Seelischer Druck und Epileptische Anfälle: Eine Betrachtung der Zusammenhänge

Epileptische Anfälle sind komplexe Ereignisse, die sowohl körperliche als auch seelische Auswirkungen haben können. Dieser Artikel beleuchtet das individuelle Erleben von Anfällen und die subjektiven Vorstellungen von Menschen mit Epilepsie. Dabei wird nicht nur auf die medizinischen Aspekte eingegangen, sondern auch auf die psychologischen Faktoren, die eine Rolle spielen können.

Die Persönliche Erfahrung mit Epilepsie

Eine junge Frau beschreibt, wie die Epilepsie ihr Leben beeinflusst, welche Auslöser sie bei sich selbst identifiziert hat und wie sie versucht, damit umzugehen. Im Vordergrund steht dabei ihre persönliche Darstellung, Entwicklung und Gedankenwelt, weniger die exakte wissenschaftliche Erklärung.

Der Anfall als "Letzter Ausweg der Energie"?

Die Anfälle sind für die Betroffene selbst und ihr Umfeld oft erschreckend. Ihre Mutter beschreibt den leeren Blick, die schlaffe Muskulatur und die fehlende Reaktion während eines Anfalls. Die einfach-fokalen Anfälle, die sie seit fünf Jahren begleiten, sind für ihre Umgebung oft beängstigender als für sie selbst.

Die Diagnose Epilepsie wurde gestellt, nachdem sie in der 9. Klasse einen Grand-Mal-Anfall erlitten hatte. Eine wichtige Frage blieb jedoch unbeantwortet: Was hat die Anfälle ausgelöst?

Ursachenforschung und Alternativen

Da die Ärzte keine klare Ursache für ihre Anfälle finden konnten, begann sie selbst nach Antworten zu suchen. Dabei stieß sie auf das Buch "Krankheit als Sprache der Seele" von Rüdiger Dahlke, das Zusammenhänge zwischen Psyche und Gesundheit analysiert.

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Dahlke vergleicht einen epileptischen Anfall mit einem Erdbeben, das Spannungen abbaut. Er überträgt diese Idee auf den Menschen und postuliert, dass ein Anfall aus Sicht des Körpers notwendig sein kann. Diese Annahme führte die Betroffene zu einem neuen Therapieansatz.

Die Physiologie des Anfalls

Ein Anfall ist im Grunde eine Entladung von Nervenzellen. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer synchronen Entladung vieler Nervenzellen, wodurch innerhalb kurzer Zeit viel Energie freigesetzt wird.

Diese Entladung erinnert an die Reaktion eines begeisterten Publikums im Theater, bei dem sich die individuelle Spannung zu einem rhythmischen Klatschen aufschaukelt. Ebenso wie die Spannung der Erde durch physikalische Kräfte gesteigert wird, fragt sich die Betroffene, was ihr Gehirn dazu treiben könnte, eine solche Spannung aufzubauen.

Stress als Auslöser

Dahlke sieht Krankheitssymptome als Signale, die eine Botschaft übermitteln wollen. Untersuchungen legen nahe, dass Krankheiten häufig durch Stress entstehen und ein Zeichen für außergewöhnliche Belastungen sind.

Die Betroffene analysierte ihre Anfälle und stellte fest, dass sie im Stress und in Situationen, die sie unter Druck setzen, vermehrt auftreten. Sie beschreibt sich selbst als perfektionistisch, ordnungsliebend und tendiert dazu, ihre Bedürfnisse zurückzustellen.

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Der Innere Kampf

Ein Anfall erscheint ihr oft wie ein Kampf des Körpers, ein Konflikt zwischen dem bewussten Willen, der auf ein Ziel fixiert ist, und dem Unterbewusstsein, das die vernachlässigten Bedürfnisse vertritt. Die Spannung zwischen diesen beiden Polen entlädt sich schließlich in einem epileptischen Anfall.

Der Anfall hat somit mehrere Funktionen: Er baut den Druck ab, den der Wille auf den Körper ausübt, und zwingt durch die Entladung zur Ruhe. Er ist eine Art Notbremse des Körpers.

