Schlaganfall trotz Blutverdünner: Ursachen und Prävention

Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, eine der Hauptursachen für Tod und bleibende Behinderungen. Obwohl blutverdünnende Medikamente, auch Antikoagulanzien genannt, oft zur Vorbeugung eingesetzt werden, kann ein Schlaganfall dennoch auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für einen Schlaganfall trotz Blutverdünner-Einnahme und gibt Hinweise zur Prävention.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist eine plötzliche neurologische Erkrankung, die durch eine Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht wird. Diese Störung kann durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), eine Blutung oder einen plötzlichen Rückgang des Blutflusses entstehen. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten von Schlaganfällen:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Hierbei kommt es durch den Verschluss eines Blutgefäßes zu einer Unterversorgung eines Hirnareals mit Sauerstoff und Nährstoffen. Rund vier von fünf Schlaganfällen sind ischämischer Natur.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Hierbei platzt ein Blutgefäß im Gehirn, was zu Einblutungen in das Hirngewebe und Schädigung des Gewebes führt.

Ursachen trotz Blutverdünner

Obwohl Antikoagulanzien das Risiko eines Schlaganfalls verringern können, bieten sie keinen vollständigen Schutz. Mehrere Faktoren können dazu beitragen, dass ein Schlaganfall trotz der Einnahme von Blutverdünnern auftritt:

  1. Unzureichende Wirkung der Blutverdünnung:

    • Falsche Dosierung: Eine zu niedrige Dosis des Medikaments kann die Blutgerinnung nicht ausreichend hemmen.
    • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln: Bestimmte Medikamente oder Lebensmittel können die Wirkung von Blutverdünnern beeinflussen.
    • Individuelle Unterschiede: Nicht jeder Patient reagiert gleich auf ein bestimmtes Medikament. Einige Menschen benötigen möglicherweise eine höhere Dosis oder ein anderes Medikament, um eine ausreichende Blutverdünnung zu erreichen.
    • Non-Compliance: Viele Patienten nehmen ihre Medikamente nicht regelmäßig oder in der vorgeschriebenen Dosis ein, was die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigt. Die neuen Medikamente NOAK/DOAK haben eine Wirkdauer von 12 bis 24 Stunden.
  2. Andere Risikofaktoren:

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    • Bluthochdruck (Hypertonie): Hoher Blutdruck schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnselbildung und Blutungen. Der wichtigste Risikofaktor ist dabei der Bluthochdruck, weil er sowohl zu Hirninfarkten als auch zu Hirnblutungen führen kann.
    • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung): Ablagerungen in den Blutgefäßen können diese verengen und das Risiko für Gefäßverschlüsse erhöhen. Es sind vor allem „Wohlstandserkrankungen“, die Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) sowohl an kleineren Hirngefäßen (Mikroangiopathie) als auch an größeren Gefäßen (Makroangiopathie) wie der Halsschlagader nach sich ziehen.
    • Diabetes mellitus: Diabetes kann die Blutgefäße schädigen und die Bildung von Blutgerinnseln fördern. Wenn ein Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen zusammenkommen, spricht man auch vom sogenannten metabolischen Syndrom, bei dem der Stoffwechsel z. T. erheblich gestört ist.
    • Hoher Cholesterinspiegel: Ein hoher Cholesterinspiegel kann die Bildung von Ablagerungen in den Blutgefäßen fördern.
    • Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnselbildung. Rauchen erhöht das Schlaganfallrisiko, da es die Blutgefäße schädigen und die Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn fördern kann.
    • Übergewicht und Bewegungsmangel: Übergewicht und mangelnde Bewegung erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte. Ausgelöst und verstärkt wird das metabolische Syndrom und somit auch das Risiko für Schlaganfälle durch Übergewicht (insbesondere ein hoher Taille-Hüft-Quotient), Bewegungsmangel, und Fehlernährung.
    • Alkoholmissbrauch: Auch Alkoholkonsum und/oder psychischer Stress erhöhen das Schlaganfallrisiko.
    • Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern): Vorhofflimmern kann zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führen, die dann ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall auslösen können. Hinzu kommt als weiterer Schlaganfall-Risikofaktor eine bestimmte Form der Herzrhythmusstörung, die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern. Wenn die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, sondern nur „flimmern“, können sich dort Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die dann vom Herzen mit dem Blutstrom in die Gehirnarterien gelangen und dort Gefäßverschlüsse, also akute Schlaganfälle, auslösen können.
    • Genetische Faktoren: Eine familiäre Veranlagung kann das Schlaganfallrisiko erhöhen.
  3. Andere Ursachen:

