Einführung
Lange Zeit wurde angenommen, dass Rauchen vor Demenz schützen könnte. Neuere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Rauchen ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von Demenz, insbesondere Alzheimer-Krankheit und vaskuläre Demenz, ist. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Studienergebnisse und erklärt, wie Rauchen die Gehirnfunktion beeinträchtigen und das Demenzrisiko erhöhen kann.
Rauchen als unabhängiger Risikofaktor für Demenz
Eine große Beobachtungsstudie in den USA, bei der Daten von über 21.000 Personen in Nordkalifornien ausgewertet wurden, die zwischen 1978 und 1985 im Alter von 50 bis 60 Jahren an einer Gesundheitsbefragung teilnahmen, ergab, dass Rauchen ein unabhängiger Risikofaktor für Demenz ist. Zwischen 1994 und 2008 wurde die Häufigkeit von Demenzdiagnosen erfasst, als die Studienteilnehmer im Durchschnitt 72 Jahre alt waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Viertel der Teilnehmer eine Demenz.
Dosisabhängiger Effekt des Rauchens
Die Studie zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Menge der gerauchten Zigaretten und dem Demenzrisiko.
- Starke Raucher: Bei starken Rauchern, die täglich zwei Packungen Zigaretten konsumierten, war das Demenzrisiko mehr als verdoppelt. Das Risiko für eine Alzheimer-Demenz war 2,6-fach, für eine vaskuläre Demenz 2,7-fach erhöht.
- Mäßige Raucher: Personen, die angaben, täglich ein bis zwei Päckchen zu rauchen, hatten ein um 44 Prozent erhöhtes Demenzrisiko.
- Leichte Raucher: Personen, die ein halbes bis ein Päckchen rauchten, hatten ein um 37 Prozent erhöhtes Demenzrisiko.
Diese Ergebnisse deuten auf einen dosisabhängigen Effekt hin, bei dem das Demenzrisiko mit zunehmendem Zigarettenkonsum steigt.
Positive Botschaft: Rauchstopp senkt das Risiko
Die Studie enthielt auch eine positive Botschaft: Wer zum Zeitpunkt der Erhebung mit dem Rauchen aufgehört hatte, bei dem war das Demenzrisiko nicht höher als bei Nicht-Rauchern. Dies unterstreicht die Bedeutung eines Rauchstopps in jedem Alter, um das Demenzrisiko zu senken. Es lohnt sich in jedem Alter, mit dem Rauchen aufzuhören! Zwar sind die Schäden durch das Rauchen nach einer längeren Zeit als Raucher größer und die Regeneration verläuft langsamer mit voranschreitendem Lebensalter, doch es nie zu spät. Mit jeder Zigarette führt man weitere Giftstoffe zu sich und gefährdet seine Gesundheit. Mit dem Rauchen aufzuhören ist immer eine gute Entscheidung.
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Rauchen in jungen Jahren und während der Schwangerschaft
Eine neue Studie chinesischer Wissenschaftler unterstreicht, wie bedeutend es ist, in jungen Jahren und während der Schwangerschaft nicht zu rauchen. Wer bereits in der frühen Jugend mit dem Rauchen angefangen hat, entwickelte auch früher eine Demenz. Allein in Europa rauchen 8,1 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft; in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zünden sich mindestens 50 Millionen erwachsene Raucher bereits vor dem 15. Lebensjahr eine Zigarette an.
Einfluss des Beginnalters des Rauchens
Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass das Alter, in dem mit dem Rauchen begonnen wurde, mit dem Zeitpunkt des Auftretens einer Demenz verknüpft war. Wer bereits in der Kindheit mit dem Rauchen begann, beschleunigte die Entwicklung einer Demenz. Damit hatten auch Menschen zu rechnen, die in der Jugend und im Erwachsenenalter weiterhin regelmäßig rauchten.
Erklärungsansätze für den Zusammenhang
Die Forschenden fanden dafür eine Reihe von Erklärungsansätzen:
- Aktives Rauchen in jungen Jahren kann die Lungenfunktion reduzieren, was die Entwicklung von Demenz zum Beispiel durch Entzündungen und Stoffwechselstörungen fördert.
- Frühes Rauchen kann das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, aufgrund genetischer Veränderungen erhöhen.
