Hormone und Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Bei Frauen treten Migräneattacken häufiger auf als bei Männern, was auf den Einfluss von Hormonen hindeutet. Etwa 16 % aller Frauen im Alter von etwa 40 Jahren sind in Europa mit Migräne belastet.

Was ist Migräne mit Aura?

Mediziner unterscheiden zwei Arten von Migräne: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Von Letzterer sind etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten betroffen. Die Migräne mit Aura ist eine Form der Migräne, bei der neurologische Symptome, die sogenannte Aura, dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. „Aura“ - ein Phänomen, das Mediziner nach Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, benennen. Denn ähnlich wie die aufsteigende Sonne den Tag einleitet, kündigen Wahrnehmungsstörungen die bevorstehende Kopfschmerzphase an. Menschen, die von Migräne mit Aura betroffen sind, können während der Attacken an diversen Seh-, Gefühls- und Sprachstörungen leiden. Manche entwickeln gar das Alice-im-Wunderland-Syndrom, welches durch eine verzerrte Wahrnehmung geprägt ist.

Unter einer Migräne-Aura ist eine anfallsartige neurologische Störung zu verstehen, die sich vor allem in Sehbeschwerden äußert und normalerweise zwischen 5 und 60 Minuten andauert. Folgen mehrere Aura-Symptome aufeinander, kann sich die Dauer auch verlängern. Innerhalb einer Stunde nach Beginn der Aura setzen gewöhnlich die Kopfschmerzen ein.

Symptome der Migräne mit Aura

Bei Migräne mit Aura sind die Symptome visuelle, sensible und sprachliche (aphasische) Störungen. Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Meist visuelle Störungen (Sehstörungen), aber auch sensible Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an.

Häufige Symptome sind:

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  • Sehstörungen: Bei fast allen Migränepatienten (99 Prozent) mit Aura kommt es zu Sehstörungen. Die Migräne kann beispielsweise folgende Bildstörungen auslösen:

    • Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
    • blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
    • Zickzacklinien
    • Blitzlichter
    • Sternschnuppen

    Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. In der Regel bilden sie sich innerhalb von einer Stunde wieder zurück.

  • Sensible Störungen: Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern. Bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen treten außerdem Gefühlsstörungen auf. Migränepatienten mit Aura berichten beispielsweise von einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen.

  • Sprachstörungen: Seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) sind auch Sprachstörungen möglich. Diese äußern sich zum Beispiel dadurch, dass die Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten beeinträchtigt ist.

  • Weitere Symptome: Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Beschwerden setzen oft in den frühen Morgenstunden ein bzw. äußern sich bereits beim Aufwachen. Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. 30-40 % aller Migräne-Kranken durchlaufen zunächst eine sogenannte Prodromalphase mit Müdigkeit, Schlafproblemen und verändertem Essverhalten. Migräne-Kopfschmerzen werden durch körperliche Aktivität nicht gelindert, sondern eher verstärkt.

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Atypische Migräne-Aura

Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie:

  • Drehschwindel
  • Tinnitus
  • Doppelbildern
  • Bewusstseinsstörungen

Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.

Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne; „Retina“ ist der medizinische Begriff für Netzhaut. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.

Differentialdiagnose

Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können. Bei den Wahrnehmungsstörungen erscheinen den Betroffenen beispielsweise der eigene Körper ganz klein und der umgebende Raum riesengroß. Auch Halluzinationen und Orientierungsverlust können auftreten. Der Name des Syndroms leitet sich von dem gleichnamigen Kinderbuch ab, in dem das Mädchen Alice unter anderem abwechselnd schrumpft und wieder wächst. Wahrscheinlich liegen dem Syndrom organische oder funktionelle Veränderungen in einem bestimmten Bereich des Gehirns zugrunde, dem Temporallappen. Das ist aber noch nicht endgültig erforscht.

Gegenüberstellung zu anderen Kopfschmerzarten

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden, um eine korrekte Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.

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  • Spannungskopfschmerz: Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome wie Lichtscheu und übermäßige Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit treten in der Regel nicht und, wenn doch, nur sehr selten begleitend auf. Wenn Menschen über Kopfschmerzen klagen, handelt sich zu etwa 90 % um Spannungskopfschmerzen oder Migräne.
  • Cluster-Kopfschmerz: Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Die Bezeichnung Cluster bezieht sich auf die Eigenart dieser Kopfschmerzform, periodisch stark gehäuft aufzutreten, während sich dann für Monate bis Jahre beschwerdefreie Intervalle anschließen können. Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Die Kopfschmerzen sind bei 78 % der Patienten immer auf der gleichen Seite. Der Cluster-Kopfschmerz zeigt eine ausgeprägte Tagesrhythmik, am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen. Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend geschildert. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang, ebenfalls kommen Begleitsymptome wie einseitiges Tränen, Augenrötung oder Naselaufen auf der Schmerzseite häufig vor. Anders als Menschen mit Migräne neigen Patienten mit Cluster-Kopfschmerz nicht dazu, sich ins Bett zurückzuziehen, sondern wandern umher oder schaukeln mit dem Oberkörper.

