Rizatriptan als rezeptfreie Alternative: Ein umfassender Leitfaden für Migränepatienten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene suchen nach effektiven Behandlungsmöglichkeiten, um ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Selbstmedikation spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie den Patienten ermöglicht, ihre Beschwerden eigenständig zu therapieren, ohne jedes Mal einen Arzt aufsuchen zu müssen. Rizatriptan, ein Triptan, steht kurz davor, als vierte Option zur Behandlung von Migräneattacken rezeptfrei verfügbar zu sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Rizatriptan als rezeptfreie Alternative, beleuchtet die Vor- und Nachteile der Selbstmedikation mit Triptanen und gibt Hinweise zur richtigen Anwendung und zu möglichen Risiken.

Einführung in die Selbstmedikation bei Migräne

Die Selbstmedikation bei Migräne bietet Patienten die Möglichkeit, ihre Beschwerden eigenständig zu behandeln, insbesondere da Migräneattacken plötzlich auftreten und starke Schmerzen verursachen können. Eine schnelle Wirkung der Migräne-Tabletten ist dabei essenziell. Die Behandlung in Eigenregie ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn bereits eine Diagnose gestellt und das richtige Mittel gefunden wurde.

Rizatriptan: Ein neues rezeptfreies Triptan

Mit Rizatriptan wird bald ein viertes Triptan zur Behandlung von Migräneattacken frei verfügbar sein. Bereits im Juli 2023 empfahl der Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht, Rizatriptan aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Das Bundesgesundheitsministerium leitete einen Entwurf für die 21. Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung an den Bundesrat weiter. Grundsätzlich ist der Weg frei, und Rizatriptan wird voraussichtlich bald als OTC-Medikament zur Verfügung stehen.

Für wen ist Rizatriptan geeignet?

Rizatriptan ist zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase von Migräneanfällen mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zugelassen. Es ist in fester Zubereitung zur oralen Anwendung in Konzentrationen von 5 mg je abgeteilter Form und in einer Gesamtmenge von 10 mg je Packung erhältlich. Innerhalb von 24 Stunden können Migränepatienten zwei Einzeldosen einnehmen, wobei sie zwischen den beiden Anwendungen mindestens zwei Stunden warten sollten. Rezeptfrei ist Rizatriptan jedoch lediglich in einer Stärke von 5 mg. Diese niedrigere Dosis sieht die Fachinformation für „bestimmte Patienten“ - mit leicht oder mäßig eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion oder die Propranolol einnehmen - vor.

Wie schnell wirkt Rizatriptan?

Laut Leitlinienautoren wirkt Rizatriptan bereits nach 30 Minuten. Es erzielt (neben Eletriptan 40 mg) einer Metaanalyse zufolge „die höchste Rate an Schmerzfreiheit nach zwei Stunden“.

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Rizatriptan im Vergleich zu anderen rezeptfreien Triptanen

Rizatriptan ist das vierte rezeptfreie Triptan in der Selbstmedikation bei Migräne in Deutschland. Naratriptan (Formigran®) war 2006 das weltweit erste rezeptfreie Triptan, gefolgt von Almotriptan (Dolortriptan®) im Jahr 2009 und Sumatriptan im Jahr 2021. Diese OTC-Arzneimittel dürfen zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen mit oder ohne Aura, nach Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt und in festen Zubereitungen zur oralen Anwendung abgegeben werden.

Die Bedeutung einer ärztlichen Diagnose

Es ist wichtig zu betonen, dass die Selbstmedikation mit Triptanen nur nach einer ärztlichen Erstdiagnose erfolgen sollte. Nur ein Arzt kann anhand eines Beratungsgesprächs und einer Untersuchung feststellen, ob der Patient tatsächlich an Migräne leidet. Werden die Kopfschmerzen von weiteren Symptomen wie Bewegungseinschränkungen, Bewusstseinsstörungen oder Doppeltsehen begleitet, deutet dies unter Umständen auf schwere neurologische Erkrankungen hin, wie Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Hirnblutungen, Gehirntumore oder Multiple Sklerose. Auch starke Spannungskopfschmerzen, die immer wieder mit Migräne verwechselt werden, sollten ernst genommen werden, da möglicherweise eine schädliche Körperhaltung oder nächtliches Kieferpressen dahinterstecken kann. Daher ist es angebracht, bei wiederkehrenden Kopfschmerzen immer medizinisch zu prüfen, welche Erkrankung dafür verantwortlich ist.

