Epileptische Anfälle: Ursachen, Formen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten

Epileptische Anfälle sind ein Symptom, das viele Ursachen haben kann und sich auf unterschiedliche Weise äußern kann. Sie können von kurzen Aussetzern bis hin zu schweren Krampfanfällen reichen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über epileptische Anfälle, ihre Ursachen, verschiedene Formen, mögliche Folgen und Behandlungsansätze.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Gehirnzellen, die alle miteinander in Kontakt stehen und unter Spannung sind. Wenn es zu einem Kurzschluss in diesen Gehirnzellen kommt, kann dies zu einem epileptischen Anfall führen. Diese Entladung kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und sich unterschiedlich äußern.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für epileptische Anfälle sind vielfältig und oft nicht vollständig geklärt. Manchmal ist eine genetische Veranlagung verantwortlich, da Epilepsie in manchen Familien gehäuft auftritt. Veränderungen im Erbgut (Genmutationen) können ebenfalls eine Rolle spielen.

Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Hirnschädigungen: Verletzungen des Gehirns, wie sie beispielsweise durch Schlaganfälle, Tumore oder Schädel-Hirn-Traumata entstehen können, können Narben hinterlassen, die eine Instabilität in den Gehirnzellverbänden verursachen und so Anfälle auslösen können.
  • Fieberkrämpfe: Besonders bei Säuglingen und kleinen Kindern können hohe Fieber epileptische Anfälle auslösen.
  • Entzündungen im Gehirn
  • Unbemerkter Schlaganfall
  • Tumore
  • Metabolische Störungen: Blutunterzuckerung oder ein Ungleichgewicht der Blutsalze können ebenfalls Anfälle verursachen.
  • Drogen- oder Schlafmittelentzug

Bestimmte Faktoren können das Auftreten von Anfällen begünstigen. Dazu gehören:

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  • Schlafmangel: Ein gestörter oder unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann die Gehirnzellen instabiler machen und somit die Wahrscheinlichkeit einer Entladung erhöhen.
  • Alkoholkonsum: Insbesondere der Abfall des Alkoholspiegels kann Anfälle auslösen.
  • Stress: Sowohl körperliche als auch seelische Belastungen können Anfälle provozieren.
  • Flackerndes Licht: In seltenen Fällen kann flackerndes Licht, wie es beispielsweise bei Computerspielen oder in Diskotheken vorkommt, Anfälle auslösen.

Formen epileptischer Anfälle

Epileptische Anfälle lassen sich grob in zwei Hauptformen unterteilen: fokale und generalisierte Anfälle.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle, früher auch als partielle Anfälle bezeichnet, entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

  • Fokale Anfälle mit erhaltenem Bewusstsein: Bei diesen Anfällen bleibt das Bewusstsein erhalten. Die Betroffenen sind wach und ansprechbar, können aber verschiedene Symptome erleben, wie z.B. Zuckungen, Kribbeln,Halluzinationen (Gerüche, Geschmack, Sehen oder Hören von Dingen, die nicht vorhanden sind), plötzliche Wärme- oder Kältegefühle. Es können auch psychische Symptome wie Angst oder Déjà-vu-Erlebnisse auftreten.
  • Fokale Anfälle mit beeinträchtigtem Bewusstsein: Bei diesen Anfällen ist das Bewusstsein gestört. Die Betroffenen wirken benommen, verwirrt oder abwesend. Oftmals zeigen sie Automatismen, wie Kauen, Schmatzen, Nesteln an der Kleidung oder ziellose Bewegungen. An die Anfälle können sich die Betroffenen meist nicht erinnern.

Fokale Anfälle können sich zu einem generalisierten Anfall ausweiten, wenn sich die elektrische Aktivität auf das gesamte Gehirn ausbreitet.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle betreffen das gesamte Gehirn von Anfang an. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen:

  • Absencen: Dies sind kurze "geistige Abwesenheiten", bei denen die Betroffenen für einige Sekunden abwesend wirken und ins Leere starren. Manchmal stoppen sie kurz ihre Tätigkeit und setzen sie dann fort, ohne sich an die Unterbrechung zu erinnern. Absencen sind eine eher milde Form des generalisierten Anfalls und treten häufiger bei Kindern auf.

