Systemische Sklerose: Ziele der Rehabilitation und Therapie

Die systemische Sklerodermie (SSc), auch bekannt als „harte Haut“, ist eine komplexe Erkrankung, bei der es zu Verhärtungen (Sklerosen) der Haut und der inneren Organe kommt. Ziel der Behandlung ist es, die Lebensqualität der Patienten zu erhalten bzw. zu verbessern.

Interdisziplinäre Therapieansätze

Die Behandlung der systemischen Sklerose erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der verschiedene Therapiebereiche umfasst. Die UniReha GmbH bietet hierzu vielseitige Therapiemöglichkeiten aus den Bereichen der Physiotherapie und Ergotherapie an, um die Beschwerden der Sklerodermie-Patienten zu lindern. Ziel ist es, eine höchstmögliche Lebensqualität der Patienten zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Ambulantes Therapieangebot

Das ambulante Therapieangebot umfasst verschiedene physiotherapeutische und ergotherapeutische Maßnahmen:

Physiotherapie:

  • Manuelle Therapie zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
  • Krankengymnastische Übungen zur Kräftigung der Muskulatur
  • Lymphdrainage zur Entstauung
  • Atemtherapie
  • Bindegewebsmassage
  • Wärmebehandlung
  • Elektrotherapie
  • Lasertherapie

Ergotherapie:

  • Unterweisung in Gelenk- und Hautschutzmaßnahmen
  • Thermische Anwendungen (z. B. Paraffin, Sand) in Kombination mit aktiver und passiver Bewegungstherapie
  • Kontrakturprophylaxe
  • Manuelle Handtherapie
  • ggf. Schienenversorgung zur Vermeidung und/oder Korrektur von Deformitäten
  • Erarbeitung von Eigenübungen in Bezug auf die Handfertigkeit (Feinmotorik und Sensibilität)
  • Muskelkräftigungsübungen
  • Erarbeitung von Kompensationsstrategien ggf. in Kombination mit Hilfsmitteln
  • Selbsthilfetraining im Bereich Alltagsaktivitäten
  • Hilfsmittelberatung u.a. auch verschiedene Stifte zur Verbesserung / Erhalt der Graphomotorik

Die Kosten für diese ambulanten Therapieangebote werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Medikamentöse Therapie

Die SSc ist eine chronische Erkrankung, deren Behandlungskonzept unter anderem davon abhängt, welche Organe betroffen sind und wie aktiv die Erkrankung verläuft. Auch wenn die Ursachen der SSc, die diese auslösen können, bislang nicht eindeutig geklärt sind, stehen doch zahlreiche Behandlungsoptionen zur Verfügung. Je nach befallenem Organsystem und Krankheitsaktivität werden unterschiedliche Präparate eingesetzt. Die Krankheitsaktivität wird regelmäßig durch den behandelnden Rheumatologen mit Hilfe unterschiedlicher Indices bestimmt (z. B. Modified Rodnan Skin Score = mRSS).

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Vorab anzumerken ist, dass Kortison nicht nur bei Gefahr des Verlustes einer Organfunktion oder Lebensgefahr ein unverzichtbarer Pfeiler in der Therapie der SSc ist. Ausnahme hierbei ist die Renale Krise, bei der der Einsatz von Kortison kontraindiziert ist. Ziel einer jeden SSc-Therapie ist jedoch die Kortisondosis so niedrig wie möglich zu halten bzw. gänzlich auf Kortison zu verzichten.

Beteiligung der Haut und des Bewegungsapparates

Methotrexat hat einen positiven Effekt auf die durch die SSc verursachten Veränderungen der Haut, aber auch auf die SSc-assoziierte Arthritis und Myositis. Alternativ wird bei SSc-assoziierter Arthritis auch das Anti-Malaria-Mittel Hydroxychloroquin eingesetzt.

Raynaud-Syndrom

Mittel der ersten Wahl bei Raynaud-Syndrom ist ein Medikament gegen Bluthochdruck (Antihypertensivum), genauer gesagt: der Kalzium-Antagonist vom Dihydropyridin-Typ Nifedipin. Alternativ können Phosphodiesterase-5-Inhibitoren = PDE-5-Inhibitoren oder das Prostanoid Iloprost eingesetzt werden. Eine weitere Alternative bietet das Antidepressivum Fluoxetin.

Ulzerationen der Finger oder Zehen

Zur Vorbeugung von Geschwüren (Ulzerationen) der Finger oder Zehen wird der Endothelin-Rezeptor-Antagonist (= ERA) Bosentan sowie PDE-5-Inhibitoren, zur Behandlung von Ulzerationen der Finger oder Zehen das Prostanoid Iloprost bzw. ebenfalls PDE-5-Inhibitoren empfohlen.

