Sensorische Neuronen und die Funktion des Zentralnervensystems: Ein umfassender Überblick

Kaum ein anderes System im menschlichen Körper ist so komplex wie das Nervensystem. Durch den ständigen Austausch von Milliarden von Nervenzellen koordiniert es sämtliche Körperfunktionen und ermöglicht uns, unsere Umwelt wahrzunehmen. Erstaunlicherweise funktioniert das Nervensystem immer nach demselben Prinzip: dem elektrischen Impuls. Dieser dient nicht nur der Reizwahrnehmung, sondern auch der Reizverarbeitung und Reizweiterleitung, beispielsweise für motorische Befehle an die Muskeln. Das Nervensystem ist die zentrale Informations- und Kommunikationsplattform unseres Körpers. Es durchzieht unseren gesamten Organismus als faszinierendes Netzwerk und dient der Erfassung, Weiterleitung und Verarbeitung von Informationen.

Die Grundlagen des Nervensystems

Als kleinste funktionelle Einheit bilden die Nervenzellen (Neuronen) mit ihren umgebenden Gliazellen die Grundbausteine unseres Nervensystems. Die kleinen, meist stark verästelten Dendriten empfangen Signale, während das längere Axon die elektrische Erregung zum Ende der Nervenzelle weiterleitet. Dort wird der Reiz durch die Synapsen (Schaltstelle der Nervenzelle) zur nächsten Zelle transportiert. Häufig wird der Begriff „Nervenzelle“ bzw. Neuron mit „Nerv“ gleichgesetzt, obwohl dies anatomisch nicht korrekt ist. Ein Nerv besteht vielmehr aus einem Zusammenschluss mehrerer, parallel verlaufender, gebündelter Nervenfasern (Axone).

Je nachdem, welche Aufgabe der Nerv erfüllt bzw. in welche Richtung er die Informationen weiterleitet, wird er als efferenter (motorischer), afferenter (sensorischer) oder gemischter Nerv bezeichnet. Efferente Nerven leiten elektrische Impulse vom Zentrum (Gehirn, Rückenmark) zur Peripherie, beispielsweise zur Skelettmuskulatur. Afferente Nerven hingegen senden den Reiz von der Peripherie (z. B. Haut) zum Zentrum.

Die Entwicklung des Nervensystems

Die Entwicklung einzelner Bestandteile des Nervensystems beginnt beim Embryo bereits in der 3. Schwangerschaftswoche. Daher ist es besonders wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch am besten schon vor der Empfängnis mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt sind, die für den Aufbau von Nervengewebe nötig sind.

Die Struktur des Nervensystems: ZNS und PNS

Innerhalb des Nervensystems werden aber nicht nur die Nervenfasern aufgrund spezieller Eigenschaften unterteilt. Auch das Nervensystem als Ganzes lässt sich in verschiedene Bereiche untergliedern: Wird anhand der Lage bzw. des Aufbaus differenziert, ist vom zentralen Nervensystem (ZNS) oder peripheren Nervensystem (PNS) die Rede. Erfolgt die Einordnung gemäß der Funktion, spricht die Neurobiologie vom somatischen (willkürlichen) Nervensystem und vom vegetativen (unwillkürlichen) Nervensystem. Sowohl peripheres und zentrales Nervensystem als auch das somatische und vegetative Nervensystem sind in ihrer Funktion miteinander gekoppelt.

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Das zentrale Nervensystem (ZNS)

Unser Gehirn und das Rückenmark bilden gemeinsam das zentrale Nervensystem, kurz ZNS. Bei Betrachtung der Gewebestruktur ist zu erkennen, dass sowohl Gehirn als auch Rückenmark aus einer grauen und weißen Substanz bestehen. Die graue Substanz, die vor allem aus Nervenzellkörpern besteht, befindet sich in der Großhirnrinde (Kortex) und im schmetterlingsförmigen Teil des Rückenmarks. Sie dient der Reizaufnahme und Reizverarbeitung. Die weiße Substanz bildet im Gehirn das innenliegende Gewebe aus Nervenfasern (Axone). Hier sind Nervenzellen durch millionenfache Verbindungen verschaltet und für die Reizweiterleitung verantwortlich.

