Einleitung:Eine Krebstherapie, insbesondere eine Chemotherapie mit Cisplatin, kann als unterschätztes Problem zu einem ein- oder beidseitigen Hörverlust führen. Krebskranke Menschen haben generell ein erhöhtes Risiko für Schwerhörigkeit. Da diese krebsbedingte Hörstörung meist bleibend ist und beide Ohren betrifft, ist es wichtig, das Hörvermögen bei Krebspatienten regelmäßig zu testen. Auch spielt das Alter eine Rolle, da viele krebskranke Menschen älter als 65 sind.
Auswirkungen von Schwerhörigkeit auf die Lebensqualität
Schwerhörigkeit kann die Lebensqualität erheblich mindern. Sie beeinträchtigt die Kommunikation mit anderen Menschen, was soziale Interaktionen begrenzt. Dies kann zu Ängsten, Depressionen und Fatigue führen. Betroffene können Unsicherheiten bei der Bewältigung des Alltags entwickeln, und es besteht das Risiko eines vorzeitigen geistigen Abbaus. Schwerhörigkeit kann die Lebensqualität mindern, beispielsweise indem siedie Kommunikation mit anderen Menschen beeinträchtigt und soziale Interaktionen begrenzt,Ängste, Depressionen und Fatigue auslöst,zu Unsicherheiten bei der Bewältigung des Alltags führt und der Grund für einen vorzeitigen geistigen Abbau sein kann.
Cisplatin und seine ototoxische Wirkung
Die Cisplatin-basierte Chemotherapie ist eine wichtige Therapiesäule bei verschiedenen Tumorarten, darunter Lungen-, Harnblasen-, Hoden-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs sowie Kopf-Hals-Tumoren. Neben einer möglichen Nierenschädigung (Nephrotoxizität) ist die Ototoxizität eine häufige Nebenwirkung von Cisplatin. Ototoxizität bezeichnet die Schädigung des Innenohrs, das sowohl für den Hörsinn als auch für den Gleichgewichtssinn zuständig ist.
Pathophysiologische Mechanismen der Cisplatin-induzierten Ototoxizität
Die pathophysiologischen Mechanismen, wie Cisplatin das Innenohr schädigt, sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Symptome können Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche (Tinnitus), aber auch Störungen des Gleichgewichts mit Schwindel und erhöhtem Sturzrisiko sein.
Wirkmechanismus von Cisplatin im Innenohr
In der Cochlea (Hörschnecke) gibt es unterschiedliche Zelltypen mit verschiedenen Aufgaben, von der Schallwahrnehmung und Schallverstärkung bis zur Weiterleitung von Nervenimpulsen ins Gehirn. Eine wichtige Funktion haben die äußeren Haarzellen, die hohe Tonfrequenzen (4.000 bis 8.000 Hertz) übermitteln. Diese Zellen sind besonders anfällig für Cisplatin-Schäden.
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Diagnose von Hörverlust bei Krebskranken
Hörstörungen können objektiv mittels Audiometrie festgestellt werden, bevor Betroffene selbst (subjektiv) einen Hörverlust bemerken. Die S1-Leitlinie "Langzeit-Nachsorge bei krebskranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen" empfiehlt, bei jungen Betroffenen, die Cisplatin erhalten, regelmäßig Audiogramme während und nach der Therapie durchzuführen, um therapiebedingte Langzeitfolgen am Gehör zu vermeiden, zu erkennen und zu behandeln.
Empfehlungen für ältere Krebspatienten
Für ältere Betroffene existiert bislang keine entsprechende Leitlinie, es gibt aber gleichlautende Empfehlungen. Die Fachinformation von Cisplatin fordert sorgfältige audiometrische Kontrollen vor Beginn einer Cisplatin-Therapie sowie vor jedem neuen Chemotherapie-Zyklus. Die S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom stuft Patienten in solche ein, für die eine Cisplatin-Chemotherapie geeignet ist, und solche, die kein Cisplatin erhalten sollen. Bei einem bereits bekannten Hörverlust vom Schweregrad 2 oder höher ist Cisplatin nicht geeignet. Der Grad des Hörverlusts wird nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) des National Cancer Institutes (NCI) anhand der Audiometrie definiert.
Möglichkeiten zur Minderung von Hörverlust bei Krebs
Man unterscheidet beeinflussbare Faktoren und solche, die man nicht selbst verändern kann. Zu den nicht-beinflussbaren Faktoren gehören Alter, Begleiterkrankungen (wie Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, arterielle Hypertonie) oder eine genetische Prädisposition.
Beeinflussbare Faktoren
Betroffene können Einfluss auf ihre Hörfähigkeit nehmen, indem sie sich vor Lärm schützen und Hörgeräte tragen, einen gesunden Lebensstil einhalten und andere ototoxische Substanzen (z. B. manche Antibiotika und Diuretika) möglichst vermeiden.
Otoprotektive Medikamente
Derzeit stehen für erwachsene Krebspatienten keine zugelassenen otoprotektiven Medikamente zur Verfügung. Es wird jedoch an verschiedenen Strategien geforscht, um künftig einen Cisplatin-induzierten Hörverlust vermeiden beziehungsweise behandeln zu können.
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Schwerhörigkeit nach Chemotherapie bei Kindern mit Hirntumoren
Bei Kindern und Jugendlichen stellen Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) mit etwa 25 % den zweithäufigsten Anteil aller onkologischen Erkrankungen dar. In Deutschland erkranken jährlich etwa 430 Kinder an einem ZNS-Tumor. Die häufigsten ZNS-Tumoren sind Astrozytome (46 %), gefolgt von Medulloblastomen (12 %) und Ependymomen (10 %).
