Zahnschmerzen können sehr unangenehm sein und verschiedene Ursachen haben. Ein plötzlich einschießender, scharfer Schmerz beim Genuss von kalten oder süßen Speisen kann auf freiliegende Zahnnerven hindeuten. Doch auch andere Ursachen wie Karies, Zahnfleischentzündungen oder neurologische Erkrankungen können hinter den Beschwerden stecken. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Ursachen von Zahnschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Nervenreizungen, und zeigt Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten auf.
Ursachen von Zahnschmerzen durch Nervenreizung
Dentinhypersensibilität
Viele Menschen, die unter Zahnempfindlichkeit leiden, können heiße oder kalte Reize nicht ertragen, andere wiederum reagieren empfindlich auf Druck. Wenn Sie beim Essen und Trinken, manchmal schon beim Einsaugen von Luft durch den Mund starke Zahnschmerzen verspüren, liegt mindestens ein Zahnnerv frei oder eine Entzündung des Zahnnervs vor. Normalerweise ist der Nerv durch eine Schmelzschicht geschützt, allerdings nur bis zum Zahnfleisch. Die tiefer liegenden Zahnhälse werden durch das umgebende Gewebe vor den Temperaturschwankungen im Mund bewahrt. Wenn sich dieses Zahnfleisch zurückzieht, reagieren die nun bloßliegenden empfindlichen Stellen auf heiß und kalt, aber auch auf Süßes und Saures. Dieses gelangt in die winzigen Röhren im Zahnhals, die unter anderem die Zahnnerven enthalten.
Dentinhypersensitivität tritt auf, wenn der Zahnschmelz beschädigt ist und das darunterliegende Dentin freiliegt. Das Dentin enthält winzige Kanäle (Tubuli), die direkt zum Zahnnerv führen. Reize wie heiße, kalte, süße oder saure Speisen und Getränke können die Nervenenden im Dentin stimulieren und Schmerzen verursachen.
Zahnschmelzerosion
Ihr Zahnschmelz ist zwar hart, aber für Säure nicht geeignet. Die Landeszahnärztekammer Thüringen erklärt, dass beim Verzehr von sauren Lebensmitteln und Getränken die Säure den Zahnschmelz vorübergehend weich macht und Mineralien ausspült. Dies kann auch passieren, wenn Sie unter Symptomen, wie Erbrechen oder saurem Reflux leiden. Laut KZBV verursachen Plaquebakterien auch Zahnfleischerkrankungen, die zu Entzündungen, Reizungen und Zahnfleischrückgang führen.
Säuren, die durch den Verzehr von sauren Lebensmitteln und Getränken entstehen, können den Zahnschmelz angreifen und erodieren. Auch Erkrankungen wie Bulimie oder Refluxkrankheit können zu einer erhöhten Säurebelastung im Mundraum führen und den Zahnschmelz schädigen.
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Zahnfleischrückgang
Wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht, werden die Zahnhälse freigelegt, die nicht durch Zahnschmelz geschützt sind. Diese Bereiche sind besonders empfindlich gegenüber Reizen, da sie direkten Zugang zu den Dentintubuli bieten. Eine Zahnfleischerkrankung kann zu Zahnfleischrückgang und einer Verschlechterung des Zahnfleischs führen. Dies kann dazu führen, dass die Zahnhälse oder mehr noch die Zahnwurzeln frei liegen, wodurch sie anfällig für Karies werden und der Zahn druckempfindlicher wird.
Karies und Zahnwurzelentzündung
Karies ist eine der Hauptursachen für Zahnschmerzen. Wenn die Zahnsubstanz durch Bakterien zerstört wird, können die empfindlichen Nerven im Inneren des Zahns freigelegt werden. Eine Infektion der Zahnwurzel entsteht, wenn Bakterien in den Zahn eindringen und den Nerv entzünden. Dies führt oft zu starken, pochenden Schmerzen.
Karies entsteht durch bakterielle Aktivität, die den Zahnschmelz und das Dentin zerstört. Wenn die Karies bis zum Zahnnerv vordringt, kann dies zu einer Entzündung der Pulpa (Pulpitis) führen. Eine Pulpitis kann starke Zahnschmerzen verursachen und verantwortlich dafür sein, dass ein Zahn beim Draufbeißen schmerzt. Eine Pulpitis ist eine Entzündung der Zahnpulpa, also des empfindlichen Zahninneren, die durch unbehandelte Karies oder andere Beschädigungen des Zahnes verursacht wird.