Rauchen während der Schwangerschaft
Ebenfalls ein hohes Risiko, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, hatten jene, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchten. Rauchen in der Schwangerschaft zeigte dabei einen beschleunigenden Effekt auf den Zeitpunkt des Demenzbeginns bei den Nachkommen. Die Ergebnisse zeigten zwar eine genetische Verbindung zwischen Rauchen in der Schwangerschaft und dem Auftreten einer Alzheimer-Demenz.
Bedeutung von Präventionsstrategien
In ihrer Studie unterstreichen die Forschenden daher die Bedeutung von Präventionsstrategien, insbesondere von Anti-Raucher-Programmen.
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Rauchen beschleunigt den altersbedingten geistigen Abbau
Auch bei Menschen ohne die spezifischen Anzeichen einer Demenz beschleunigt Rauchen den altersbedingten geistigen Abbau. Das zeigt eine Studie des University College in London mit mehr als 32.000 Männern und Frauen über 50 Jahren aus 14 europäischen Ländern.
Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die geistige Alterung
Die Teilnehmenden wurden zu ihrem Lebensstil bezüglich Tabak- und Alkoholkonsum, körperlicher Aktivität sowie ihren sozialen Kontakten befragt. Von diesen Faktoren weiß man, dass sie geistige Alterungsprozesse beeinflussen. Außerdem absolvierten die Teilnehmenden Tests zu ihrer Gedächtnisleistung und Sprachflüssigkeit.
Frühere Erkenntnisse zeigen, dass bei Menschen, die gesünder leben, der kognitive Abbau langsamer verläuft. „Es war jedoch unklar, ob alle Verhaltensweisen gleichermaßen dazu beitragen“, so die Wissenschaftlerin Dr. Mikaela Bloomberg.
Deutlich stärkerer Leistungsabbau bei Rauchern
Bei der Auswertung der Daten fand das Team heraus, dass bei Rauchern die kognitive Leistung über einen Zeitraum von zehn Jahren um bis zu 85 Prozent stärker abnahm als bei Nichtrauchern oder ehemaligen Rauchern.
Eine Ausnahme waren Raucher und Raucherinnen, die in allen anderen Bereichen einen gesunden Lebensstil pflegten, also regelmäßig Sport trieben, nur in Maßen Alkohol tranken und soziale Kontakte pflegten. Bei dieser Gruppe verlief der altersbedingte kognitive Rückgang ähnlich wie bei den Nichtrauchern.
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Rauchen als besonders einflussreicher Faktor
„Aus diesen Analysen geht hervor, dass der Zusammenhang von Lebensstil und kognitivem Abbau in erster Linie vom Raucherstatus abhängt“, erklärt die Wissenschaftlerin.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handle, sei es nicht möglich gewesen, Ursache und Wirkung eindeutig festzustellen. „Die Studie legt jedoch nahe, dass Rauchen ein besonders wichtiger Faktor sein könnte, der die Geschwindigkeit des kognitiven Alterns beeinflusst“, so Bloomberg.
Unter den untersuchten gesunden Verhaltensweisen könnte das Nichtrauchen also für die Aufrechterhaltung der kognitiven Funktion zu den wichtigsten gehören.
Rauchen und Verringerung des Hirnvolumens
Eine ebenfalls kürzlich publizierte Untersuchung der Washington University School of Medicine zeigt, dass sich bei rauchenden Menschen sogar das Hirnvolumen verringert. Zwar haben ältere Menschen natürlicherweise ein kleineres Gehirn als jüngere, aber Tabakkonsum beschleunigt offenbar auch diesen Alterungsprozess.
Mechanismen: Wie Rauchen das Gehirn schädigt
Rauchen fördert also nicht nur die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und erhöht damit das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle, sondern wirkt sich nachweislich auch negativ auf die kognitive Entwicklung im Alter aus. „Das betrifft nicht nur Formen der gefäßbedingten (vaskulären) Altersdemenz, die auf eine beeinträchtigte Sauerstoffversorgung des Gehirns zurückzuführen sind“, erklärt Prof. Andreas. „Den Forschern zufolge erhöht starkes Rauchen im mittleren Alter offenbar auch das Risiko für Alzheimer, was darauf hinweist, dass langjähriges Rauchen nicht nur die Blutgefäße verstopft, sondern auch den Stoffwechsel von Hirnzellen schädigen kann.
