Demenz verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Im Alltag entstehen viele Herausforderungen, die oft unterschätzt werden. Ein Bereich, der besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Kleidung. Was für gesunde Menschen selbstverständlich ist, wird für Demenzkranke oft zur Belastung: das An- und Ausziehen. Praktische und komfortable Kleidung kann den Alltag erleichtern und die Lebensqualität verbessern.
Die Bedeutung angepasster Kleidung für Menschen mit Demenz
Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, herkömmliche Kleidung zu verstehen und anzuziehen. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Verlust kognitiver Fähigkeiten: Im Verlauf der Krankheit fällt es schwer, Schleifen zu binden oder Knöpfe zu schließen. Betroffene sind überfordert und können Kleidungsstücke nicht mehr richtig zuordnen.
- Motorische Einschränkungen: Schmerzen, Verspannungen und Müdigkeit erschweren das An- und Ausziehen zusätzlich.
- Veränderte Wahrnehmung: Neue oder unbekannte Kleidungsstücke können Verwirrung und Ablehnung auslösen.
Angepasste Kleidung berücksichtigt diese Herausforderungen und bietet praktische Lösungen, die den Alltag erleichtern. Sie zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Größere Einstiege und leichtere Verschlüsse: Druckknöpfe, Klettverschlüsse und Reißverschlüsse ermöglichen ein einfaches An- und Ausziehen.
- Barrierefreie Gestaltung: Die Kleidung lässt sich selbstständig und mit Hilfe nutzen.
- Modische Aspekte: Individuelle Vorlieben für Muster, Farben und Qualitäten werden berücksichtigt.
Vorteile von adaptiver Kleidung und Schuhen
Adaptive Kleidung und Schuhe bieten zahlreiche Vorteile für Demenzkranke, ihre Angehörigen und das Pflegepersonal:
- Erhöhte Selbstständigkeit: Patienten können sich länger selbstständig an- und ausziehen, was ihr Selbstwertgefühl stärkt.
- Weniger Stress für Patienten und Pflegende: Das Ankleiden wird einfacher und schneller, was die Belastung für alle Beteiligten reduziert.
- Mehr Sicherheit: Rutschfeste Schuhe und gut sitzende Kleidung verringern das Sturzrisiko.
- Verbesserte Lebensqualität: Bequeme und modische Kleidung trägt zum Wohlbefinden bei und ermöglicht eine aktive Teilnahme am Alltag.
- Erleichterung der Pflege: Pflegekräfte können Patienten leichter und sicherer an- und ausziehen, was ihre Arbeit erleichtert.
- Berücksichtigung individueller Bedürfnisse: Adaptive Kleidung und Schuhe sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.
Schuhe für Demenzkranke: Sicherheit und Komfort
Schuhe spielen eine entscheidende Rolle für die Sicherheit und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz. Folgende Aspekte sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden:
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- Rutschfestigkeit: Rutschfeste Sohlen sind besonders wichtig, um Stürze zu vermeiden. Dies ist vor allem in Langzeitpflege- und Senioreneinrichtungen von Bedeutung.
- Weite Passform: Schuhe mit breiteren Sohlen bieten mehr Zehenfreiheit und berücksichtigen Schwellungen, Ödeme, diabetische Neuropathie und Zehendeformitäten.
- Bequemes Material: Weich gefütterte Schuhe sind besonders bequem für empfindliche Füße mit Hautproblemen. Neopren ist ein flexibles Material, das sich dem Fuß anpasst.
- Einfache Verschlüsse: Klett- und Easy-Touch-Verschlüsse ermöglichen ein einfaches An- und Ausziehen, auch bei eingeschränkter Handfertigkeit. Schuhe mit Zippern sind ebenfalls eine gute Option.
- Passende Größe: Größere Öffnungen erleichtern die Auswahl passender Schuhe und verringern das Sturzrisiko.
- Fersenunterstützung: Sie hilft, den Fuß beim Gehen nach vorne zu bringen und das Gefühl des Rückwärtsschaukelns zu reduzieren.
- Geeignetes Schuhwerk für verschiedene Situationen: Adaptive Schuhe sind für den Innen- und Außenbereich erhältlich, ebenso wie Hausschuhe für den Wohnbereich. Rutschfeste Socken sind eine Option für den nächtlichen Gang ins Bad.
Adaptive Kleidung: Praktische Lösungen für den Alltag
Adaptive Kleidung bietet eine Vielzahl von praktischen Lösungen, die den Alltag von Demenzkranken erleichtern:
- Oberteile mit offenem Rücken: Sie ermöglichen ein einfaches Anziehen im Sitzen oder Liegen.
- Hosen mit seitlich offenen Designs: Sie erleichtern das An- und Ausziehen, insbesondere bei Inkontinenz.
- Verdeckte magnetische Druckknöpfe: Sie ersetzen herkömmliche Knöpfe und ermöglichen ein einfaches Schließen.