    • Kryptogener Schlaganfall: In etwa 20 bis 40 Prozent der Fälle bleibt die Ursache eines Schlaganfalls unklar. Experten vermuten kleine Blutgerinnsel (Embolien) unbekannten Ursprungs (ESUS: „embolic stroke of undetermined source“, heißt embolischer Schlaganfall ungeklärter Ätiologie).
    • Gefäßentzündungen (Vaskulitis): Selten können Entzündungen der Blutgefäße zu Schlaganfällen führen.
    • Tumorerkrankungen: Bei Tumorerkrankungen kann es zu einer erhöhten Gerinnungsneigung kommen, die das Schlaganfallrisiko erhöht.
    • Gefäßdissektionen: Bei jüngeren Erwachsenen kann ein Gefäßwandriss mit Einblutung zwischen die Schichten der Gefäßwand ursächlich sein: Es handelt sich um die sog. Dissektion einer Arterie. Tritt dies im Bereich hirnversorgender Arterien auf (zervikale arterielle Dissektion/CAD), kann das einen Schlaganfall (Insult) auslösen.
    • Subarachnoidalblutung: Seltener kann eine sog. Subarachnoidalblutung einen Schlaganfall verursachen. In diesem Fall gelangt Blut meist aus einer Gefäßaussackung (Aneurysma) in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum, d. h. in den Raum um Gehirn und Rückenmark.
    • Sinusvenenthrombose: Bei einer Thrombose der Hirnvenen (Sinusvenenthrombose, d. h.

Arten von Blutverdünnern

Es gibt verschiedene Arten von Blutverdünnern, die auf unterschiedliche Weise wirken:

  • Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar): Diese Medikamente hemmen die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung benötigt wird. Die Wirkung muss regelmäßig durch Blutuntersuchungen (INR-Wert) kontrolliert werden. Vitamin-K-Antagonisten sind blutverdünnende Medikamente, die bereits seit vielen Jahren in der Medizin eingesetzt werden, um Schlaganfälle bei Vorhofflimmern zu reduzieren. Nachteil hierbei ist jedoch, dass die Wirkung alle 3 bis 4 Wochen bei der Ärztin/dem Arzt kontrolliert werden muss. Hierzu wird ein Tropfen Blut aus der Fingerspitze entnommen und der INR-Wert bestimmt.
  • Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs/NOAKs): Diese Medikamente hemmen spezifische Gerinnungsfaktoren im Blut. Sie haben eine фиксиierte Dosis und erfordern keine regelmäßigen Blutkontrollen. Als Alternative zu der Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten werden in vielen Fällen die neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs) eingesetzt. Bei diesen ist eine regelmäßige Wirkungskontrolle nicht notwendig . Bei der Therapie mit den neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) ist die korrekte und tägliche Einnahme der Medikamente besonders wichtig. Zudem sollten Sie alle 6 bis 12 Monate eine Kontrolluntersuchung bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt durchführen lassen. Der Abstand der Kontrollen ist größer, da diese Medikamente einen anderen Wirkmechanismus haben. Die neuen Medikamente NOAK/DOAK haben eine Wirkdauer von 12 bis 24 Stunden.
  • Thrombozytenfunktionshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel): Diese Medikamente verhindern, dass sich Blutplättchen zusammenlagern und Blutgerinnsel bilden. Oft wird dafür Aspirin/ASS eingesetzt, da es die Blutplättchenbildung hemmt.

Prävention eines erneuten Schlaganfalls

Nach einem Schlaganfall ist es wichtig, das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu minimieren. Dies umfasst folgende Maßnahmen:

  1. Medikamentöse Therapie:

    • Blutverdünner: Die konsequente Einnahme der verordneten Blutverdünner ist entscheidend.
    • Blutdrucksenkende Medikamente: Eine gute Blutdruckeinstellung ist wichtig, um die Blutgefäße zu schützen.
    • Cholesterinsenkende Medikamente (Statine): Statine können das Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamen. Ein erhöhter Cholesterinspiegel nach einem Schlaganfall wird häufig mit Statinen behandelt.
    • Antidiabetika: Bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig.
  2. Lebensstiländerungen:

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    • Gesunde Ernährung: Eine salzarme und fettarme Ernährung kann den Blutdruck und Cholesterinspiegel senken. Eine salzarme Diät hilft dabei, den Blutdruck zu senken und schont damit die Gefäßwände vor einer weiteren Schädigung und entlastet gleichzeitig das Herz. Der reduzierte Genuss von zuckerhaltigen Getränken und Snacks sowie von tierischen Fetten wie Käse oder Fleisch unterstützt dabei, die Blutzucker- und Cholesterinwerte zu kontrollieren.
    • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Blutdruck senken, das Gewicht reduzieren und die allgemeine Gesundheit verbessern.
    • Rauchstopp: Ein Rauchstopp ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Schlaganfallprävention. Wenn man trotz des erstens Schlaganfalls weiter raucht ist es trotz Medikamenten sehr wahrscheinlich, dass man einen zweiten Schlaganfall erleidet. Innerhalb von 2 ½ Jahren nach einem Schlaganfall haben Raucher eine 90% Chance, während Nicht Raucher eine 30% Chance haben einen weiteren Schlaganfall zu erleiden. Ein Rauchstopp nach dem ersten Schlaganfall, hat den gleichen positiven Effekt wie die Einnahme von einer leichten Blutverdünnung (Thrombozytenaggregationshemmung) oder Cholesterinsenkern zum Langzeit Schlaganfallschutz (medikamentöse Sekundärprophylaxe).
    • Mäßiger Alkoholkonsum: Ein übermäßiger Alkoholkonsum sollte vermieden werden.
    • Stressmanagement: Stress kann das Schlaganfallrisiko erhöhen. Entspannungstechniken und Stressmanagement können helfen, das Risiko zu senken.
  3. Behandlung von Begleiterkrankungen:

