Die Schilddrüse, ihre Nerven und die Funktion des Nervus Laryngeus

Die Schilddrüse (lat. Glandula thyroidea) ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das eine entscheidende Rolle im menschlichen Körper spielt. Sie liegt an der Vorderseite des Halses, unterhalb des Kehlkopfes, und besteht aus zwei Hauptlappen, die durch eine schmale Gewebebrücke, den Isthmus, miteinander verbunden sind. Das Volumen einer gesunden Schilddrüse beträgt ca. 18-25 ml.

Anatomie der Schilddrüse

Die Schilddrüse befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Strukturen, die an der Stimm- und Sprachbildung beteiligt sind. Besonders bedeutsam sind die zarten Stimmbandnerven. Für die Stimmbandbeweglichkeit ist der paarige Nervus laryngeus recurrens am wichtigsten. Diese Nerven stammen aus dem zehnten Hirnnerven, dem Nervus vagus, und verlaufen auf jeder Seite unmittelbar hinter der Schilddrüse zur Kehlkopfmuskulatur. Der N. recurrens innerviert (steuert) fast alle Kehlkopfmuskeln. Zusätzlich gibt es auf jeder Seite noch einen oberen Stimmbandnerv (Nervus laryngeus superior). Dieser stammt ebenfalls aus dem N. vagus und verläuft oberhalb der Schilddrüse zum Kehlkopf. Dieser Nerv hat auch Einfluss auf die Stimmbildung und ist zusätzlich z. B. für das Auslösen eines Hustenreflexes beim Verschlucken wichtig.

Die arterielle Versorgung erfolgt im Wesentlichen aus den sogenannten oberen und unteren Polgefäßen. Die oberen Polgefäße (Arteria thyreoidea superior) entspringen auf jeder Seite aus der äußeren Halsschlagader (Arteria carotis externa), die unteren Polgefäße (Arteria thyreoidea inferior) aus dem Truncus thyreocervicalis der Schlüsselbeinarterie (Arteria subclavia). Bei etwa 5 Prozent der Menschen gibt es eine zusätzliche Arterie (Arteria thyreoidea ima), die direkt aus dem Aortenbogen (Arcus aortae) entspringt.

In der Schilddrüse gibt es neben Blutgefäßen auch noch Lymphgefäße, welche die Gewebsflüssigkeit (Lymphe) aus der Schilddrüse abtransportieren. Diese Lymphgefäße bilden rund um beide Schilddrüsenlappen ein verzweigtes und gut kommunizierendes Gangsystem, in das, quasi als Filterstationen, Lymphknoten eingebettet sind. Die Kenntnis des Lymphabflusses ist z. B. für die Chirurgie beim Schilddrüsenkrebs von großer Bedeutung.

Ektopes Schilddrüsengewebe

Normalerweise liegt die Schilddrüse im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes vor und neben der 3. bis 5. Knorpelspange der Luftröhre. Als ektopes oder akzessorisches Schilddrüsengewebe wird Schilddrüsengewebe bezeichnet, das sich an anderer Stelle im Körper befindet. Ursächlich ist meist in eine harmlose Entwicklungsstörung in der Fetalzeit. Denn ursprünglich liegen die Anlagen für die spätere Schilddrüse in den sogenannten Schlundtaschen sehr weit kopfwärts in Höhe des Zungengrundes. Von dort aus wandern die Schilddrüsenanlagen während der Fetalentwicklung im Mutterleib schrittweise bis zur endgültigen Position unterhalb des Kehlkopfes.

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Funktion der Schilddrüse

Ihre Aufgabe ist u.a. die Produktion der jodhaltigen Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) zur Regulierung zahlreicher Stoffwechselvorgänge sowie die Bildung des Hormons Calcitonin, das den Kalziumhaushalt des Körpers mit reguliert. Die Schilddrüsenhormone wirken auf Herz und Kreislauf, erweitern die Blutgefäße, beschleunigen den Herzschlag und regeln den Blutdruck. Sie aktivieren aber auch den Fett- und Bindegewebsstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und die Nieren- und Darmtätigkeit. Eine gesunde Schilddrüse produziert pro Tag etwa 80 bis 100 Mikrogramm T4 und 10 bis 50 Mikrogramm T3.

