Stammzellspende und Epilepsie: Was Sie wissen müssen

Eine Stammzellspende kann für Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie Leukämie oder Lymphomen, lebensrettend sein. Doch wer kann Stammzellspender werden und welche Faktoren schließen eine Spende aus? Und was hat das mit Epilepsie zu tun? Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte rund um die Stammzellspende und geht dabei besonders auf die Frage ein, wie sich Epilepsie auf die Eignung als Spender auswirkt.

Wer kann Stammzellspender werden?

Grundsätzlich kann sich jede gesunde Person zwischen 17 und 45 Jahren als Stammzellspender registrieren lassen. Wichtig ist, dass Spender in guter körperlicher Verfassung sind und ein Gewicht von mindestens 50 kg haben. Stammzellen können bis zum 60. Lebensjahr gespendet werden. Die Registrierung ist bereits ab 17 Jahren möglich, die Aktivierung im internationalen Register erfolgt automatisch mit Eintritt der Volljährigkeit.

Um sowohl den Spender als auch den Empfänger zu schützen, gibt es jedoch bestimmte Einschränkungen und Ausschlussgründe.

Ausschlussgründe für eine Stammzellspende

Bestimmte Vorerkrankungen oder chronische Erkrankungen können eine Eignung als Stammzellspender ausschließen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems: z. B. nach einem Herzinfarkt, behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit, schlecht eingestellter Bluthochdruck, Bypassoperationen.
  • Erkrankungen des Blutes, des Blutgerinnungssystems oder der Blutgefäße: z.B. Beinvenenthrombose, Störung der Blutgerinnung, Hämophilie A (Bluterkrankheit), Marcumarbehandlung, Thalassämie, Sichelzellanämie, aplastische Anämie, Sphärozytose
  • Erkrankungen der Atemwege: z.B. schweres Asthma, Lungenfibrose, Lungenembolie
  • Schwere Nierenerkrankungen: z.B. Glomerulonephritis, Niereninsuffizienz
  • Schwere medikamentös behandelte Allergien: Nicht jede Allergie ist automatisch ein Ausschlussgrund für eine Blutstammzellspende. Sprechen Sie darum bitte Ihre Allergien bei der Registrierung an, damit abgeklärt werden kann, ob sie als Spender in Frage kommen.
  • Infektiöse Erkrankungen: z.B. Hepatitis C oder nicht ausgeheilte Hepatitis B, HIV-Infektion, Malaria
  • Bösartige Erkrankungen: Krebserkrankungen
  • Erkrankungen des Immunsystems: z.B. Rheumatoide Arthritis, Kollagenosen (z. B. Sklerodermie), Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Morbus Addison, Idiopathische Thrombozytopenische Pupura, Lupus erythematodes, Sjörgen Syndrom, Vaskulitis
  • Erkrankungen der endokrinen Drüsen: z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist kein Ausschlusskriterium.
  • Nach einer Fremd-Gewebe-Transplantation: z.B. Niere, Leber, Herz, Haut, Hornhaut, Hirnhaut
  • Bei Vorliegen einer Suchterkrankung: z.B. Medikamente, intravenöse Drogenabhängigkeit

Es ist wichtig, diese Liste sorgfältig zu prüfen, bevor man sich als Stammzellspender registriert. Im Zweifelsfall sollte man sich an eine Stammzellspenderdatei wenden, um die individuelle Eignung abzuklären.

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Epilepsie als Ausschlussgrund

Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie Epilepsie, können ein Ausschlussgrund für eine Stammzellspende sein. Allerdings ist dies nicht in jedem Fall gegeben.

Wichtig: Der Stammzellspender muss mindestens 3 Jahre unbehandelt anfallsfrei sein.

Dies bedeutet, dass Personen, die an Epilepsie erkrankt sind, grundsätzlich als Stammzellspender in Frage kommen können, sofern sie über einen längeren Zeitraum keine Anfälle hatten und keine Medikamente zur Behandlung der Epilepsie einnehmen müssen.

Der Registrierungsprozess

Die Registrierung als Stammzellspender ist unkompliziert. In der Regel erfolgt sie über eine Wangenabstrichprobe, die zur Bestimmung der HLA-Merkmale dient. Diese Merkmale sind entscheidend für die Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger.

  1. Registrierung: Interessierte können ein Registrierungsset bei einer Stammzellspenderdatei anfordern. Dieses enthält in der Regel zwei Mundschleimhauttupfer zur Probennahme per Wangenabstrich, einen Spenderausweis, die Einwilligungserklärung und ein Kuvert für den portofreien Rückversand.
  2. Typisierung: Im Labor wird aus der Probe die DNA der Zellen isoliert und molekulargenetisch analysiert. Die HLA-Merkmale werden pseudonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) gemeldet.
  3. ZKRD: Das ZKRD führt alle registrierten Stammzellspender zusammen und ist mit der weltweiten Datenbank vernetzt.
  4. Spendersuche: Bei der Suche nach einem geeigneten Spender werden die HLA-Daten der registrierten Spender mit denen der Patienten verglichen.
  5. Eignungsprüfung: Kommt ein Spender in Frage, wird er zu weiteren Untersuchungen eingeladen, um seine Eignung zu prüfen.

