Schneller Puls durch das Nervensystem: Ursachen und Behandlung

Viele Menschen erleben Momente, in denen ihr Herz schneller schlägt als gewöhnlich, besonders nachts. Dieses Phänomen, medizinisch als Tachykardie bekannt, kann beunruhigend sein, ist aber nicht immer ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Es ist wichtig, die Ursachen und potenziellen Risiken zu verstehen, um angemessen reagieren zu können.

Was ist ein schneller Puls?

Ein schneller Puls, auch Tachykardie genannt, liegt vor, wenn die Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute liegt, unabhängig davon, ob man schläft oder wach ist. Besonders nachts wird das Herzklopfen oft intensiver wahrgenommen, weil es im ruhigen Zustand deutlicher spürbar ist. Manche spüren dabei auch ein Herzstolpern oder beschreiben das Gefühl, als würde das Herz „hüpfen“.

Ursachen für schnellen Puls

Herzrasen kann unterschiedliche Ursachen haben. Es kann aus den Herzvorhöfen stammen - dann handelt es sich zum Beispiel um eine sogenannte Vorhoftachykardie - oder aus den Herzkammern. Nicht jede Form ist gefährlich. Vor allem bei jungen, gesunden Menschen steckt oft keine ernste Erkrankung dahinter. Bei älteren Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens sollte nächtliches Herzrasen dagegen ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Es gibt viele mögliche Ursachen für nächtliches Herzrasen. Manche davon sind harmlos, andere sollten unbedingt medizinisch abgeklärt werden.

Einfluss des Nervensystems

Auch im Schlaf reagiert der Körper auf innere Anspannung. Sorgen, Stress oder unausgesprochene Konflikte können über das vegetative Nervensystem den Puls erhöhen. Wer mit rasendem Herzen, Kurzatmigkeit und Schweiß aufwacht, erlebt möglicherweise eine Panikattacke. Die Symptome ähneln nicht selten denen einer Tachykardie - deshalb fällt die Unterscheidung schwer.

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Das vegetative Nervensystem reguliert den Herzschlag automatisch und ohne bewusste Steuerung. Sympathikus und Parasympathikus bilden ein Gleichgewichtssystem für die Herzfunktion. Dauerhafter Stress kann das Herz belasten und zu gesundheitlichen Problemen führen. Der Sympathikus ist der aktivierende Teil des vegetativen Nervensystems. Bei Stress oder körperlicher Anstrengung sorgt er dafür, dass das Herz schneller schlägt und der Blutdruck steigt. In der modernen Welt aktivieren jedoch auch beruflicher Druck, Zeitnot oder emotionale Belastungen den Sympathikus. Das Problem dabei: Der Körper unterscheidet nicht zwischen einer echten Gefahr und psychischem Stress. Chronischer Stress erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Parasympathikus bildet den Gegenspieler zum Sympathikus. Er wird auch als „Ruhenerv“ bezeichnet und sorgt für Erholung und Regeneration. Die Aktivierung des Parasympathikus geschieht nicht automatisch in ausreichendem Maße, besonders bei Menschen mit stressreichem Alltag. Gezielte Maßnahmen können jedoch helfen, diesen Teil des Nervensystems zu stärken. Tiefes und bewusstes Atmen, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sowie ausreichend Schlaf fördern die parasympathische Aktivität. Gerät das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, spricht man von einer vegetativen Dysbalance.

Die gute Nachricht ist, dass sich das vegetative Nervensystem positiv beeinflussen lässt. Darüber hinaus kann eine kardiologische Untersuchung sinnvoll sein, um mögliche organische Ursachen auszuschließen. Die Herzratenvariabilität ist dabei ein wichtiger Marker, der Aufschluss über die Funktion des vegetativen Nervensystems gibt.

Hormonelle Einflüsse

Eine überaktive Schilddrüse beeinflusst den Stoffwechsel - und damit auch die Herzfrequenz. Während der Wechseljahre verändern sich Hormonspiegel stark. Viele Frauen berichten in dieser Zeit über Unruhe, Hitzewallungen und auch nächtliches Herzrasen. Der Einfluss auf den Kreislauf ist dabei medizinisch gut nachvollziehbar. In den Wechseljahren verändert sich der Hormonspiegel. Vor allem der Östrogengehalt nimmt ab. Diese Umstellung wirkt sich auf viele Bereiche im Körper aus - auch auf das vegetative Nervensystem. Ein häufiges Symptom ist nächtliches Herzrasen. Betroffene berichten davon, dass sie plötzlich aufwachen - mit starkem Herzklopfen, manchmal begleitet von innerer Unruhe, Hitzewallungen oder Schlafproblemen. Trotzdem ist es wichtig, die Symptome ernst zu nehmen. Denn ähnliche Beschwerden können auch bei Herzrhythmusstörungen, einer Schilddrüsenüberfunktion oder anderen Ursachen auftreten.

Weitere Ursachen

  • Blutzuckerschwankungen: Einige Formen wie Extrasystolen, Vorhofflimmern oder eine Vorhoftachykardie treten bevorzugt im Liegen auf.
  • Medikamente und Stimulanzien: Manche Medikamente (z. B. Asthmasprays oder Schilddrüsenpräparate), aber auch Koffein (z.B Energy Drinks), Nikotin oder Alkohol können über Stunden wirken. Das Herz reagiert dann verspätet - oft mitten in der Nacht.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzerkrankungen begünstigen die bedrohlichere Kammertachykardie (ventrikuläre Tachykardie). Sie können durch Vorschädigungen der Kammermuskulatur entstehen, etwa bei Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit, Herzmuskel- und Herzklappenentzündung oder Kardiomyopathie.

Wann ist ein schneller Puls gefährlich?