Ursachen für Migräne mit Aura

Bei Migräne mit Aura sind die Ursachen wie auch bei der Migräne ohne Aura bisher noch nicht abschließend erforscht. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass Menschen mit Migräne eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde aufweisen. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist. Aber was ist mit der Aura? Wie kommt es zu den Wahrnehmungsstörungen? Auch darüber herrscht bisher noch keine Klarheit. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migräne-Patienten mit Aura jedoch eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein. Grundlage dieser Störung ist vermutlich ein genetischer Defekt.

Einig ist sich die Medizin, dass es bestimmte Auslöser - sogenannte Trigger - gibt, die Migräneattacken mit Aura hervorrufen können. Solche Auslöser sind beispielsweise Stress, Wetterumschwünge und bestimmte Gerüche.

Hormonelle Einflüsse

Die medizinische Forschung zeigt, dass hormonelle Schwankungen zu den häufigsten sogenannten Triggern von Migräne zählen. Dass Hormone eine Rolle bei Migräne spielen, zeigt sich auch daran, dass Jungen und Mädchen vor der Pubertät ähnlich häufig betroffen sind. Mit Beginn der hormonellen Umstellung verändert sich dieses Verhältnis zugunsten einer höheren Migränehäufigkeit bei Frauen.

  • Menstruation: Werden Frauen von Migräneattacken heimgesucht, passiert das häufig kurz vor oder während der Monatsblutung. Bei etwa 60 % der Frauen mit Migräne handelt es sich um menstruationsbeeinflusste Anfälle, welche sich meistens erstmals im 2. Lebensjahrzehnt einstellen und um das 40. Lebensjahr ihr Maximum erreichen. Die rein menstruelle Migräne gilt hinsichtlich Attacken-Dauer und -Intensität als die am schwersten zu therapierende Variante. Ursächlich scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren. Initial hohe Östrogenspiegel sind vermutlich eine Voraussetzung für die Entstehung der Migräneattacken. Zeitlich abzugrenzen bleibt darüber hinaus ein migräneartiger Kopfschmerz im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms jeweils 2-7 Tage vor der Monatsblutung. Besonders zum Ende eines Monatszyklus sind Frauen oft von heftigen Kopfschmerzen betroffen. Bei ihnen tritt die Migräne dann während der Periode auf - zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung. Es gibt Hinweise darauf, dass außer dem abfallenden Hormonspiegel zum Ende des Monatszyklus auch das Neuropeptid CGRP eine Rolle spielt. CGRP ist ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, der die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert und dadurch Kopfschmerzen verursachen kann.
  • Schwangerschaft: Bei einer Schwangerschaft ist der Körper weit mehr hormonellen Veränderungen ausgesetzt als sonst. Das kann dazu führen, dass Migränepatientinnen während der Schwangerschaft vorübergehend weniger an Migränekopfschmerzen leiden. Der Grund dafür liegt im Wechsel des Hormonhaushalts, da der Östrogenspiegel während der Schwangerschaft konstant hoch ist. ABER: Bei Patientinnen, die an Migräne mit Aura leiden, können die Attacken während der Schwangerschaft auch zunehmen. Während der Schwangerschaft haben viele Migränepatientinnen weniger, leichtere oder keine Migräneattacken. Dies gilt vor allem bei Migräne ohne Aura, bei der die Attacken im Zusammenhang mit der Menstruation einsetzen. Zudem kann sich die Migräneform ändern, z.B. dass sich eine Migräne mit Aura zu einer Migräne ohne Aura entwickelt.
  • Wechseljahre: Die Zeit vor und während der Menopause ist geprägt von hormonellen Schwankungen. Bei einem starken Abfall des Östrogenspiegels während den Wechseljahren kann es, neben bekannten Leiden wie Hitzewallungen, auch zu einer hormonellen Migräne kommen. Daher geht die Zeit der Menopause häufig mit vermehrt auftretenden Migränekopfschmerzen einher. Ist diese Phase jedoch überstanden, bessert sich das Aufkommen von Migräne häufig.

Weitere Trigger

Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln:

  • Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf)
  • Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf - Unterzuckerung/Hungerzustand (z.B. aufgrund des Auslassens von Mahlzeiten)
  • Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille, bei Beschwerden der Wechseljahre oder zur Osteoporose-Vorsorge)
  • Stress in Form körperlicher oder seelischer Belastungen - Migräne tritt meist in der Entspannungsphase danach auf
  • Verqualmte Räume
  • Bestimmte Nahrungsmittel - z.B. Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!)
  • Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche
  • Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.)
  • Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst
  • evtl. Medikamente z.B.

