Nackenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem Schätzungen zufolge etwa jeder dritte Mensch in Deutschland einmal im Jahr betroffen ist. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen für Nackenschmerzen können vielfältig sein und reichen von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Nackenschmerzen, insbesondere im Hinblick auf Nervenschmerzen, und gibt einen Überblick über mögliche Schmerzmittel und Behandlungsansätze.
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, unterscheiden sich von anderen Schmerzarten, die infolge einer Gewebeschädigung entstehen. Sie entstehen als direkte Folge einer Schädigung oder Erkrankung von Nervenstrukturen. Allein in Deutschland leiden rund 300.000 Menschen an Nervenschmerzen. Typisch für Nervenschmerzen ist eine Änderung der Hautsensibilität: Betroffene nehmen Reize entweder besonders intensiv oder nur noch sehr schwach wahr. Wärme, Druck, Kälte und Berührungen spüren sie dann entweder übermäßig stark oder deutlich vermindert. Betroffene klagen auch häufig über ein störendes Kribbeln - als liefen tausende Ameisen über die Haut. Auch brennende und stechende Schmerzen sind ein häufiges Symptom.
Ursachen von Nervenschmerzen im Nacken
Nervenschmerzen im Nacken können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden:
- Verletzungen: Verletzungen nach einer Operation oder Unfälle können Nerven schädigen und zu Nervenschmerzen führen.
- Erkrankungen: Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Diabetes können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
- Eingeklemmter Nerv: Eine längerfristige Fehlhaltung oder einseitige Belastung kann zu einem eingeklemmten Nerv im Bereich des Nackens, der Schulter oder des Rückens führen.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen, die in den Arm ausstrahlen.
- Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) kann ebenfalls Nerven reizen und Schmerzen verursachen.
Symptome von Nervenschmerzen im Nacken
Nervenschmerzen im Nacken können sich durch verschiedene Symptome äußern:
- Brennende Dauerschmerzen: Anhaltende, brennende Schmerzen im Nackenbereich.
- Elektrisierende Schmerzen: Vorübergehende, einschießende, elektrisierende Schmerzen.
- Kribbeln oder Ameisenlaufen: Ein unangenehmes Kribbeln oder Ameisenlaufen im Nacken oder Arm.
- Taubheitsgefühle: Vermindertes Empfinden von Berührungen oder Kälte.
- Überempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungs- oder Kältereizen.
- Kraftverlust: Schwäche in den Armen oder Händen.
- Schluckbeschwerden: In seltenen Fällen können Nervenschmerzen im Nacken auch Schluckbeschwerden verursachen.
Behandlung von Nervenschmerzen im Nacken
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Nacken zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol bei Nervenschmerzen oft keine zufriedenstellende Wirkung zeigen, werden in der Regel andere Medikamente eingesetzt.
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Medikamentöse Therapie
Zur Behandlung von Nervenschmerzen werden häufig Medikamente eingesetzt, die eigentlich zur Behandlung anderer Erkrankungen entwickelt wurden:
- Antikonvulsiva: Medikamente gegen epileptische Anfälle (z.B. Gabapentin und Pregabalin) können die Aktivität der Nervenzellen beeinflussen und die Schmerzweiterleitung im Rückenmark hemmen.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin oder Duloxetin) können ebenfalls die Schmerzweiterleitung im Rückenmark beeinflussen und zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Diese Medikamente werden in der Regel in Tablettenform eingenommen und können jahrelang eingenommen werden, ohne dass bleibende Organschäden entstehen. Allerdings können sie Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Gedächtnisstörungen verursachen. Diese Nebenwirkungen verschwinden jedoch meist mit der Zeit oder bei Reduktion der eingenommenen Medikamentenmenge.
In einigen Fällen können auch Opioide, die mit Morphin verwandt sind, zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken sowohl bei Gewebeschmerzen als auch bei Nervenschmerzen.
Lokale Therapie
Einige Formen von Nervenschmerzen können mit örtlicher und oberflächlicher Behandlung am Schmerzort therapiert werden:
- Lidocain-Pflaster: Lidocain ist ein örtliches Betäubungsmittel, das in Form eines Pflasters auf die Haut aufgebracht werden kann, um die Schmerzentstehung oder -weiterleitung zu verhindern.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin wird aus der Chilischote gewonnen und kann nach Pflasterbehandlung auf der Haut dazu führen, dass sich geschädigte Nervenfasern aus der betroffenen Haut zurückziehen und damit die Nervenschmerzen in diesem Bereich für 2-3 Monate verschwinden.
Diese Form der Behandlung ist besonders dann sinnvoll, wenn es einen kleinen oberflächlichen Schmerzbereich gibt, etwa bei einem Nervenschmerz nach einer Gürtelrose.
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Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Neben der medikamentösen und lokalen Therapie gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten, die bei Nervenschmerzen im Nacken eingesetzt werden können:
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Muskelfunktionen zu verbessern und die Beweglichkeit des Nackens zu erhöhen.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann ebenfalls zur Lösung von Muskelverspannungen und zur Verbesserung der Gelenkfunktion eingesetzt werden.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten mit Nervenschmerzen eine schmerzlindernde Wirkung haben.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu reduzieren.
- Psychotherapie: Wenn psychische Belastungen die Ursache der Nackenschmerzen sind, kann eine Psychotherapie angebracht sein.
