Rauchen ist eine weit verbreitete Sucht, die nicht nur die Lunge und das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt, sondern auch das Gehirn. Glücklicherweise zeigen Studien, dass ein Rauchstopp positive Auswirkungen auf die Regeneration des Gehirns haben kann.
Die Auswirkungen des Rauchens auf das Gehirn
Rauchen beeinflusst das Gehirn auf vielfältige Weise:
- Neuro-kognitive Fehlfunktionen: Chronische Zigarettenkonsumenten weisen ähnliche Störungen der Wahrnehmungsleistung auf wie langjährige Alkoholiker.
- Reduzierte Glutamatrezeptoren: Studien zeigen, dass Raucher weniger Glutamatrezeptoren im Gehirn haben als Nichtraucher. Glutamat ist ein wichtiger Neurotransmitter für Lernen und Wahrnehmung.
- Veränderte Dopaminfunktion: Rauchen kann die Dopaminfunktion im Gehirn beeinträchtigen, was mit Belohnungsempfinden und Sucht verbunden ist.
- Durchblutungsstörungen: Schadstoffe im Zigarettenrauch, wie Kohlenmonoxid, führen zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn, was die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Nervenzellen beeinträchtigt.
- Entzündungen: Rauchen fördert systemische Entzündungen im gesamten Körper, auch im Gehirn.
- Oxidativer Stress: Zigarettenrauch enthält aggressive Substanzen, die freie Radikale fördern, welche Zellbestandteile angreifen und die Nervenzellen unter oxidativen Stress setzen.
- Volumenverringerung: Langjähriges Rauchen kann das Volumen bestimmter Hirnregionen verringern, insbesondere in Bereichen, die für Gedächtnis, Lernen und Konzentration wichtig sind.
Nikotin und seine Wirkung
Beim Rauchen wird Nikotin aufgenommen und gelangt innerhalb von Sekunden ins Gehirn. Dort lagert es sich an Nervenzellen an und setzt verschiedene Reaktionen in Gang. Nikotin kann kurzfristig die Aufmerksamkeit und Konzentration steigern, Angst, Wut und Aggressionen dämpfen, Entspannung bei Stress und Nervosität bewirken, die Schmerzempfindlichkeit mindern, Hungergefühle dämpfen, die Muskulatur entspannen und Müdigkeit abbauen. Mit der Zeit tritt jedoch ein Gewöhnungseffekt ein, und die nächste Zigarette wird umso eher benötigt.
Kohlenmonoxid und Sauerstoffmangel
Kohlenmonoxid aus dem Tabakrauch legt sich statt des lebensnotwendigen Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen, was zu einem Sauerstoffmangel im Körper führt. Sauerstoff wird über den Proteinkomplex Hämoglobin transportiert, der sich auf den roten Blutkörperchen befindet. Kohlenmonoxid passt ebenfalls auf das Hämoglobin und verdrängt teilweise den Sauerstoff. Die Folge: Weniger Sauerstoff kommt bei den Zellen an, man kommt schneller außer Atem.
Rauchen und Demenz
Einige Studien deuten darauf hin, dass Rauchen das Risiko für Demenz erhöhen kann. Insbesondere bei Rauchern über 50 Jahren wurden geringere Gehirnleistungen festgestellt.
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Rauchen in der Jugend
Das heranwachsende Gehirn junger Raucher ist besonders anfällig für Veränderungen. Rauchen in der Jugend kann die Hirnentwicklung beeinträchtigen und zu schlechteren Denkleistungen und einer kürzeren Aufmerksamkeitsspanne im Erwachsenenalter führen. Zudem verändert Nikotin bei Jugendlichen die Anzahl und Art der Rezeptoren im Gehirn, was zu einer verstärkten Reaktion auf Nikotin und einer erhöhten Dopaminausschüttung führt, was die Entwicklung einer Tabakabhängigkeit fördert.
Die Regeneration des Gehirns nach dem Rauchstopp
Glücklicherweise kann sich das Gehirn nach einem Rauchstopp teilweise wieder erholen.
- Verbesserte geistige Leistungsfähigkeit: Eine Studie mit trockenen Alkoholikern zeigte, dass sich ihre geistige Leistungsfähigkeit in höherem Maß erholen konnte, wenn sie auf das Rauchen verzichteten. Insbesondere das logische und räumliche Denken, das Vermögen, Problemlösungen zu finden, sowie das Kurzzeitgedächtnis und das auditorisch-verbale Erinnerungsvermögen verbesserten sich.
- Normalisierung der Dopaminfunktion: Eine aktuelle Studie berichtet, dass mit dem Rauchen und einer Nikotinsucht verbundene Defizite im Dopamin drei Monate nach dem Rauchstopp verschwinden. Dies legt nahe, dass die Defizite eine Folge chronischen Rauchens sind und nicht ein Risikofaktor.
