Das Schreiben ist eine grundlegende Kulturtechnik, deren Bedeutung oft erst bei Verlust oder Einschränkung bewusst wird. Ob im privaten Bereich, um sich handschriftlich auszudrücken, oder im Beruf, wo Schreibfähigkeit oft unerlässlich ist - die Fähigkeit zu schreiben trägt wesentlich zur Lebensqualität bei. Viele Schlaganfallbetroffene kämpfen mit den Langzeitfolgen, die das Schreiben beeinträchtigen und den Alltag sowie den Wiedereinstieg ins Berufsleben erschweren.
Ursachen für Schreibstörungen nach einem Schlaganfall
Um die Schreibfähigkeit nach einem Schlaganfall gezielt zu verbessern, ist es wichtig, die verschiedenen Ursachen für den Verlust oder die Beeinträchtigung der Schreibfähigkeit zu verstehen. Dazu gehören:
- Sprachstörung bzw. Aphasie: Hierbei kann es zu einem kompletten Verlust der Schreibfähigkeit (Agraphie) oder zu einer Störung (Dysgraphie) kommen. Bei einer Aphasie ist die Logopädie am wichtigsten, um die Schreibstörung zu verbessern. Dabei wird gezielt an Wortfindungsstörungen, Lautverwechselungen und Sinnvertauschungen gearbeitet.
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen: Ohne Konzentration wird das Schreiben langsam und unflüssig.
- Sensibilitätsstörungen: Unter Sensibilität versteht man nicht nur das Hautgefühl, sondern auch das Empfinden, wie Gelenke zueinander stehen (Propriozeption).
- Kraft und Kraftausdauer: Eine Lähmung entsteht durch die Schädigung der Bewegungsbahnen (Pyramidenbahnen) im Gehirn.
- Sprache: Bei einer Aphasie (Sprachstörung) unterscheidet man eine Sprachproduktionsstörung (Broca) von einer Sprachverständnisstörung (Wernicke).
Therapieansätze zur Verbesserung der Schreibfähigkeit
Nach einem Schlaganfall stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung, um die Schreibfähigkeit wiederzuerlangen oder zu verbessern. Die Wahl der Therapie hängt von der Art und Schwere der Schreibstörung sowie von den individuellen Bedürfnissen und Zielen des Patienten ab.
Ergotherapie
Gefühlsstörungen und Schwäche der Hand, die zu einer Vergröberung der Feinmotorik führen, sind das Fachgebiet der Ergotherapeuten/innen. Im Bereich der Ergotherapie gibt es zwei verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Schlaganfallpatienten:
- Periphere Agraphie oder Handschwäche: Patienten mit peripherer Agraphie wissen, was sie schreiben wollen, verfügen aber aufgrund von Kraft, Griffigkeit oder Zittern nicht über die feinmotorischen Fähigkeiten oder die Kontrolle, um das Schreiben zu bewältigen. Zur Behandlung dieses Zustands sollten sich die Schreibübungen auf die Verbesserung der Handfunktion und der Handschrift konzentrieren. Die beste Behandlung für einen Schlaganfall besteht in diesem Fall darin, das Schreiben neu zu erlernen, wieder zu erlernen und zu trainieren.
- Handschriftübungen für Schlaganfallpatienten mit zentraler Agraphie (Sprachverarbeitungsstörung): Bei der Copy-and-Recall-Behandlung wird durch wiederholtes Kopieren und erneutes Aufschreiben sichergestellt, dass die betroffene Person die gewünschten Wörter buchstabieren kann. Je öfter der Patient den Buchstaben oder das Wort schreibt, desto erfolgreicher wird die Schreibweise erinnert und behalten. Bei der Therapie von Schlaganfällen oder Hirnverletzungen schreibt der Logopäde (oder ein Familienmitglied) das Wort auf und spricht es laut aus. Dann wird der Patient aufgefordert, das Wort mehrmals zu wiederholen. Dann nimmt die Fachkraft alle Beispiele für das aufgeschriebene Wort weg oder deckt sie ab und bittet den Patienten, das Wort mehrmals aus dem Gedächtnis aufzuschreiben.
Logopädie
Bei einer Aphasie (Sprachstörung) ist die Logopädie am wichtigsten, um die Schreibstörung zu verbessern. Dabei wird gezielt an Wortfindungsstörungen, Lautverwechselungen und Sinnvertauschungen gearbeitet.
