn der Auslöser bekannt ist, sollte er in Zukunft gemieden werden.
- Spezifische Immuntherapie (SIT): Bei Allergien auf Pollen, Hausstaubmilben oder Insektenstiche kann eine Hyposensibilisierung in Erwägung gezogen werden.
- Neuraltherapie: Die Neuraltherapie ist ein komplementärmedizinisches Verfahren, bei dem Lokalanästhetika wie Procain zur Behandlung von Schmerzen und Funktionsstörungen eingesetzt werden.
Neuraltherapie bei Migräne
Die Neuraltherapie basiert auf der Theorie, dass Störungen im vegetativen Nervensystem Schmerzen und andere Beschwerden verursachen können. Durch die Injektion von Lokalanästhetika in bestimmte Hautareale (Quaddeln), Muskeln, Gelenke oder Störfelder sollen diese Störungen beseitigt und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
Grundlagen der Neuraltherapie
Der deutsche Arzt Ferdinand Huneke entdeckte 1925 zufällig die schmerzlindernde Wirkung von Procain, als er seiner Schwester ein procainhaltiges Präparat injizierte. In den folgenden Jahren entwickelten die Brüder Huneke die Neuraltherapie, die auf der Injektion von Lokalanästhetika zur Behandlung verschiedener Erkrankungen basiert.
Die Neuraltherapie geht davon aus, dass der Körper über komplexe Nervenverbindungen zwischen Gehirn, Wirbelsäule und allen Geweben verfügt. Reize von außen oder innen können zu Reaktionen in den entsprechenden Organen und Regionen führen. Störfelder, wie z.B. Narben oder chronische Entzündungen, können den Organismus schwächen und Beschwerden in anderen Körperbereichen verursachen.
Anwendungsbereiche der Neuraltherapie
Die Neuraltherapie wird bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter:
- Schmerzen am Bewegungsapparat: Muskel- und Gelenkschmerzen, Arthrose
- Neuralgien: Nervenschmerzen
- Kopfschmerzen und Migräne
- Verdauungsprobleme
- Chronische Schmerzen
Durchführung der Neuraltherapie
Bei der Neuraltherapie wird das Lokalanästhetikum Procain mit feinen Nadeln in die Haut, an Gelenkkapseln, in die Muskulatur, Sehnen oder an Störfelder injiziert. Die bekannteste Form ist die Quaddelung, bei der eine geringe Menge Procain in die Haut injiziert wird, wodurch eine kleine Schwellung entsteht.
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Die Wirkung von Procain ist vielfältig:
- Schmerzlinderung: Procain ist ein Schmerzmittel, das den Schmerz direkt nach der Infiltration lindert.
- Entzündungshemmend und antirheumatisch: Procain wird im Gewebe abgebaut und wirkt entzündungshemmend und antirheumatisch.
- Regulation des vegetativen Nervensystems: Procain kann das vegetative Nervensystem beeinflussen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
Neuraltherapie bei Migräne: Vorgehensweise
Bei der Behandlung von Migräne mit Neuraltherapie kann folgendermaßen vorgegangen werden:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht den Patienten, um mögliche Ursachen für die Migräne zu identifizieren.
- Lokale Behandlung: Zunächst erfolgt eine lokale Behandlung der schmerzhaften Regionen, z.B. durch Quaddelung der Nackenmuskulatur oder Injektionen an Triggerpunkten.
- Segmenttherapie: Wenn die lokale Behandlung nicht ausreichend ist, kann das Segment behandelt werden, innerhalb dessen die schmerzhafte Stelle liegt.
- Störfeldsuche: Bei chronischen Beschwerden wird nach Störfeldern gesucht, die den Organismus schwächen und Beschwerden in anderen Körperbereichen verursachen können. Mögliche Störfelder sind z.B. Narben, chronische Entzündungen im Zahn-Kiefer-Bereich oder in den Nasennebenhöhlen.
- Infiltration von Störfeldern: Wenn ein Störfeld identifiziert wurde, wird dieses gezielt infiltriert.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Die Neuraltherapie ist bei richtiger Anwendung durch einen erfahrenen Arzt weitgehend ungefährlich. Wie bei jeder Spritzenbehandlung kann es grundsätzlich zu allergischen Reaktionen und lokalen Infektionen kommen. Eine Unverträglichkeit von Procain ist selten. Da Procain direkt auf das vegetative Nervensystem wirkt, kann es zu Müdigkeit und Schwitzen kommen.
Grenzen der Neuraltherapie
Es ist wichtig zu beachten, dass die Neuraltherapie in der Schulmedizin nicht als Standardbehandlung angesehen wird. Die Wirksamkeit der Neuraltherapie bei Migräne ist nicht ausreichend durch Studien belegt. Dennoch berichten viele Patienten von einer Linderung ihrer Beschwerden durch die Neuraltherapie.
Weitere Behandlungsansätze bei Migräne
Neben der Neuraltherapie gibt es weitere Behandlungsansätze bei Migräne:
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- Akutbehandlung: Leichte bis mittelschwere Migräneattacken können mit peripher wirksamen Analgetika (Schmerzmittel) und nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) behandelt werden. Bei Übelkeit und Erbrechen können Prokinetika und Antiemetika eingesetzt werden. Spezifische Antimigränemittel sind Triptane, die bei akuten Attacken die Mittel der ersten Wahl sind.
- Prophylaxe: Ziel der Migräneprophylaxe ist es, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu senken und die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren. Zur Migräneprophylaxe können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Seit kurzem stehen auch Migräne-Spritzen mit monoklonalen Antikörpern zur Verfügung, die gegen den Botenstoff CGRP oder dessen Rezeptor wirken.
- Komplementärmedizinische Verfahren: Neben der Neuraltherapie können auch andere komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Entspannungsverfahren und Biofeedback zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden.
- TCM (Traditionelle Chinesische Medizin): Die TCM betrachtet Körper und Psyche als Einheit und behandelt jeden Menschen individuell. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Dekokten (Kräutertees), Akupunktur, Ernährungsumstellung, sanfter Bewegung (Qi Gong) und Entspannung (Meditation).