Das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark, ist von schützenden Membranen, den Hirnhäuten (Meningen), umgeben. Hirntumore, einschließlich solcher im rechten zentralen Bereich des Gehirns, stellen eine vielfältige Gruppe von Erkrankungen dar, die von gutartigen, langsam wachsenden Läsionen bis hin zu aggressiven, bösartigen Tumoren reichen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Symptome, Diagnose und Behandlungsstrategien für rechts zentrale Hirntumore.
Was sind Hirntumore?
Hirntumore sind Neubildungen, die innerhalb des Schädels aus verschiedenen Zelltypen des Gehirns entstehen. Sie können primär sein, d.h. direkt im Gehirngewebe entstehen, oder sekundär, als Metastasen von Tumoren außerhalb des ZNS. Zu den primären Hirntumoren gehören Gliome (Astrozytome, Oligodendrogliome, Glioblastome), Meningeome und Schwannome. Meningeome sind mit etwa 35 % die häufigsten primären Hirntumore des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf, wobei jährlich etwa 6 von 100.000 Einwohnern erkranken. Gliome sind in ihrer Gesamtheit etwas seltener als Meningeome und weisen je nach Malignitätsgrad eine typische Altersverteilung auf.
Gutartige vs. bösartige Tumore
Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren. Gutartige Tumore wachsen verdrängend, d.h. sie komprimieren umliegende Strukturen, zerstören sie aber nicht. Bösartige Tumore hingegen infiltrieren das Gewebe und zerstören es. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumore in vier Schweregrade, wobei Grad I gutartig und Grad IV sehr bösartig ist.
Symptome eines rechts zentralen Hirntumors
Die Symptome eines Hirntumors sind vielfältig und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Da das Gehirn für die Steuerung vieler Körperfunktionen zuständig ist, können Tumore in verschiedenen Hirnregionen unterschiedliche Ausfälle verursachen. Ein rechts zentraler Hirntumor kann die folgenden Symptome verursachen:
- Neurologische Ausfälle: Halbseitenlähmungen, Sprachstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
- Krampfanfälle: Insbesondere neu auftretende Anfälle können ein Zeichen für einen Hirntumor sein.
- Kopfschmerzen: Obwohl Kopfschmerzen selten das einzige Symptom sind, können sie in Kombination mit anderen neurologischen Ausfällen auf einen Hirntumor hinweisen.
- Persönlichkeitsveränderungen: Mittellinientumoren können bei älteren Patienten eine Demenz mit wenigen anderen fokalen neurologischen Defiziten verursachen.
Diagnose eines rechts zentralen Hirntumors
Die Diagnose eines Hirntumors umfasst in der Regel eine Kombination aus neurologischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
Lesen Sie auch: Schlaganfall und Hemiparese: Was Sie wissen müssen
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung von Sinneswahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und motorischen Fähigkeiten.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren.
- Computertomographie (CT): Kann den Tumor sehr gut nachweisen, insbesondere nach Kontrastmittelgabe.
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Stoffwechseluntersuchungen des Gehirns.
- Diffusion Tensor Imaging (DTI): Rekonstruktion von Nervenbahnen im Gehirn.
- Navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS): Erstellung einer "Landkarte" des Gehirns, insbesondere bei Tumoren in der Nähe von Sprach- oder Bewegungszentren.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur Bestimmung des Tumortyps und des Malignitätsgrades. Dies kann durch eine stereotaktische Biopsie oder während einer Operation erfolgen.
Behandlung eines rechts zentralen Hirntumors
Die Behandlung eines Hirntumors ist komplex und erfordert einen interdisziplinären Ansatz. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:
- Operation: Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung des umliegenden Hirngewebes. Moderne Techniken wie Neuronavigation, intraoperatives Neuromonitoring und Fluoreszenzmarkierung können eingesetzt werden, um die Präzision der Operation zu verbessern. In bestimmten Fällen kann eine Wachoperation durchgeführt werden, um die Sprach- und Bewegungsfunktionen während der Operation zu überwachen.
- Strahlentherapie: Kann nach der Operation eingesetzt werden, um verbliebene Tumorzellen abzutöten. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter die lokale Behandlung, die Ganzhirnbestrahlung und die Bestrahlung des gesamten Liquorraums.
- Chemotherapie: Kann in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt werden, um die Wirkung der Strahlentherapie zu verbessern. Einige Chemotherapeutika können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so Tumorzellen im Gehirn erreichen.
- Zielgerichtete Therapien: Können eingesetzt werden, wenn der Tumor bestimmte genetische Mutationen aufweist.
- Tumor Treating Fields (TTF): Elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören.
Multidisziplinärer Ansatz
Die Therapieentscheidungen werden interdisziplinär getroffen, oft in wöchentlich stattfindenden Tumorboards, und basieren auf aktuellen Studienergebnissen. Die Behandlung kann auch im Rahmen von Therapiestudien erfolgen.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach der Behandlung sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich, um das Operationsergebnis zu überprüfen und ein erneutes Wachstum des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorge umfasst in der Regel neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT.
Rehabilitationsmaßnahmen können erforderlich sein, um neurologische Ausfälle zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern. Diese können Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und neurokognitives Training umfassen.
Spezifische Hirntumortypen
Gliome
Gliome sind die häufigsten Hirntumore und entstehen aus den Stützzellen des Gehirns. Zu den Gliomen gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Glioblastome. Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen.
Lesen Sie auch: Interdisziplinäre Versorgung in München
Glioblastom
Das Glioblastom ist eine besonders aggressive Form des Astrozytoms. Die Ursachen sind nicht ausreichend erforscht, aber Risikofaktoren können das Alter und die Strahlenexposition sein. Symptome können Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Lähmungen, Übelkeit und Erbrechen, Gedächtnisstörungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen, Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit sein. Die Diagnose erfolgt durch neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren und Biopsie. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Operation, gefolgt von Strahlentherapie und Chemotherapie.
Meningeome
Meningeome entstehen aus den Hirnhäuten, die das Gehirn umgeben. Sie sind in der Regel gutartig und wachsen langsam. Die Therapie der Wahl ist meist die neurochirurgische Entfernung.
Neurinome
Neurinome entstehen aus den Schwann-Zellen der Hirnnerven. Im Gehirn entstehen Neurinome am häufigsten im Bereich des Austrittspunktes des VIII. Hirnnervens und beeinträchtigen dann einseitig das Hörvermögen und verursachen häufig Schwindel. Diese Tumore werden als Akustikusneurinome bezeichnet.
Lesen Sie auch: Ärzte und Spezialisten der Neurochirurgie Rechts der Isar.