Für jede Registrierung eines neuen Stammzellspenders entstehen Kosten, die von den Stammzellspenderdateien getragen werden müssen. Daher ist es wichtig, sich vor der Registrierung gründlich zu informieren und sich der Verantwortung bewusst zu sein.

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Die Stammzellspende

Es gibt zwei Methoden der Stammzellentnahme:

  1. Periphere Blutstammzellspende: Hierbei werden die Stammzellen aus dem Blutkreislauf gewonnen. Der Spender erhält vor der Spende einige Tage lang einen Wachstumsfaktor, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ausschwemmt. Die Entnahme erfolgt dann über eine Art Blutwäsche.
  2. Knochenmarkspende: Bei dieser Methode wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen.

Die Entscheidung für die eine oder andere Methode hängt von verschiedenen Faktoren ab und wird vom behandelnden Arzt getroffen.

Wichtige Informationen für Spender

  • Kosten: Grundsätzlich entstehen Spendern ab dem Zeitpunkt, an dem sie um einen erneuten Bluttest gebeten werden, keine Kosten. Fahrtkosten, Verdienstausfall etc. werden erstattet.
  • Anonymität: In den ersten zwei Jahren nach der Spende wird die Anonymität zwischen Spender und Patient gewahrt. Danach ist ein Kontakt möglich, wenn beide Seiten dies wünschen.
  • Widerruf: Bis zum Beginn der Vorbehandlung des Patienten kann der Spender die Spende jederzeit widerrufen.
  • Daten: Die HLA-Testergebnisse werden in anonymisierter Form an das ZKRD gemeldet. Datenschutz und Datensicherheit haben höchste Priorität.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie jede medizinische Behandlung ist auch eine Stammzellspende mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Diese sind jedoch in der Regel gering.

  • Periphere Blutstammzellspende: Der Wachstumsfaktor kann grippeähnliche Beschwerden verursachen.
  • Knochenmarkspende: Es kann zu Blutergüssen und Muskelkater-ähnlichen Schmerzen im Bereich der Einstichstellen kommen.

Vor der Spende erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch über mögliche Risiken und eine gründliche medizinische Untersuchung.

Stammzelltransplantation: Ein Hoffnungsschimmer für Patienten

Die Stammzelltransplantation ist für viele Patienten mit schweren Bluterkrankungen oder Krebserkrankungen die einzige Chance auf Heilung. Dabei werden dem Patienten gesunde Stammzellen eines Spenders übertragen, die das zerstörte Knochenmark ersetzen und die Blutbildung wiederherstellen.

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Ablauf einer Stammzelltransplantation:

  1. Konditionierung: Der Patient wird mit einer hochdosierten Chemotherapie und/oder Bestrahlung behandelt, um das eigene Knochenmark und die erkrankten Zellen zu zerstören.
  2. Transplantation: Dem Patienten werden die Stammzellen des Spenders über eine Infusion in die Vene übertragen.
  3. Anwachsen: Die Stammzellen wandern in die Markhöhlen der Knochen, siedeln sich dort an und beginnen neue Blutzellen zu bilden.

Die Zeit nach der Transplantation ist oft eine schwierige Zeit für die Patienten. Das Immunsystem ist geschwächt und es besteht ein hohes Risiko für Infektionen. Auch die Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR), bei der sich die Immunzellen des Spenders gegen den Körper des Empfängers richten, kann eine Komplikation darstellen.

Mögliche Komplikationen nach einer Stammzelltransplantation:

  • Infektionen: Aufgrund des geschwächten Immunsystems besteht ein hohes Risiko für bakterielle, virale und Pilzinfektionen.
  • Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR): Die Immunzellen des Spenders greifen Körperzellen des Empfängers an.
  • Lebervenen-Verschlusskrankheit (VOD): Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation, bei der es zu einer Verstopfung der Lebervenen kommt.
  • Abstoßung des Transplantats: In seltenen Fällen kann es zu einer Abstoßungsreaktion kommen, bei der das transplantierte Knochenmark nicht anwächst.

Trotz dieser Risiken ist die allogene Stammzelltransplantation in vielen Fällen die einzige Behandlungsmöglichkeit, die zu einer Heilung führen kann.

Leben nach der Transplantation

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus müssen sich die Patienten regelmäßig in der KMT-Ambulanz untersuchen lassen. Die Kontrolluntersuchungen dienen dazu, den Blutspiegel bestimmter Immunsuppressiva zu messen, die Dosis entsprechend anzupassen und mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Die ersten Monate nach der Transplantation sind eine kritische Zeit, in der sich oft der Erfolg der Behandlung entscheidet. Das neue Immunsystem muss lernen, die Körperzellen des Empfängers zu akzeptieren und verbliebene Krebszellen zu zerstören.

Um das Risiko für Infektionen zu minimieren, sollten die Patienten bestimmte Maßnahmen beachten, wie z.B.:

  • Entfernung von Blumen und Zimmerpflanzen
  • Verzicht auf Gartenarbeiten
  • Meiden von Menschenansammlungen
  • Tragen eines Mundschutzes

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Es wird eine keimarme Diät empfohlen, bei der Lebensmittel gekocht, geschält oder vermieden werden sollten.

Impfungen, die vor der Transplantation durchgeführt wurden, müssen wiederholt werden, da das eigene Immunsystem zerstört wurde.

Der Wiedereinstieg in den Beruf hängt vom individuellen Verlauf nach der Transplantation ab und kann mehrere Monate dauern.

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