Ein einzelner Messwert über 100 Schlägen pro Minute ist noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn Ihr Herz jedoch wiederholt oder über mehrere Tage hinweg in Ruhe schneller als 100 Mal pro Minute schlägt, sollten Sie dies mit Ihrem Hausarzt besprechen. Diese anhaltende Erhöhung könnte auf ein zugrundeliegendes Problem hinweisen, das einer genaueren Untersuchung bedarf.

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Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn der erhöhte Puls von weiteren Beschwerden begleitet wird. Schwindel oder Benommenheit können darauf hindeuten, dass das Herz trotz schneller Frequenz nicht effektiv pumpt. Atemnot, die bereits in Ruhe oder bei leichter Anstrengung auftritt, ist ebenfalls ein wichtiges Warnsignal. Brustdruck oder Schmerzen im Brustkorb sollten immer ernst genommen werden, ebenso wie Ohnmachtsanfälle oder das Gefühl, gleich umzukippen. Auch eine ausgeprägte Erschöpfung oder deutliche Leistungsminderung in Kombination mit hohem Puls verdient ärztliche Aufmerksamkeit.

Es gibt Situationen, in denen keine Zeit zu verlieren ist. Wenn Ihr Puls extrem schnell ist (über 150 Schläge pro Minute) und gleichzeitig starke, anhaltende Brustschmerzen auftreten, rufen Sie sofort den Notarzt. Das Gleiche gilt bei schwerer Atemnot, Bewusstseinsverlust oder anhaltender starker Benommenheit. In solchen Fällen zählt jede Minute - zögern Sie nicht, die 112 zu wählen.

Diagnose und Behandlung

Um die Ursache für das Herzrasen herauszufinden, ist eine gründliche Untersuchung notwendig. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt wird Sie ausführlich nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumständen fragen.
  • Körperliche Untersuchung: Puls, Blutdruck und Atemfrequenz werden gemessen.
  • EKG (Elektrokardiogramm): Zeichnet die elektrische Aktivität Ihres Herzens auf und zeigt Rhythmus und Frequenz. Bei unklaren oder wechselnden Beschwerden kann ein Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden sinnvoll sein. Für seltene Ereignisse gibt es spezielle Ereignisrekorder, die Sie bei Beschwerden selbst aktivieren können.
  • Blutuntersuchungen: Geben Aufschluss über mögliche Ursachen wie Anämie oder Schilddrüsenüberfunktion.
  • Echokardiografie (Ultraschall des Herzens): Zeigt die Struktur und Pumpfunktion des Herzens.
  • Kipptischuntersuchung (Tilt-Test): Wird bei Verdacht auf POTS oder andere orthostatische Intoleranz-Syndrome durchgeführt.

Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache.

Selbsthilfe

  • Ruhig bleiben: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Wer nachts häufiger Herzklopfen spürt, kann einiges tun, um solche Situationen zu vermeiden.
  • Lebensstiländerungen: Regelmäßig schlafen, abends zur Ruhe kommen. Kein Kaffee spät, kein Alkohol, keine großen Mahlzeiten kurz vorm Zubettgehen. Bei vielen ist das schon hilfreich.
  • Entspannungsübungen: Entspannungsübungen oder kleine Veränderungen im Alltag können ebenfalls helfen.

Medizinische Behandlung

  • Medikamente: Je nachdem, was bei der Untersuchung herauskommt, reicht manchmal schon ein ruhiges Gespräch. Wenn das Herz öfter aus dem Takt gerät oder die Beschwerden belastend sind, kommen manchmal auch Medikamente infrage.
  • Spezifische Therapien: Die medizinische Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Eine Schilddrüsenüberfunktion wird mit speziellen Medikamenten behandelt, ein Infekt mit entsprechenden Mitteln, eine Blutarmut je nach Ursache mit Eisenpräparaten oder anderen Maßnahmen. Bei Herzrhythmusstörungen kommen verschiedene Behandlungsoptionen infrage, von Medikamenten bis zu speziellen Eingriffen.
  • Vagale Manöver: Bei bestimmten Formen von Herzrasen wie der supraventrikulären Tachykardie können spezielle Techniken helfen, die den Vagusnerv stimulieren und dadurch die Herzfrequenz senken. Dazu gehören bestimmte Atemtechniken oder das Eintauchen des Gesichts in kaltes Wasser. Diese Manöver sollten jedoch nur nach ärztlicher Anleitung und Einweisung durchgeführt werden.

Herzinfarkt oder Panikattacke?

Es ist nachvollziehbar, dass man bei Herzrasen in der Nacht zuerst an einen Herzinfarkt denkt. In den meisten Fällen ist das nicht so. Herzrasen allein, besonders wenn es nur kurz anhält und ohne andere Beschwerden auftritt, ist selten ein Anzeichen für eine akute Herzerkrankung. Das Herz kann in bestimmten Situationen schneller schlagen - auch im Ruhezustand. Der Körper verarbeitet Dinge, auch im Schlaf. Stress, Träume, hormonelle Schwankungen oder andere Ursachen können den Herzrhythmus kurzfristig verändern.

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Ein Herzinfarkt macht sich meist durch Druck oder starke Schmerzen in der Brust bemerkbar, die in den linken Arm, den Rücken oder Kiefer ausstrahlen können. Auch schmerzen im Oberbauch sind möglich. Hinzu kommen oft kalter Schweiß, Übelkeit, Atemnot und massive Schwäche. Panikattacken hingegen beginnen plötzlich, oft aus dem Schlaf heraus, mit starker Angst, Herzklopfen, Zittern und dem Gefühl, keine Luft zu bekommen. Auch wenn sie nicht lebensgefährlich sind, fühlen sie sich für die Betroffenen sehr bedrohlich an.

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