Sauerstoffmangel im Gehirn
Damit das Gehirn voll leistungsfähig ist, ist es auf eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff über die Blutbahn angewiesen. Durch Rauchen werden aber die Lungen geschädigt, was zu einer verminderten Sauerstoffaufnahme aus der Luft ins Blut führt. Rauchen fördert des Weiteren die Entstehung von Arteriosklerose, sprich Ablagerungen und Verkalkungen der Blutgefäße. Damit wird der Transport des ohnehin schon in geringeren Mengen vorhandenen Sauerstoffs über die Blutbahnen zusätzlich erschwert.
Beide krankhaften Veränderungen führen dazu, dass weniger Sauerstoff ins Gehirn transportiert wird. Unsere Hirnzellen können dadurch mit Sauerstoff unterversorgt werden. Langfristig erhöht dies das Risiko des Absterbens von Nervenzellen im Gehirn und die Entstehung einer bestimmten Form der Demenz, der sogenannten vaskulären Demenz. Rauchen und Demenz hängen also zusammen. Diese ist durch Gefäßverengungen bedingt und geht in einem schleichenden Prozess mit einer kognitiven Verlangsamung, Denkschwierigkeiten sowie Stimmungslabilität einher.
Entzündungen und Zellschädigung
Auch Entzündungen und zellschädigende Prozesse im Gehirn können durch Rauchen gefördert werden. Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen. Vor allem Feinstaub steht im Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen. Die winzigen Teilchen gelangen über die Lunge in den Blutkreislauf und möglicherweise bis ins Gehirn. Dort fördern sie Prozesse, die mit Alzheimer und vaskulärer Demenz in Verbindung gebracht werden - etwa chronische Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Nervenzellschäden.
Weitere Risikofaktoren für Demenz
Neben dem Rauchen gibt es noch weitere Risikofaktoren, die das Demenzrisiko erhöhen können:
- Bluthochdruck: Bluthochdruck im mittleren Lebensalter erhöht das Risiko für alle Demenzformen, insbesondere für die vaskuläre Demenz.
- Übergewicht: Übergewicht - besonders im mittleren Lebensalter- erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.
- Diabetes: Typ-2-Diabetes zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz.
- Erhöhtes Cholesterin: Erhöhtes Cholesterin - vor allem bei Menschen unter 65 - kann die Ablagerung von schädlichen Proteinen wie Amyloid-beta und verändertem Tau im Gehirn fördern, beides typische Merkmale der Alzheimer-Krankheit.
- Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
- Soziale Isolation: Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur selten Kontakt zu anderen hat.
- Alkoholkonsum: Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, riskiert mehr als einen Kater.
- Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE).
- Sehschwäche: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.
- Depression: Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge belasten nicht nur die Seele - sondern auch das Gehirn.
Prävention und Risikoreduktion
Die Forschenden unterstreichen die Bedeutung von Präventionsstrategien, insbesondere von Anti-Raucher-Programmen. Es lohnt sich in jedem Alter, mit dem Rauchen aufzuhören!
Rauchstopp
Werde jetzt Nichtraucher und senke dadurch Dein erhöhtes Demenzrisiko wieder. Wer das Rauchen aufhört, kann sein Risiko deutlich senken.
Gesunder Lebensstil
Eine Ausnahme waren Raucher und Raucherinnen, die in allen anderen Bereichen einen gesunden Lebensstil pflegten, also regelmäßig Sport trieben, nur in Maßen Alkohol tranken und soziale Kontakte pflegten. Bei dieser Gruppe verlief der altersbedingte kognitive Rückgang ähnlich wie bei den Nichtrauchern.
Behandlung von Risikofaktoren
Wer seine erhöhten Blutdruckwerte behandeln lässt, schützt sich daher nicht nur vor einem akuten Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele Probleme lassen sich gut behandeln, etwa mit der richtigen Brille, mit Kontaktlinsen oder durch eine Augenoperation bei Grauem Star.
Geistige und soziale Aktivität
Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn - besonders durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven. Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten es wach und leistungsfähig. Einsamkeit lässt sich überwinden - durch Mut, Neugier und Begegnung.
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