Als Kontroll- und Schaltzentrale ist das zentrale Nervensystem für uns lebenswichtig, denn es steuert die bewusste Koordination der Bewegung (Motorik), vermittelt Nachrichten aus der Umwelt oder unserem Körperinneren und reguliert das Zusammenspiel aller Körpersysteme (Atmung, Hormonhaushalt, vegetatives und peripheres Nervensystem, innere Organe, Herz-Kreislauf-System, Muskulatur). Darüber hinaus ermöglicht uns das zentrale Nervensystem komplexe Funktionen wie Gedächtnis (Lernen, Erinnerung), Bewusstsein, Gefühle, Verstand und Vernunft.

Zu den Hauptbestandteilen des Gehirns gehören:

  1. Hirnstamm: Regulation lebenswichtiger Funktionen (u.a. Atmung, Herzschlag).
  2. Zwischenhirn: Steuerung von Körpertemperatur, Hunger, Durst und Sexualverhalten. Hier befindet sich auch die Hypophyse, eine wichtige Hormondrüse.
  3. Mittelhirn: Steuerung des Wach-Schlaf-Rhythmus und Lenkung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinneseindrücke.
  4. Kleinhirn: Verantwortlich für den richtigen Ablauf aller Körperbewegungen und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts.
  5. Großhirn: Hier liegen die Verarbeitungszentren für Signale der Sinnesorgane, Sprache, Rechnen, Empfindungen und die Steuerung von Muskelbewegungen.

Das periphere Nervensystem (PNS)

Als peripheres Nervensystem werden all jene Nerven zusammengefasst, die nicht zum ZNS gehören. Die Hirnnerven verknüpfen unsere Sinnesorgane mit dem Gehirn und der Muskulatur im Kopf- und Rumpfbereich. Entsprechend der Reihenfolge, in der sie aus dem Gehirn austreten, werden sie mit römischen Zahlen nummeriert. Zu den Hirnnerven gehören beispielsweise unser Riechnerv (I. Hirnnerv; Nervus olfactorius), der Sehnerv (II. Hirnnerv; Nervus opticus) und unser Gesichtsnerv (VII. Hirnnerv; Nervus facialis). Rund die Hälfte der Hirnnerven sind sogenannte gemischte Nerven, d. h. sie enthalten sowohl motorische als auch sensorische Fasern. Die Spinalnerven sind ebenfalls gemischte Nerven. Sie bilden sich aus den Nervenwurzeln im Rückenmark und verzweigen sich nach ihrem Austritt aus dem Wirbelkanal in 3-4 Äste, um verschiedene Körperbereiche versorgen zu können. Der vordere Ast z. B. versorgt die Arme und Beine.

Um sensorische Informationen zu übertragen und Körperfunktionen sowie Reaktionen zu koordinieren, arbeiten unser peripheres und zentrales Nervensystem als perfektes Team zusammen. Nicht immer wird dabei das Gehirn involviert. Bei Reflexen wie z. B. dem Kniesehnenreflex erfolgt die Reaktion unmittelbar über das Rückenmark.

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Das somatische und vegetative Nervensystem

Viele der Funktionen, die unser Nervensystem übernimmt, können wir bewusst steuern. Auf manches haben wir allerdings keinen Einfluss. Sowohl bei bewussten als auch bei unbewussten Reaktionen spielen die Sinneszellen als Übermittler der Informationen eine zentrale Rolle. Denn sie nehmen Sinnesreize (Sehen, Hören, Riechen usw.) aus der Umwelt wahr und leiten sie über das periphere Nervensystem an unser Gehirn. Abhängig vom Sinnesreiz werden verschiedene Arten von Rezeptoren erregt. Im Gehirn angekommen wird der Sinnesreiz dann schließlich mit übergeordneten Hirnprozessen wie z. B. Erinnerungen verknüpft und bewertet.

Je nachdem, ob unser Körper Reize der Umwelt verarbeitet oder Körperfunktionen im Inneren koordiniert, unterscheidet man zwischen somatischem (willkürlichem) Nervensystem und vegetativem (unwillkürlichem) Nervensystem.

Das somatische Nervensystem

Das somatische (willkürliche) Nervensystem steuert die Motorik der Skelettmuskulatur und damit alle bewussten, willentlichen Körperreaktionen und Reflexe, die als Reaktion auf unsere Umwelt erfolgen. Wenn wir also im Sommer nach draußen gehen und realisieren, dass es uns zu hell ist, leiten die Sinneszellen der Augen die Information über sensorische Nervenfasern an das Gehirn weiter. Dort wird die Information dann zur Entscheidung umgewandelt, eine Sonnenbrille zu tragen - und der Befehl „Sonnenbrille aufsetzen“ wird über motorische Nervenfasern an die Hand weitergeleitet.

