Die Haltung von Rennmäusen kann eine lohnende Erfahrung sein. Diese aktiven und neugierigen Nagetiere sind faszinierende Beobachtungsobjekte und können bei artgerechter Haltung viel Freude bereiten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden zur artgerechten Haltung von Rennmäusen, von der Gehegegröße und -einrichtung bis hin zur Ernährung und Gesundheit. Außerdem wird darauf eingegangen, was zu tun ist, wenn man sich aus verschiedenen Gründen von seinen Rennmäusen trennen muss.
Die Bedeutung einer artgerechten Haltung
Wer sich die Zeit nimmt, Mongolische Rennmäuse bei ihren täglichen Aktivitäten zu beobachten, wird schnell feststellen, dass kaum Stillstand herrscht, solange sie nicht gerade schlafen oder dösen. Voller Eifer werden kunstvolle Gänge angelegt, Kürbiskerne geknackt, Sandbäder genommen, im Laufrad gerannt und Äste zerkleinert, bevor ein Nickerchen ansteht. Angesichts dieses Tatendrangs und der Neugierde ist es wichtig, dass Rennmäuse in einem ausreichend großen und gut strukturierten Gehege leben, in dem sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können.
Gehege: Größe, Standort und Einrichtung
Gehegegröße und Standort
Die Größe des Geheges ist ein entscheidender Faktor für das Wohlbefinden von Rennmäusen. Gemäß der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) muss ein geeignetes Gehege für zwei Rennmäuse aus einer Unterschale mit den Mindestmaßen 100 x 50 x 50 cm (L x B x H) und einem Gitteraufsatz von mindestens 30 cm Höhe bestehen. Für jede weitere Maus muss diese Fläche um 25 % vergrößert werden. Da Rennmäuse jedoch äußerst aktiv, neugierig und bewegungsfreudig sind, freuen sie sich selbstverständlich über mehr Platz und werden garantiert jeden Zentimeter davon ausnutzen. Bereits ein Gehege von z. B. 120 x 60 x 60 cm + Aufsatz bietet weitaus mehr Möglichkeiten für eine rennmausgerechte Einrichtung mit ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten und einem großen Buddel-Bereich und ist einer kleineren Ausführung daher in jedem Fall vorzuziehen.
Das Gehege sollte an einem hellen und ruhigen Standort ohne Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung platziert werden. Idealerweise steht das Nagarium nicht frei, sondern zum Beispiel an einer Wand oder in einer Ecke, sodass sich die Mäuse nicht durch eine Rundum-Einsicht in ihr Zuhause gestresst oder verängstigt fühlen. Da die Tiere auch nachts sehr aktiv sind, ist das Schlaf- oder Kinderzimmer nicht unbedingt der richtige Ort, denn das Laufen im Laufrad, das Buddeln von Gängen oder das Zerschreddern von Beschäftigungsmaterial kann durchaus laut sein. Insbesondere im Sommer sollte darauf geachtet werden, dass es im Raum bzw. Gehege nicht zu heiß wird, um die Tiere vor gesundheitlichen Gefahren und im schlimmsten Fall vor einem Hitzschlag zu bewahren.
Einstreu
Eine hohe Schicht an Einstreu ist für das Wohlbefinden von Rennmäusen von zentraler Bedeutung. Bei der Wahl des Geheges ist es wichtig, darauf zu achten, dass Einstreu in Höhe von mindestens 40 cm eingebracht werden kann, um den Tieren das Anlegen von Gängen zu ermöglichen. Dies ist zum Beispiel bei für Rennmäusen geeigneten Nagarien der Fall, die in der Regel eine „Unterschale“ bzw. „Wanne“ aus Glas besitzen, auf der ein Gitteraufsatz mit mehreren Ebenen angebracht ist. So kann die komplette Wanne für Einstreu genutzt werden, während auf den Ebenen Einrichtungsgegenstände wie Futternäpfe, Laufrad und Sandbad sicher platziert werden können.