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  • Myoklonische Anfälle: Diese Anfälle äußern sich durch plötzliche, kurze Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.

  • Klonische Anfälle: Sie zeichnen sich durch rhythmische Zuckungen verschiedener Muskelgruppen aus.

  • Tonische Anfälle: Bei tonischen Anfällen kommt es zu einer plötzlichen Versteifung der Muskulatur.

  • Atonische Anfälle: Diese Anfälle führen zu einem plötzlichen Verlust der Muskelspannung, was zu Stürzen führen kann.

  • Tonisch-klonische Anfälle (Grand Mal): Dies ist die häufigste und bekannteste Form des generalisierten Anfalls. Er verläuft in zwei Phasen:

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    • Tonische Phase: Der Körper versteift sich, das Bewusstsein geht verloren und die Atmung kann flach werden. Es kann zu Sauerstoffmangel kommen, der sich durch eine Blaufärbung der Haut oder Lippen äußern kann.
    • Klonische Phase: Unkontrollierte Zuckungen des ganzen Körpers treten auf. Diese Phase dauert in der Regel ein bis zwei Minuten.

Diagnose

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer sorgfältigen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und verschiedenen Untersuchungen.

  • Anamnese: Der Arzt wird ausführlich nach der Art und Häufigkeit der Anfälle fragen, sowie nach möglichen Auslösern und Vorerkrankungen. Dabei ist es hilfreich, wenn Angehörige oder Zeugen des Anfallsgeschehens anwesend sind, um die Beobachtungen zu schildern. Besonders wichtig ist es, zu erfragen, ob es vor dem Anfall ein Vorgefühl (Aura) gab, wie z.B. Übelkeit, ein komischer Geschmack, Geruch oder ein Geräusch.
  • Neurologische Untersuchung: Hierbei werden Reflexe,Sensibilität und Motorik überprüft, um eventuelle neurologische Ausfälle festzustellen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Epilepsie. Dabei werden Elektroden auf der Kopfhaut angebracht, um die Hirnströme zu messen. Auffällige Muster in den Hirnströmen können auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft hinweisen. Umso früher das EEG durchgeführt werden kann, desto aussagekräftiger ist es.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns kann durchgeführt werden, um strukturelle Veränderungen im Gehirn, wie z.B. Narben, Tumore oderEntzündungen, als Ursache für die Anfälle auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können durchgeführt werden, um Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen auszuschließen, die Anfälle auslösen können.
  • Genetische Tests: In manchen Fällen kann eine genetische Testung sinnvoll sein, um eine genetische Ursache für die Epilepsie zu finden.

Folgen eines epileptischen Anfalls

Die Folgen eines epileptischen Anfalls können je nach Art und Schwere des Anfalls unterschiedlich sein.

  • Unmittelbare Folgen: Nach einem Anfall können die Betroffenen erschöpft, verwirrt oder desorientiert sein. Sie können Gedächtnislücken, Sprachstörungen oder vorübergehende Lähmungen haben. Manche Menschen benötigen Zeit, um sich vollständig zu erholen und ihre normalen Aktivitäten wieder aufzunehmen.
  • Verletzungen: Während eines Anfalls können sich die Betroffenen verletzen, z.B. durch Stürze oder Zungenbiss. In seltenen Fällen kann es zu Rippen- oder Wirbelkörperbrüchen kommen, die unter Umständen auch zu Lähmungserscheinungen führen können.
  • Psychische Belastung: Die Angst vor einem erneuten Anfall kann zu erheblicher psychischer Belastung führen. Viele Betroffene entwickeln Depressionen oder Angststörungen.
  • Langfristige Folgen: In seltenen Fällen, insbesondere bei häufigen und schweren Anfällen über einen langen Zeitraum, kann es zu Gedächtnisstörungen und Konzentrationsproblemen kommen.
  • Status epilepticus: Ein Status epilepticus, ein Anfall der länger als fünf Minuten dauert oder eine Serie von Anfällen ohne Erholung zwischen den Anfällen, ist ein medizinischer Notfall, der unbehandelt zu Hirnschäden oder sogar zum Tod führen kann.

