Reizung Nerv LWS Querfortsatz: Ursachen und Behandlung

Die Lendenwirbelsäule (LWS) ist ein komplexes und stark beanspruchtes Segment der Wirbelsäule, das anfällig für verschiedene Beschwerden ist. Eine Reizung der Nerven im Bereich des Querfortsatzes der LWS kann erhebliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten dieser Problematik.

Anatomie und Funktion der Lendenwirbelsäule

Die Wirbelsäule, die Achse des menschlichen Körpers, erstreckt sich vom Schädel bis zum Becken und besteht aus 33 Wirbeln, 23 Bandscheiben und zahlreichen Bändern. Sie dient als knöcherne Mitte, die den Körper aufrecht hält und alle Körperteile miteinander verbindet. Die Wirbelsäule ist in vier Abschnitte unterteilt:

  • Halswirbelsäule (C1-C7): Ermöglicht die Beweglichkeit des Kopfes.
  • Brustwirbelsäule (Th1-Th12): Trägt den Brustkorb und schützt die lebenswichtigen Organe.
  • Lendenwirbelsäule (L1-L5): Trägt den Großteil des Körpergewichts und ermöglicht Beugung, Streckung und Drehung des Rumpfes.
  • Kreuz- und Steißbein (S1-S5): Bilden das Becken und dienen als Ansatz für Muskeln und Bänder.

Der lumbosakrale Übergang, der Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, ist besonders anfällig für Beschwerden, da hier hohe Kräfte wirken und die Beweglichkeit groß ist. Einige Menschen haben anatomische Variationen, wie einen sechsten Lendenwirbel oder einen zusätzlichen Kreuzwirbel, was die Biomechanik der LWS beeinflussen kann.

Was ist eine Reizung des Nervs am Querfortsatz der LWS?

Die Querfortsätze sind seitliche Knochenauswüchse an den Wirbeln, die als Ansatzpunkte für Muskeln und Bänder dienen. In unmittelbarer Nähe verlaufen Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten und verschiedene Körperregionen versorgen. Eine Reizung dieser Nerven, beispielsweise durch Druck, Entzündung oder Verletzung, kann zu Schmerzen und neurologischen Symptomen führen.

Ursachen einer Nervenreizung am Querfortsatz

Verschiedene Faktoren können eine Nervenreizung am Querfortsatz der LWS verursachen:

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  • Muskuläre Dysbalancen: Verspannungen und Verkürzungen der Rücken- und Bauchmuskulatur können zu Fehlhaltungen und einer erhöhten Belastung der LWS führen, was wiederum die Nerven reizen kann.
  • Wirbelgelenkarthrose (Spondylarthrose): Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke kann zu knöchernen Anbauten (Osteophyten) führen, die auf die Nerven drücken.
  • Bandscheibenprobleme: Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle können ebenfalls Nervenwurzeln komprimieren und Reizungen verursachen.
  • Verletzungen: Stürze, Sportunfälle oder andere Traumata können zu direkten Verletzungen der Nerven oder umliegender Strukturen führen.
  • Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Bereich der LWS, wie beispielsweise bei einer Spondylodiszitis, können die Nerven reizen.
  • Spondylodiszitis: Eine schwerwiegende, meist bakteriell bedingte Entzündung von Bandscheibe und Wirbelkörper, die starke Schmerzen und Nervenbeteiligung verursachen kann.

Symptome einer Nervenreizung am Querfortsatz

Die Symptome einer Nervenreizung am Querfortsatz der LWS können vielfältig sein und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Reizung ab. Häufige Symptome sind:

  • Lokale Schmerzen: Schmerzen im Bereich der LWS, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken können.
  • Ausstrahlende Schmerzen: Schmerzen, die in das Gesäß, die Hüfte, die Leiste oder die Beine ausstrahlen (Ischialgie).
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein brennendes Gefühl in den Beinen oder Füßen.
  • Muskelschwäche: In schweren Fällen kann es zu einer Schwäche der Beinmuskulatur kommen.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Beugen, Strecken oder Drehen des Rumpfes.
  • Morgensteifigkeit: Schmerzen und Steifheit im unteren Rückenbereich nach dem Aufstehen.

