Schultertaubheit während der Schwangerschaft: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Schwangere Frauen erleben im Laufe ihrer Schwangerschaft oft eine Vielzahl körperlicher Beschwerden. Viele Frauen klagen über verschiedene Beschwerden, etwa 70 bis 80 Prozent der Patientinnen erleben im Verlauf ihrer Schwangerschaft mindestens eine Phase, in der sie Schmerzen oder andere körperliche Beschwerden haben. Dazu gehören Rückenschmerzen, vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule, aber auch im Nacken und den Schultern. In manchen Fällen kann es auch zu Taubheitsgefühlen in der Schulter und im Arm kommen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Schultertaubheit während der Schwangerschaft und gibt Hinweise zu Linderung und Behandlung.

Mögliche Ursachen für Schultertaubheit in der Schwangerschaft

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu Taubheitsgefühlen in der Schulter während der Schwangerschaft führen können. Hier sind einige der häufigsten:

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Begleiterscheinung während der Schwangerschaft. Durch die hormonellen Umstellungen wird der Körper einer schwangeren Frau weicher, es lagert sich vermehrt Flüssigkeit im Bindegewebe ein. Diese Flüssigkeit übt Druck aus, der wiederum die umliegenden Nerven reizt. Der Karpaltunnel ist eine Sehnenscheide am Handgelenk, in der Sehnen und Nerven vom Unterarm in die Hand führen. In diesem Tunnel befindet sich auch der sogenannte Medianus-Nerv, der bis in die Spitzen der Finger verläuft. Die Symptome treten vorwiegend nachts im Schlaf auf, können aber auch tagsüber stören. Durch die allgemeine Wassereinlagerung im Körper sind häufig beide Hände betroffen. Zusätzliche unbemerkte Blockaden und Engpässe im Schultergürtel verursachen einen weiteren Stau in Armen und Händen.

Typische Symptome des Karpaltunnelsyndroms:

  • Kribbeln und taube Finger: Das Gefühl, dass das entsprechende Körperteil "einschläft".
  • Schmerzen: Beim Greifen von Dingen, Beugen der Handgelenke oder allgemeiner Arbeit mit den Händen.
  • Steifes Gefühl: Besonders direkt nach dem Aufwachen.
  • Schwache Finger: Verminderte Fähigkeit, Gegenstände zu greifen und einfache Tätigkeiten auszuführen.

Piriformis-Syndrom

Vom Piriformis-Syndrom spricht man, wenn der in der tiefen Hüftmuskulatur lokalisierte Piriformis-Muskel (M. piriformis) verkürzt oder verspannt ist. Da unterhalb dieses birnenförmigen Muskels der Ischiasnerv verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß führen, die in einigen Fällen bis ins Bein ausstrahlen. Auch Taubheitsgefühle, Kribbeln und Missempfindungen sind möglich.

Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich

Viele werdende Mütter leiden früher oder später unter schmerzhaften Verspannungen. Frauen, die in der Schwangerschaft davon verschont geblieben sind, können später in der Stillzeit darunter leiden. Das vertraute Körpergefüge verändert sich durch die gelockerten Bänder, Sehnen und Muskeln wie auch durch das wachsende Baby. Die häufigsten Beschwerden sind Rückenschmerzen, vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule, aber auch im Nacken und den Schultern.

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Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall entsteht, wenn der gallertartige Kern einer Bandscheibe nach außen drückt und auf Nerven trifft. Dies kann Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Bewegungseinschränkungen verursachen. Die Bandscheiben sind elastische „Stoßdämpfer“ zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem weichen Kern, der von einem festen Faserring umgeben ist. Wird die Bandscheibe plötzlich übermäßig belastet oder ist schon seit längerem abgenutzt, kann der Kern durch den Ring nach außen dringen.

Mögliche Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall: Symptome wie Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen, sowie Taubheitsgefühle oder Kribbeln können auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten.

Wassereinlagerungen (Ödeme)

Da die Venen nicht nur mehr Blut transportieren müssen, sondern unter dem Einfluss der Hormone auch durchlässiger werden, tritt zudem vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe und sammelt sich dort an. Vor allem zum Ende der Schwangerschaft leiden deshalb viele Frauen an Wassereinlagerungen (Ödemen), besonders in den Beinen und Füßen, manchmal aber auch in Händen oder Gesicht. Kribbeln und Taubheitsgefühle kommen meist daher, dass das Gewebe durch vermehrte Wassereinlagerungen leicht aufgeschwemmt ist. Es drückt dann auf die sehr engen, feinen Kanäle, durch die die Nervenfasern entlang laufen.

Andere Ursachen

  • Skoliose: Eine Wirbelsäulenverkrümmung kann zu Muskelverspannungen und Nervenreizungen führen.
  • Fehlhaltungen: Durch die veränderte Statik während der Schwangerschaft können Fehlhaltungen entstehen, die Nerven einklemmen.
  • Überlastung: Zu viel körperliche Arbeit oder monotone Bewegungen können die Schultermuskulatur überlasten und zu Taubheitsgefühlen führen.