Zahnfrakturen und Abszesse
Ein gebrochener oder gesprungener Zahn kann die Nerven im Inneren freilegen und extreme Schmerzen verursachen. Bakterien können sich auch in Rissen ansammeln, was zu Infektionen und Abszessen tief im Zahn führen kann. Ein Abszess ist eine eitrige Entzündung, die oft mit starken Schmerzen und einer Schwellung einhergeht.
Bruxismus (Zähneknirschen)
Nächtliches Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, ist eine unwillkürliche Anspannung der Kaumuskulatur, die zu einem Pressen des Gelenks oder Knirschen der Zähne führt. Dies geschieht meist unbewusst im Schlaf, kann aber auch tagsüber auftreten. Durch das Knirschen kann der Zahnschmelz abgetragen werden, was zu empfindlichen Zähnen und Zahnschmerzen führen kann.
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Weisheitszähne
Wenn Weisheitszähne nicht richtig durchbrechen oder im Kiefer stecken bleiben, können sie Druck und Schmerzen verursachen.
Weitere Ursachen
Auch andere Faktoren können Zahnschmerzen verursachen, darunter:
- Falsche Putztechnik: Zu kräftiges Zähneputzen kann das Zahnfleisch schädigen und zu freiliegenden Zahnhälsen führen.
- Zahnaufhellungsbehandlungen: Bleaching-Produkte können die Zähne vorübergehend empfindlicher machen.
- Füllungen und Kronen: Undichte oder beschädigte Füllungen und Kronen können Bakterien den Zugang zum Zahnnerv ermöglichen.
- Kiefergelenksprobleme (CMD): Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD, bezeichnet eine schmerzhafte Fehlregulation des Kauapparates, die durch ein gestörtes Zusammenspiel verschiedener Muskeln, Sehnen und Gelenke ausgelöst wird. Die Beschwerden können Schmerzen im Bereich des Kiefers, des Unterkiefers, der Zähne und der Gesichtsmuskulatur auf der betroffenen Seite sein.
- Sinusitis: Bei einer Sinusitis handelt es sich um eine Entzündung der Kieferhöhle. Auch sie kann Schmerzen im Bereich des Knochens und des Kiefers verursachen.
Differenzialdiagnose: Zahnschmerz oder Trigeminusneuralgie?
Zahnschmerzen bleiben oft nicht auf den Zahn begrenzt. Zahnschmerzen entstehen meistens durch Reizungen des Zahnnervs. Wenn Schmerzen im Gesichtsbereich auftreten, ist eine präzise Diagnostik entscheidend - denn nicht immer liegt die Ursache im Zahn. Vor allem die Trigeminusneuralgie kann mit Zahnschmerzen verwechselt werden und bleibt dadurch oft lange unerkannt.
Obwohl beide Schmerzarten im Gesichtsbereich auftreten, unterscheiden sie sich in ihrer Ursache, ihrem Verlauf und der Schmerzcharakteristik deutlich. Zahnschmerzen sind meist ein lokales Warnsignal - vergleichbar mit einem Rauchmelder, der direkt dort Alarm schlägt, wo etwas nicht stimmt: etwa bei Karies, einer Entzündung oder einem beschädigten Zahn. Die Trigeminusneuralgie gleicht eher einem „Kurzschluss im Nervensystem“ - der Schmerz kommt plötzlich, heftig und oft ohne sichtbaren Auslöser. Betroffene beschreiben ihn wie Stromstöße oder Messerstiche, die in Sekundenschnelle einschiessen. Trotz unterschiedlicher Ursachen kann die Unterscheidung schwierig sein - vor allem, wenn der Schmerz im Bereich von Ober- oder Unterkiefer auftritt. Umso wichtiger ist eine präzise Diagnostik durch zahnärztliche und neurologische Fachärztinnen und Fachärzte.
Behandlung von Zahnschmerzen bei Nervenreizung
Die Behandlung von Zahnschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
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Sofortmaßnahmen
Zur ersten Selbsthilfe kann eine Reihe von Dingen Linderung verschaffen:
- Schmerzmittel: Die Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen ist für viele Menschen eine schnelle und einfache Möglichkeit, leichte bis mittelschwere Zahnschmerzen wirksam zu lindern. Halten Sie sich immer an die auf der Verpackung angegebene empfohlene Dosierung.