Diagnose einer Nervenreizung am Querfortsatz

Die Diagnose einer Nervenreizung am Querfortsatz der LWS umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Beschreibung der Beschwerden, deren Beginn, Verlauf und auslösende Faktoren.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Wirbelsäule, tastet sie ab und achtet auf Druck- und Klopfschmerzen. Er prüft die Beweglichkeit der Wirbelsäule und führt neurologische Tests durch, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  3. Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen und zum Ausschluss von Frakturen oder Fehlstellungen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Das Mittel der Wahl zur Darstellung von Bandscheiben, Nerven und Weichteilen. Es kann Entzündungen, Bandscheibenvorfälle oder andere Ursachen der Nervenreizung aufzeigen.
    • Computertomographie (CT): Kann zur detaillierten Beurteilung der knöchernen Strukturen eingesetzt werden, insbesondere bei der Planung einer Operation.
  4. Diagnostische Injektionen: Eine Facettenblockade oder Nervenwurzelblockade kann durchgeführt werden, um die Schmerzquelle zu identifizieren. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in die Nähe der mutmaßlich schmerzauslösenden Nerven gespritzt. Lassen die Schmerzen danach deutlich nach, gilt das betroffene Gelenk oder die Nervenwurzel als Schmerzquelle.
  5. Laboruntersuchungen: Bei Verdacht auf eine Entzündung können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um Entzündungsparameter wie CRP und Leukozytenzahl zu bestimmen.

Behandlung einer Nervenreizung am Querfortsatz

Die Behandlung einer Nervenreizung am Querfortsatz der LWS zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und die Funktion der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die Behandlung kann konservativ oder operativ erfolgen, abhängig von der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung umfasst in der Regel:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden. In schweren Fällen können auch Opioide verschrieben werden.
  • Muskelrelaxantien: Bei Muskelverspannungen können Muskelrelaxantien eingesetzt werden, um die Muskeln zu entspannen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Korrektur von Fehlhaltungen.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann zur Entspannung der Muskeln beitragen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
  • Manuelle Therapie: Techniken wie Massage, Mobilisation und Manipulation können eingesetzt werden, um Blockaden zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern.
  • Akupunktur: Eine Sonderform die bei Lumedis angewendet wird ist die Triggerakupunktur. Hier werden bestimmte Muskelverhärtungen, die für bestimmte Schmerzmuster verantwortlich sind, behandelt und zur Auflösung gebracht.
  • Injektionen: Kortikosteroide können in die Nähe der gereizten Nervenwurzel gespritzt werden, um Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Auch die Injektion von Lokalanästhetika ist möglich.
  • Osteopathie: Behandlung durch osteopathische Ärzte, die durch ausführliche Anamnese und individuelle Entwicklung einer Therapie gekennzeichnet ist, dient der Linderung chronischer Muskel- und Gelenkschmerzen durch Lösung von Verspannungen, Faszientraining und Stärkung der an der Wirbelsäule anliegenden Muskeln.
  • Kinesiotaping: Das Kinesiotaping ist eine gute Methode, um den Heilungsprozess nach einer Bandscheibenvorwölbung der LWS zu unterstützen.

Operative Behandlung

Eine Operation wird in der Regel nur dann in Erwägung gezogen, wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist oder wenn neurologische Ausfälle wie Muskelschwäche auftreten. Mögliche operative Verfahren sind:

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  • Dekompression: Bei einer Nervenkompression durch einen Bandscheibenvorfall oder knöcherne Anbauten kann eine Dekompression durchgeführt werden, um den Druck auf die Nerven zu entlasten.
  • Spondylodese: Bei Instabilität der Wirbelsäule kann eine Spondylodese (Wirbelversteifung) durchgeführt werden, um die Wirbel miteinander zu verbinden und zu stabilisieren.
  • Minimalinvasive Verfahren: In einigen Fällen können minimalinvasive Verfahren wie die Facettendenervation oder die endoskopische Bandscheibenoperation eingesetzt werden.
  • "Safe-Katheter"-Therapie: Im Wirbelsäulenzentrum apex spine wurde eine neue und sichere Katheter-Therapie weiterentwickelt. Hierbei wird unter örtlicher Betäubung und Bildwandlerkontrolle ein sehr dünnes, gebogenes Röhrchen direkt an die Stelle geführt, wo die Bandscheibe oder die Narbe eine Reizung der Nerven verursacht. Durch dieses Röhrchen wird dann ein Enzympräparat zugeführt, um Narben zu lösen. Zum Schluss wird gezielt ein Corticoid-Präparat hinterlassen, um Entzündungen vorzubeugen und Vernarbungen zu vermeiden. Danach wird an dieser Stelle ein Katheter gelegt. Am nächsten Tag wird durch den Katheter ein Depot-Corticoid- Präparat eingespritzt und der Katheter entfernt. Zwei Stunden danach kann der Patient nach Hause entlassen werden.

Prävention

Einige Maßnahmen können helfen, einer Nervenreizung am Querfortsatz der LWS vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, kann die Wirbelsäule stabilisieren und Fehlhaltungen korrigieren.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann die Belastung der Wirbelsäule reduzieren.
  • Gewichtskontrolle: Übergewicht kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
  • Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann Entzündungen im Körper reduzieren.
  • Vermeidung von einseitigen Belastungen: Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen in ungünstigen Positionen.

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