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Als Einstreu eignen sich verschiedene Naturmaterialien wie Leinen oder Hanf. Zum Nestbau wird gerne Heu, zerkleinertes Küchenpapier oder Baumwolle verwendet. Geeignete Einstreu-Varianten sind staubarme und saugfähige Naturmaterialien, die darüber hinaus das Anlegen stabiler Tunnel und Gänge ermöglichen, beispielsweise Hanf oder Leinen. Mit der Zeit wirst Du herausfinden, welche Streu(-Kombination) Deine Fellnasen am liebsten mögen! Du kannst außerdem einige leichte Röhren und Tunnel, zum Beispiel Heu- oder Weidentunnel, in der Einstreu „vergraben“ - diese werden Deine Mäuse schnell freilegen und in ihr Tunnelsystem integrieren. Achte jedoch darauf, dass die Röhren so breit sind, dass die Tiere auch nebeneinander gut hindurchpassen.
Es ist wichtig, nach der Reinigung immer einen Teil der alten, gebrauchten Einstreu wieder zurück in das Becken zu geben bzw. mit der neuen Einstreu zu vermischen, um den Gruppengeruch zu erhalten. Übrigens sollte aus demselben Grund jedwede vorübergehende Trennung der Mäuse vermieden werden, das heißt, sie sollten zum Beispiel während der Reinigung zusammen in eine Box und stets gemeinsam zum Tierarzt.
Gehegeeinrichtung
Nachdem das Gehege mit Einstreu gefüllt ist, geht es an die Inneneinrichtung, um ein abwechslungsreiches Umfeld zu schaffen. Die Ebenen erweisen sich nun als äußerst nützlich, denn auf diesen können diverse Einrichtungsgegenstände wie Laufrad, Sandbad, Tunnel und Häuschen sowie Futter- und Wassernäpfe platziert werden. Werden diese nämlich direkt auf die Einstreu gestellt, sind sie wegen der Buddel-Leidenschaft der Mäuse spätestens am nächsten Tag umgefallen oder eingegraben. Zudem besteht eine große Gefahr für Deine Lieblinge, wenn sie versuchen, sich unter schweren Gegenständen wie einem Sandbad durchzubuddeln, denn dieses könnte dadurch hinabsacken und Deine Tiere erdrücken. Schwere Gegenstände müssen daher stets sicher vor Unterbuddeln platziert werden.
Folgende Gegenstände sollten in keinem Rennmausgehege fehlen:
- Näpfe für Futter und Wasser: Separate Näpfe für Körnerfutter und Frischfutter sowie einen weiteren Napf für Trinkwasser.
- Versteck- und Schlafmöglichkeiten: Korkröhren, Weiden- oder Heutunnel sowie ein Häuschen aus Holz.
- Sandbad: Eine Schüssel mit Chinchilla-Sand, in dem sich die Tiere wälzen und dadurch Fett und Schmutz loswerden können.
- Laufrad: Ein Laufrad mit einem Durchmesser von mindestens 30 cm und einer geschlossenen Lauffläche.
Es ist wichtig, keine Engstellen entstehen zu lassen, da diese Streit unter den Tieren provozieren können. Tunnel sollten ausreichend breit sein und Häuschen grundsätzlich über zwei Öffnungen verfügen. Außerdem sollten nur unbedenkliche (Natur-)Materialien verwendet werden, die keine spitzen Klammern oder Nägel haben und so bedenkenlos angeknabbert werden können.
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Nagemöglichkeiten und Beschäftigung
Rennmäuse sind aktiv, neugierig und intelligent und benötigen ein vielseitiges Beschäftigungsangebot. Geeignete Nagematerialien sind zum Beispiel ungespritzte Äste von Bäumen, die für Deine Mäuse unbedenklich sind, wie Haselnuss, Birne oder Apfel, im Handel erhältliche Knabberhölzer, Korkröhren, aber auch die Rollen von Küchenpapier und unbedruckte Kartonstücke. Auch Heu und Stroh sollten immer angeboten werden. Alles, was zerschreddert werden kann, wird auch zerschreddert!