- Kühlen: Eine kalte Kompresse kann helfen, die Zahnschmerzen zu lindern. Das Auflegen eines in ein Handtuch eingewickelten Eisbeutels auf die betroffene Seite des Gesichts oder des Kiefers hilft, die Blutgefäße in diesem Bereich zu verengen, was den Schmerz verringern kann.
- Vermeidung von Reizen: Vermeiden Sie harte Speisen, die das Kiefergelenk oder die Kaumuskulatur belasten.Versuchen Sie zu entspannen, Stress kann Kieferschmerzen verschlimmern. Hier können Meditation und Yoga helfen.
- Entspannung: Massieren Sie vorsichtig den schmerzenden Kiefermuskel, so können Sie Verspannungen lösen.
Schmerzstillende Maßnahmen dürfen stets nur genutzt werden, um eine eventuelle Wartezeit auf einen Zahnarzttermin zu überbrücken.
Zahnärztliche Behandlung
Je nach Ursache der Zahnschmerzen können folgende Behandlungen erforderlich sein:
- Füllung: Ist ein Zahn durch Karies geschädigt, so heilt dieses „Loch“ im Zahn leider nicht von selbst. In der modernen Zahnheilkunde steht für die notwendige Rekonstruktion durch den Zahnarzt ein breites Spektrum an Werkstoffen zur Verfügung, die sich in Haltbarkeit und Ästhetik unterscheiden. Bei der Rekonstruktion unterscheidet man zwischen plastischem Füllungsmaterial und Einlagenfüllungen (sogenannten Inlays). Plastische Füllungsmaterialien werden im formbaren Zustand in den Zahn eingebracht und dort ausgehärtet; die Füllung wird also direkt im Mund hergestellt.
- Wurzelkanalbehandlung: Bei fortgeschrittener Entzündung des Zahnnervs ist meist eine Wurzelkanalbehandlung (umgangssprachlich: Wurzelbehandlung) notwendig. Der Zahn verliert dann zwar seine Vitalfunktion, kann aber im Gebiss erhalten bleiben. Zur Behandlung (Wurzelkanalbehandlung) wird der Kanal eröffnet, in dem sich im Zahn Blutgefäße und Nerven befinden, dann werden Reste des Nerven bzw. der Blutgefäße entfernt. Der Hohlraum wird mehrfach desinfiziert, erweitert und mit einer Füllung (Wurzelkanalfüllung) versehen, damit keine Bakterien eindringen können. Durch zurückgebliebene Bakterien kann sich an der Wurzelspitze ein neuer Entzündungsherd bilden, der wiederum Schmerzen verursacht.
- Zahnfleischbehandlung: Bei Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis ist eine professionelle Zahnreinigung und eine Parodontalbehandlung erforderlich.
- Chirurgische Eingriffe: In manchen Fällen, z.B. bei Weisheitszähnen oder Abszessen, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein.
Behandlung von Trigeminusneuralgie
Eine Trigeminusneuralgie wird in erster Linie mit Medikamenten, sogenannten Antikonvulsiva, behandelt. Diese, zur Behandlung der Epilepsie eingesetzten Arzneimittel vermindern die Nervenaktivität und „beruhigen“ so den Schmerz. Auch einige weitere Arzneimittel können erfolgreich eingesetzt werden.
Operationsverfahren bei Trigeminusneuralgie:
- Operation nach Jannetta: Im Bereich des Gefäß-Nerven-Austritts aus dem Hirnstamm wird ein Teflonpolster zwischen Gefäß und Nerv eingelegt, um den Nerven zu schützen. Dieser Eingriff hat eine sehr gute Ansprechrate. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
- Thermokoagulation (Erhitzung) oder Ballonkompression im Bereich des Nervenknotens (Ganglion trigeminale): Auch diese Verfahren sind gut wirksam. Häufig kommen die Beschwerden nach einigen Jahren aber wieder. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
- Gammaknifebehandlung (Bestrahlung) des Nerven: Durch diese Behandlung wird häufig erst nach einigen Monaten ein Effekt erzielt, es wird jedoch keine Operation notwendig.