Das vegetative Nervensystem

Im Gegensatz zum somatischen Nervensystem haben wir über das vegetative Nervensystem keinerlei Kontrolle. Die Tatsache, dass wir es nicht beeinflussen können, bedeutet aber nicht, dass es weniger wichtig für uns ist. Im Gegenteil: Das vegetative Nervensystem innerviert unser Herz, die Gefäße sowie Drüsen und die glatte Muskulatur der Eingeweide und steuert so sämtliche „Vitalfunktionen“ (u. a. Atmung, Verdauung, Stoffwechsel). Wenn sich beim Sport unser Puls erhöht und wir zu schwitzen beginnen, verdanken wir das der Arbeit des vegetativen Nervensystems. Darüber hinaus beeinflusst das vegetative Nervensystem auch einzelne Organe und Muskeln, darunter unsere Sexualorgane oder den inneren Augenmuskel, der u.a. für die Pupillenreaktion zuständig ist.

Das vegetative Nervensystem besteht aus drei Teilen:

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  1. Sympathikus
  2. Parasympathikus
  3. Enterisches Nervensystem

Diese werden durch übergeordnete Schaltzentren im verlängerten Rückenmark und Hypothalamus reguliert.

Sympathikus und Parasympathikus: Das Zusammenspiel

Sympathikus und Parasympathikus werden oft als Gegenspieler bzw. Antagonisten bezeichnet. Dabei wirkt der Sympathikus erregend bzw. leistungssteigernd (ergotrop) auf die Organfunktionen und versetzt unseren gesamten Körper in eine „Stresssituation“, den sogenannten „fight-or-flight“ Modus. In der Folge weiten sich die Pupillen, der Herzschlag und die Atmung werden beschleunigt, Energie wird freigesetzt. Vorgänge, die für eine sofortige Aktivität nicht so wichtig sind (z. B. Verdauung), werden hingegen gehemmt. So ist unser Körper bereit, Höchstleistungen zu vollbringen. Reize, die den Sympathikus aktivieren (sogenannte Stressoren) können sowohl physischer (z. B. Lärm, Hitze) als auch psychischer Natur sein.

Anatomisch hat der Sympathikus seinen Ursprung in den Nervenzellkörpern des Rückenmarks, deren Nervenfasern zwischen den Brust- und Lendenwirbeln aus dem Wirbelkanal austreten und sogenannte Ganglien (Ansammlungen von Nervenzellkörpern) bilden. Diese verbinden sich an beiden Seiten der Wirbelsäule zu einem perlschnurartigen sogenannten Grenzstrang aus, über den die Nervenfasersysteme in Verbindung stehen.

Als „Gegenspieler“ des Sympathikus ist der Parasympathikus der Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Ruhe -und Regenerationsphasen („rest-and-digest“) verantwortlich ist und das innere Gleichgewicht wiederherstellt. Um dies zu erreichen, beginnt der Parasympathikus nach der Aktivierung des Sympathikus dadurch gegenzusteuern, dass er beispielsweise die Herzfrequenz senkt, die Pupillen verengt und den Stoffwechsel zum Aufbau von Reserven steigert. Gleichzeitig aktiviert der Parasympathikus die Tätigkeit des Verdauungssystems. Die Nerven des Parasympathikus haben ihren Ursprung im Hirnstamm und dem zum Kreuzbein gehörigen Bereich des Rückenmarks. Anders als im Sympathikus liegen die Ganglien des Parasympathikus aber nicht neben der Wirbelsäule, sondern dicht bei den versorgten Organen.

Akuter vs. chronischer Stress

Akuter Stress ist eine natürliche, zeitlich begrenzte Reaktion des Sympathikus, um uns in Situationen, in denen wir gefordert sind, aufmerksamer und leistungsfähiger zu machen. In Urzeiten diente akuter Stress z.B. der Flucht vor einem wilden Tier oder der Jagd. Und auch heute kann akuter Stress helfen, Herausforderungen zu meistern. Wird der Organismus jedoch in eine Art „Daueralarm-Zustand“ versetzt und der Parasympathikus kann nicht bzw. nur wenig zu Regenerationszwecken eingreifen, wird die Gesundheit früher oder später negativ beeinflusst. Denn chronischer Stress zehrt sowohl an den körperlichen als auch psychischen Reserven. Wer sich dauernd gestresst fühlt, tut daher gut daran, belastende Auslöser zu finden und diese nach Möglichkeit auszuschalten.

