Migräne ist eine Zivilisationskrankheit, die chronisch ist und nicht heilbar ist. Dennoch kann sie im Laufe der Jahre verschwinden. Bei einigen Frauen nimmt die Zahl der Migräneanfälle nach den Wechseljahren ab - einige haben nie wieder eine Migräneattacke. Häufige Attacken schränken die Lebensqualität erheblich ein. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, einschließlich Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.
Was ist Migräne?
Migräne ist ein anfallsartiger Kopfschmerz, der häufig einseitig auftritt und so stark ist, dass die Betroffenen nicht am Alltag teilnehmen können. Als Migränepatientin oder -patient gilt, wer bereits mindestens fünf starke Kopfschmerzattacken mit eindeutigen Symptomen erlebt hat: pochende oder pulsierende, meist einseitige Kopfschmerzen im Bereich von Schläfe, Stirn, Auge, zunehmende Schmerzen bei Bewegung sowie Übelkeit, Erbrechen, hohe Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Appetitlosigkeit. Die Attacken treten unregelmäßig auf - manche Menschen sind mehrmals im Monat betroffen, andere nur ein- bis zweimal im Jahr. Die Migräneanfälle beginnen häufig schon frühmorgens und dauern zwischen vier und 72 Stunden an.
Arten von Migräne
Es gibt zwei Arten von Migräne:
- Migräne mit Aura: Bei der Migräne mit Aura - also mit begleitenden, ausstrahlenden Symptomen - kündigt sich die Schmerzphase mit Sehstörungen, Sprachstörungen, Ohrgeräuschen, Lichtblitzen im Auge oder Kribbeln im Gesicht und in Gliedmaßen an. Sie treten direkt vor einer akuten Migräne binnen rund zehn Minuten auf und halten dann zwischen 15 und 60 Minuten an. Rund zehn bis zwanzig Prozent der Migränebetroffenen haben eine Migräne mit Aura.
- Migräne ohne Aura: Ein Migräneanfall ohne Aura beginnt direkt mit der Schmerzphase, also ohne besondere Vorzeichen.
Symptome von Migräne
Wer das erste Mal von sehr starken Kopfschmerzen betroffen ist, weiß vermutlich gar nicht, ob es sich um Migräne oder um eine andere Form des chronischen Kopfschmerzes handelt. Aufschluss geben die unterschiedlichen Symptome:
| Typ | Symptome | Dauer | Begleiterscheinungen |
|---|---|---|---|
| Migräne | Mittelstarke bis starke Schmerzen, pulsierende, hämmernde, pochende Schläfen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen | 4 bis 72 Stunden | Aura möglich |
| Clusterkopfschmerz | Sehr starke Schmerzen, brennende, stechende, bohrende Schmerzen | 15 Minuten bis 3 Stunden, auch über Tage oder Wochen | Verstopfte Nase, rote und tränende Augen, Schwitzen |
| Spannungskopfschmerz | Leichte bis mittelstarke Schmerzen, dumpf, nicht pulsierend auf beiden Kopfseiten | 30 Minuten bis zu einigen Tagen | Selten |
Ursachen von Migräne
Die Ursachen für diese Form der chronischen, starken Kopfschmerzen sind noch nicht abschließend erforscht. Eine Häufung von Migränepatientinnen und -patienten innerhalb einzelner Familien legt aber eine genetische Veranlagung nahe. Als Auslöser eines Migräneanfalls werden äußere oder innere Reize, sogenannte Trigger vermutet. Sie führen zu einer entzündungsähnlichen Reaktion des Hirngewebes, die Schmerzimpulse auslöst und die Schmerzempfindlichkeit erhöht, sodass sogar der eigene Puls als unangenehmer Schmerz wahrgenommen werden kann.
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Welche Faktoren eine Migräne auslösen, ist höchst individuell. Um das herauszufinden, empfiehlt sich ein Migränetagebuch, das Schlafenszeiten, Ernährung und besondere Ereignisse erfasst. Auch ein Migränekalender, der Art und Dauer der Attacken aufzeichnet, ist sinnvoll. Als typische Migränetrigger gelten:
- Emotionale Überforderung: Hohe körperliche Aktivität, Angst oder Trauer können zu einer Migräneattacke führen - häufig dann, wenn der Stress nachlässt.
- Unregelmäßiger Schlafrhythmus: Unregelmäßiges Zubettgehen, zu langes Ausschlafen, zu frühes Aufstehen - jede Abweichung kann den Körper aus dem Takt bringen.