Der Regelkreis der Schilddrüsenhormone

Die Hirnanhangdrüse ist sozusagen die erste übergeordnete Zentrale. Sie ist die Dirigentin des hormonellen Regelkreises, in den die Schilddrüse eingebunden ist. Denn sie bildet das Hormon TSH (Thyroid Stimulating Hormone), das die Schilddrüse in ihrer Hormonproduktion stimuliert. Befinden sich zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut wird die TSH-Produktion erhöht und damit die Schilddrüse zu mehr Arbeit angeregt. Die kontrollierte Abgabe von TSH wiederum erfolgt mit Hilfe von TRH (Thyreotropin Releasing Hormone), einem Hormon, das vom übergeordneten Hypothalamus freigesetzt wird. Vereinfacht ausgedrückt, wirkt die Schilddrüse wie das Gaspedal unseres Körpers: Bei zu viel an Hormonen (Hyperthyreose) laufen Körper und Seele übertourig, bei zu wenig Hormonen (Hypothyreose) entsprechend untertourig.

Jod und die Schilddrüse

Ohne Jod kein Schilddrüsenhormon. Der menschliche Körper kann Jod nicht selbst produzieren und auch nur sehr begrenzt speichern. Jod ist ein essentielles Spurenelement. Das heißt: Das vom Körper benötigte Jod muss regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Es gelangt über den Magen-Darm-Trakt passiv ins Blut und von dort aktiv in die Schilddrüse. Um genügend Schilddrüsenhormone bilden zu können, liegt der tägliche Jodbedarf für Erwachsene bei etwa 150 bis 200 Mikrogramm. Deutschland zählt zu den jodärmsten Regionen Europas.

Erkrankungen der Schilddrüse

An der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) des Uniklinikum Dresden beschäftigen wir uns mit den Erkrankungen, die von der Schilddrüse ausgehen. Bei vielen dieser Erkrankungen stellt die operative Entfernung der Schilddrüse die einzig sinnvolle Therapiemöglichkeit dar.

Welche Therapieoption optimal zu Ihnen passt besprechen wir gern mit Ihnen in unserer Endokrinologie-Sprechstunde.

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Erkrankungen:

  1. Gutartige Erkrankungen: Kropf (Struma)
  2. Entzündungen/Autoimmunerkrankungen: Morbus Basedow
  3. Bösartige Erkrankungen (Schilddrüsenkrebs): Papilläres, follikuläres, anaplastisches und medulläres Schilddrüsenkarzinom

Kropf (Struma)

Als Struma bezeichnet man eine Vergrößerung der Schilddrüse über das normale Volumen hinaus. Die Struma ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Man unterscheidet eine unklar umgrenzte (diffuse) von einer knotigen (nodösen) Struma. Da bei der Struma meist noch ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, kommt es nur selten zu einer relevanten Funktionsstörung der Schilddrüse im Sinne einer Unterfunktion.

Ursache für eine Struma ist in der Regel ein ernährungsbedingter Jodmangel. Daher spricht man auch von einer „Jodmangelstruma“. Eine ausreichende Jod-Zufuhr ist die Voraussetzung für die Bildung der Schilddrüsenhormone. Werden aufgrund des Jodmangels zu wenig Hormone gebildet, reagiert die Schilddrüse mit einer Vergrößerung Ihrer Zellen und einer vermehrten Zellteilung, um die notwendigen Hormone produzieren zu können. Hierdurch kommt es zu einer Vergrößerung des gesamten Organs.

Ein aufgrund von Jodmangel bedingter Kropf verursacht bei noch ausreichender Hormonproduktion (Euthyreose) keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch durch die Verdrängungseffekte der vergrößerten Schilddrüse zu Schluckbeschwerden (Dysphagie), zu einem Fremdkörpergefühl im Hals (Globusgefühl) und/oder zur erschwerten Atmung mit Luftnot (inspiratorischer Stridor/Dyspnoe) kommen.