Risikofaktoren für ZNS-Tumoren
Zu den wenigen gut gesicherten Risikofaktoren für die Entstehung von ZNS-Tumoren gehören ionisierende Strahlen (z. B. im Rahmen der Behandlung einer Leukämie oder eines ZNS-Tumors), hereditäre Tumorprädispositionssyndrome und lang anhaltende Immunsuppression.
Klassifikation von ZNS-Tumoren
Die aktuelle Klassifikation der ZNS-Tumoren erfolgt entsprechend der WHO-Klassifikation der Tumoren des Nervensystems von 2016. Die Einteilung erfolgt nach histologischen, immunhistologischen und molekular-neuropathologischen Befunden. Es werden vier histologische Malignitätsgrade unterschieden, die mit dem biologischen Verhalten und der klinischen Prognose korrelieren.
Klinische Symptome von Hirntumoren
Die klinischen Symptome hängen vom Alter des Kindes, seinem Entwicklungsstand, der Lokalisation, Ausbreitung und Histologie des Tumors ab. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist die Diagnostik erschwert. Ältere Kinder zeigen häufig Symptome, die mit denen bei Erwachsenen vergleichbar sind.
Allgemeine und spezifische Symptome
Allgemeine, unspezifische Symptome werden meist von den Eltern beobachtet und führen oft erst bei längerem Bestehen zum Arztbesuch. Bei bösartigen ZNS-Tumoren weisen die meisten Patienten bereits Zeichen eines erhöhten Hirndrucks auf. Bei Säuglingen sind dies eine gespannte Fontanelle, dehiszente Schädelnähte und eine unphysiologische Zunahme des Kopfumfangs. Ältere Kinder zeigen häufig Kopfschmerzen, Erbrechen und eine Parese des N. abducens.
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Epileptische Anfälle und Verhaltensänderungen
Bei etwa 15 % der Patienten mit ZNS-Tumoren treten epileptische Anfälle auf. Verhaltensänderungen werden häufig als unspezifische Veränderungen im Rahmen der intrakraniellen Druckerhöhung oder spezifisch bei supratentoriellen ZNS-Tumoren beobachtet.
Diagnostik von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor erfolgt die Diagnose mithilfe medizinischer (neurologischer und onkologischer) Untersuchungen. Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) werden eingesetzt, um Schnittbilder des Gehirns anzufertigen. Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen und die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen.
Behandlung von Hirntumoren
Hirntumoren werden meist durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Die Therapie richtet sich nach der Tumorart, den genetischen Eigenschaften, der Lage im Gehirn, der Größe, der Prognose, dem Alter, dem Allgemeinzustand und den Begleiterkrankungen des Patienten.
Rehabilitation bei Hirntumoren
In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden.
Neuropsychologische Testungen
Je nach Art des ZNS-Tumors beziehungsweise des Therapieprotokolls sind bis zu zehn Jahre nach Therapieende regelmäßige neuropsychologische Testungen vorgesehen. Diese Testungen ermöglichen es, den Verlauf von Hirnleistungsstörungen zu überwachen und Überforderungen abzuwenden.
Tumor im Ohr
Ein Tumor im Ohr kann gutartig oder bösartig sein, ist aber eine sehr seltene Krankheit. Bösartige Tumoren im Ohr sind meist Basalzellkarzinome oder Schuppenzellkarzinome. Ein Melanom kann sich schnell ausbreiten und auch die Haut des äußeren Gehörgangs befallen. Gutartige Tumoren im Gehörgang können zu Hörverlust führen, indem sie den Gehörgang verstopfen.
Symptome und Diagnose von Ohrtumoren
Das Auftreten von Schmerzen am Ohr über einen längeren Zeitraum hinweg ist eines der Hauptsymptome eines Karzinoms. Weitere Symptome sind Blutungen am Ohr, die mit einem Gefühl von Juckreiz und Kribbeln am Ohr auftreten können. Die wichtigsten Diagnoseuntersuchungen sind ein CT des Felsenbeins und ein MRT.
Behandlung von Ohrtumoren
Zur Behandlung eines Tumors am Ohr können verschiedene Methoden verwendet werden, die abhängig von der Stelle des Auftretens des Tumors gewählt werden.
Schwerhörigkeit als Spätfolge der Krebstherapie im Kindes- und Jugendalter
Die Behandlung einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter kann kurz- oder langfristig zu Hörbeeinträchtigungen oder gar Hörverlust führen. Ein gesundes Gehör ist bei Kindern jedoch entscheidend für eine normale Sprach- und Verhaltensentwicklung.
Schädigung des Innenohrs durch Chemotherapie und Strahlentherapie
Sowohl eine Chemotherapie mit bestimmten Medikamenten als auch eine Strahlentherapie im Kopfbereich können das Gehör schädigen sowie Tinnitus und/oder Gleichgewichtsstörungen verursachen. Ein besonders hohes Risiko haben Patienten nach Behandlung mit platinhaltigen Substanzen und/oder Strahlendosen ab 30 Gray. Die am häufigsten eingesetzten platinhaltigen Zytostatika in der Kinderkrebsheilkunde sind Cisplatin und Carboplatin.
Anzeichen für eine Hörstörung bei Kindern
Es gibt verschiedene Anzeichen, die bei einem Kind auf eine Hörstörung hinweisen können. Die Art der Symptome hängt vor allem von der Form und Schwere der Hörstörung sowie vom Alter des betroffenen Kindes ab.
Forschung zu Ototoxizität bei Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Die Zusammenhänge zwischen Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter und Spätfolgen für das Gehör (Ototoxizität) wurden auch im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte untersucht (z. B. europäische PanCareLIFE-Studie, LESS-Studie).
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