Im Allgemeinen hinterlässt ein einzelner epileptischer Anfall jedoch keine bleibenden Schäden im Gehirn.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamentöse Therapie (Antiepileptika): Antiepileptika sind die häufigste Behandlungsmethode bei Epilepsie. Es gibt verschiedene Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen. Ziel ist es, das Medikament zu finden, das die Anfälle am besten kontrolliert und gleichzeitig möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht. Die Medikamente müssen in der Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, oft sogar lebenslang. Wenn über einen längeren Zeitraum keine Anfälle aufgetreten sind, kann in manchen Fällen versucht werden, die Medikamente langsam auszuschleichen.
  • Chirurgische Behandlung: Wenn Medikamente die Anfälle nicht ausreichend kontrollieren können (pharmakoresistente Epilepsie), kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei wird der Bereich des Gehirns, der die Anfälle auslöst (Anfallsfokus), entfernt. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Anfallsfokus genau lokalisiert werden kann und seine Entfernung keine wichtigen Funktionen des Gehirns beeinträchtigt.
  • Vagusnervstimulation: Bei der Vagusnervstimulation wird ein kleiner Generator unter die Haut im Brustbereich implantiert. Dieser Generator sendet elektrische Impulse an den Vagusnerv, einen wichtigen Nerv, der an der Regulierung verschiedener Körperfunktionen beteiligt ist. Die Vagusnervstimulation kann helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
  • Ketogene Diät: In einigen Fällen, insbesondere bei Kindern mit bestimmten Formen von Epilepsie, kann eine ketogene Diät hilfreich sein. Diese Diät ist sehr fettreich und kohlenhydratarm, was zu einer Veränderung des Stoffwechsels im Gehirn führt und die Anfallshäufigkeit reduzieren kann.
  • Psychotherapie: Ergänzend zu den anderen Behandlungsmaßnahmen kann eine Psychotherapie hilfreich sein, um die psychischen Belastungen, die mit der Epilepsie einhergehen, zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Wenn Sie Zeuge eines epileptischen Anfalls werden, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:

  • Schützen Sie die Person vor Verletzungen: Räumen Sie gefährliche Gegenstände aus dem Weg und polstern Sie den Kopf ab.

  • Lockern Sie enge Kleidung: Dies kann die Atmung erleichtern.

  • Versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten: Lassen Sie die Person krampfen, aber achten Sie darauf, dass sie sich nicht verletzt.

  • Schieben Sie nichts in den Mund der Person: Dies kann zu Verletzungen führen. Früher wurde in der Krankenpflegeausbildung gelehrt, bei einem großen Anfall einen Keil zwischen die Zähne zu geben - das wird heute nicht mehr gemacht, da dadurch der Biss in die Zunge nicht verhindert wird und man sich als Helfer selbst verletzen kann.

  • Drehen Sie die Person nach dem Anfall in die stabile Seitenlage: Dies hilft, zu verhindern, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt.

  • Bleiben Sie bei der Person, bis sie wieder vollständig wach ist: Bieten Sie Unterstützung und beruhigen Sie die Person.

  • Rufen Sie den Notruf (112), wenn:

    • Der Anfall länger als fünf Minuten dauert.
    • Mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten, ohne dass sich die Person dazwischen erholt.
    • Sich die Person während des Anfalls verletzt hat.
    • Die Person Schwierigkeiten hat, zu atmen.
    • Sie sich unsicher sind, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt.
    • Es der erste Anfall der Person ist.

Leben mit Epilepsie

Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Menschen mit Epilepsie ein erfülltes Leben führen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, die Behandlung konsequent durchzuführen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Viele Epilepsiezentren und Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung und Beratung an.

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