- Zunahme der Glutamatrezeptoren: Studien zeigen, dass sich die Konzentration der Glutamatrezeptoren im Gehirn nach einem Rauchstopp langsam wieder erhöht.
- Reduktion des Lungenkrebsrisikos: Nach 5 Jahren ist das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, um 50% gesunken. Ebenso ist das Risiko für Krebserkrankungen von Mundhöhle, Luft- und Speiseröhre um die Hälfte zurückgegangen.
- Verbesserung der Durchblutung: Bereits nach 20 Minuten sinken Puls und Blutdruck auf normale Werte. Nach 8 Stunden sinkt der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut auf normale Höhe, und der Sauerstoffpegel steigt.
- Erholung der Lunge: Die Lunge beginnt sich innerhalb von Wochen bis Monaten zu reinigen, indem Schleim abgebaut wird. Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit gehen zurück. Die Anfälligkeit für Infekte geht zurück.
- Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems: Das Risiko von Herzanfällen verringert sich bereits nach 24 Stunden. Nach einem Jahr ist das Risiko, dass der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff erhält, um die Hälfte zurückgegangen. Nach 15 Jahren ist das Risiko eines Herzinfarkts nicht höher als das eines Nichtrauchers.
Zeitliche Abfolge der Regeneration
- Nach 20 Minuten: Puls und Blutdruck sinken auf normale Werte.
- Nach 8 Stunden: Der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut sinkt auf normale Höhe. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffpegel.
- Nach 24 Stunden: Das Risiko von Herzanfällen verringert sich.
- Nach 48 Stunden: Die Nervenenden beginnen mit der Regeneration; Geruchs- und Geschmackssinn verbessern sich.
- Nach 2 Wochen bis 3 Monaten: Der Kreislauf stabilisiert sich. Die Lungenfunktion verbessert sich.
- Nach 1 bis 9 Monaten: Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit gehen zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Anfälligkeit für Infekte geht zurück.
- Nach einem Jahr: Das Risiko, dass der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff erhält, ist um die Hälfte zurückgegangen.
- Nach 5 Jahren: Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ist um 50% gesunken. Ebenso ist das Risiko für Krebserkrankungen von Mundhöhle, Luft- und Speiseröhre um die Hälfte zurückgegangen.
- Nach 10 Jahren: Das Lungenkrebs-Risiko ist weiter gesunken bis auf normales Niveau. Zellen mit Gewebeveränderungen, die als Vorstufe eines Krebses aufzufassen sind, werden ausgeschieden und ersetzt. Auch das Risiko für weitere Krebsarten sinkt.
- Nach 15 Jahren: Das Risiko eines Herzinfarkts ist nicht höher als das eines Nichtrauchers.
Unterstützung beim Rauchstopp
Ein Rauchstopp ist oft nicht einfach, aber es gibt viele Möglichkeiten, sich dabei unterstützen zu lassen.
- Nikotinersatzstoffe: Nikotinpflaster, -kaugummis oder -lutschtabletten können helfen, Entzugserscheinungen zu lindern.
- Medikamente: In Absprache mit einem Arzt können Anti-Raucher-Pillen verschrieben werden, die das Verlangen nach einer Zigarette vermindern und Entzugssymptome mildern.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, die psychische Abhängigkeit vom Rauchen zu überwinden und Strategien zu entwickeln, um Stresssituationen ohne Zigarette zu bewältigen.
- Hypnose und Akupunktur: Diese Methoden können die Rauchentwöhnung unterstützen, sind aber wissenschaftlich nicht belegt.
Körperliche und psychische Abhängigkeit
Rauchen ist eine Abhängigkeitserkrankung, die von zwei Faktoren bestimmt ist: einerseits von der Abhängigkeit vom Nikotin und andererseits von der Gewöhnung an die Tätigkeit des Rauchens. Wer aufhören will, muss also an zwei Punkten ansetzen.
Nikotin aktiviert im Gehirn das Belohnungszentrum, wirkt so stimmungsaufhellend und führt dazu, dass Raucher beim Zigarettenkonsum ein angenehmes Wohlgefühl erleben. Zudem steigert es kurzfristig die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit und verbessert Gedächtnisleistung. Der Körper gewöhnt sich an das Nikotin und reagiert wenn die Zufuhr ausbleibt mit Entzugserscheinungen wie: gedrückter Stimmung, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Reizbarkeit, Nervosität und gesteigertem Appetit. Dabei sind die ersten zwei bis drei Tage des körperlichen Entzugs am schlimmsten. Bereits sieben bis zehn Tage nach der letzten Zigarette sind sie aber schon deutlich abgeklungen.
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Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp
Viele Menschen nehmen nach dem Rauchstopp an Gewicht zu. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie einen gedrosselten Stoffwechsel, mehr Appetit oder eine veränderte Darmflora. Eine Gewichtszunahme ist jedoch gesundheitlich unbedenklicher als weiter zu rauchen.
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