Wege zur Stressbewältigung

Aus dieser Erkenntnis zieht die Betroffene die Konsequenz, Stress zu vermeiden und freiwillig Pausen einzulegen, bevor der Körper sie erzwingen muss. Sie möchte den kleinen Bedürfnissen nachgeben, bevor sie zu großen Drängen werden.

Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga und progressive Muskelrelaxation können helfen, Spannungen abzubauen. Auch positive Gefühlserlebnisse wie Rockkonzerte, sexuelle Höhepunkte oder sportliche Betätigung können als Therapie dienen.

Umdenken und Akzeptanz

Das Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu haben, erzeugt Stress. Hier ist ein Umdenken erforderlich: Akzeptieren, dass nicht alles im Leben beeinflussbar ist. Es gilt, das eigene Wertsystem zu überdenken und einzusehen, dass Entspannung und Sport genauso wichtig sind wie Erfolg und Leistung.

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Wissenschaftliche Erkenntnisse über Stress und Epilepsie

Eine Studie der University of Western Ontario in Kanada hat gezeigt, dass Stress die Anfallshäufigkeit bei Epilepsie-Patienten erhöhen kann. Dies könnte mit erhöhten Spiegeln von Corticotropin-Releasing-Hormon im Gehirn zusammenhängen.

Die Forscher fanden heraus, dass das Hormon auf den piriformen Kortex der Ratten einwirkte, ein Hirnareal, das häufig der Ausgangsort von Krampfanfällen ist. Bei gesunden Ratten dämpfte das Hormon die Aktivität dieses Areals, während es bei Ratten mit Epilepsie die Aktivität paradoxerweise erhöhte.

Differenzialdiagnose: Psychogene Anfälle

Es ist wichtig, epileptische Anfälle von psychogenen Anfällen zu unterscheiden. Letztere sind nicht durch eine plötzliche Entladung von Nervenzellen im Gehirn bedingt, sondern durch psychische Belastungen ausgelöst.

Psychogene Anfälle können als Reaktion auf emotionale Belastungen verstanden werden, die für die Person überfordernd sind. Sie äußern sich oft durch plötzliche Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsveränderungen ohne organische Ursache im Gehirn.

Ursachen und Behandlung von Psychogenen Anfällen

Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren im Zusammenspiel psychogene Anfälle auslösen können, darunter Veranlagung, belastende Lebensphasen, Konflikte und traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit.

Die Diagnose stützt sich auf das typische Erscheinungsbild der Anfälle. Eine individuell angepasste Psychotherapie kann sehr wirksam sein.

Was tun bei einem Ersten Anfall?

Der erste epileptische Anfall ist für Betroffene und Augenzeugen oft ein einschneidendes Erlebnis. Es ist wichtig, einen Facharzt, einen Neurologen aufzusuchen, um die Ursache des Anfalls abzuklären und die richtige Behandlung einzuleiten.

Anfallsbeschreibung und Diagnostik

Die Entscheidung, ob eine Epilepsie vorliegt, stützt sich auf die Beschreibung des Anfallsereignisses sowie auf apparative Untersuchungen wie EEG und Kernspintomographie des Kopfes.

Eine genaue Anfallsanamnese umfasst Anfallsvorgefühle, Auren, Bewusstseinsverlust, Automatismen, Verkrampfungen und die Zeit nach dem Anfall. Auch die Krankheitsvorgeschichte und mögliche Auslöser sind von Bedeutung.

Weitere Untersuchungen

Neben EEG und Kernspintomographie können Laboruntersuchungen des Blutes und des Nervenwassers sowie neuropsychologische Untersuchungen notwendig sein.

Differenzialdiagnose: Anfallsartige Störungen

Epileptische Anfälle können mit anderen anfallsartigen Störungen verwechselt werden, wie z.B. Ohnmacht (Synkope), Schlaganfall, Migräne oder Schlafstörungen.

Wiederholungsgefahr und Behandlungsmöglichkeiten

Unabhängig von der Ursache der Anfälle besteht nach einem Anfall eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass weitere Anfälle auftreten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Epilepsie-Behandlung, darunter eine veränderte Lebensführung und medikamentöse Therapie.

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