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion bei einer Struma kann durch eine medikamentöse Therapie mit Schilddrüsenhormonen gut behandelt werden. Wenn jedoch durch die vergrößerte Schilddrüse Beschwerden (Luftnot/Schluckstörung) verursacht werden, ist eine chirurgische Entfernung des erkrankten Gewebes erforderlich. Das Operationsausmaß richtet sich dabei nach der Größe und Verteilung der Knoten. Meistens ist die Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie) zur Verhinderung eines Wiederauftretens (Rezidiv) der Struma notwendig. Bei lokalisiertem (einseitigem) Befall kann die komplette Entfernung der betroffenen Seite (Hemithyreoidektomie) ausreichend sein.

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Morbus Basedow

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunkrankheit. Das körpereigene Abwehrsystem produziert fälschlicherweise stimulierende Antikörper gegen die hormonbildenden Zellen der Schilddrüse. Dies hat sowohl eine Überfunktion als auch eine Vergrößerung der Schilddrüse zur Folge. 1-2 % der Bevölkerung entwickeln einen Morbus Basedow, wobei Frauen fünfmal häufiger als Männer betroffen sind.

Die Ursachen des Morbus Basedow sind derzeit noch Gegenstand der Forschung. Vermutet werden jedoch Immunstörungen aufgrund eines genetischen Defektes.

Die mit dem Morbus Basedow einhergehende Überfunktion der Schilddrüse hat zahlreiche Beschwerden wie zum Beispiel Durchfall, Gewichtsverlust, Heißhunger, Wärmeunverträglichkeit, Hitzewallungen, Unruhe, Gereiztheit, Muskelschwäche und Herzrasen zur Folge. Eine massive Überfunktion kann zur sogenannten „hyperthyreoten Krise“ führen, die eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig macht.

Um die Behandlung beim M. Basedow für jeden Patienten zu optimieren, arbeiten wir mit drei Fachbereichen eng zusammen. Zum interdisziplinären Team gehört neben einem Chirurgen und einem Internisten (Endokrinologen) auch ein Nuklearmediziner, so dass für jeden Patienten ein individualisiertes Therapiekonzept entwickelt werden kann.

Bösartige Erkrankungen der Schilddrüse

Als Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) wird eine bösartige Neubildung der Schilddrüse bezeichnet. Schilddrüsenkarzinome sind die häufigsten endokrinen Karzinome.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 5000 Personen an Schilddrüsenkrebs, wobei Frauen insgesamt häufiger betroffen sind als Männer.

Bei Schilddrüsenkarzinomen werden vier Haupttypen unterschieden, von denen der häufigste Typ oft im mittleren Erwachsenenalter auftritt:

  • Papilläres Karzinom (66%), Altersgipfel 40.-50. Lebensjahr
  • Follikuläres Karzinom (27%), Altersgipfel 50.-60. Lebensjahr
  • Anaplastisches Karzinom (4%), Altersgipfel > 60. Lebensjahr
  • Medulläres Karzinom oder C-Zell Karzinom (3%)

Die genaue Entstehung von Schilddrüsenkarzinomen ist noch nicht eindeutig geklärt.

Häufig fallen Schilddrüsenkarzinome erstmals durch eine rasch wachsende Knotenbildung im Bereich der Schilddrüse auf. Weitere wichtige Symptome sind vergrößerte Halslymphknoten, Schluckstörungen, Heiserkeit und eine derbe Konsistenz der Schilddrüse.

Das wichtigste Verfahren bei der Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms ist die Operation. In der Regel wird hierbei die gesamte Schilddrüse entfernt (Thyreoidektomie). Im Rahmen der Operation werden meist auch die Lymphknoten am Hals entfernt (Lymphadenektomie), da diese Lymphknoten von Tumorzellen befallen sein können.