- Nervenspezifische Operationen: In seltenen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, um die Ursache der Nervenschmerzen zu beheben, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose.
Was Sie selbst tun können
Neben den genannten Behandlungsmöglichkeiten gibt es einiges, was Sie selbst tun können, um Nackenschmerzen vorzubeugen oder zu lindern:
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie bei Ihrem Büro-Arbeitsplatz auf ergonomisches Arbeiten: Die Position von Stuhl, Tisch, Monitor, Tastatur und Maus sollten ein rückengesundes Arbeiten ermöglichen. Beispielsweise sollte der Monitor auf Augenhöhe oder leicht darunter sein.
- Bewegungspausen: Vergessen Sie regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen nicht.
- Headset: Wenn Sie viel telefonieren müssen, sollten Sie besser ein Headset statt Telefon benutzen. So können Sie den Kopf aufrecht halten und haben außerdem die Hände frei.
- Dehnübungen: Lassen Sie sich ggf. im Rahmen einer Physiotherapie Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Nacken- und Rückenmuskulatur zeigen.
- Geeignete Matratze und Kissen: Achten Sie auf eine für Sie geeignete Matratze und ergonomisch geformte Nackenkissen oder Nackenrollen.
- Stress reduzieren: Da Stress einer der Hauptfaktoren für Nackenschmerzen und Spannungskopfschmerzen ist, gilt es, diesen zu reduzieren. Dazu müssen Sie Ihre Lebensgewohnheiten anpassen. Schauen Sie, was Sie in Ihrem Tagesablauf verändern können, um zur Ruhe zu kommen.
- Wärmeanwendungen: Dem akuten Schmerz im Nacken begegnen Sie am besten mit Wärme. Ein Kirschkernkissen, ein Bad oder der warme Wasserstrahl aus der Duschbrause zeigen hier Wirkung.
- Massage: Eine Massage der Schultern bis hoch zum Hals löst Blockaden und entspannt die verkrampfte Muskulatur.
- Vermeiden Sie Fehlhaltungen: Die Nutzung eines Smartphones verlangt unserem Nacken Höchstleistungen ab. Wenn wir auf das Handy schauen, ist unser Kopf um etwa 60 Grad nach unten geneigt. Dieser extreme Winkel lässt die fünffachen Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken. Eine häufige und lange Nutzungsdauer des Smartphones bedeutet somit für die Wirbel, Bandscheiben und Muskeln in diesem Bereich eine enorme Belastung.
Medikamente im Überblick
Hier ist ein Überblick über einige der im Artikel erwähnten Medikamente und ihre Anwendungsgebiete:
- VoltaDexibu Schmerztabletten 200 mg Filmtabletten: Zur symptomatischen kurzzeitigen Behandlung von akuten leichten bis mäßig starken Schmerzen wie Zahnschmerzen, Regelschmerzen, Kopfschmerzen bei Erwachsenen. Wirkstoff: Dexibuprofen.
- Voltaren Dolo 25 mg überzogene Tablette: Zur symptomatischen Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen. Wirkstoff: Diclofenac-Kalium.
- Voltaren Dolo Liquid 25 mg Weichkapsel: Zur symptomatischen Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen; Fieber. Wirkstoff: Diclofenac-Kalium.
- VoltaMed pflanzliche Schmerzcreme: Zur äußerlichen Anwendung zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden und Muskelschmerzen. Wirkstoffe: Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Rosmarinöl.
- Voltaren Schmerzgel 11,6 mg/g Gel: Zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen bei akuten Zerrungen, Verstauchungen oder Prellungen in Folge stumpfer Traumen, Schmerzen der gelenknahen Weichteile bei Arthrose der Knie- und Fingergelenke, bei Epicondylitis, bei akuten Muskelschmerzen z. B. im Rückenbereich. Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren Actigo Schmerzgel 11,6 mg/g Gel: Zur lokalen, symptomatischen Behandlung von Schmerzen bei akuten Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen infolge eines stumpfen Traumas. Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren Schmerzgel forte 23,2 mg/g Gel: Zur lokalen, symptomatischen Behandlung von Schmerzen bei akuten Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen infolge eines stumpfen Traumas. Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren 24 Stunden Schmerzpflaster 140 mg wirkstoffhaltiges Pflaster: Zur lokalen, symptomatischen Kurzzeitbehandlung (max. 7 Tage) von Schmerzen bei akuten Zerrungen, Verstauchungen oder Prellungen der Extremitäten infolge eines stumpfen Traumas bei Jugendlichen ab 16 Jahren und Erwachsenen. Wirkstoff: Diclofenac-Natrium.
- Diclo-ratiopharm® Schmerzgel: Zur äußerlichen symptomatischen Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen bei rheumatischen Erkrankungen der Weichteile, degenerativen Erkrankungen der Extremitätengelenke und im Bereich der Wirbelsäule, Sport- und Unfallverletzungen. Wirkstoff: Diclofenac-Natrium.
- Diclo-ratiopharm® Schmerzgel: Mit den hautpflegenden Eigenschaften einer Creme und dem kühlenden Effekt eines Gels.
- Aspirin® Tablette: Kann dabei helfen, den Schmerz zu lindern und so einer möglichen Schonhaltung vorzubeugen. Wirkstoff: Acetylsalicylsäure.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
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