- Sensorische Reize: Lärm, flackerndes Licht und intensive Gerüche überfordern tendenziell das Nervensystem.
- Wetterumschwünge: Migränewetter mit Umstellungen von Hochs auf Tiefs oder Schwankungen in Temperatur und Luftdruck werden von anfälligen Menschen als starke Reize wahrgenommen.
- Ernährung: Als migräneauslösend gelten vor allem histamin- und tyraminhaltige Lebensmittel wie Alkohol, Käse, Schokolade und Salami.
- Unregelmäßige Mahlzeiten: Die Hirnzellen von Migränepatientinnen und -patienten haben einen erhöhten Energiebedarf. Ihr Energielevel sollte durch regelmäßiges, kohlenhydratreiches Essen auf einem möglichst gleichbleibenden Niveau gehalten werden.
- Hormonelle Schwankungen: Zyklusbedingte Hormonschwankungen gelten als typische Migränetrigger bei Frauen.
Behandlung von Migräne
Häufige Attacken schränken die Lebensqualität erheblich ein. Akute Phasen können mit bestimmten Schmerzmitteln - auch Migränetabletten genannt - behandelt werden, am besten direkt zu Beginn der Attacke. Empfehlenswert ist der Rückzug in einen abgedunkelten, abgeschirmten Raum. In besonderen Fällen kann eine Migräneprophylaxe ärztlich verschrieben werden. Hierbei sind Verträglichkeit und Nebenwirkungen abzuwägen. Wenn Sie den Verdacht haben, unter Migräne zu leiden, suchen Sie Ihre Hausarztpraxis auf.
Prävention von Migräne
Eine aktive Vorsorge ist sinnvoll, etwa Stressreduzierung, regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgeglichener Blutzuckerspiegel, viel Bewegung an der frischen Luft, Ausdauersport wie Schwimmen oder Radfahren sowie reduzierter Alkohol- und Tabakkonsum. Jeder Mensch kann individuell ausprobieren, was am besten hilft. Manche Migränepatientinnen und -patienten setzen auf alternative Methoden wie Osteopathie, Akupunktur oder ein spezielles Migräne-Piercing, dessen Wirkung jedoch nicht medizinisch belegt ist. Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder autogenes Training sowie eine kognitive Verhaltenstherapie können den Umgang mit Migräne erleichtern.
Migräne-Apps
Apps können Kopfschmerz- und Migräne-Therapien wirksam unterstützen und bei leichten Formen frühzeitig helfen. Apps helfen, Migräne- und Schmerzverlauf zu dokumentieren und damit denkbare Auslöser zu erkennen. Gegenstrategien können frühzeitig ausgelöst und die Medikamenteneinnahmen besser überwacht werden. Einige Krankenkassen bieten Apps gegen Migräne und Kopfschmerzen an. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, bevor Sie Leistungen in Anspruch nehmen.
Beispiele für Migräne-Apps:
- Migräne-App: Die "Migräne-App" entwickelten Techniker Krankenkasse, die Schmerzklinik Kiel und das bundesweite Kopfschmerzbehandlungsnetz gemeinsam. In der App wird der Migräne- und Kopfschmerzverlauf stetig dokumentiert. Mögliche Auslösefaktoren, wie Wetterveränderungen werden automatisch hinzugefügt. Die App warnt vor Überschreitungen in der Medikamenteneinnahme. Nutzerinnen und Nutzer können sich über aktuelle Nachrichten zu Migräne- und Kopfschmerzbehandlung informieren. Zur Migräne-App gehört der "TK-Kopfschmerzcoach" zur Verfügung, der modernen Kopfschmerzvorbeugung digital vermittelt. Die Migräne-App kann im Google Play Store oder im App Store heruntergeladen werden.
- M-Sense App: Die M-Sense-App hilft bei Migräne und Spannungskopfschmerz. „M-sense“ analysiert die individuellen Ursachen für Migräne und Spannungskopfschmerzen. Die App schlägt Gegenstrategien bei drohenden Attacken vor. Die BARMER Krankenkasse hilft Ihren Versicherten bei der Nutzung. M-sense Basic ist kostenfrei, die Therapiebegleitung durch M-sense Active ist kostenpflichtig. Die App kann im App Store und im Google Play Store heruntergeladen werden.
- sinCephalea App: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Nutzung der sinCephalea App zu 100%.