Behandlung von Migräne mit Aura

Die Behandlung von Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Symptome während einer Attacke zu lindern.

  • Akutbehandlung: Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (200-600 mg, z. B. Dolormin Migraene®), Naproxen (500-1000 mg) oder Diclofenac (50-100 mg, z. B. Sylmes 50 mg Pulver®) kombiniert mit einem Antiemetikum (z. B. 10-20 mg Metoclopramid) eingesetzt werden. In der nächsten Stufe kommen Triptan-Präparate (z. B. Rizatriptan in Form von Maxalt Lingua 10 mg® oder 50-100 mg Sumatriptan) zum Einsatz. Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden. Opioide sollten nicht verwendet werden. Zu beachten ist, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.

  • Prophylaxe: Die vorbeugende Einnahme von Medikamenten kann sinnvoll sein, um die Attacken abzuschwächen oder ihnen vorzubeugen. Auch kann bei Sumatriptan-Einnahme die gleichzeitige Gabe von Naproxen die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.

    • Kurzzeit-Prophylaxe: Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl.
    • Hormonelle Therapie: Bei Migräne in der Menopause empfehlen Ärzt*innen heutzutage Östrogen-Gele, um einem entsprechend niedrigen Hormonspiegel entgegenzuwirken. Ansonsten gelten bei hormoneller Migräne ähnliche Behandlungsmethoden wie bei regulären Migränekopfschmerzen.
    • Pille: Ob die Pille als Hormonpräparat als Migräneauslöser in Frage kommt, ist umstritten. Es gibt Hinweise in beide Richtungen: Dass die Pille, insbesondere bei einem östrogenhaltigen Präparat, Anfälle auslöst ebenso wie dass die Pille Anfälle reduziert oder abmildert. Klärung kann nur eine individuelle Beobachtung unter fachärztlicher Anleitung bringen. Beachtet werden sollte auch, dass die Einnahme der Pille bei einer Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko erhöhen kann. Dies gilt besonders für Frauen, die zusätzliche Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen und rauchen. Frauen sollten beim Arzt grundsätzlich ansprechen, dass sie unter Migräne leiden, bevor sie sich die Pille verschreiben lassen. Die protektive Effizienz von oralen Kontrazeptiva (Antibabypillen) ist individuell auszutesten: Sie können die Migräne verbessern, verschlechtern oder auch unbeeinflusst lassen. Grundsätzlich ist die geringst mögliche Estradiol-Dosis anzustreben. Kombinations-Mikropille als Langzeiteinnahme ohne jede Pillenpause kann dann bei einigen Migränevarianten zur Option der Wahl werden.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen:

    • Lebensstiländerungen: Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten. Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig. Stress vermeiden.
    • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
    • Sport: Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
    • Kopfschmerzkalender: Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
    • Bewegungsübungen: Außerdem können Bewegungsübungen helfen, die oftmals mit den Kopfschmerzen einhergehenden Verspannungen zu lösen.
    • Akuter Migräneanfall: Bei einem akuten Migräneanfall kann es helfen, sich zurückzuziehen. Im besten Fall in einen ruhigen Raum, der sich abdunkeln lässt. Ob Radfahren, Joggen oder Schwimmen - probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

Aktuelle Forschung

Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP.

Anhand von insgesamt 180 Frauen prüfte die Charité-Forschungsgruppe nun, ob der Zusammenhang zwischen weiblichen Hormonen und der Ausschüttung von CGRP auch beim Menschen besteht. Dazu bestimmten die Forschenden bei Migränepatientinnen zweimal im Verlauf des Zyklus den CGRP-Spiegel, und zwar während der Monatsblutung und zum Zeitpunkt des Eisprungs. Ein Vergleich mit Frauen ohne Migräne belegte: Während der Menstruation ist die Konzentration an CGRP bei Migräne-Betroffenen deutlich höher als bei den gesunden Probandinnen.

Bei Frauen, die die Pille einnehmen, gibt es kaum Schwankungen des Östrogenspiegels. Wie die Forschenden in der aktuellen Studie nachwiesen, verändert sich auch die CGRP-Konzentration im Verlauf des „künstlichen Zyklus“ nicht und ist bei Migränepatientinnen vergleichbar mit der gesunder Frauen.

Auf Basis dieser Studie stellt sich nun die Frage: Haben CGRP-Inhibitoren bei verschiedenen hormonellen Zuständen eine unterschiedliche Wirkung? Wäre es also zum Beispiel sinnvoll, diese Medikamente zyklusabhängig zu verabreichen? Künftig wird das Forschungsteam untersuchen, welche weiteren körperlichen Prozesse durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden und zur Entstehung von Migräneattacken beitragen könnten - zum Beispiel die Funktion der Blutgefäße oder die Erregbarkeit des Gehirns. Außerdem planen die Forschenden, auch den CGRP-Spiegel bei Männern unterschiedlicher Altersgruppen genauer in den Blick zu nehmen.

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