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Weitere Therapieansätze
- Arm-Robot-Therapie: Diese Therapie kann für Menschen mit lähmungsbedingten Bewegungsstörungen im Arm bzw. der Hand sinnvoll sein. Mit Hilfe des Arm-Roboters soll die Ansteuerung des Armes und der Hand bei schweren Lähmungen wiedererreicht werden. Die Roboter erkennen, welche Bewegungen der Betroffene selbst ausführen kann und an welchen Stellen sie unterstützen müssen.
- Aufgabenorientiertes Training (AOT): AOT kommt unter anderem für Menschen mit grob- und feinmotorischen Störungen infrage. Ziel ist es, die einzelnen Bewegungsabläufe zu verbessern. Dies kann sich auf den Gang beziehen, aber auch auf Arm- und Handbewegungen.
- Bobath-Konzept: Das Bobath-Konzept wird zur Befundaufnahme und Behandlung von Menschen mit Störungen des Muskeltonus verwendet. Ziel der Bobath-Therapie ist die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten, sodass der Patient wieder am täglichen Leben teilnehmen kann.
- Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT): Bei dieser Therapie wird der nicht-betroffene Arm über mehrere Stunden täglich immobilisiert, um den verstärkten Einsatz des betroffenen Armes im Alltag zu fördern.
- Elektrostimulation: Die Elektrotherapie kann dabei helfen, Bewegungsabläufe mit Unterstützung von Elektrostimulation wieder zu erlernen. Es gibt verschiedene Formen der Elektrostimulation, wie die Neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES), die EMG (Elektromyographie)-getriggerte Elektrostimulation (EMG-ES) und die Funktionelle Elektrostimulation (FES).
Übungen zum Schreiben lernen
Schreiben Lernen Übungen sollten nicht nur Schwungübungen für Erwachsene nach Schlaganfall enthalten. Feinmotorikübungen der Hand fördern die Fähigkeit den Stift zu halten und richtig beim Schreiben zu führen. Dabei sollte nicht nur auf die Fingerkraft geachtet werden, sondern das Gefühl der Finger (Sensibilität) sowie die richtige Entspannung der Handmuskeln trainiert werden. Eine gute Augen-Hand Koordination muss durch Übungen zum Schreiben lernen ebenfalls verbessert werden, um eine gerade und sichere Schrift zu garantieren.
- Feinmotorikübungen: Diese Übungen fördern die Fähigkeit, den Stift zu halten und richtig zu führen.
- Schwungübungen: Diese Übungen helfen, die Handmuskulatur zu lockern und die Schreibbewegung zu verbessern.
- Übungen zur Verbesserung der Augen-Hand-Koordination: Diese Übungen helfen, eine gerade und sichere Schrift zu gewährleisten.
- Buchstaben nachzeichnen: Für Erwachsene nach einer schweren Kopf- oder Hirnverletzung, Schlaganfall, Parkinson Über 100 Seiten für Übungen zum Schreiben, Nachzeichnen und Verbinden der Punkte. Dieses Buch enthält 26 Arbeitsblätter mit Buchstaben und 52 Arbeitsblätter zum Verbessern und Trainieren der Handschrift:Dieses Übungsbuch für Schlaganfallpatienten leitet das Schreiben an und macht das Gehirn mit den entsprechenden Bewegungen vertraut.Das Aphasie Reha Workbook enthält auch Alphabet-Malseiten für Erwachsene: 26 schöne Großbuchstaben zum Ausmalen und Trainieren der Feinmotorik.
- Copy-and-Recall-Behandlung: Bei der Copy-and-Recall-Behandlung wird durch wiederholtes Kopieren und erneutes Aufschreiben sichergestellt, dass die betroffene Person die gewünschten Wörter buchstabieren kann. Je öfter der Patient den Buchstaben oder das Wort schreibt, desto erfolgreicher wird die Schreibweise erinnert und behalten.
Hilfsmittel zum Schreiben lernen
Hilfsmittel zum Schreiben lernen nach Schlaganfall sind wichtig um den besten Rehabilitationserfolg zu erzielen.
- Griffverdickungen: Sie geben bei Lähmung oder Feinmotorikvergröberung Unterstützung beim Halten des Stiftes.
- Schreib-Übungsbücher für Schlaganfallpatienten: Im Unterschied zu Schulbüchern, unterscheiden sich Schreib-Übungsbücher nach Schlaganfall dadurch, dass sie auch Hand-Augen Koordinationsübungen enthalten. • 270 Arbeitsblätter• inkl. inkl. für Schönschrift inkl.