Pulmonale Hypertonie

Die Entscheidung, welcher Wirkstoff zur Therapie eines Lungenhochdrucks (pulmonale Hypertonie) eingesetzt wird, ist komplex und bedarf zumeist einer Expertenrunde aus Rheumatologen, Kardiologen und Pneumologen. Zum Einsatz kommen Prostanoide (Epoprostenol, Iloprost oder Treprostinil), ERAs (Ambrisentan, Bosentan oder Macitentan), PDE-5-Inhibitoren (Sildenafil oder Tadalafil) oder der Guanylat-Cyclase-Stimulator Riociguat.

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Lungenfibrose

Bei Beteiligung der Lunge wird der Wirkstoff Cyclophosphamid eingesetzt. Eine Stammzelltransplantation bleibt nur schweren, mit den üblichen Therapieoptionen nicht behandelbaren Fällen, vorbehalten. Neuerdings kommt auch eine Therapie mit Nintedanib, einem Antifibrotikum, zum Einsatz.

Renale Krise

Mittel der ersten Wahl bei einer Renalen Krise ist ein Antihypertensivum, genauer gesagt ein Angiotensin-Converting-Enzyme-Inhibitor (ACE-Inhibitor).

Beteiligung des Magen-Darm-Traktes

Bei Sodbrennen werden „Magenschoner“ (Protonenpumpen-Inhibitoren) oder Wirkstoffe, welche die Darmbeweglichkeit fördern (Prokinetika) eingesetzt. Prokinetika helfen auch bei Unwohlsein, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Im Rahmen der unzureichenden Darmbeweglichkeit kann es zu einer bakteriellen Überwucherung kommen, was eine antibiotische Therapie notwendig machen kann.

Verminderte Knochendichte (Osteopenie / Osteoporose)

Insbesondere bei SSc-Patienten ist eine ausreichende Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr zur Osteoporoseprophylaxe wichtig. Grund hierfür ist nicht nur die entzündlich-rheumatische Systemerkrankung selbst, sondern vor allem die gegebenenfalls langdauernde Kortisontherapie. Um zu ermitteln, ob neben der ausreichenden Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig ist, ist es erforderlich, eine sogenannte Knochendichtemessung durchführen zu lassen. Diese wird durch den betreuenden Hausarzt oder Rheumatologen veranlasst.

Allgemeine Maßnahmen

Ergänzend zur medikamentösen Therapie und den spezifischen Behandlungen sind allgemeine Maßnahmen von großer Bedeutung:

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  • Regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt und Rheumatologen zur Beurteilung der Krankheitsaktivität, Therapieüberwachung und Optimierung der kardiovaskulären Risikofaktoren (Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, usw.)
  • Regelmäßige professionelle Zahnreinigung
  • Bedarfsweise psychosomatische oder psychotherapeutische Mitbetreuung
  • Austausch mit anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppen)
  • Vermeidung von Übergewicht (Adipositas)
  • Ausgewogene Ernährung (z.B. mediterrane Kost)
  • Ausreichende Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr zur Osteoporoseprophylaxe
  • Alkohol nur in Maßen
  • Verzicht auf Nikotin
  • Intensive Pflege der Haut (Schutz vor Kälte, Nässe und Verletzungen; Gebrauch fettiger Crèmes) und Schleimhaut (z. B. Gebrauch zuckerfreier Cassis- oder Pfefferminz-Bonbons, Kaugummis bzw. künstlichen Speichels bei Mundtrockenheit)
  • Ausreichender Sonnenschutz (entsprechende Bekleidung, Sonnenschutzcrème mit mindestens Lichtschutzfaktor 30)
  • Regelmäßiger, aerober Ausdauersport (z. B.

Impfungen

Entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind Impfungen vor allem bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen, wie der SSc, von hoher Wichtigkeit, um das krankheitsassoziierte Infektionsrisiko zu senken. Einschränkungen gibt es lediglich bei der Verwendung von Lebendimpfstoffen (Impfung z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln, usw.). Diese sind in der Regel kontraindiziert bei denjenigen SSc-Patienten, die eine immunmodulatorische Therapie erhalten. Ausgenommen hiervon sind SSc-Patienten, die systemische Steroide mit einem Prednisonäquivalent von weniger als 10 mg täglich oder Antimalariamittel (Chloroquin, Hydroxychloroquin) einnehmen. Totimpfstoffe (Impfung z. B. gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, Humanes Papillomavirus, Pneumokokken, Influenza, Hepatitis, FSME, Zoster, u.a.) stellen hingegen kein Problem dar. Vor Beginn einer Therapie ist es daher unbedingt erforderlich, den Impfstatus auf den neuesten Stand zu bringen.