- Easy-Touch-Verschlüsse: Sie sind eine Alternative zu Schnürsenkeln und bieten mehr Verstellmöglichkeiten.
- Schlupfhosen mit zusätzlichen Klettverschlüssen: Sie sind bequem und einfach anzuziehen.
- Wickelröcke mit Klettverschlüssen: Sie sind praktisch und ermöglichen ein einfaches An- und Ausziehen.
- Front-BHs mit Klett- und Magnetverschlüssen: Sie sind leicht zu bedienen.
- Hausschuhe und Schuhe mit Klettverschlüssen: Sie sind bequem und sicher.
Tipps für die Auswahl und Verwendung von Kleidung bei Demenz
- Lieblingskleidung bevorzugen: Sie schafft positive Emotionen und stärkt das Selbstwertgefühl.
- Kleidungsstücke aussortieren, die selten getragen werden: Dies erleichtert die Auswahl.
- Kleidungsstücke in der Reihenfolge zurechtlegen, in der sie angezogen werden sollen: Dies schafft Struktur und Orientierung.
- Schubladen und Kommoden mit Kleidung kennzeichnen: Bilder aus Zeitschriften können dabei helfen.
- Sich Zeit beim An- und Auskleiden nehmen: Dies reduziert Stress und Hektik.
- Eine ruhige Atmosphäre schaffen: Aufregungen sollten vermieden werden.
- Einfache Kleidungsstücke nutzen: Bequeme, weite Einstiege, Klettverschlüsse und Strickjacken erleichtern das Ankleiden.
- Auf die Passform achten: Kleidung, die nicht richtig passt, kann ein Risiko darstellen.
- Auf Schmerzen beim An- und Ausziehen achten: Dies kann auf körperliche Probleme hinweisen.
- Biografische Aspekte berücksichtigen: Lieblingsfarben, bekannte Muster und Qualitäten, die schon früher gerne getragen wurden, sollten bevorzugt werden.
Pflegemode in verschiedenen Krankheitsstadien
Pflegemode kann in verschiedenen Stadien der Demenzerkrankung unterstützen:
- Im frühen Stadium: Funktionelle Kleidung mit einfachen Verschlüssen erleichtert das An- und Ausziehen und fördert die Selbstständigkeit.
- In der sekundären Phase: Pflegehosen mit seitlichen oder hinteren Öffnungsmöglichkeiten ermöglichen ein bequemes Ankleiden im Sitzen oder Liegen.
- In späteren Stadien: Einteilige Kleidungsstücke wie Overalls können das Problem des ständigen Selbst-Entkleidens lösen.
Rollstuhlfahrer: Praktische Kleidung für unterwegs
Für Demenzkranke, die im Rollstuhl sitzen, gibt es spezielle Kleidung, die den Alltag erleichtert:
- Ponchos: Sie sind leicht anzuziehen, wärmen und engen nicht ein. Ein Rollstuhlponcho hat einen kürzeren Rücken, damit er nicht in die Räder gerät.
- Capes und Rollstuhlsäcke: Sie sind leicht und bieten zusätzlichen Schutz vor Kälte und Wind.
- Arm- und Beinwärmer, Tücher/Schals und Mützen: Sie sind praktische Accessoires, die den Komfort erhöhen.
GPS-Tracker in Schuhen: Sicherheit für Demenzkranke
Ein besonderes Hilfsmittel für Demenzkranke, die zum Weglaufen neigen, sind Schuhe mit GPS-Trackern. Diese ermöglichen es Angehörigen und Pflegekräften, den Standort des Patienten jederzeit zu orten.
- GPS-Empfänger im Schuhabsatz: Er ist unauffällig eingebaut und sendet Standortdaten an ein Portal.
- Virtueller Zaun: Ein virtueller Zaun kann um die Wohnung des Erkrankten errichtet werden. Sobald der Träger die Grenze überschreitet, wird ein Alarm ausgelöst.
- Schnelle Ortung: Angehörige oder Pflegekräfte können den Vermissten über das Portal lokalisieren.
Die GTX Corporation aus Los Angeles hat eine intelligente Schuhsohle entwickelt, mit der sich verirrte Demenz-Patienten wiederfinden lassen. Die SmartSoles können genau wie andere Einlegesohlen mit jedem Schuh genutzt werden.
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Kleidung als Ausdruck von Identität und Würde
Kleidung ist für Menschen mit Demenz mehr als nur funktionaler Stoff. Sie bedeutet Identität, Gewohnheit und ein Stück Selbstbestimmung. Auch wenn sich Vorlieben ändern können, sollten neue Kleidungsstücke so weit wie möglich an bisherigen Stil und Materialvorlieben angepasst sein.
Kinästhetik als Unterstützung beim Ankleiden
Kinästhetik, also die bewusste Wahrnehmung und Förderung von Bewegung, kann das An- und Auskleiden erleichtern.
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