Schlaganfall des vorderen Hirnlappens: Ursachen, Folgen und Behandlung

Ein Schlaganfall, insbesondere im Bereich des vorderen Hirnlappens (Frontallappen), ist ein einschneidendes Ereignis, das weitreichende Folgen für die Betroffenen haben kann. Umfassendes Wissen über Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsansätze ist entscheidend für eine bestmögliche Versorgung und Rehabilitation der Patienten.

Grundlagen des Schlaganfalls und seine Formen

Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn. Dies kann entweder durch den Verschluss eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) oder durch das Platzen eines Gefäßes und die daraus resultierende Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Beide Formen führen zu einer Minderdurchblutung der betroffenen Hirnareale, was einen Sauerstoff- und Nährstoffmangel zur Folge hat.

Hämorrhagischer Schlaganfall: Hirnblutungen im Detail

Unter einer Hirnblutung versteht man jegliche Einblutung innerhalb des Schädels (intrakraniale Blutung). Diese werden je nach Lage in intrazerebrale Blutungen (ICB), die direkt im Hirnparenchym auftreten, und extrazerebrale Blutungen (ECB) unterteilt, welche die Hirnhäute betreffen.

Arten extrazerebraler Blutungen

  • Epiduralhämatom: Zwischen Schädelknochen und Dura mater.
  • Subduralhämatom: Zwischen Dura mater und Arachnoidea.
  • Subarachnoidalhämatom: Im Subarachnoidalraum unter der Arachnoidea.

Blutungen können durch Schädel-Hirn-Traumata, Noxen, Medikamente, Gerinnungsstörungen oder Leberschäden begünstigt werden. Die Symptome reichen von intrakraniellem Druckgefühl bis zu Bewusstseinsstörungen und Lähmungen. Die Therapie richtet sich nach Größe und Ursache der Blutung.

Die Inzidenz allgemeiner Hirnblutungen in Deutschland wird auf 10 bis 12 pro 100.000 Einwohner geschätzt. Spontane intrazerebrale Blutungen machen 9 bis 27 % aller Hirnblutungen aus, mit einer Inzidenz von 20 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Das Risiko verdoppelt sich mit jeder Lebensdekade. Subarachnoidalblutungen haben einen Anteil von 1 bis 10 % unter den spontanen Hirnblutungen, mit einer Inzidenz von 9 bis 10 pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

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Ischämischer Schlaganfall: Der Mediainfarkt

Ein Mediainfarkt ist ein typischer ischämischer Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel eines der zentralen Gehirnversorgungsgefäße verschließt. Dies führt häufig zu Halbseitenlähmungen und anderen neurologischen Symptomen. Der Mediainfarkt tritt auf, wenn die mittlere Gehirnarterie (Arteria cerebri media, ACM) verschlossen ist, was dazu führt, dass ein großer Teil des Gehirns zugrunde gehen kann.

Formen des Mediainfarkts

  • Maligner Mediainfarkt (Territorialinfarkt): Betrifft das gesamte Media-Stromgebiet mit Schwellung. Es entsteht in der Regel eine massive Hirnschwellung (Hirnödem).
  • Media Teilinfarkt: Schädigt weniger als 2/3 des Stromgebiets der ACM. Die Symptome sind unterschiedlich, je nach betroffenen Hirnregionen.

Ursachen und Ätiologie

  • Kardioembolien: Blutgerinnsel bilden sich im Herzen, beispielsweise aufgrund von Vorhofflimmern, und gelangen in die mittlere Hirnarterie.
  • Mikroangiopathie: Verschluss ganz kleiner Hirnarterien bei Atherosklerose, oft zurückzuführen auf Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder Hypercholesterinämie.
  • Makroangiopathie: Größerer Gefäßverschluss durch Atherosklerose.

Symptome

Die Symptome eines Mediainfarkts variieren je nach Ort des Gefäßverschlusses. Ein Klassiker ist die Arm- und Gesicht-betonte Halbseitenlähmung (brachiofazial). Weitere Symptome können sein:

  • Neglect: Patienten nehmen ihren eigenen Körper und ihre Umgebung auf der linken Seite nicht mehr wahr.
  • Apraxie: Patienten können keine Handlungsabläufe planen.
  • Aphasie: Sprachstörungen, insbesondere bei Beteiligung der linken Hemisphäre.

Diagnose

Die Diagnose eines Mediainfarkts erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie CT oder MRI. Ein CT kann zwischen Hirninfarkt und Hirnblutung unterscheiden, während ein MRI bei unklaren Symptomen oder zur Risiko-Nutzen-Abwägung bei einer Lyse-Therapie eingesetzt wird.

Therapie

Das Ziel der Therapie eines Mediainfarkts ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs. Mögliche Therapieansätze sind:

  • Lyse-Therapie: Starke Blutverdünnung, um das Gerinnsel aufzulösen.
  • Angiografie: Kathetergestützte Bergung von Gerinnseln.
  • Hemikraniektomie: Entfernung der Schädeldecke bei einem malignen Mediainfarkt, um die Hirnschwellung zu reduzieren.

Der Frontallappen und seine Funktionen

Der Frontallappen, auch Stirnlappen genannt, befindet sich im vorderen Teil des Gehirns und ist für eine Vielzahl von kognitiven und motorischen Funktionen verantwortlich. Dazu gehören:

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  • Planung und Durchführung von Bewegungen
  • Entscheidungsfindung
  • Problemlösung
  • Soziales Verhalten und Persönlichkeit
  • Sprache (insbesondere bei Beteiligung der linken Hemisphäre)

Schlaganfall im Frontallappen: Spezifische Auswirkungen

Ein Schlaganfall im Frontallappen kann je nach betroffenem Areal unterschiedliche Auswirkungen haben. Einige der häufigsten Folgen sind:

  • Motorische Störungen: Lähmungen oder Schwäche auf der gegenüberliegenden Körperseite.
  • Sprachstörungen: Aphasie, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache.
  • Verhaltensänderungen: Persönlichkeitsveränderungen, Impulsivität, Apathie oder sozial unangemessenes Verhalten.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Probleme mit der Aufmerksamkeit, Konzentration, Planung und Entscheidungsfindung.