Der Nervus Laryngeus Recurrens und seine Bedeutung in der Schilddrüsenchirurgie

Die Operationsstrategie in der Schilddrüsenchirurgie hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich gewandelt. Neben der präzisen Präparation mittels Verwendung von Vergrösserungsbrillen hat sich auch das Reccurensnervenmonitoring etabliert. Von größter Bedeutung ist hierbei die Lähmung der eng an die Schilddrüse angrenzenden Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens), deren einseitige Verletzung vor allem Heiserkeit bewirkt.

Intraoperatives Neuromonitoring (IONM)

Um Nervenverletzungen zu vermeiden, wenden wir eine spezielle Untersuchungsmethode, das sogenannt intraoperative Neuromonitoring (IONM) intermittierend und kontinuierlich (CIONM) in der Schilddrüsenchirurgie und Nebenschilddrüsenchirurgie an. Diese Methode wird routinemäßig in der chirurgischen Abteilung des Krankenhaus Salem in der Schilddrüsenchirurgie eingesetzt und reduziert das Risiko von beidseitigen Stimmband- bzw.

Das intraoperative Neuromonitoring in der Schilddrüsenchirurgie ist für die Auffindung des Stimmbandnervs ein wichtiges Instrument. Korrekt durchgeführt zeigt die intraoperative Funktionsprüfung des Nervs eine gute Übereinstimmung mit der postoperativ durch Laryngoskopie kontrollierten Stimmbandfunktion. Zwei Methoden des intraoperativen Recurrensmonitorings haben sich durchgesetzt: Zum einen die invasive Methode mit Reizung des Stimmbandnervs und Ableitung der Reizantwort aus dem M.vocalis (Stimmbandmuskel) über eine transoral platzierte Nadelelektrode. Zum anderen die nicht invasive Methode der Ableitung über Tubuselektroden, welche in direktem Kontakt mit den Stimmlippen sind.

EBSLN-Monitoring

Das intraoperative Neuromonitoring (IONM) des externen Astes des Nervus laryngeus superior (EBSLN) dient der Identifikation und Funktionsprüfung des Nervs, um eine Schädigung während der Schilddrüsen- oder Nebenschilddrüsenoperation zu vermeiden.

Der EBSLN innerviert den Musculus cricothyroideus. Er ist entscheidend für die Spannung der Stimmbänder, indem er den Schildknorpel nach vorne kippt.

Eine Schädigung führt nicht zur klassischen Heiserkeit wie beim NLR, aber zu einer reduzierten Fähigkeit, die Stimme zu modulieren und hohe Frequenzen zu erreichen.

Nachsorge nach Schilddrüsenoperationen

Bei der Nachsorge steht die richtige medikamentöse Einstellung mit Schilddrüsenhormonen (Hormonsubstitution) im Vordergrund. Wenn im Rahmen einer Operation Ihre Schilddrüse vollständig entfernt wurde, müssen Sie künftig die fehlenden Schilddrüsenhormone in Tabletten-Form einnehmen.

Nachdem die feingewebliche Aufarbeitung des entnommenen Materials eine bösartige Erkrankung ausgeschlossen hat, sollten Sie -dem Operationsausmaß angepasst- mit der Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten beginnen. Die richtige Dosis lässt sich durch regelmäßige Kontrollen der Hormonspiegel (TSH, fT3, fT4) im Blut leicht finden.

Mögliche Komplikationen nach Operation der Schilddrüse

Auch Operationen an der Schilddrüse können in seltenen Fällen mit Komplikationen einhergehen.

  • Wundheilung: Wundheilungsstörungen z. B. mit Eiterung der Operationswunde sind äußerst selten.
  • Nachblutungen: diese postoperative Komplikation erfordert in seltenen Fällen eine erneute Operation.
  • Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen mit Hypocalcämien: Ein Calcium-mangel im Blut ist ebenfalls von vorübergehende Charakter.
  • Funktionsstörungen des Stimmbandnervs (Recurrensparese): Diese Komplikation entsteht wegen der engen Nachbarschaft des Stimmbandnervens zur Schilddrüse.

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