Risiken und Nebenwirkungen von Triptanen

Generell gelten Triptane als gut verträglich. Allerdings sollte der Patient über die möglichen unerwünschten Begleiterscheinungen bei den jeweiligen Präparaten vom Arzt oder in der Apotheke aufgeklärt werden. Nebenwirkungen können Übelkeit und Erbrechen, Engegefühl in Brust- und Halsbereich, Missempfindungen (Parästhesien) und herabgesetzte Empfindlichkeit der Haut (Hypästhesie), Herzrhythmusstörungen, Benommenheit und Schwächegefühl sein.

Zudem können Triptane verschiedene Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auslösen, die in einem Beratungsgespräch überprüft werden müssen. Auch Vorerkrankungen spielen bei der Wahl der Medikation eine große Rolle. Gegenanzeigen bei der Einnahme vieler Triptane sind beispielsweise fehlende ärztliche Voruntersuchung inklusive Blutdruckmessung, durch Medikamente hervorgerufener Dauerkopfschmerz, vorausgegangener Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Schwangerschaft und Stillen. Auch bei bestimmten kardiovaskulären Vorerkrankungen sollten Betroffene keine Triptane einnehmen, da durch den speziellen Wirkmechanismus (die Verengung der Blutgefäße) die Krankheit verschlimmert werden könnte. In seltenen Fällen können Triptane auf diese Weise einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.

Deshalb gilt: Ob die Therapie mit Triptanen für Sie geeignet ist, kann nur ein Arzt entscheiden! Der Mediziner wird Sie zudem über die richtige Einnahme und die Dosierung des Medikaments aufklären.

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Wann sollte man auf Triptane verzichten?

Bei leichten Migräneanfällen sind zunächst Schmerzmittel und NSAR die Arzneimittel der Wahl. Triptane kommen hingegen erst bei starken Kopfschmerzen zum Einsatz oder wenn Schmerzmittel - auch in Kombination mit Koffein - bzw. NSAR nicht ausreichen, um die akute Migräneattacke zu lindern. Wichtig ist zudem zu wissen, dass schwere Migräneanfälle Analgetika und NSAR als Therapeutika nicht grundsätzlich ausschließen. Manche Migränepatienten mit schweren akuten Attacken sprechen auch auf diese Arzneimittel ausreichend an.

Die richtige Anwendung von Triptanen

Triptane sollten so rasch wie möglich - d. h. zu Beginn der Migräneattacke - angewendet werden. Denn die Wirksamkeit ist höher, wenn diese „früh in der Kopfschmerzphase der Migräne eingenommen werden“, erklärt die Leitlinie. Bei Almotriptan, Rizatriptan und Sumatriptan darf eine zweite Dosis frühestens zwei Stunden nach der ersten Tablette eingenommen werden. Bei Naratriptan müssen sogar vier Stunden bis zur Einnahme einer zweiten Dosis vergehen. Dadurch soll verhindert werden, dass bereits nachdosiert wird, bevor die Wirkung der ersten Tablette überhaupt einsetzen konnte.

Alternativen zur Selbstmedikation mit Triptanen

Neben Triptanen gibt es auch andere Optionen zur Behandlung von Migräne, sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig.

Rezeptfreie Alternativen

Einige Schmerzmittel zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne können Sie frei in der Apotheke kaufen. Dazu gehören bekannte Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Naproxen und Ibuprofen. Einige Migränetabletten, die Sie rezeptfrei erhalten, sind relativ neu auf dem Markt. Bereits seit 2005 gibt es unter dem Namen Thomapyrin INTENSIV eine Wirkstoffkombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein, die akute Schmerzen bei Migräne lindern soll. Mit Thomapyrin TENSION DUO brachte der Anbieter weitere Migränetabletten rezeptfrei neu auf den Markt. Neuerdings sind zudem einige pflanzliche, rezeptfreie Migränetabletten auf dem Markt, wie Dorisol und Neodolor, die Linderung bringen sollen. Äußert sich die Migräne mit Kopfschmerzen und Übelkeit, sind Tabletten oftmals schwer in sich zu behalten. Hier eignen sich möglicherweise Migräne Zäpfchen, die rezeptfrei zu kaufen sind. Dolormin Migräne Zäpfchen verwenden den Wirkstoff Ibuprofen und eignen sich zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit und ohne Aura. Migräne Kranit Zäpfchen bieten ein alternatives Migräne Zäpfchen, das Sie ebenfalls rezeptfrei in der Apotheke erhalten. Am schnellsten wirken allerdings Schmerzmittel in flüssiger Form. Dazu eignen sich Brausetabletten sehr gut. Die Brausetabletten Aspirin Migräne sind rezeptfrei erhältlich.

