Schluss mit Migräne: Ursachen und Behandlungsansätze

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen sind oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es verschiedene Theorien und Behandlungsansätze, die Betroffenen helfen können, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Forschung geht davon aus, dass eine Veranlagung für Migräne auf unterschiedliche Auslöser (Trigger) der Migräne-Attacken trifft. Es wird angenommen, dass bei Migräne-Betroffenen eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn stattfindet als bei Nichtbetroffenen. Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren können dann Veränderungen im Gehirn auslösen, die letztendlich zu einem Migräneanfall führen.

Mögliche Triggerfaktoren sind:

  • Stress und starke Emotionen: Sowohl Stress als auch überschwängliche Freude oder Angst können Migräneattacken auslösen. Oftmals tritt die Migräne erst nach dem Abklingen der Belastung auf.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonschwankungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus oder hormonellen Verhütungsmethoden, können Migräneattacken triggern.
  • Unregelmäßiges Essen: Auslassen von Mahlzeiten oder intermittierendes Fasten kann zu Migräne führen.
  • Bestimmte Lebensmittel: Einige Lebensmittel wie Käse und Rotwein werden häufig als Migräneauslöser genannt.
  • Wetterveränderungen: Föhn, plötzliche Temperaturschwankungen oder andere Wetterumschwünge können Migräneattacken begünstigen.
  • Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf kann Migräne auslösen.
  • Äußere Reize: Helles Licht, Straßenlärm, Gerüche oder Rauch können Migräneattacken triggern.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Migräne auslösen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die individuellen Auslöser von Migräne variieren können. Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, persönliche Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.

Verlauf und Symptome von Migräne

Migräneattacken können in verschiedenen Phasen ablaufen, die ineinander übergehen. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.

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Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura, auch als gewöhnliche Migräne bezeichnet, umfasst folgende Phasen:

  • Vorbotenphase (Prodromalstadium): Unverkennbare Vorboten kündigen die Migräneattacke an. Diese Vorboten sind sehr individuell und können Heißhunger, häufiges Gähnen, Reizbarkeit oder Euphorie umfassen.
  • Schmerzphase: Typisch sind starke, oft einseitige Kopfschmerzen, die als pulsierend und pochend wahrgenommen werden und sich bei körperlicher Betätigung verstärken. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  • Rückbildungsphase (Erholungsphase): Die pochenden Kopfschmerzen gehen in einen gleichbleibenden Schmerz über, der allmählich abklingt. Viele Betroffene haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura, auch als klassische Migräne bezeichnet, unterscheidet sich von der Migräne ohne Aura durch das Auftreten einer Aura vor der Schmerzphase. Die Aura umfasst neurologische Symptome, die in der Regel nicht länger als eine Stunde andauern.

Mögliche Symptome einer Aura sind:

  • Schwindel und Schwächegefühl
  • Sehstörungen (z. B. Wahrnehmung von Doppelbildern, Lichtblitzen, Wellenlinien, blinden Flecken)
  • Hörprobleme bis hin zu vorübergehender Taubheit
  • Empfindungsstörungen (Parästhesien)
  • Sprechstörungen

Nach der Aura folgt die Migräne-Schmerzphase, die ähnliche Symptome wie bei der Migräne ohne Aura aufweist.

Seltenere Formen der Migräne

Neben den beiden Hauptformen der Migräne gibt es auch seltener auftretende Formen wie die hemiplegische Migräne (Migräne mit motorischer Aura), die vestibuläre Migräne (Schwindel-Migräne) und die Basilaris-Migräne (Migräne mit Hirnstammaura).

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Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne wird in der Regel von einem Neurologen oder einer Neurologin gestellt. Wichtigstes diagnostisches Instrument ist das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), in dem die Krankheitszeichen und der Verlauf der Kopfschmerzen erfasst werden. Eine neurologische Untersuchung kann ebenfalls durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen des Gehirns, wie z. B. eine Bildgebung des Kopfes, notwendig sein.

Behandlung von Migräne

Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, ist bislang keine Heilung möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Akuttherapie

Die Akuttherapie dient der Behandlung einer akuten Migräneattacke. Zum Einsatz kommen Medikamente zur Linderung der Kopfschmerzen sowie Medikamente zur Linderung der Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika).