Umgang mit Aphasie
Viele Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten wachen im Krankenhaus auf, sehen einen Angehörigen oder medizinisches Personal und wollen etwas sagen. Doch schnell stellen sie fest, dass der Angesprochene kein Wort verstanden hat. Eine schwierige Situation, die auf allen Seiten schnell zu Frustration führen kann. Wichtig zu wissen ist: Dass die oder der Betroffene nicht mehr sprechen oder Gesprochenes nicht mehr gut verstehen kann, bedeutet nicht, dass er nicht mehr denken kann! Gerade diese Tatsache, macht es meist für die Betroffenen so schwer: Sie wissen selbst genau, was sie ausdrücken möchten, finden aber nicht mehr die richtigen Worte. Doch die Aphasie hat viele verschiedene Gesichter. Bei jedem kann sich die Sprachstörung etwas anders auswirken: Menschen mit einer „Globalen Aphasie“ können häufig nicht mehr als einzelne Worte sprechen. Bei einer „Wernike-Aphasie“ können die Betroffenen zwar flüssig sprechen, wählen aber immer wieder falsche Worte oder Laute. Ist jemand von einer „Broca-Aphasie“ betroffen, kann er wahrscheinlich nur kurze Sätze mit den notwendigsten Worten formulieren. Die „Amnestische Aphasie“ erkennt man daran, dass die sprechende Person häufig Umschreibungen oder Floskeln nutzt, wenn ihm das gesuchte Wort nicht einfällt. Auch bei der Aussprache, im Satzbau und in der Grammatik gibt es unterschiedliche Fehlertypen. Für die meisten Betroffenen ist es hilfreich, sich in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre zu unterhalten. Also besser das Radio und den Fernseher ausschalten und Gruppe der Gesprächspartner möglichst klein halten. Wichtig ist, dem Betroffenen immer wieder Mut zu machen. Signalisieren Sie ihm, dass er sich trauen kann mit Ihnen zu sprechen - auch wenn es etwas länger dauert. Haben Sie Geduld! Wenn die Person gegenüber nicht nur Sprach-, sondern auch Verständnisprobleme hat, helfen ein paar Regeln: Kurze Sätze sowie kurze Ja/Nein-Fragen funktionieren in der Regel auch bei einer schweren Aphasie. Es ist sinnvoll das Thema des Gesprächs anzukündigen. („Ich möchte mit dir über den Arzt sprechen.“) Wenn die Kommunikation über die Sprache eingeschränkt ist, wird die nichtsprachliche Kommunikation wichtiger. Achten Sie daher auf Gestik, Mimik und Körpersprache. Dank einer intensiven logopädischen Therapie lässt sich viel erreichen. Unmittelbar nach dem Schlaganfall, in der Rehaklinik, erzielen Betroffene oft große Erfolge. Doch auch später lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Früher haben Forschende vermutet, dass Funktionen, die ein Jahr nach dem Ereignis nicht wieder hergestellt sind, auch nicht wiederkehren werden. Die Ansichten sind lange überholt: Auch nach Jahren können durch individuelle Übungen noch Fortschritte erzielt werden. Dabei sollten Sie sich allerdings nicht nur auf die Therapiestunden verlassen. Es sich wichtig, dass der Betroffene auch zu Hause übt - entweder alleine oder gemeinsam mit Ihnen.
Sprach-App für Schlaganfall-Patienten
Mit der App „Neolexon“ können Patienten nach einem Schlaganfall ihre Sprache wieder erlernen. Entwickelt wurde die App von den beiden Sprachtherapeutinnen Mona Späth und Hanna Jakob aus München. Sie erleben tagtäglich, dass manche Patienten um jedes Wort ringen müssen. Daher gründeten sie ein Start-up. Nun ermöglicht ihre App den Weg zurück in die Welt der Sprache. Er muss das dazu passende Bild anklicken. Beim „Sprechen“ soll er ein angezeigtes Bild laut benennen. „Lesen“ zeigt ein Wort und vier Bilder, von denen das passende ausgesucht werden muss. Anfang Oktober wurde „Neolexon“ mit dem 1. Platz beim digitalen Gesundheitspreis 2020 ausgezeichnet. Verliehen wird der Preis von Novartis Pharma, Novartis Oncology und Sandoz Deutschland. Das Preisgeld beträgt 25.000 Euro und ist für das Start-up eine wichtige Unterstützung. Denn die Entwicklung der App wurde zwar öffentlich gefördert, doch nun laufen die Fördergelder aus. Patienten müssen für die App pro Tablet und Jahr 184,24 Euro inklusive Mehrwertsteuer zahlen.
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