Rehakliniken in Deutschland für Migränepatienten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Menschen, die an Migräne erkrankt sind, leiden auch gehäuft an anderen Erkrankungen. Für Betroffene, die unter chronischer Migräne leiden und deren Lebensqualität stark beeinträchtigt ist, können Rehabilitationsmaßnahmen (Reha) eine wichtige Option darstellen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über Rehakliniken in Deutschland, die sich auf die Behandlung von Migräne spezialisiert haben, und erläutert den Ablauf einer Reha-Behandlung.

Unterschied zwischen Kur und Reha bei Migräne

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe "Kur" und "Reha" oft synonym verwendet, doch es gibt wesentliche Unterschiede. Eine Kur dient primär der Vorsorge und der Stärkung der Gesundheit, während eine Rehabilitation der Behandlung bzw. Nachsorge einer schweren oder chronischen Krankheit dient. Bei Migräne ist meist eine Reha angezeigt.

Die Unterscheidung ist auch deshalb wichtig, weil die Kostenübernahme über unterschiedliche Träger läuft. Eine Kur beantragt man bei der Krankenkasse, eine Rehamaßnahme entweder bei der Krankenkasse, der Rentenversicherung oder der Unfallversicherung. In jedem Fall ist eine ärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit der Maßnahme erforderlich.

Was beinhalten Kur und Reha bei Migräne?

Wenn ein Arzt bei der Behandlung von Migräne eine Kur oder Reha in Betracht zieht, geht es vor allem darum, verschiedene Behandlungsmaßnahmen zu kombinieren. Es ist häufig von einer multimodalen Therapie die Rede. Die muss nicht zwingend stationär stattfinden, doch die Durchführung in einem spezialisierten Zentrum ermöglicht eine sehr gute Verzahnung der unterschiedlichen Ansätze. Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen arbeiten zusammen, um den Patienten bestmöglich und auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt zu behandeln.

Ein stationärer Aufenthalt von drei bis sechs Wochen ermöglicht, neue Maßnahmen kennenzulernen und auszuprobieren. An jedem Tag der Rehabilitation finden mehrere therapeutische Maßnahmen statt. Die beinhalten auch Vorbereitungen von gesundheitsfördernden Aktivitäten für die Zeit nach der Reha. Das kann die Anmeldung für einen Kurs bei einem Sportverein sein oder die Kontaktaufnahme mit einer Selbsthilfeorganisation.

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Antragstellung für Reha oder Kur bei Migräne

Der erste Schritt zur Beantragung einer Reha oder Kur zur Behandlung von Migräne ist ein ärztlicher Befund über die Notwendigkeit. Besprechen Sie das Thema also mit Ihrem Arzt, der die Gründe dann gegenüber dem jeweiligen Kostenträger darlegen muss. Den Antrag stellen Sie daraufhin selbst. Der Kostenträger prüft die medizinischen und persönlichen Voraussetzungen des Einzelfalls und übernimmt bei positivem Bescheid die Kosten des Therapieaufenthalts - einschließlich der Reisekosten. Für eine stationäre Kur oder Reha brauchen Sie keinen Urlaub zu nehmen.

Es gibt unterschiedliche Kostenträger für Kuren und Rehamaßnahmen. In erster Linie sind es gesetzliche Krankenversicherungen, Rentenversicherung und Unfallversicherungen. Aber auch berufsständische Sozialversicherungen (zum Beispiel die Alterssicherung der Landwirte), das Jugendamt oder der Sozialhilfeträger können zuständig sein.

Eine Reha kann erforderlich sein, wenn aufgrund einer Erkrankung eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit droht und die ärztliche Behandlung einschließlich Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln nicht mehr ausreicht. Der Kostenträger ist dann Ihre Krankenversicherung. Sind Sie privat versichert, klären Sie ab, ob Rehamaßnahmen in Ihrer Versicherung integriert oder über eine Zusatzversicherung extra versichert sind. Denn bei privaten Krankenversicherungen zählen Kuren und Rehas nicht zur Leistungspflicht.

Wenn eine Reha Ihre Arbeitsfähigkeit sichern oder wiederherstellen soll, ist die Rentenversicherung zuständig.

Volljährige Patienten müssen bei der medizinischen Rehabilitation und bei Kuren grundsätzlich eine Zuzahlung von zehn Euro pro Tag leisten. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres werden keine Zuzahlungen erhoben. Es gibt außerdem Belastungsobergrenzen, bei den gesetzlichen Krankenkassen etwa zwei Prozent des Bruttoeinkommens (bei chronisch Kranken ein Prozent). Die Obergrenzen gelten für die Summe aller Zuzahlungskosten in einem Kalenderjahr - also auch die für Medikamente, Heilmittel und Hilfsmittel sowie Fahrkosten.

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Natürlich können Sie eine Reha oder Kur bei Migräne immer auf eigene Kosten machen.