Statt Deinen Tieren das Futter im Napf anzubieten, kannst Du es auf der Einstreu verteilen oder an verschiedenen Stellen im Gehege verstecken. So müssen Deine Tiere wie in der Natur auf Futtersuche gehen und sind dadurch gut beschäftigt. Auch sog. Erlebnisfutter kann als Ergänzung im Gehege angebracht werden, zum Beispiel Kolbenhirse, Weizenähren usw. Lass Deiner Phantasie freien Lauf und wechsle ruhig auch immer wieder mal Einrichtungsgegenstände aus oder stelle sie etwas um, um für Deine Fellnasen neue Anreize zu schaffen.
Ernährung und Gesundheit
Ernährung
Die in der Natur lebende Rennmaus ernährt sich überwiegend von Insekten, Gras und Samen. Die Haustierkost sollte ähnlich aussehen. Sie können den Tieren Körner in Form einer Trockenfuttermischung anbieten. Es muss sich nicht zwingend um spezielles Rennmausfutter handeln. Für die tägliche Dosierung des Futters richten Sie sich am besten nach den Angaben des Herstellers, die Sie auf der Verpackung finden. Die Tiere fressen gern am Heu. Dieses haben Sie bereits ausgestreut.
Gesundheit
Mit den Wüstenrennmäusen erwerben Sie recht gesunde Kleintiere, die nur selten Krankheiten bekommen. Achten Sie darauf, dass die Tiere in einer sauberen Umgebung leben. Reinigen Sie regelmäßig (ein- bis zweimal pro Woche) den Käfig. Entfernen Sie dazu die Streu und den Sand. Zum Tierarzt sollten Sie jedoch gehen, wenn ein Tier unter Durchfall leidet. Halten Sie mehrere Tiere, kann es im Kampf auch schonmal zu Bissverletzungen kommen.
Was tun, wenn man Rennmäuse abgeben muss?
Es gibt verschiedene Gründe, warum man sich von seinen Rennmäusen trennen muss. Vielleicht ist man umgezogen, hat eine Allergie entwickelt oder kann sich aus anderen Gründen nicht mehr ausreichend um die Tiere kümmern. In solchen Fällen ist es wichtig, verantwortungsbewusst zu handeln und sicherzustellen, dass die Tiere in gute Hände kommen.
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Möglichkeiten der Abgabe
- Tierheim: Das Tierheim ist eine gute Anlaufstelle, um Rennmäuse abzugeben. Die Tiere werden dort versorgt und an verantwortungsbewusste Menschen vermittelt.
- Tierhandlung: Einige Tierhandlungen nehmen Rennmäuse auf, um sie weiterzuvermitteln.
- Pflegestellen: Es gibt Pflegestellen, die sich auf die Aufnahme von Nagetieren spezialisiert haben. Diese Stellen bieten den Tieren ein vorübergehendes Zuhause und suchen nach einem geeigneten Endplatz. Eine solche Pflegestelle ist beispielsweise das Mäuseasyl.
- Privatpersonen: Man kann auch versuchen, die Rennmäuse an Privatpersonen zu vermitteln. Wichtig ist, dass man sich vorab über die Haltungsbedingungen informiert und sicherstellt, dass die Tiere in gute Hände kommen.
Das Mäuseasyl als Anlaufstelle
Das Mäuseasyl ist eine Pflegestelle, die sich vor allem auf die Aufnahme von Nagern in Not spezialisiert hat. Sie entlastet Tierheime, übernimmt (schwer) kranke, sehr alte oder einsame Tiere, hilft bei Räumungen und Großnotfällen und übernimmt im Zuge dessen einen Teil oder alle Tiere auf Zeit hierher. Allerdings kann und will das Mäuseasyl nicht jede Maus übernehmen.
Arten im Mäuseasyl:
- IMMER: Farbmausböcke und -kastraten, alle kleinen Säugerexoten, Insektenfresser, unbestimmte mausartige Fund- und Abgabetiere
- BEDINGT: Farbmausweibchen, Mongolische Rennmäuse, alle Hamsterarten, kleinere Hörnchen, Wildmäuse
- GAR NICHT: Tiere, die (deutlich) größer werden als Persische Rennmäuse, Farbratten, Chinchilla und Degu, Fleisch- bzw. Mausfresser
Bedingungen für eine Übernahme:
In der Regel ohne besondere Bedingungen nimmt das Mäuseasyl Mäuse aus diesen Quellen auf:
- Tierheime
- Wohnungsräumungen
- Private und Vereinspflegestellen
- Nicht tiergerechte Privathaltung
- Labore
- Tiere, für die sich keine fachkundige Unterbringung findet
- Tiere, die aus ernsthaften Gründen abgegeben werden müssen (Allergie, Krankheit des Besitzers etc.)