Verschreibungspflichtige Alternativen

Wenn frei verkäufliche Schmerzmittel zur Behandlung nicht mehr ausreichen, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um eine geeignete Migräne-Behandlung zu finden. Gemeinsam finden Sie die ideale Migräne Behandlung für Ihren individuellen Gesundheitszustand.

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Für Migränepatienten mit kardiovaskulären Erkrankungen kommen zwei neue Substanzklassen infrage: »Ditane« und »Gepante«. Ditane wirken wie Triptane am Serotoninrezeptor, jedoch nicht an den Subtypen 5-HT1B und 5-HT1D, sondern selektiv an 5-HT1F. Für Europa ist die Zulassung beantragt. Im Unterschied zu den Triptanen wirkt Lasmiditan nicht gefäßverengend und kann daher auch bei kardiovaskulär vorerkrankten Migränepatienten eingesetzt werden. In klinischen Studien ist es ähnlich gut wirksam wie orale Triptane. Lasmiditan ist jedoch ZNS-gängig und kann zentrale Nebenwirkungen wie Benommenheit, Schläfrigkeit und Schwindel auslösen. Deshalb sieht die Fachinformation in den USA vor, dass man nach Einnahme acht Stunden lang kein Kraftfahrzeug führen darf, selbst wenn diese Nebenwirkungen nicht auftreten. Der zweite neue Ansatz zur Therapie der Migräneattacke sind niedermolekulare Calcitonin-Gene-Related-Peptide-Rezeptorantagonisten. Im Gegensatz zu den monoklonalen Antikörpern gegen CGRP werden die Gepante oral eingenommen. In den USA sind sie zugelassen zur Akuttherapie (Rimegepant, Nurtec ODT®, und Ubrogepant, Ubrelvy®) oder auch zur Prophylaxe (Atogepant, Qulipta®, und Rimegepant). Anfang Mai hat die EU-Kommission Rimegepant (Vydura®) für Erwachsene in Europa zugelassen. Die im Mund zerfallende Tablette kann sowohl zur Behandlung akuter Migräneattacken mit oder ohne Aura als auch zur Prophylaxe bei episodischer Migräne (mindestens vier Attacken/Monat) eingesetzt werden. Zur Akuttherapie nehmen Erwachsene einmal täglich 75 mg Rimegepant. Zur Vorbeugung beträgt die Dosierung 75 mg alle zwei Tage. In der Akuttherapie der Migräne sind die Gepante deutlich weniger effektiv als die Triptane.

Zusammenfassung: Rizatriptan und die rezeptfreie Selbstmedikation bei Migräne

Die Einführung von Rizatriptan als rezeptfreies Medikament bietet Migränepatienten eine weitere Option zur Selbstmedikation. Es ist jedoch entscheidend, dass die Diagnose Migräne von einem Arzt gestellt wurde und dass die Patienten über die Risiken und Nebenwirkungen von Triptanen informiert sind. Rizatriptan kann besonders bei starken Attacken und dem Wunsch nach schnellem Wirkeintritt geeignet sein, da die Wirkung bereits nach 30 Minuten einsetzt. Es ist wichtig, die Anwendungshinweise zu beachten und bei Bedarf ärztlichen Rat einzuholen.

Wichtige Hinweise für die Selbstmedikation

  • Ärztliche Diagnose: Vor der Selbstmedikation mit Triptanen ist eine ärztliche Diagnose unerlässlich.
  • Information: Informieren Sie sich gründlich über die Wirkweise, Nebenwirkungen und Kontraindikationen von Rizatriptan.
  • Dosierung: Halten Sie sich an die empfohlene Dosierung und überschreiten Sie diese nicht.
  • Wechselwirkungen: Beachten Sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
  • Nebenwirkungen: Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen und suchen Sie bei Bedarf einen Arzt auf.
  • Häufigkeit: Beschränken Sie die Einnahme von Migränemedikamenten auf maximal 10 Tage pro Monat, um medikamenteninduzierte Kopfschmerzen zu vermeiden.
  • Alternativen: Ziehen Sie auch nicht-medikamentöse Behandlungsansätze in Betracht, wie Entspannungsübungen, Akupunktur oder eine Anpassung des Lebensstils.

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