Ablauf der stationären medizinischen Rehabilitation

Antragstellung und Genehmigung

  1. Antragstellung: Aufgrund langedauernder gesundheitlicher Probleme wird eine stationäre medizinische Rehabilitation benötigt. Der behandelnde Hausarzt ist der fachliche Partner auch bei der Antragstellung für eine stationäre medizinische Rehabilitation. Teilweise regen auch die Betriebsärzte an, eine medizinische Rehabilitation durchzuführen; meistens läuft dann das weitere Antragsverfahren dafür auch über den Hausarzt. Es gibt drei Möglichkeiten, Formulare für einen entsprechenden Antrag zu erhalten: Über die Hausärztin bzw. Unterstützung kann man auch finden z. B.
  2. Wunsch- und Wahlrecht: Patienten haben in Bezug auf die Rehabilitationsklinik, in der sie behandelt werden möchten, ein sogenanntes „Wunsch- und Wahlrecht“. Es empfiehlt sich dringend, in Absprache mit dem Hausarzt den Namen dieser Klinik in dem Antrag ausdrücklich zu nennen. Diese Wahl sollte in dem Antrag in einem separaten Anhang begründet werden.
  3. Prüfung des Antrags: Arbeitnehmer: Deutsche Rentenversicherung. Nicht-Erwerbstätige.
  4. Genehmigung: Nach der Genehmigung der medizinischen Rehabilitation bekommt der antragstellende Patient Unterlagen von dem Leistungsträger und von der Klinik, der dieser ausgewählt hat und in der die stationäre Rehabilitation stattfinden soll.
  5. Ablehnung: Hauptsache ist in diesen Fällen, dass Sie innerhalb von vier Wochen („fristwahrend“) Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen; dieser Widerspruch muss noch keine Begründung enthalten. Die schriftliche Begründung für Ihren Widerspruch gegen die ausgewählte Klinik bzw. gegen die Ablehnung der stationären medizinischen Rehabilitation können Sie also nachreichen. Es ist hilfreich, wenn der Hausarzt in beiden Situationen Ihre Entscheidung mit einer entsprechenden medizinischen Stellungnahme begründet.

Inhalte und Schwerpunkte der Reha

Neben krankheitsspezifischen Behandlungsmaßnahmen sind während der drei bis sechs Wochen dauernden stationären Rehabilitation unter anderem Stressbewältigung sowie Informationen zu Ernährung und körperlicher Aktivität wichtig. Wichtiger als theoretische Informationen ist jedoch immer der Erwerb neuer gesundheitsfördernder Einstellungen und Verhaltensweisen, d. h. das konkrete Tun in dieser Zeit.

An jedem Tag während der Rehabilitation finden mehrere therapeutische Maßnahmen statt, unter anderem Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie, systematische Entspannung, Informationen des Sozialdienstes und Diätberatung.

Eine medizinische Rehabilitation bietet meist die Chance, neue Themen kennenzulernen und auszuprobieren: Lernen in der Gruppe ist dabei meist leichter. Sehr wesentlich ist eine konkrete Vorbereitung der gesundheitsfördernden Aktivitäten für die Zeit nach der medizinischen Rehabilitation, z. B. die Anmeldung für einen Kurs beim heimischen Sportverein oder der Volkshochschule und nicht nur allgemeine gute Vorsätze („Ich will mehr Sport treiben“).

Nachsorge

Schon während der stationären medizinischen Heilbehandlung wird vonseiten der dort behandelnden Ärzte geprüft und mit Ihnen besprochen, ob ambulante Nachsorgeprogramme der Deutschen Rentenversicherung sinnvoll und notwendig sind. Falls das der Fall ist, wird Ihnen eine entsprechende Maßnahme in der Klinik verschrieben und dabei die Kostenübernahme durch die Deutsche Rentenversicherung geklärt. Außerdem können Sie zusammen mit dem Sozialdienst herausfinden, in welcher wohnortnahen Praxis oder Klinik entsprechende nachstationäre Behandlungen angeboten werden. Es handelt sich dabei z. B.

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Therapieansätze in Rehakliniken für Migräne

Die Behandlung von Migräne in Rehakliniken erfolgt in Anlehnung an die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die Leitlinien empfehlen einen Ansatz, der medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren kombiniert.

Medikamentöse Therapie

Neben Migränemedikamenten wie Triptanen und Schmerzmitteln werden in Rehakliniken auch andere medikamentöse Therapien eingesetzt, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Verhaltenstherapie: Kognitive Verhaltenstherapie empfiehlt sich für PatientInnen bei denen pharmakologische Verfahren wenig effektiv sind. Es gibt wissenschaftliche Hinweise dafür, dass „die Migräne durch psychologische Strategien zur Modifikation der Lebensführung beeinflussbar“ ist. Daher bieten einige Kliniken verschiedene Formen der Verhaltenstherapie an: Entspannungstraining (z.B. Prof. Dr. med. Torsten Passie M.A. Dr. med.). Unter Anwendung von progressiver Muskelentspannung oder Biofeedback können bei Migräne Besserungsraten von ca. Bei der Verhaltenstherapie des chronischen Spannungskopfschmerzes kommt es zu Besserungsraten bei 40 % der PatientInnen.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Anwendungen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern, was sich positiv auf die Migräne auswirken kann.
  • Ergotherapie: Ergotherapeutische Maßnahmen können dazu beitragen, den Alltag besser zu bewältigen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
  • Sporttherapie: Regelmäßige Bewegung und Sport können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Entspannungstechniken: Das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga kann helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
  • Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung kann einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Migräneattacken leisten.

Beispiele für Rehakliniken in Deutschland

Die Nennung ist nicht abschließend. Informieren Sie sich bitte selbst, ob in der gesuchten Einrichtung ein auf ihre Bedürfnisse abgestelltes Behandlungs- bzw. Therapiekonzept angeboten wird.

  • Berolina Klinik in Löhne: Die Berolina Klinik behandelt Kopfschmerzen in Anlehnung an die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Die Leitlinien empfehlen einen Ansatz, der medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren kombiniert.
  • Benedictus Krankenhaus Feldafing GmbH & Co.
  • Thomas-Mann-Str.
  • St. Schloßstr.

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