Für diese Fälle kann jederzeit eine Übernahme ins Mäuseasyl angefragt werden. Allerdings kann nicht jede Anfrage mit einer (sofortigen) Aufnahme beantwortet werden. Außerdem können Exoten unabhängig von der Vorgeschichte ins Mäuseasyl gegeben werden.
Einige Menschen sehen Pflegestellen immer noch als schnelle, einfache und vor allem billige Problemlösung und stehlen sich gern mit der Übergabe und einem warmen Händedruck aus der Verantwortung. Diese „Probleme“ verursachen aber immer Kosten - die zum Großteil aus eigener Tasche getragen werden. Bei bekannten, fix auf das Mäuseasyl zukommenden Kosten (Kastration, Parasitenuntersuchung) beteiligt die abgebende Partei daher an ebendiesen Kosten. Das gilt unter anderem für diese Fälle:
- Sie haben unwissentlich ein Pärchen, eine oder mehrere tragende Mäuse erstanden.
- Sie wollten doch nur einmal Nachwuchs (und jetzt wächst Ihnen der über den Kopf).
- Sie haben ein (oder mehrere) Futtertier(e) „gerettet“.
Diese Tiere lehnt das Mäuseasyl grundsätzlich immer ab:
- Wenn Sie Nager aus laufenden Zuchten „retten“ oder einfach ihren eigenen, überschüssigen Nachwuchs loswerden wollen.
- Auch in Fällen, in denen ein konkreter Verdacht auf eine weiterlaufende Vermehrung besteht.
Welche Daten sollte ich für eine Abgabe übermitteln?
- Postleitzahl + Ort
- Anzahl der Tiere (und Gruppen)
- Geschlecht (männlich, weiblich, kastriert)
- Alter
- Art/Rasse (um welche Mäuseart handelt es sich?)
- Vermittlung bundesweit (Ja oder Nein)
- Bemerkungen/Vorgeschichte
- Bild(er)
- Kontaktmöglichkeiten
- Wie kommen die Mäuse ins Asyl? (persönliche Abgabe, Tierkurier, Mitfahrgelegenheit)
Mit diesen Angaben kann das Mäuseasyl schauen, ob Ihren Nagern ein Platz geboten werden kann oder - wenn es nicht kann - wer möglicherweise geeignet wäre und Platz hat. Vielleicht findet sich auch eine Pflegestelle in Ihrer Region, sodass Ihre Tiere nicht reisen müssen.
Was tun, wenn eine Rennmaus stirbt?
Rennmäuse sind soziale Tiere und sollten nicht alleine gehalten werden. Wenn eine Rennmaus stirbt, sollte man dem verbleibenden Tier möglichst schnell einen neuen Partner suchen.
Eine Tierärztin meinte einmal, dass man keine zweite (neue) Maus dazuholen sollten, weil die Maus die neue in "ihrem eigenen" Revier nicht dulden könnte. Dies ist jedoch nur selten der Fall. Es gibt nur sehr wenige Fälle, in denen eine Maus keinen neuen Partner annimmt.
Wenn man keine neue Rennmaus aufnehmen kann, sollte man die verbleibende Maus abgeben, damit sie nicht alleine leben muss.
Umgang mit dem Tod einer Rennmaus
Es ist traurig, wenn eine Rennmaus stirbt, besonders wenn man eine enge Bindung zu dem Tier hatte. Es ist wichtig, sich Zeit zum Trauern zu nehmen.
Eine Möglichkeit, mit dem Verlust umzugehen, ist, die verstorbene Rennmaus im Garten zu begraben.
Rechtliche Hinweise
Gemäß § 3 Abs. 3 TSchG machen Sie sich mit dem Aussetzen von Haustieren strafbar. Auch das Töten von Wirbeltieren ist nach § 4 Abs. 1 TSchG strafbar, wenn Sie nicht über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.