Einführung
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen führt. Die Behandlung von Parkinson erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien umfasst. Eine Parkinson-Tagesklinik bietet eine wertvolle Behandlungsoption, um die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu schließen und eine umfassende und individuell angepasste Therapie zu gewährleisten.
Die Notwendigkeit einer Parkinson-Tagesklinik
Die ambulante Behandlung von Parkinson-Patienten stößt häufig an ihre Grenzen, insbesondere bei komplexen Fällen, die eine intensive Überwachung und Anpassung der Medikation erfordern. Eine stationäre Krankenhausbehandlung ist zwar eine Option, aber in vielen Fällen medizinisch suboptimal, da die medikamentöse Einstellung ohne Berücksichtigung der Alltagsbelastung erfolgt. Zudem können sich viele Patienten aus verschiedenen Gründen keiner stationären Behandlung unterziehen, wie z.B. aufgrund von Verpflichtungen am Arbeitsplatz, der Pflege von Angehörigen oder der Versorgung von Haustieren.
Die Parkinson-Tagesklinik schließt diese Versorgungslücke, indem sie eine teilstationäre rehabilitative neurologische Behandlung anbietet. Sie richtet sich insbesondere an Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung, die eine Medikationsanpassung, Mobilitätstraining oder Bewegungsschule benötigen.
Ziele der Behandlung in der Parkinson-Tagesklinik
Das Hauptziel der Behandlung in der Parkinson-Tagesklinik ist die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten durch:
- Erfassung individueller Defizite und Ressourcen
- Erstellung, Erläuterung und Etablierung eines individuellen, medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiekonzeptes
- Psychosoziale Einbindung der Angehörigen
- Erstellung schriftlicher gezielter Therapieempfehlungen für weitere ambulante ärztliche und unterstützende Therapien
Konzept und Therapieeinheiten
Die Parkinson-Tagesklinik steht unter der ärztlichen Leitung von erfahrenen Neurologen und wird durch ein multidisziplinäres Team unterstützt, bestehend aus:
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- Ärzten
- Parkinson-Nurses
- Psychologen
- Musiktherapeuten
- Logopäden
- Ergo- und Physiotherapeuten
- Sozialarbeitern
Das Team arbeitet zusammen, um einen individuellen Therapieplan für jeden Patienten zu erstellen, der auf seine spezifischen Bedürfnisse und Ziele zugeschnitten ist. Die Behandlung findet in der Regel über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen an fünf Tagen pro Woche mit mindestens fünf Stunden Therapie pro Tag statt. Die Patienten sind in der Regel 7-8 Stunden pro Tag anwesend.
Therapieformen in der Parkinson-Tagesklinik
In der Parkinson-Tagesklinik kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz, darunter:
- Medikamentöse Therapie: Anpassung und Optimierung der Parkinson-Medikation unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Verträglichkeit des Patienten. Dies ist besonders wichtig bei Patienten, die eine optimierte Einstellung ihrer Medikation, einer Medikamentenpumpe oder der Tiefen Hirnstimulation benötigen.
- Physiotherapie: Verbesserung von Gleichgewicht, Körpergefühl, Beweglichkeit und Gangbild, Sturzprophylaxe. Die Effektivität von Bewegungsmustern wurde bereits für die LSVT-BIG® Therapie bei Parkinson in zahlreichen Studien nachgewiesen.
- Ergotherapie: Training der Feinmotorik, Verbesserung von Gedächtnisstörungen, Anpassung von Hilfsmitteln für den Alltag.
- Logopädie: Sprachtraining, Schlucktherapie und -diagnostik.
- Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Verbesserung von Stimmung, Motorik und kognitiven Funktionen.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, Angstbewältigung und Depression.
- Sozialberatung: Beratung zu sozialrechtlichen Fragen, Unterstützung bei der Organisation von Hilfsangeboten.
- Ernährungsberatung: Informationen zu einer ausgewogenen Ernährung, die den Bedürfnissen von Parkinson-Patienten entspricht.
Einige Kliniken bieten auch innovative Therapieansätze wie Kickboxen an. Aufgrund der besonderen Kombination von Training des Gleichgewichts, Körperkontrolle, Koordination und Beanspruchung sowohl der oberen als auch der unteren Extremitäten kann Kick-Boxen als ganzheitliches Körpertraining zur Kontrolle der Krankheitssymptome und insbesondere zur Vermeidung von Stürzen bei Parkinson besonders hilfreich sein. Des Weiteren fordert und fördert Kickboxen Konzentration, Multitasking, Daueraufmerksamkeit und Aufmerksamkeitswechsel (Attention-Shifting), alles neuropsychologische Fähigkeiten, die bei Parkinson regelhaft beeinträchtigt sind.
Tagesablauf in der Parkinson-Tagesklinik
Die Therapien finden wochentags zwischen 08:30 und 16:00 Uhr statt. Im Einzelfall werden die tägliche Therapiezeit und die wöchentliche Frequenz reduziert und an die persönliche Belastbarkeit angepasst. Für die An- und Abreise kann je nach Bedarf ein Taxifahrdienst zur Verfügung gestellt werden.
Die Tageskliniken legen Wert auf eine angenehme Atmosphäre, in der sich die Patienten wohlfühlen. Es stehen Aufenthalts- und Ruheräume zur Verfügung, und in der Mittagszeit wird ein abwechslungsreiches Mittagessen angeboten.
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Voraussetzungen für die Behandlung in der Parkinson-Tagesklinik
Wichtigste Voraussetzung für die Behandlung von neurologisch erkrankten Menschen in der Tagesklinik ist, dass sie nachts nicht überwacht werden müssen. Das heißt, sie dürfen in aller Regel keine körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen aufweisen, die eine hohe pflegerische Versorgung oder Überwachung erfordern. Vor Beginn der tagesklinischen Behandlung sind einige Informationen zu den Parkinson-Patient:innen notwendig, um eine Prioritätenliste festzulegen und einzuschätzen, welche Ziele in der Tagesklinik verfolgt werden sollen. Benötigt werden in der Regel:
- Einweisungsschein vom Neurologen
- Krankenkassenkarte
- Aktueller und vollständiger Medikamentenplan sowie Medikamente für den jeweiligen Tag
- Ggf. Handprogrammiergerät für die THS
Vorteile der Parkinson-Tagesklinik
Die Parkinson-Tagesklinik bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Behandlungsformen:
- Individuelle Betreuung: Jeder Patient erhält einen individuellen Therapieplan, der auf seine spezifischen Bedürfnisse und Ziele zugeschnitten ist.
- Multidisziplinärer Ansatz: Ein Team von Experten aus verschiedenen Fachbereichen arbeitet zusammen, um eine umfassende Behandlung zu gewährleisten.
- Alltagsnahe Therapie: Die Therapie findet unter Berücksichtigung der Alltagsbelastung statt, was die Übertragung der Therapieerfolge in den Alltag erleichtert.
- Psychosoziale Unterstützung: Die Angehörigen werden in die Behandlung einbezogen und erhalten Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung.
- Verbesserung der Lebensqualität: Durch die umfassende Behandlung können die Symptome der Parkinson-Krankheit gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.
- Vermeidung oder Verkürzung von Krankenhausaufenthalten: Die intensive Therapie kann in vielen Fällen einen längeren Krankenhausaufenthalt vermeiden oder verkürzen.
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