Das enterische Nervensystem

Das enterische Nervensystem ist der dritte Bereich des vegetativen Nervensystems, der als Geflecht von Nervenzellen den Verdauungstrakt durchzieht. Interessanterweise steuert das enterische Nervensystem nicht nur Verdauungsprozesse, sondern hat auch einen Einfluss auf unsere Gefühlswelt und unser Wohlbefinden. Umgekehrt scheinen aber auch Veränderungen im Magen-Darm-Trakt Auswirkungen auf Emotionen zu haben. Forschungsarbeiten der letzten Jahre deuten darauf hin, dass die Zusammensetzung der Darmflora hier eine Rolle spielt.

Sensorische Neuronen im Detail

Sensorische Neuronen sind spezialisierte Nervenzellen, die sensorische Informationen, wie Licht, Geräusche und Berührungen, von den Sinnesorganen an das zentrale Nervensystem leiten. Diese Nervenzellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Umgebung und der Koordination von Reaktionen darauf. Die vom Nervensystem gesammelten Informationen werden dann in elektrische Impulse umgewandelt und über Nervenfasern mit einer Geschwindigkeit von rund 400 km/h an das Gehirn weitergeleitet. Dort werden sie schließlich verarbeitet und gespeichert. Auf diese Weise werden nicht nur Bewegungsabläufe und die Funktion unserer Organe gesteuert.

Aufbau und Funktion sensorischer Neuronen

Der grundlegende Aufbau eines sensorischen Neurons umfasst mehrere spezifische Komponenten:

  • Dendriten: Diese verzweigten Fortsätze empfangen Signale von der Umgebung oder von anderen Zellen. Sie sind der erste Kontaktpunkt, an dem sensorische Reize erkannt werden.
  • Soma (Zellkörper): Enthält den Zellkern und ist verantwortlich für die metabolischen Funktionen der Zelle.
  • Axon: Diese lange Nervenfaser leitet elektrische Impulse vom Soma zu den Zielzellen, beispielsweise dem Rückenmark oder dem Gehirn.
  • Synapsen: Die Verbindungen, an denen der Impuls von einem Neuron auf ein anderes übertragen wird oder eine Reaktion, wie eine Muskelkontraktion, ausgelöst wird.

Die Fähigkeit, Impulse effizient weiterzuleiten, beruht auf der stromlinienförmigen Organisation dieser Strukturen, um möglichst zügig und präzise Informationen zu verarbeiten. Die Effizienz von sensorischen Neuronen kann durch Myelin verbessert werden, eine isolierende Schicht, die das Axon umgibt und die Geschwindigkeit der Impulsleitung erhöht.

Spezialisierung sensorischer Neuronen

Ein bemerkenswertes Detail über sensorische Neuronen ist ihre hohe Spezialisierung. Es gibt verschiedene Arten sensorischer Neuronen, die für unterschiedliche Reize zuständig sind. Zum Beispiel:

  • Mechanorezeptoren: Diese reagieren auf mechanische Reize wie Druck oder Vibration.
  • Thermorezeptoren: Diese sind für die Wahrnehmung von Temperaturunterschieden zuständig.
  • Nozizeptoren: Diese erkennen gewebeschädigende Reize und sind entscheidend für die Schmerzempfindung.
  • Photorezeptoren: In der Netzhaut des Auges angesiedelt, sind sie für die Wahrnehmung von Licht verantwortlich.

Jede dieser Kategorien ist hochspezialisiert und spielt eine unverzichtbare Rolle in der sensorischen Wahrnehmung, indem sie spezifische Reize unterschiedlich verarbeitet.

Reizwahrnehmung und -weiterleitung

Die Hauptfunktion von sensorischen Neuronen ist die Reizwahrnehmung und Weiterleitung dieser Reize an das zentrale Nervensystem. Sobald ein sensorisches Neuron aktiviert wird, überträgt es die Information als elektrisches Signal. Diese Signale werden zum Gehirn oder Rückenmark geleitet, wo sie verarbeitet und interpretiert werden, damit Du bewusst auf die Reize reagieren kannst.