Rehabilitation bei Rheuma

Rheumatische Erkrankungen stellen eine anhaltende Herausforderung dar, da sie chronisch verlaufen und tiefgreifende Auswirkungen auf den Alltag, die berufliche Leistungsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden haben. Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen. Im Rahmen der Rehabilitation werden individuell angepasste Therapiepläne erstellt, die darauf abzielen, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Selbstständigkeit zu fördern.

Ziele der Rehabilitation

Das Ziel der Rehabilitation ist die Besserung der Beschwerden und der Auswirkung auf Alltag und Beruf. Nicht alle Beschwerden von Rheumapatienten haben ihre Ursache in einer akuten Entzündung. Auch die Chronifizierung von Schmerzen ist ein wichtiger Aspekt.

Multimodale Therapie

Die Therapie ist multimodal aufgebaut - das bedeutet, dass viele Anwendungen durchgeführt werden, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Alle Patient:innen erhalten eine umfassende ärztliche Beratung.

Bewegungstherapie:

Bewegungstherapie ist ein zentrales Therapieelement der rheumatologischen Rehabilitation. Durch Bewegung wird die Entzündungslast reduziert und somit das Rheuma positiv beeinflusst. Außerdem wirkt sich Ausdauertraining positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Im Rahmen von Gruppen wird die Feinmotorik der Hände trainiert. Hilfsmittel wie therapeutische Knete und thermische Anwendungen im warmen oder kalten Kies oder Raps werden eingesetzt. Fehlstellungen der Gelenke sollen so ausgeglichen und die umgebende Muskulatur gekräftigt werden.

Berufliche Rehabilitation:

Rheumatische Erkrankungen haben oft Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit im Beruf und können die Erwerbsfähigkeit bedrohen. Berufliche Probleme werden identifiziert und Lösungen erarbeitet. Empfehlungen für eine ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes können den Verbleib im Arbeitsleben erleichtern. Der Sozialdienst ist integraler Bestandteil des Teams.

Patientenschulung und Ernährung:

Patient:innen, die gute Kenntnisse über ihre Erkrankung haben, können besser mit der Krankheit umgehen und Einschränkungen besser bewältigen. Im Rahmen von Patientenschulungen wird der Austausch von Patient:innen untereinander gefördert. Die Patient:innen erhalten Vorträge zur Ernährung und kochen gemeinsam in der Lehrküche.

Entspannungstechniken:

Beruflicher Stress, Zukunftsängste und Sorgen bezüglich der Krankheit führen zu Verspannungen der Nacken- und Kiefermuskulatur. Die Patient:innen erlernen Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung, um den Stress zu reduzieren.

Psychologische Unterstützung:

Eine chronische Erkrankung, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen einhergeht, kann Ängste und depressive Verstimmungen hervorrufen. Rheumatische Erkrankungen gehen mit chronischen Schmerzen einher. Wenn Schmerzen durch eine Therapie nicht vollständig genommen werden können, so ist die Bewertung und Akzeptanz der Schmerzen von entscheidender Bedeutung.

Aktive und passive Anwendungen

Der Schwerpunkt aller modernen Rehabilitationskonzepte liegt auf aktiven Anwendungen. Passive Anwendungen, wie z.B. Moorpackungen, Soletherapie, Wannenbäder, Kneippgüsse oder Kohlendioxidbäder, haben ihren Stellenwert als Ergänzung der aktiven Anwendungen.

Balneologische Anwendungen

Jedes Training stellt einen Reiz für den Körper dar, auf den er reagiert. Muskelfibrillen werden hergestellt und somit Muskeln und Sehnen gekräftigt. Dieser Vorgang kann durch balneologische Anwendungen unterstützt werden.

Voraussetzungen für eine Rehabilitation

Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Rehabilitation in einer spezialisierten internistisch-rheumatologischen Rehaklinik stattfindet. Die Qualität der Kliniken wird regelmäßig durch die Deutsche Rentenversicherung geprüft. Üblicherweise ist von der Deutschen Rentenversicherung ein Abstand von 4 Jahren zwischen den Reha-Maßnahmen vorgesehen. Da es sich bei rheumatischen Erkrankungen um chronische Erkrankungen handelt, bei denen oftmals die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, ist es in vielen Fällen möglich, bereits nach 2 Jahren eine Rehabilitation zu erhalten. Die Dauer einer Reha bei Rheuma beträgt 3 Wochen. Eine Rehabilitation ist bei Rheuma immer sinnvoll. In der ambulanten Vorstellung bei niedergelassenen Rheumatolog:innen können niemals alle Aspekte besprochen werden, die für den Umgang mit einer komplexen chronischen Erkrankung wichtig sind. Alle Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Fibromyalgie und Osteoporose sollten eine Rehabilitation erhalten. Die übliche Zeitspanne zwischen zwei Rehabilitationen beträgt üblicherweise 4 Jahre.

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