    • Vorhofflimmern: Vorhofflimmern sollte behandelt werden, um das Risiko von Blutgerinnseln im Herzen zu reduzieren. Unbehandeltes Vorhofflimmern erhöht das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Leidet ein Herz an Vorhofflimmern, pumpt es nicht mehr kräftig und gleichmäßig, sondern die Schläge ähneln einem Zittern. Es kommt somit vor, dass nicht das gesamte Blut aus dem Herzen gepumpt wird und daraufhin das zurückgebliebene Blut gerinnt. Um das Schlaganfallrisiko zu verringern, ist die Hemmung der Blutgerinnung bei vielen PatientInnen ein wichtiger Teil der Therapie. Bei den gerinnungshemmenden Medikamenten werden die Vitamin-K-Antagonisten und die direkten oralen Antikoagulantien (DOAK, auch als neue orale Antikoagulantien oder NOAK bezeichnet) unterschieden.
    • Karotisstenose: Eine Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose) kann operativ oder durch einen Kathetereingriff behandelt werden, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Viele Patienten mit einer vorbekannten gefährlichen Gefäßverkalkung in der Halsschlagader (Karotis Stenose) erfüllen noch nicht die Kriterien eines guten Risiko- Nutzenverhältnis einer Operation (Karotisendarteriektomie) und werden medikamentös mit einer Thrombozytenaggretionshemmung und einem Cholesterinsenker (Statin) behandelt. Die Verkalkung kann jedoch entweder durch schlechte Kontrolle der Risikofaktoren wie Rauchen oder erhöhte Blutfette (Hypercholesterinämie) fortschreiten oder durch eine erbliche Vorbelastung fortschreiten. Dann ist der einzige Weg die Engstelle in der Halsschlagader zu operieren.
    • PFO-Verschluss: Bei einem persistierenden Foramen ovale (PFO) kann ein Verschluss des Lochs zwischen den Herzvorhöfen das Schlaganfallrisiko senken. Auch ein minimalinvasiver Eingriff kann einem zweiten Schlaganfall vorbeugen, so etwa, wenn ein persistierendes Foramen ovale (PFO) vorliegt. Dies ist bei etwa jedem vierten Menschen der Fall. Dieses kleine Loch zwischen den Herzvorhöfen schließt sich in der Regel kurz nach der Geburt, da seine Funktion, das Ungeborene mit dem sauerstoffreichen Blut seiner Mutter zu versorgen, dann nicht mehr benötigt wird. Bleibt es erhalten, so kann es vorkommen, dass vom Körperkreislauf kommendes sauerstoffarmes Blut statt in die Lunge direkt auf die andere Herzseite fließt und sich dort mit dem sauerstoffreichen Blut vermischt. Auf diese Weise können aus dem Körper kommende Blutgerinnsel, die sich beispielsweise in den tiefen Beinvenen gebildet haben, in die Hirnarterie geschwemmt werden und so einen Schlaganfall auslösen. Mit einem kleinen Schirmchen, einem sogenannten Okkluder, welches über die Leistenvene mittels eines Katheters bis zum Foramen ovale vorgeschoben wird, lässt sich dieses verschließen und damit die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls reduzieren.
    • Verschluss des linken Vorhofohrs: Der Verschluss des linken Vorhofohrs, einer kleinen Ausbuchtung im linken Herzvorhof, kann das Schlaganfallrisiko senken. Denn durch den Verschluss des linken Vorhofohrs können Ärztinnen und Ärzte verhindern, dass sich in dieser Ausbuchtung Gerinnsel bilden und von hier in den Körperkreislauf gelangen.

Fazit

Ein Schlaganfall kann trotz der Einnahme von Blutverdünnern auftreten, da diese Medikamente keinen vollständigen Schutz bieten. Verschiedene Faktoren, wie unzureichende Blutverdünnung, andere Risikofaktoren und seltene Ursachen, können zu einem Schlaganfall führen. Eine konsequente Einnahme der verordneten Medikamente, eine gesunde Lebensweise und die Behandlung von Begleiterkrankungen sind entscheidend, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu minimieren. Es ist frustrierend und lindert nicht die Enttäuschung einen zweiten Schlaganfall zu haben, aber leider gibt es keine Garantie dafür dass ein Medikament einen hundert prozentigen Schutz bietet. Es gibt viele unerklärliche Gründe bei denen das eigene Gerinnungssystem plötzlich stärker als die Blutverdünnung ist oder Schwankungen in der Medikamentenwirkung entstehen.

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