Seed-Implantation bei Hirntumoren: Überblick über Verfahren und Nebenwirkungen

Hirntumoren stellen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen dar, die sich in ihrer Art, Lokalisation und ihrem Wachstumsverhalten unterscheiden. Die Behandlung von Hirntumoren erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der Neurochirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie umfasst. Die Strahlentherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von primären und sekundären Hirntumoren, wobei das Hauptaugenmerk auf der Vermeidung kritischer Nebenwirkungen liegt. Eine spezielle Form der Strahlentherapie ist die Seed-Implantation, auch Brachytherapie genannt.

Hirntumoren: Eine Übersicht

In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.800 Menschen an einem Hirntumor. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sind Hirntumore jedoch eher selten und machen nur etwa 2-4% aller Tumore aus. Es ist wichtig zu beachten, dass Hirntumore zu Beginn selten Kopfschmerzen verursachen. Häufigere Symptome sind epileptische Anfälle oder der selektive Ausfall spezifischer Gehirnfunktionen wie Taubheitsgefühle, motorische Ausfälle oder Sehstörungen.

Gutartige und bösartige Tumore

Die Tumore des Gehirns können gutartig oder bösartig sein. Gutartige Tumore wachsen verdrängend, d.h. sie drücken die umgebende Struktur zusammen, zerstören sie aber nicht per se. Bösartige Tumore hingegen wachsen infiltrierend, d.h. in anderes Gewebe hinein und zerstören damit das umgebende Gewebe.

WHO-Graduierung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Graduierung von Hirntumoren entwickelt, die auf der Gewebebeschaffenheit basiert. Bei den WHO-Graden I und II reicht meist eine neurochirurgische Entfernung aus, während bei den WHO-Graden III und IV noch eine Chemotherapie und/oder eine Strahlentherapie folgen muss.

Häufige Hirntumoren

  • Gliome: Gliome sind die häufigsten Hirntumore und machen über 50% aller Tumore aus. Unter den Gliomen sind die Astrozytome am häufigsten.
  • Meningiome: Meningiome entwickeln sich aus den Gehirnhäuten und machen 20-30% aller Hirntumore aus.
  • Medulloblastome: Medulloblastome sind die häufigsten Gehirntumore des Kindesalters und entstehen aus unreifen Zellen des Kleinhirns.
  • Neurinome: Neurinome entstehen aus den Schwann-Zellen und beeinträchtigen häufig das Hörvermögen und verursachen Schwindel.
  • Hypophysenadenome: Hypophysenadenome sind Geschwülste der Hirnanhangsdrüse, die häufig Hormone produzieren und erst hierdurch Symptome verursachen.
  • Metastasen: Einige Krebsarten siedeln Tochtergeschwülste bevorzugt im Gehirn ab. Dazu gehören das Bronialkarzinom, der Brustkrebs, der Nierenkrebs und das maligne Melanom.

Seed-Implantation (Brachytherapie): Ein Überblick

Die Seed-Implantation, auch Brachytherapie genannt, ist eine Form der Strahlentherapie, bei der die Strahlenquelle direkt in den Tumor oder in dessen unmittelbare Nähe eingebracht wird. Dies ermöglicht eine hohe Strahlendosis im Tumorgewebe bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden gesunden Gewebes.

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

Verfahren

Bei der Seed-Implantation werden kleine Kapseln oder radioaktive Metallteilchen (Seeds) über kleine Nadeln in das Tumorgewebe eingebracht. Diese Seeds verbleiben dauerhaft im Körper und geben kontinuierlich Strahlung ab. Da die verwendeten Radionuklide schnell zerfallen, nimmt die Strahlendosis in den ersten Tagen deutlich ab.

Anwendungsgebiete

Die Seed-Implantation wird vor allem zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt. Im Bereich der Hirntumoren kommt sie vor allem bei inoperablen Rezidiven oder primär inoperablen Tumoren in Frage, insbesondere bei niedriggradigen Gliomen (pilozytische Astrozytome, Gliome des WHO Grades II). Bei gut umschriebenen malignen Gliomen des WHO Grades III und IV kann die stereotaktische Brachytherapie mit einer perkutanen Bestrahlung kombiniert werden.

Vorteile

  • Hohe Präzision: Die Seed-Implantation ermöglicht eine sehr präzise Bestrahlung des Tumors bei gleichzeitiger Schonung des umliegenden gesunden Gewebes.
  • Geringe Belastung: Da die Strahlung nur eine geringe Reichweite hat, ist die Belastung für den restlichen Körper gering.
  • Langfristige Bestrahlung: Die Seeds verbleiben dauerhaft im Körper und ermöglichen eine längerfristige Bestrahlung ohne wiederholte Termine.

Mögliche Nebenwirkungen der Seed-Implantation

Wie bei jeder Strahlentherapie können auch bei der Seed-Implantation Nebenwirkungen auftreten. Diese sind jedoch in der Regel gering und vorübergehend.

Allgemeine Nebenwirkungen

  • Wundheilungsstörungen: Im Bereich der Implantation können Wundheilungsstörungen auftreten.
  • Infektionen: Es besteht ein geringes Risiko für Infektionen im Bereich der Implantation.
  • Hirnödem: Durch die Bestrahlung kann es zu einer Hirnschwellung (Ödem) kommen.

Spezifische Nebenwirkungen

Die spezifischen Nebenwirkungen der Seed-Implantation hängen von der Lokalisation des Tumors und der Strahlendosis ab. In einigen Fällen kann es zu neurologischen Ausfällen kommen.

Umgang mit Nebenwirkungen

Die meisten Nebenwirkungen der Seed-Implantation sind vorübergehend und können mit Medikamenten behandelt werden. Bei Bedarf kann eine unterstützende Therapie, z.B. Physiotherapie, erforderlich sein.

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

Weitere Therapieoptionen

Neben der Seed-Implantation stehen verschiedene andere Therapieoptionen für Hirntumoren zur Verfügung.

Operation

Die Operation ist die wichtigste Therapieoption bei Hirntumoren. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie kann als alleinige Therapie oder in Kombination mit einer Operation oder Chemotherapie eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Formen der Strahlentherapie, z.B. die perkutane Strahlentherapie und die Brachytherapie.

Chemotherapie

Die Chemotherapie kann bei einigen Hirntumoren eingesetzt werden, um das Wachstum der Tumorzellen zu verlangsamen oder zu stoppen.

Molekulare Therapie

Die molekulare Therapie zielt darauf ab, spezifische Merkmale der Tumorzellen auszunutzen, um diese gezielt zu bekämpfen.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

Innovative Verfahren

Ein Wissenschaftsteam vom University College London hat eine neuartige Technik entwickelt, bei der ein „Thermoseed“ mithilfe eines MRT-Scanners durch das Gehirn navigiert wird, wo er Tumorzellen gezielt erhitzen und zerstören kann. Dieses experimentelle Verfahren, genannt MINIMA (Minimally INvasive IMage-guided Ablation), wurde bislang nur am Tiermodell untersucht, zeigt aber vielversprechende Ergebnisse für die gezielte und wirksame Behandlung von schwer zugänglichen Tumoren.

tags: #seed #implantation #hirntumor #nebenwirkungen