Was hilft bei Schultertaubheit in der Schwangerschaft?

Die Behandlung von Schultertaubheit während der Schwangerschaft hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Hier sind einige allgemeine Tipps und spezifische Maßnahmen:

Allgemeine Tipps

  • Bewegung: Bewegung ist enorm wichtig, um die Muskulatur zu stärken und den Körper flexibel zu halten. Sie unterstützt die Durchblutung und den Lymphfluss, was bei der Reduktion von Wassereinlagerungen hilft und die allgemeine Vitalität stärkt. Regelmäßige, leichte Aktivitäten wie Spaziergänge oder Schwimmen können den Kreislauf anregen und den Körper mobil halten.
  • Entspannung: Entspannung und Wärme sind die allerwichtigsten Faktoren, um schmerzhafte Verspannungen zu lindern.
  • Ergonomische Unterstützung: Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz, eine passende Matratze oder unterstützende Kissen können zur Entlastung beitragen.
  • Schonende Übungen: Gezielte Bewegungs- und Dehnübungen können die Wirbelsäule entlasten. Sie helfen, erhöhte muskulär-fasziale Spannungen abzubauen und unterstützen das Bindegewebe. Sanfte Dehn- und Bewegungsübungen können unterstützend wirken, indem sie die Muskeln und Faszien elastisch halten.
  • Hände in neutraler Position halten: Vermeide es, die Hände beim Schlafen einzuknicken oder auf ihnen zu schlafen. Unterstütze die Hände mit einem Kissen, um eine neutrale Position zu gewährleisten.
  • Richtige Schlafposition: Die seitliche Schlafposition ist nicht nur die beste für das Baby, da sie den Blutfluss fördert, sondern auch für dich, wenn du dem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen möchtest.
  • Vermeide Überlastung: Vermeide größere Streckungen und Beugungen des Handgelenks. Wenn Schmerzen auftauchen, schüttle die Hände. Vermeide Handlungen, die die Schmerzen verstärken sowie Arbeiten, bei denen die immer gleiche Handbewegung erforderlich ist.

Spezifische Maßnahmen

  • Karpaltunnelsyndrom: Handgelenksschienen können helfen, den Druck auf den Medianus-Nerv zu reduzieren, insbesondere während der Nacht.
  • Piriformis-Syndrom: Dehnübungen für den Piriformis-Muskel können helfen, die Verspannung zu lösen und den Druck auf den Ischiasnerv zu verringern.
  • Verspannungen:
    • Vierfüßlerstand: Im Vierfüßlerstand ausatmend den Rücken vom Becken bis zu den Schultern runden und für drei Atemzüge halten.
    • Schneidersitz: Im Schneidersitz beim Einatmen die Wirbelsäule nach vorne bewegen, beim Ausatmen in einer Kreisbewegung nach hinten.
    • Beine ablegen: Auf dem Rücken liegend, die Beine hüftbreit aufstellen und zusammen auf eine Seite ablegen. Für drei Atemzüge halten und zur anderen Seite wechseln.
  • Bandscheibenvorfall: Physiotherapie, Krankengymnastik und sanfte Bewegungsübungen sind häufig die erste Wahl für Schwangere mit Rückenproblemen. Ein Beckengürtel kann das Becken unterstützen und den Druck auf die Lendenwirbelsäule verringern.
  • Osteopathie: Osteopathie kann helfen, die gestörte Kommunikation zwischen den Körperregionen Kopf und Becken wieder in Einklang zu bringen, Verspannungen zu lösen und den Körper wieder in ein dynamisches Gleichgewicht zu bringen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Schultertaubheit und andere Beschwerden während der Schwangerschaft harmlos und verschwinden nach der Geburt wieder. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch ratsam ist:

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  • Plötzlich auftretende, starke Schmerzen oder Taubheitsgefühle.
  • Anhaltende Beschwerden, die sich trotz Selbstbehandlung nicht bessern.
  • Muskelschwäche in den Armen oder Händen.
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle, die sich ausbreiten.
  • Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall.
  • Wenn die Beschwerden auch nach der Geburt nicht schwinden.

Ein Arzt kann die Ursache der Beschwerden diagnostizieren und eine geeignete Behandlung empfehlen.

Die Rolle der Osteopathie in der Schwangerschaft

Die Osteopathie kann bei schwangerschaftsbedingten Beschwerden eine wertvolle Unterstützung bieten. Ein Osteopath kann Verspannungen lösen, die Durchblutung im Nervenbereich ankurbeln und Druck von komprimierten Nerven nehmen. Die osteopathische Behandlung ist sanft und sicher für Mutter und Kind.

Hebamme Melanie Servaes berichtet von ihren positiven Erfahrungen mit Osteopathie bei Schwangeren: "Ich habe bei Schwangeren sehr gute Erfahrungen mit Osteopathie gemacht, vor allem bei Rücken-, Hüft- und Beckenschmerzen. Auch bei Verdauungsproblemen und bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich kann die osteopathische Behandlung oft schnell Erleichterung bringen."

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