Sensorische Neuronen sind oft spezialisiert auf verschiedene Arten von Reizen. Sie lassen sich nach ihrer spezifischen Funktion und dem Reiztyp klassifizieren:

TypReiz
MechanorezeptorenDruck, Vibration
ThermorezeptorenTemperaturänderungen
NozizeptorenSchmerz
PhotorezeptorenLicht

Diese Spezialisierung ermöglicht es dem Körper, präzise und differenzierte sensorische Erfahrungen zu machen.

Neuronale Plastizität

Ein faszinierender Aspekt der sensorischen Neuronen ist die neuronale Plastizität. Dies ist die Fähigkeit der neuronalen Netze, sich an vorübergehende oder dauerhafte Veränderungen anzupassen. Bei kontinuierlicher Stimulation können sensorische Neuronen ihre Sensitivität anpassen. Zum Beispiel kann das wiederholte Training motorischer Fähigkeiten wie beim Klavierspielen die sensorische Plastizität fördern, was zu einer verbesserten motorischen Kontrolle und feineren Reaktionsfähigkeiten führt. Diese Anpassung ist nicht nur für Lernprozesse wichtig, sondern auch für die Regeneration und Anpassungsfähigkeit nach Nervenschäden.

Sensorische Neuronen und Immunprozesse

Die sensorischen Neuronen sind aber nicht nur für die Sinneswahrnehmungen zuständig, sondern können auch direkt im Gewebe auf Reize reagieren und über Botenstoffe - sogenannte Neuropeptide - Gewebe- und Immunprozesse regulieren. Dadurch spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Krankheitserregern und allergischen Prozessen und beeinflussen die Wundheilung. Gleichzeitig werden die Nervenzellen ihrerseits durch Zytokine aktiviert und sensibilisiert.

Sensorische Neuronen in Ingenieurwissenschaften und Technologie

Sensorische Neuronen spielen nicht nur im biologischen Bereich eine wichtige Rolle, sondern auch in den Ingenieurwissenschaften. Ihre Konzepte und Funktionen dienen häufig als Quelle der Inspiration für Technologien und Systeme, die in der Technik zum Einsatz kommen.

Anwendungen in der Robotik

In der Robotik wird das Konzept der sensorischen Neuronen verwendet, um autonome Systeme zu entwickeln, die auf Umgebungsreize reagieren können. Diese Systeme nutzen Sensoren, die ähnlich wie sensorische Neuronen funktionieren, um eine Umgebung wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Einige Anwendungen in der Robotik umfassen:

  • Tastsensoren: Ermöglichen Robotern, Oberflächen und Texturen zu erkennen. Diese Tastsensoren arbeiten ähnlich wie Mechanorezeptoren in der menschlichen Haut.
  • Lichtsensoren: Diese helfen Robotern, ihre Position relativ zu Lichtquellen zu bestimmen und sind vergleichbar mit Photorezeptoren.
  • Temperatursensoren: Diese Sensoren lassen Roboter Temperaturunterschiede spüren und darauf reagieren.

Ein interessanter Aspekt ist der Einsatz von künstlichen neuronalen Netzwerken (KNN) in der Robotik, die auf dem biologischen Neuronenmodell basieren. KNNs nutzen die Prinzipien der sensorischen Neuronen, um maschinelles Lernen zu ermöglichen. Ein KNN besteht aus einer Schicht von Neuronen, die Informationen analog zu biologischen Neuronen verarbeiten. Bei entsprechender Ausbildung können KNNs Muster erkennen und Entscheidungen treffen, ähnlich wie das menschliche Gehirn.

Ein praktisches Beispiel sind smarte Prothesen. Diese integrieren Sensoren, welche die Funktionen von sensorischen Neuronen nachahmen. Dadurch können die Prothesen, ähnlich einem natürlichen Körperglied, Informationen über Druck, Temperatur und Position weitergeben, was die Bewegungssteuerung erleichtert.