Frontotemporale Demenz (FTD)

Die Frontotemporale Demenz (FTD), früher als Morbus Pick bekannt, ist eine spezielle Form der Demenz, die den Frontal- und Temporallappen des Gehirns betrifft. Sie zeichnet sich durch eine Störung und letztendlichen Zelluntergang in diesen Bereichen aus, was zu Veränderungen in Persönlichkeit, Verhalten und Sprache führt.

Symptome der FTD

Die Symptome der FTD können je nach betroffener Hirnregion variieren. Es werden zwei Hauptvarianten unterschieden:

  • Verhaltensvariante: Persönlichkeitsveränderungen, sozialer Rückzug, Apathie, Verlust von sozialem Bewusstsein, fehlende Einsicht, schlechte Impulskontrolle und (sexuelle) Enthemmung.
  • Sprachvariante: Verschiedene Sprachstörungen, die als primär progressive Aphasien zusammengefasst werden.

Diagnose der FTD

Die Diagnose der FTD ist komplex und erfordert mehrere Untersuchungen. Dazu gehören:

  • Anamnese und neurologische Untersuchung: Erhebung der Symptome, Krankheitsgeschichte und familiären Vorbelastungen.
  • Neuropsychologische Tests: Bewertung des Ausmaßes und der Art der kognitiven Beeinträchtigung.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Aufzeigen struktureller Veränderungen im Frontal- und Temporallappen.
  • Liquoruntersuchung: Ausschluss anderer möglicher Ursachen für die Symptome.

Therapie der FTD

Da die Frontotemporale Demenz bislang nicht heilbar ist, konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Mögliche Therapieansätze sind:

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  • Medikamentöse Therapie: Milderung auffälliger Verhaltensweisen mit Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Maßnahmen, die den Lebensstil betreffen, wie z.B. die Schaffung von Routinen im Alltag und die Anpassung des häuslichen Umfelds.
  • Unterstützung und Beratung: Informationen zum Umgang mit der Erkrankung, Entlastung für Angehörige und der Aufbau eines unterstützenden Netzwerks.

Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall im Frontallappen

Die Behandlung eines Schlaganfalls im Frontallappen zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und Folgeschäden zu minimieren. Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um die verloren gegangenen Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Akutbehandlung

  • Thrombolyse: Auflösung des Blutgerinnsels bei einem ischämischen Schlaganfall.
  • Operative Maßnahmen: Entfernung von Blutungen oder Entlastung des Hirndrucks bei einem hämorrhagischen Schlaganfall.

Rehabilitation

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall im Frontallappen ist ein individueller Prozess, der auf die spezifischen Bedürfnisse und Defizite des Patienten zugeschnitten ist. Sie umfasst in der Regel:

  • Physiotherapie: Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, des Gleichgewichts und der Koordination.
  • Ergotherapie: Wiederherstellung der Selbstständigkeit im Alltag, z.B. durch Training von Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL).
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten.
  • Sozialberatung: Unterstützung bei der Bewältigung der sozialen und beruflichen Folgen des Schlaganfalls.

Medikamentöse Therapie

Neben der Akutbehandlung und der Rehabilitation können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Folgen eines Schlaganfalls im Frontallappen zu lindern. Dazu gehören:

  • Antidepressiva: Behandlung von Depressionen, die häufig nach einem Schlaganfall auftreten.
  • Antiepileptika: Vorbeugung von Krampfanfällen.
  • Medikamente zur Behandlung von Spastik: Lockerung der Muskeln bei Lähmungen.

Aneurysmen und ihr Zusammenhang mit Schlaganfällen

Ein Aneurysma ist eine angeborene oder erworbene Gefäßmissbildung, die sich als Ausbuchtung der Gefäßwand darstellt. Hirnaneurysmen stellen ein erhebliches Risiko dar, da sie zu einer Subarachnoidalblutung (SAB) führen können, wenn sie platzen.

Ursachen von Aneurysmen

  • Angeborene Ursachen: Schwäche der arteriellen Gefäßwand, die bereits bei der Geburt vorhanden ist.
  • Erworbene Ursachen: Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die zu einer Versteifung und Schwächung der Gefäßwand führt.

Diagnose von Aneurysmen

  • Klinische Untersuchung: Aneurysmen, die an peripheren Stellen des Körpers liegen, können manchmal durch Abtasten gefunden werden.
  • Bildgebende Untersuchungen: Ultraschall, CT, MRT und Angiographie zur Feststellung der genauen Größe und Lokalisation.

Behandlung von Aneurysmen

Die Behandlung von Hirnaneurysmen zielt darauf ab, eine Ruptur und die daraus resultierende Blutung zu verhindern. Es gibt zwei Hauptmethoden:

  • Neurochirurgische, offene OP (Clipping): Das Aneurysma wird mithilfe eines kleinen Clips aus Titan von der Blutversorgung abgetrennt.
  • Neuroradiologisch interventionelle Behandlung (endovaskulär, Coiling): Kleine Platinspiralen (Coils) werden über einen Katheter in das Aneurysma eingeführt, um es von innen zu füllen und so den Blutfluss zu stoppen.

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