Kopfschmerzprävention am Arbeitsplatz
Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch betreffen insgesamt zwei Drittel aller Arbeitnehmer/innen. In der Berufsgruppe der Pflegenden sind Kopfschmerzen besonders verbreitet: 86,3 % leiden darunter, 21,7 % nach eigenen Angaben sogar „häufig“ oder „immer“. Die Kopfschmerzprävention ist also von großer Bedeutung und kann durch gesundheitsfördernde Prozesse viel zur Lebensqualität beitragen.
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Das Projekt „Aktion Pflege ohne Kopfschmerz“ klärt ausgebildete und angehende Pflegekräfte über Maßnahmen zur Kopfschmerzprävention und Gesundheitsförderung in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern auf. Die teilnehmenden Einrichtungen erhalten hierbei zielgruppenspezifische Medien, wie zum Beispiel medizinische Ratgeber, ein Informationsportal, eine App sowie Audioangebote zur Entspannung, die bei der individuellen Vorbeugung und einer gesundheitsfördernden Strukturierung des Tagesablaufs unterstützen sollen. Um die teilnehmenden Einrichtungen auch während der Corona-Pandemie zu unterstützen, wurde die „Aktion Pflege ohne Kopfschmerz“ im Frühjahr 2020 weitgehend digitalisiert. Unterstützt wird das Projekt der ZIES GmbH (Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen) von der Siemens-Betriebskrankenkasse.
Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen
Regelmäßige Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen führen oft zu psychischen Problemen. Betroffene entwickeln darüber hinaus häufig lebenslange chronische Kopfschmerzen. Kopfschmerzen können von vielen Faktoren begünstigt werden. Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie regelmäßige, gesunde Mahlzeiten erhalten, sich viel bewegen und Stress reduzieren. Eine gute Orientierung schaffen zudem einfache Grundregeln wie feste Schlafenszeiten und ausreichend Schlaf, ein eingeschränkter Medienkonsum und Entspannungszeiten im Alltag. Wichtig ist auch, Leistungsdruck zum Beispiel in der Schule zu vermeiden und familiäre Probleme gemeinsam anzugehen.
Es gibt spezifische Programme wie die Aktion „Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen“, die sich an Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und Lehrkräfte richtet. „Headache Hurts“ hingegen ist eine Initiative für Studierende.
Schwindel
Viele Schwindelursachen können bereits durch eine exakte Beschreibung der Symptome und durch die klinische Untersuchung erkannt werden. Durch zusätzliche technische Untersuchungen werden die verschiedenen Teilfunktionen des komplizierten Gleichgewichtssystems (Gleichgewichtsorgan im Innenohr, Gleichgewichtszentrum im Gehirn, Lageinformation der Beine etc.) überprüft. Hierzu stehen spezialisierte modernste Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Da Schwindel vielfältige Ursachen haben kann, werden bei der Abklärung auch internistische, HNO-ärztliche, augenärztliche und psychiatrische Aspekte berücksichtigt. Dadurch kann bei bis zu 90 Prozent der Patienten die Schwindelursache festgestellt werden. Es gibt Ambulanzen für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Die KKH-Kaufmännische Krankenkasse bietet im Rahmen eines Vertrags zur Integrierten Gesundheitsversorgung Schwindel ihren Versicherten eine qualitätsgesicherte wirksame Behandlung in der Schwindelambulanz des Schwarzwald-Baar Klinikums an.
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs)
Ob digitales Tagebuch bei Diabetes, Migräne-Tracker oder Tinnitus-App: DiGAs helfen Ihnen, Ihre Gesundheit aktiv zu managen. Die zertifizierten Medizinprodukte können Sie bei der Erkennung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten und Beschwerden unterstützen. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die SBK die Kosten.
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Als DiGAs werden diejenigen Apps und Webanwendungen bezeichnet, die als Medizinprodukt zertifiziert sind und im Verzeichnis erstattungsfähiger digitaler Gesundheitsanwendungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet sind. Wenn Sie bei der SBK versichert sind und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, haben Sie grundsätzlich Anspruch auf die im Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgeführten DiGAs. Hierzu kann Ihnen Ihre behandelnde Praxis eine Verordnung der DiGA ausstellen. Dazu prüft die Praxis, ob die entsprechende Diagnose für die DiGA vorliegt und gleichzeitig keine Gründe bestehen, die der DiGA-Nutzung entgegen stehen. Alternativ kann die SBK Ihnen die DiGA-Nutzung nach einer Prüfung auch ohne ärztliche Verordnung genehmigen.
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