Schlafmittel bei Demenz und Parkinson: Wirkung, Risiken und Alternativen

Schlafstörungen sind ein häufiges Begleitsymptom von Demenz und Parkinson, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Während Medikamente wie Antipsychotika und Melperon oft zur Behandlung von Schlafstörungen, Unruhe und Verwirrtheitszuständen eingesetzt werden, ist es wichtig, die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente, insbesondere bei älteren Menschen, zu berücksichtigen.

Antipsychotika bei Demenz: Nutzen und Risiken

Antipsychotika werden häufig zur Behandlung von Verhaltens- und psychologischen Symptomen der Demenz (BPSD) eingesetzt. In Deutschland werden rund 40 % der Pflegeheimbewohner mit Demenz mit Beruhigungsmitteln behandelt, hauptsächlich mit sedierenden Antipsychotika wie Risperidon, Quetiapin und Pipamperon. Auch in Großbritannien werden Antipsychotika wie Risperidon und Haloperidol zur Behandlung von Demenzkranken eingesetzt.

Eine große Kohortenstudie der Universität Manchester mit über 173.000 Demenzpatienten untersuchte die Nutzen und Nebenwirkungen von Antipsychotika über einen Zeitraum von 10 Jahren. Die Studie ergab, dass der Einsatz von Antipsychotika mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte Ereignisse verbunden ist, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Nach einer 90-tägigen Einnahme von Antipsychotika war das Risiko für venöse Thromboembolien, Lungenentzündung, akute Nierenschäden und Schlaganfälle deutlich höher als bei Personen, die keine Antipsychotika einnahmen.

Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass der Einsatz von Antipsychotika bei Menschen mit Demenz ein erheblich größeres Spektrum an Schäden mit sich bringt als bisher untersucht. Sie betonten, dass jeder potenzielle Nutzen einer antipsychotischen Behandlung gegen das Risiko schwerwiegender Schäden abgewogen und die Behandlungspläne regelmäßig überprüft werden sollten.

Melperon: Ein Antipsychotikum mit beruhigender Wirkung

Melperon gehört zur Gruppe der Antipsychotika, besitzt jedoch eine eher schwache antipsychotische Wirkung. Es wird vorwiegend bei Schlafstörungen, Verwirrtheits- und Unruhezuständen eingesetzt, insbesondere bei älteren Patienten. Melperon wirkt stärker beruhigend und dämpfend und hat in therapeutischer Dosierung nur geringe Auswirkungen auf Atmung, Kreislauf, Verdauung, Harnausscheidung oder Leberfunktion.

Lesen Sie auch: Mehr über Lewy-Körperchen-Demenz erfahren

Zu Beginn der Behandlung und bei höheren Dosierungen kann Müdigkeit auftreten. Zusätzlich kann Melperon zu niedrigem Blutdruck führen, der sich in Schwindel und Schwächegefühl äußert. Abhängig von der Dosis und der individuellen Veranlagung können extrapyramidale Störungen (EPS) auftreten, die sich durch Muskelverkrampfungen, Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsunruhe äußern.

Melperon darf nicht eingesetzt werden bei schwerer Leberfunktionsstörung, malignem neuroleptischem Syndrom (MNS) in der Vergangenheit, akuten Vergiftungen mit Alkohol, zentral dämpfenden Wirkstoffen oder Opiaten sowie bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile des Medikaments. Bei der zusätzlichen Einnahme von weiteren dämpfenden Arzneistoffen oder Alkohol kann die dämpfende Wirkung verstärkt sein.

Schlafstörungen bei Parkinson: Ursachen und Behandlung

Schlafstörungen sind bei Menschen mit Parkinson sehr häufig und tragen neben den typischen Symptomen wie Bewegungsstörungen, Muskelzittern und Gleichgewichtsstörungen zu einer weiteren Einschränkung der Lebensqualität bei. Typische Probleme sind Ein- und Durchschlafstörungen, erhöhte Tagesschläfrigkeit sowie Traum-Schlaf-Verhaltensstörungen, die mit lebhaften Bewegungen von Armen und Beinen einhergehen.