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken können NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken, die nicht ausreichend auf NSAR ansprechen, sind Triptane die Mittel der Wahl. Triptane sind Serotonin-Rezeptoragonisten, die im Gehirn Entzündungsvorgänge hemmen, erweiterte Blutgefäße verengen und die Schmerzausbreitung unterdrücken. Wichtig ist der Zeitpunkt der Einnahme: Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken. Zu den Triptanen gehören unter anderem Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan.

Migräneprophylaxe

Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren und einem Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln vorzubeugen. Eine Migräneprophylaxe kann in Betracht gezogen werden, wenn:

  • Drei oder mehr Migräneattacken pro Monat auftreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Die Migräneattacken regelmäßig länger als 72 Stunden anhalten.
  • Die Medikamente in der Akuttherapie mit zu sehr belastenden Nebenwirkungen einhergehen.
  • Zu häufig Medikamente zur Behandlung von Migräneattacken eingenommen werden (an mehr als zehn Tagen im Monat).

Zur Migräneprophylaxe stehen verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen zur Verfügung.

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Medikamentöse Prophylaxe:

  • Betablocker: Propranolol und Metoprolol sind Betablocker, die ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wurden, aber auch in der Migräneprophylaxe wirksam sein können.
  • Flunarizin: Flunarizin ist ein Kalziumkanalblocker, der die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduziert.
  • Valproinsäure und Topiramat: Diese Medikamente werden ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, können aber auch in der Migräneprophylaxe wirksam sein.
  • CGRP-Antikörper: Fremanezumab ist ein monoklonaler Antikörper, der den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) blockiert, der eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt.

Nicht-medikamentöse Prophylaxe:

  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Laufen kann ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann.
  • Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, ungünstige Verhaltensweisen und Denkmuster zu verändern, die Migräneattacken begünstigen können.
  • Ernährungsumstellung: Einige Betroffene berichten von einer Besserung ihrer Migränesymptome durch eine Ernährungsumstellung, z. B. durch den Verzicht auf bestimmte Trigger-Lebensmittel.

Spezielle Therapieansätze

  • Menstruelle Migräne: Bei Frauen mit menstrueller Migräne können hormonelle Behandlungen wie die Einnahme von Östrogen oder Gestagen oder die Anwendung von langwirksamen Triptanen während der Menstruation helfen.
  • Status migraenosus: Der Status migraenosus ist eine seltene Komplikation der Migräne, bei der die Kopfschmerzen länger als 72 Stunden anhalten. In diesem Fall ist eine spezielle Behandlung erforderlich, die in der Regel die Gabe von Kortison, Antiemetika und/oder Beruhigungsmitteln umfasst.

Selbsthilfemaßnahmen

Neben den ärztlichen Behandlungen können Betroffene auch selbst aktiv werden, um ihre Migräne zu lindern und vorzubeugen.

  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs: Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, individuelle Triggerfaktoren zu identifizieren und den Verlauf der Migräneattacken zu dokumentieren.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und versuchen Sie, jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken und versuchen Sie, Stress im Alltag zu reduzieren.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie Trigger-Lebensmittel.
  • Regelmäßige Bewegung: Treiben Sie regelmäßig Sport, aber vermeiden Sie Überanstrengung.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
  • Vermeidung von Reizen: Vermeiden Sie helles Licht, laute Geräusche und starke Gerüche, wenn diese Migräneattacken auslösen.

Migräne bei Männern

Migräne wird oft als Frauenkrankheit angesehen, aber auch Männer können an Migräne erkranken. Allerdings wird Migräne bei Männern häufig nicht diagnostiziert, da sie oft anders ausgeprägt ist als bei Frauen. Männer leiden häufiger unter Aura-Symptomen und haben seltener die typischen einseitigen Kopfschmerzen. Auch im Alter geht eine Migräne bei Männern öfter mit beidseitigen Kopfschmerzen einher.

Es ist wichtig, dass auch Männer bei Verdacht auf Migräne einen Arzt aufsuchen, um eine Diagnose zu erhalten und eine geeignete Behandlung zu beginnen.

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