Verarbeitung und Analyse von Daten

Auch bei der Datenverarbeitung und Analyse sind sensorische Neuronen leitend. Ingenieure nutzen ihre Prinzipien, um Datenströmungsmodelle zu entwickeln, die effizient und präzise Informationen verarbeiten. Dies ist besonders nützlich in Bereichen wie:

  • Bildgebungsanalyse: Gleichsam wie Menschen mit Hilfe von Photorezeptoren visuelle Daten verarbeiten, nutzen Computersysteme Modelle von sensorischen Neuronen, um Bilder zu analysieren.
  • Signalverarbeitung: Systeme, die Audiosignale filtern, nutzen die Struktur von Neuronen zur effektiveren Analyse von Datenströmen.

In der Signalverarbeitung basieren fortgeschrittene Filteralgorithmen auf der Funktionsweise interner neuronaler Netzwerke, um Störgeräusche effizienter zu eliminieren.

Ein Beispiel für Datenanwendungen ist die Echtzeit-Überwachung von Verkehrssystemen. Sensoren in den Straßen sammeln kontinuierlich Daten über Fahrzeuge, die dann analysiert werden, um Verkehrsflüsse zu optimieren.

Innovationen durch sensorische Neuronen in der Technologie

Die Prinzipien der sensorischen Neuronen fördern Innovationen in verschiedenen technologischen Bereichen. Wichtige Fortschritte umfassen:

  • Künstliche Intelligenz: Algorithmen nutzen das neuronale Modell, um maschinelles Lernen zu verbessern und autonomes Verhalten zu steuern.
  • Wearable Technology: Integriert sensorische Funktionen, um biosensorische Daten für Gesundheit und Fitness zu erfassen.
  • Automatisierte Überwachungssysteme: Verwenden Sensoren, um Echtzeitinformationen über Umweltveränderungen zu sammeln.

Ein Beispiel sind smarte Textilien, die mit Sensorik ausgestattet sind, um Bewegungen zu überwachen und Gesundheitsdaten in Echtzeit bereitzustellen.

Herausforderungen in der Anwendung sensorischer Neuronen

Obwohl sensorische Neuronen vielversprechend sind, stehen technologische Anwendungen vor einigen Herausforderungen:

  • Genauigkeit und Zuverlässigkeit: Sensoren müssen präzise sein, um verlässliche Daten zu liefern.
  • Integration und Komplexität: Die umfassende Integration in bestehende Systeme kann komplex sein und erfordert umfangreiche Anpassungen.
  • Kosten: Die Entwicklung und Implementierung hochentwickelter Systeme kann kostspielig sein.

Ein besonderes Problem ist die Kalibrierung der Sensoren. Ungenaue Sensoren können zu falschen Daten führen, die die Ergebnisse der Prozesse beeinflussen können.

Die Bedeutung des Nervensystems für die Gesundheit

Im Laufe unseres Lebens wird unsere Immunabwehr schwächer, Verletzungen heilen langsamer oder unvollständig, chronische Schmerzen und Juckreiz-Empfindungen nehmen im Alter zu und beeinträchtigen die Lebensqualität. Zudem erschweren Störungen der peripheren Nerven die Wahrnehmung des Körpers im Raum und führen zu Gangunsicherheiten und einem erhöhten Sturzrisiko. Es wird vermutet, dass es sich nicht um ein unvermeidliches Phänomen gealterter Nerven handelt, sondern um die Folge einer chronischen Entzündung.

Forschung und zukünftige Strategien

Aktuelle Forschung konzentriert sich darauf, wie sich im Alter der Austausch zwischen sensorischen Nervenzellen und den Botenstoffen in ihrer unmittelbaren Umgebung ändert. Ziel ist es, die altersbedingten Veränderungen bei der Reizerkennung und Reizreaktion in sensorischen Nervenzellen genau zu beschreiben und zu entschlüsseln, ob Immunzellen eine aktive Rolle bei diesem Prozess einnehmen. Es wird untersucht, wie die Erregbarkeit der sensorischen Neuronen und die Freisetzung der Neuropeptide durch das Alter beeinflusst wird und wie sich die bidirektionale Kommunikation zwischen Sinnes- und Immunzellen wandelt.

Ziel der Untersuchungen ist es herauszufinden, welche Immunzellen und im Detail welche Botenstoffe genau die alterstypischen Reaktionen der sensorischen Nervenzellen beeinflussen. Wenn dies bekannt ist, können erstmals Zielstrukturen identifiziert und Strategien entwickelt werden, um die Funktion der sensorischen Neuronen während des Alterns zu erhalten.

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