Schlafstörungen bei Parkinson können verschiedene Ursachen haben, darunter die Erkrankung selbst, Nebenwirkungen der Medikamente oder psychische Begleiterkrankungen. Zudem leiden Parkinson-Patienten auch unter primären Schlafstörungen wie schlafbezogenen Atmungsstörungen und dem Restless-Legs-Syndrom.

Zur Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson können eine Optimierung der Therapie der Grunderkrankung, nicht-medikamentöse Ansätze und Medikamente eingesetzt werden. Nächtliche Unbeweglichkeit und damit einhergehende Schlafprobleme können durch ein Absinken des Medikamentenspiegels ausgelöst sein. Hier können lang wirksame Parkinson-Medikamente Abhilfe schaffen. Andererseits können lebhafte Träume und nächtliche körperliche Unruhe auf eine zu starke Medikamentenwirkung zurückgehen. Dann kann in Absprache mit dem Arzt die Medikamenteneinstellung entsprechend verändert werden.

Lesen Sie auch: Umgang mit Schlafmitteln bei Epilepsie

Wichtig ist es, auf eine gute Schlafhygiene zu achten und tagsüber Nickerchen oder einen Mittagsschlaf zu vermeiden. Auch können einfache Mittel wie warme Fußbäder, Entspannungsübungen oder autogenes Training bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Daneben trägt körperliche Bewegung zu einer Verbesserung der Schlafqualität bei.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) bei Parkinson und Demenz

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist eine Schlafstörung, die häufig bei Parkinson und Lewy-Körper-Demenz auftritt. Bei der RBD ist die normale Muskelentspannung während des REM-Schlafs gestört, was dazu führt, dass Betroffene ihre Träume ausleben und sich im Schlaf bewegen, schreien oder um sich schlagen können.

Die RBD kann ein Frühsymptom von Parkinson oder Lewy-Körper-Demenz sein und dem Auftreten der motorischen oder kognitiven Symptome um Jahre vorausgehen. Die Behandlung der RBD umfasst in erster Linie Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit des Betroffenen und des Bettpartners, wie z. B. das Polstern des Bettes oder das Entfernen gefährlicher Gegenstände aus dem Schlafzimmer. Medikamentös können Clonazepam und Melatonin eingesetzt werden, wobei die Evidenzlage für beide Substanzen gering ist.

Weitere Ursachen von Schlafstörungen im Alter

Neben Demenz und Parkinson können auch andere Erkrankungen und Faktoren zu Schlafstörungen im Alter beitragen, darunter:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzschwäche kann zu nächtlicher Atemnot und häufigem Harndrang führen.
  • Schmerzen: Chronische Schmerzen, z. B. durch Arthrose oder Rheuma, können das Ein- und Durchschlafen erschweren.
  • Depressionen: Depressionen sind häufig mit Schlafstörungen verbunden, insbesondere mit frühmorgendlichem Erwachen.
  • Atemwegserkrankungen: Chronische Bronchitis und COPD können zu nächtlicher Atemnot und Husten führen.
  • Harnwegsprobleme: Häufiger Harndrang in der Nacht kann durch eine vergrößerte Prostata, Harnwegsinfekte oder eine überaktive Blase verursacht werden.
  • Medikamente: Einige Medikamente können den Schlaf stören, z. B. bestimmte Antidepressiva, Betablocker oder Diuretika.

Was kann man selbst tun?

Neben der ärztlichen Behandlung gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann, um die Schlafqualität zu verbessern:

Lesen Sie auch: Mirtazapin-Anwendung bei Demenz

  • Schlafhygiene: Achten Sie auf eine regelmäßige Schlafenszeit und Aufstehzeit, eine angenehme Schlafumgebung (kühl, dunkel, ruhig) und vermeiden Sie Koffein, Alkohol und schwere Mahlzeiten vor dem Schlafengehen.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen, um Stress abzubauen und zur Ruhe zu kommen.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Schlafqualität verbessern, sollte aber nicht kurz vor dem Schlafengehen erfolgen.
  • Lichttherapie: Setzen Sie sich tagsüber ausreichend hellem Licht aus, um Ihren Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
  • Schlaftagebuch: Führen Sie ein Schlaftagebuch, um Ihre Schlafgewohnheiten zu analysieren und mögliche Ursachen für Ihre Schlafstörungen zu identifizieren.

tags: #schlafmittel #bei #demenz #und #parkinson