Alle Eingriffe haben gewisse Risiken (z.B. Entstehung einer Taubheit im Gesicht), und die Erfolgsaussichten hängen sehr von der Erfahrung des Operateurs ab.
Prävention von Zahnschmerzen
Prävention ist immer der beste Weg, um Ihre Zahngesundheit zu schützen. Viele Menschen suchen sanfte Methoden, um die Mundgesundheit zu stärken und schädliche Bakterien zu reduzieren. Ölziehen ist eine schonende Ergänzung zur Zahnpflege.
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen (mindestens zweimal täglich) mit fluoridhaltiger Zahnpasta und die Verwendung von Zahnseide sind unerlässlich, um Karies und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Zahnpasta und fluoridhaltige Mundspülungen können helfen, den Schmelzverlust zu reduzieren. Produkte, die speziell zum Schutz des Zahnschmelzes entwickelt wurden, enthalten Zinnfluorid, das eine umfassendere Abwehr gegen Schmelzerosion bietet und sogar zur Reparatur von Karies im Frühstadium beitragen kann. Die Verbindung ist auch für ihre antibakteriellen Eigenschaften bekannt. Wenn bei Ihnen das Risiko eines Zahnfleischrückgangs besteht, kann eine antibakterielle Zahnpasta oder Mundspülung dazu beitragen, Ihr Zahnfleisch gesund zu halten.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Gehen Sie regelmäßig (mindestens einmal jährlich) zum Zahnarzt, um Karies und andere Probleme frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen. Die Zahnarztpraxis Dr. Holtkamp verfügt über sehr viel Erfahrung mit Entzündungen des Zahnnervs und kann Symptome dank ihrer Untersuchungsverfahren richtig deuten. Entzündungen des Zahnnervs behandeln wir mit modernsten zahnmedizinischen Methoden.
- Gesunde Ernährung: Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von zuckerhaltigen und sauren Lebensmitteln und Getränken, die den Zahnschmelz angreifen können. Wenn Ihr Zahnarzt bestätigt, dass Sie unter eine Überempfindlichkeit der Zähne leiden, beschränken Sie den Konsum säure- oder zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke, die die Zahnschmelzerosion verschlimmern können. Wenn Sie etwas Saures essen oder trinken, wird Ihr Zahnschmelz einige Zeit später weicher. Aus diesem Grund sollten Sie sofort nach dem Essen Ihre Zähne putzen, um den Zahnschmelz zu schützen. Wenn Sie unter starker Zahnschmelzerosion und Überempfindlichkeit leiden, ist es möglicherweise sinnvoller, mehrere Stunden zu warten, bevor Sie Ihre Zähne putzen. Putzen Sie Ihre Zähne vor dem Essen oder Trinken, um Plaque zu entfernen und spülen Sie sie anschließend mit Wasser oder einer fluoridhaltigen Mundspülung nach.
- Vermeidung von Bruxismus: Wenn Sie unter Zähneknirschen leiden, kann eine Aufbissschiene helfen, die Zähne und das Kiefergelenk zu entlasten. Als Therapie wird u.a. eine Aufbissschiene empfohlen, die das Gelenk entlastet und über eine Änderung der Position der Strukturen beim Zubeißen bzw. in der Ruheposition die erlernten Bewegungsmuster (Zähneknirschen und -pressen) entkoppeln soll.
- Professionelle Zahnreinigung: Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen, um hartnäckige Beläge und Zahnstein zu entfernen. Dagegen empfehlen wir Ihnen die regelmäßige professionelle Zahnreinigung. Sie können Ihre Zahngesundheit durch eigenes Zähneputzen unterstützen, wobei Sie Zahnbelag entfernen, aber keinesfalls durch zu heftiges Putzen Ihr Zahnfleisch beschädigen sollten.
- Korrekte Putztechnik: Putzen Sie Ihre Zähne mit einer weichen Zahnbürste und vermeiden Sie zu starken Druck. Gutes, gesundes Zähneputzen kann eine Parodontose selbst bei entsprechender Disposition auf lange Zeit hinauszögern, es erfolgt mit eher weichen Zahnbürsten, kreisenden Bewegungen vom Zahnfleisch zum Zahn hin und einer Kraft, die dem Gewicht von maximal 150 Gramm auf die Zahnbürstenfläche entspricht, was Sie einmal an einer Briefwaage testen können - es handelt sich allenfalls leichten Druck.
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